Lebensdaten
erwähnt 862, gestorben zwischen 906 und 909
Sterbeort
wohl Kloster Andlau (Elsaß)
Beruf/Funktion
Kaiserin ; Stifterin von Andlau
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 119359138 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Richarda
  • Richardis
  • Richardis die Heilige
  • mehr

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Zitierweise

Richgard, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119359138.html [20.03.2019].

CC0

  • Genealogie

    Aus d. Geschl. d. sog. Erchangare;
    V Erchanger, Gf. im Elsaß;
    M N. N.;
    861/62 Karl (839–88), seit 881 Ks. Karl III. (s. NDB XI); kinderlos.

  • Leben

    Zweck der 861/62 geschlossenen Verbindung zwischen R. und Karl, dem damaligen, rector' im Breisgau und späteren Ks. Karl III., war es vermutlich, das Elsaß politisch stärker an den Breisgau und das ostfränk. Reich anzubinden. In diesem Sinne erfolgte auch eine Ausstattung R.s mit breisgau. Besitz in Bergen, Endingen, Bahlingen und Sexau als Morgengabe durch Karls Vater. Zudem erhielt sie später von ihrem Gemahl die Klöster St. Marinus in Pavia, Säckingen, Zürich (St. Felix u. Regula) und Zurzach. R. selbst stiftete darüber hinaus auf ihrem väterlichen Erbgut um 880 das Kloster Andlau, so daß in der Forschung von einem „alemann. Kloster-Imperium“ (A. Borst) in R.s Hand gesprochen wurde. Andlau wurde von R. reich ausgestattet, u. a. unterstellte sie ihrer Stiftung die Klöster Bonmoutier und Etival, die sie ebenfalls von ihrem Gemahl erhalten hatte. Sie tradierte Andlau schließlich 881 der röm. Kirche, wohl anläßlich der Kaiserkrönung in Rom.

    R.s Ehe mit Karl III. blieb kinderlos. Nach einem Bericht Reginos von Prüm wurde R. kurz vor dem Sturz des Kaisers 887 des Ehebruchs mit Karls einflußreichem und mächtigem Erzkanzler, Bf. Liutward von Vercelli, beschuldigt. Karl soll bei dem anschließenden Prozeß öffentlich erklärt haben, daß er die Ehe mit seiner Gemahlin nie vollzogen habe. R. bestätigte dies dem Bericht Reginos zufolge und sagte überdies aus, sie sei noch nie von einem Mann berührt worden; auch war sie bereit, sich zum Beweis ihrer Unschuld einem sog. Gottesurteil zu unterziehen. Daß die anschließende Annullierung der Ehe R.s mit Karl III. erfolgte, um dem Kaiser eine neue Ehe und somit legitime Erben zu ermöglichen, wie vereinzelt behauptet wurde, erscheint jedoch unwahrscheinlich (Hlawitschka).

    R. zog sich für den Rest ihres Lebens in ihre Stiftung Andlau zurück.|

  • Auszeichnungen

    Im Elsaß wird sie als Heilige verehrt (Fest am 18. Sept.); Papst Leo IX. erhob 1049 ihre Gebeine.

  • Literatur

    ADB 28;
    H. Büttner, Gesch. d. Elsaß I, Ausgew. Btrr. z. Gesch. d. Elsaß im Früh- u. HochMA, 1991, darin bes. ders., Ksn. R. u. d. Abtei Andlau, S. 295-301;
    M. Borgolte, Karl III. u. Neudingen, in: ZGORh 125, 1977, S. 36-39;
    ders., Die Gesch. d. Grafengewalt im Elsaß, ebd. 131, 1983, S. 25-35;
    ders., Die Grafen Alemanniens in merowing. u. karoling. Zeit, 1986, S. 106 ff.;
    A. Borst, Die Pfalz Bodman, in: H. Berner (Hg.), Bodman I, 1977, S. 200;
    E. Hlawitschka, Nachfolgeprojekte aus d. Spätzeit Karls III., in: DA 34, 1978, S. 19-50;
    D. Geuenich, Zurzach, ein frühma. Doppelkloster?, in: FS f. B. Schwineköper, hg. v. H. Maurer u. H. Patze, 1982, S. 37-43;
    ders., Richkart, ancilla dei de caenobio Sancti Stephani, in: FS f. E. Hlawitschka, hg. v. K. R. Schnith u. R. Pauler, 1993, S. 97-109;
    J. Fried, Der Weg in d. Gesch., 1998;
    F. Legl, Studien z. Gesch. d. Grafen v. Dagsburg-Egisheim, 1998;
    R. Schieffer, Die Karolinger, 32000;
    Helvetia Sacra III/1, 1, 1986, S. 335 f., 356 f., III/1, 3, 1986, S. 1996;
    Lex. MA;
    NDBA;
    LThK3;
    BBKL. |

  • Quellen

    Qu 1, Das Verbrüderungsbuch d. Abtei Reichenau, S. 279; Reginonis abbatis Prumiensis chronicon, ed. F. Kurze, , 1890, S. 127; , Die Urkk. d. dt. Karolinger II, 1936/37 u. IV, 1960; A. Bruckner, Regesta Alsatiae I, 1949.

  • Portraits

    Lex. d. christl. Ikonographie VIII, 1976, Sp. 268.

  • Autor/in

    Frank Legl
  • Empfohlene Zitierweise

    Legl, Frank, "Richgard" in: Neue Deutsche Biographie 21 (2003), S. 517 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119359138.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Richardis oder Richarda, die heilige, die Tochter des im Elsaß reichbegüterten Grafen Erchanger, wurde im I. 862 mit Karl, dem jüngsten und schwächlichsten Sohne Ludwig's des Deutschen vermählt. Ueber ihre Jugend und ihre Erziehung wissen wir Nichts. Auch aus der Zeit ihrer fünfundzwanzigjährigen Ehe sind die Nachrichten verhältnißmäßig dürftig, doch gewinnt man immerhin aus ihnen den Eindruck, daß sie auf ihren Gemahl einen nicht unbedeutenden Einstuß geübt, daß sie aber zugleich auch an seiner Seite das häusliche Glück nicht gefunden habe. Nur um so entschiedener wird sich in ihr die Neigung zu einem beschaulichen gottgeweihten Leben verstärkt haben. Nahezu alle Urkunden, die sie erwähnen, zeigen uns R. in Verbindung mit Klöstern und andern frommen Stiftungen. Karl III. schenkte ihr das Stift Seckingen, das prächtig gebaute Kloster St. Felix und Regula zu Zürich, ferner die Klöster S. Martino in Pavia und Zurzach, und ebenso freigebig erwies er sich gegen ihre Hauptstistung in ihrer Heimath, gegen die elsässische Abtei Andlau, welche R. auf ihrem väterlichen Erbgute im Anschluß an die Erlöserkirche zu Eleon im I. 880 gegründet zu haben scheint. Eben diese Abtei Andlau stellt R. unter den besondern Schutz des Papstes mit der Verpflichtung, einen jährlichen Zins an die päpstliche Kammer zu liefern, als wir sie zum ersten Male auf dem großen politischen Schauplatz sehen. Mit ihrem Gemahl ist sie über die Alpen gezogen und im Februar 881 empfängt sie zu Rom mit ihm aus der Hand Johann's VIII. die kaiserliche Krone. R. scheint allen ihren Einfluß aufgeboten zu haben, den energielosen Kaiser zur Unterstützung des bedrängten apostolischen Stuhles zu bewegen, wenigstens dankt ihr und dem Erzkanzler, dem Bischof Liutward, der Papst für ihre bezüglichen Mühewaltungen. Wie oft sie noch mit dem Kaiser nach Italien gegangen, läßt sich mit Sicherheit nicht feststellen, wie mir scheint, im Ganzen wenigstens drei Mal. In Gemeinschaft mit dem allmächtigen Günstling des Kaisers, dem Erzkanzler Liutward, wird sie noch wiederholt in Urkunden als Fürbitterin genannt. Es ist dies der äußere Ausdruck einer gewissen Verbindung der Beiden, welche wohl darauf zielte, dem schwankenden, immer leidenden Kaiser, welcher der großen ihm zugefallenen Rolle, die Erbschaft Karl's des Großen zu verwalten, nicht im mindesten gewachsen war, Halt und Festigkeit zu verleihen. Aber diese Gemeinsamkeit der Interessen verwickelte R. auch in den Sturz Liutward's. den der allgemeine Haß der schwäbischen Großen auf dem Tage zu Kirchen im Juni 887 zu Fall brachte. Verleumdung befleckte ihre Frauenehre und gab den Anstoß, daß R. nach Lösung ihrer Ehe sich aus der Welt in ihr Kloster Andlau zurückzog. Sie soll, nachdem sie und ihr Gemahl öffentlich erklärt hatten, daß sie sich während ihrer Ehe niemals berührt hätten, zum Beweis ihrer Unschuld sich erboten haben, dem Gottesurtheil des Zweikampfes oder des glühenden Eisens sich zu unterwerfen. Die Sage, welche sich des merkwürdigen Stoffes später bemächtigte, hat sie dann wirklich die Feuerprobe glänzend bestehen, auch eine Pilgerfahrt nach Jerusalem antreten lassen. Die wenigen letzten Jahre ihres Lebens verbrachte R. in Andlau, dessen Statuten im Jahre 892 oder 893 auf ihre Veranlassung aufgezeichnet wurden. Das Jahr ihres Todes steht nicht fest, als ihr Todestag ist der 18. September überliefert. Auf seiner Reise durch das Elsaß im November 1049 hat später Papst Leo IX., als er nach Andlau kam und die dort neu erbaute Kirche weihte, die Gebeine der heiligen Richardis erhoben und sie in den Neubau übertragen lassen.

    • Literatur

      Die Hauptquelle für die Geschichte der Kaiserin Richardis ist die Chronik des Abtes Regino von Prüm. Die Legeuda s. Richardis, abgedruckt bei Grandidier, Hist. de l'égl. de Strasbourg II, CCCX, geht auf Hermann's von Reichenau Angaben zurück. Vgl. Dümmler, Gesch. d. Ostfränk. Reichs III passim. Eine unkritische neuere Bearbeitung des Stoffs gibt das Buch von Ch. Doharbe, S. Richarde, Paris 1874.

  • Autor/in

    W. Wiegand.
  • Empfohlene Zitierweise

    Wiegand, Wilhelm, "Richgard" in: Allgemeine Deutsche Biographie 28 (1889), S. 420-421 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119359138.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA