Lebensdaten
erwähnt 1478, gestorben 1505
Beruf/Funktion
Landeshauptmann der Steiermark ; Politiker
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 138449996 | OGND | VIAF: 89989610
Namensvarianten
  • Reichenburg, Reinprecht von

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Zitierweise

Reichenburg, Reinprecht von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd138449996.html [05.12.2021].

CC0

  • Leben

    Reichenburg: Reinprecht v. R., Landstand und Landeshauptmann der Steiermark, k. Pfleger des Schlosses Graz, Hofmarschall und Feldhauptmann, 1505. Er stammte von einem ritterlichen Ministerialengeschlechte des Salzburger Hochstiftes ab, zu dessen bedeutenden Gütern in der Steiermark auch die Herrschaft Reichenburg an der Save zählte. Letztere war schließlich ein Besitz der in ganz Innerösterreich reich begüterten Walseer geworden und überging schließlich durch Ankauf an die Reichenburger (1478), welche wir auch in dem benachbarten Rann, in Drachenburg und Reichenstein begütert finden. Urkundlich taucht dies Geschlecht bereits um 1190 (Reinprecht und Heinrich v. R.) auf. Die historische Rolle unseres Reinprecht, dessen Vorfahren in landesfürstlichen Diensten, so als Hauptleute des wichtigen Grenzplatzes Rann vorkommen, knüpft sich an das Jahr 1475. Er erscheint da auf dem Marburger Generallandtage der Steirer, Kärntner und Krainer vom April d. J. zum Feldhauptmann der Steiermark bestellt, und ihm sein nächster Verwandter, Jörg der ältere, Christoph Saurer, Wilhelm Gerstl und Andrä Narringer als Kriegsrath beigegeben. Es handelte sich um ein gemeines Aufgebot. Als Maximilian I. in die Niederlande abging, finden wir R. bald als Marschall an seiner Seite. Seine bedeutendste Thätigkeit begann jedoch in den Jahren der schlimmsten Heimsuchung Innerösterreichs, als die Ungarn (s. 1479/80) in Steiermark und Kärnten die Rolle der Herrn spielten und Niederösterreich, endlich auch Wien (1485) die Beute ihrer Eroberung wurde. Der bedauerliche Mißgriff Kaiser Friedrich's III., den 1476 zu ihm sich flüchtenden Graner Primas Johannes (Bekensloer) dem Salzburger Erzstifte aufzudrängen (1479—91), hatte nicht wenig zu diesen Verwicklungen beigetragen. Als Erzbischof Johannes 1485 als Vollmachtträger des Kaisers in die Steiermark abging, konnte er|nichts ausrichten, mußte sich nach Salzburg zurückziehen und die beiden Habsburger Kaiser Friedrich III. und Maximilian I. forderten nun R. auf, die Landeshauptmannschaft der Steiermark zu übernehmen, was er mit aller Rührigkeit that. Er rückte mit dem Aufgebote gegen Judenburg, in welcher Gegend der Kampf mit den Ungarischen tobte und that den Ungarn, in deren Gebiet er einbrach, manchen Schaden. 1486 setzte er sich mit dem k. Hauptmann Wolfersdorfer in Verbindung, erfocht bei Neumarkt, an der steiermärkisch-kärntnischen Grenze einen Sieg über die Gegner und gedachte in das Lavantthal vor Lavamünd zu ziehen. Soldmangel nöthigten ihn, sich zum Kaiser zu begeben und er brachte tröstliche Versprechungen eines baldigen Zuzuges Kaiser Maximilian's mit, der aber leider unterblieb. Als dann Wiener-Neustadt, vom tapfern Wolfersdorfer gegen die Ungarn zähe vertheidigt, Noth an Verpflegung litt, wurde R. zur „Speisung“ Wiener-Neustadts beordert und entledigte sich mit Erfolg seiner Aufgabe, indem er 40 Wagen mit Eßvorräthen und an 100 Ochsen glücklich in die bedrängte Festungsstadt schaffte und den Weg an den kaiserlichen Hof fand. Seine Abwesenheit aus der Steiermark wurde schmerzlich empfunden. Dann zog er mit seinem Sohne Hanns, mit dem Hauptmannn Slezak (Sleschiak) und mit Jörg Murer vor Lavamünd. Er wurde jedoch von der Belagerung dieser Burgstadt durch die Kunde abberufen, daß Fohnsdorf, bei Judenburg, von den Ungarn überrumpelt worden sei. R. eilte nun mit dem Aufgebote der Steiermärker dahin und brachte das Schloß wieder in seine Hand. Alle seine redlichen Bemühungen, die auch die Erhaltung des wichtigen Grenzortes Negau bezweckten, scheiterten jedoch an dem Soldmangel und an der hierdurch erweckten Unbotmäßigkeit der Miethtruppen. R. begab sich deshalb an das k. Hoflager zu Innsbruck (Fasten 1488), mußte aber bald an der Seite Friedrich's III. den Heereszug in die Niederlande zur Errettung des in Brügge gefangenen Kaisers Max I. und zur Züchtigung der rebellischen Niederländer mitmachen. Als dann der Tod König Mathias' von Ungarn (6. April 1490) die Rückeroberung der österreichischen Länder herbeiführte, und König Max sich um den ungarischen Thron bewarb, ging R. nach Ungarn mit einer Botschaft ab, durch welche dessen Stände zur Anerkennung der habsburgischen Ansprüche aufgefordert werden sollten. 1494 wurde dem verdienten Manne die Hauptmannschaft in Steier mit einer Besoldung von 500 Pfd. Pfennigen und die pflegeweise Hut des Grazer Schlosses übertragen. Als Landeshauptmann und k. Rath schlichtete er (Februar 1497) den Streit zwischen dem Stifte Seckau und dem kärntnerischen Truchsesse Wolfgang v. Kreig in Besitzangelegenheiten. Eine seiner letzten Amtshandlungen war seine Bestellung als einer der k. Vollmachtsträger König Maximilian's I. an die steiermärkische Landschaft um Geldmittel wider die Türken und für den Romzug Maximilian's. Er starb 1505 auf einer Reise nach Salzburg.

    • Literatur

      Unrest, Oesterreichische Chronik, hrsg. A. v. Hahn, Collectio monumentorum o. oe. I. — Muchar, Gesch. des Herz. Stm. VIII. Bd. — Krones, Vorarb. zur Quellenkunde und Geschichte des mittelalt. Landtagswesens der Steiermark in den Beitr. z. K. stm. G.-Q. 2, 3, 6, 7.

  • Autor/in

    Krones.
  • Empfohlene Zitierweise

    Krones, Franz von, "Reichenburg, Reinprecht von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 27 (1888), S. 674-675 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd138449996.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA