Lebensdaten
unbekannt
Beruf/Funktion
Verleger ; Buchhändler ; Bankiers
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 120506025 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Metzler

Quellen(nachweise)

Verknüpfungen

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Zitierweise

Metzler, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd120506025.html [16.10.2019].

CC0

  • Leben

    Die Familie stammt aus Sachsen. Samuel (1607–81) wurde 1637 Pfarrer in Cranzahl b. Annaberg. Sein Sohn August (1654–1713) war der erste im Buchgeschäft tätige Vertreter der Familie (s. u.), dessen Bruder Benjamin (1650–86) wurde der Vorfahr der Bankiers (s. u.).

    Die Verleger und Buchhändler

    August erhielt 1682 nach seiner Buchhändlerausbildung das Bürgerrecht in Stuttgart, wo er nach dem Tod von J. P. Zubrod 1690 in dessen Firma als Teilhaber eintrat, die er spätestens 1692 ganz übernahm. Die vergleichsweise bescheidene Verlagsproduktion konzentrierte sich auf theologische und erbauliche Schriften und Schulbücher sowie historische, juristische und medizinische Schriften von Tübinger Universitätsgelehrten. Der frühe württ. staatsfromme Pietismus hat in M. seinen wichtigsten Verleger gefunden. Dieser gab Predigten, Gebet- und Gesangbücher und 1710 das erste württ. Choralbuch, das „Neubezogene Davidische Harpfen- und Psalterspiel“, heraus, insbesondere dann auch 1704 die Bibelausgabe im Auftrag des Konsistoriums. Auch radikalpietistisches Schrifttum gehörte zu seinen Verlagserzeugnissen.

    Johann Benediktd. Ä. (1696-1754), der älteste Sohn von August, absolvierte seine Lehre 1713-16 bei J. F. Bielcke in Jena. Der Verlag wurde 1713-18 von Christoph Erhard geleitet. 1718 erhielt der Verlag die Privilegierung durch den Herzog. 1722-40 leitete Johann Benediktd. Ä. den Verlag gemeinsam mit Erhard, der anschließend die zweite Stuttgarter Buchhandlung gründete. 1730-34 wurde eine Filiale in Ludwigsburg eingerichtet. Weiterhin bildeten theologische Schriften den Schwerpunkt des Programms, darunter Werke der sog. „Schwabenväter“ F. C. Oetinger,|G. C. Rieger und vor allem J. A. Bengel. Außerdem erschienen landesgeschichtliche, juristische und pietistische Schriften, u. a. von J. J. Moser, aber auch Kalender, Schulbücher und anderes. G. E. Lessings erste Veröffentlichungen, „Der Eremite“ (1749), sein Gedichtband „Kleinigkeiten“ (1751) sowie die „Beyträge zur Historie und Aufnahme des Theaters“ (1750), erschienen in diesem Verlag.

    Unter Johann Benediktd. J. (1727-1796) spielte der Verlag eine wichtige Rolle im aufblühenden Geistesleben der Residenzstadt und des Herzogtums. Der Anteil der wissenschaftlich-theologischen und erbaulichen Literatur wurde reduziert. Allerdings erschienen weiterhin erfolgreiche Werke wie P. F. Hillers „Geistliches Liedkästlein“. In den Vordergrund traten nun aber – auch mit Zeitschriften – Land- und Forstwirtschaft, Jurisprudenz und Württembergica. Zu den wichtigen Verlagsautoren zählten neben J. J. Moser Professoren der Carlsschule, Ch. F. Schubart mit einer Klopstockanthologie, vor allem aber Friedrich Schiller. 1781 erschien die Erstausgabe der „Räuber“ (ohne Ortsangabe), der „Venuswagen“ und die „Anthologie auf das Jahr 1782“, 1782/83 wurde wohl auch das „Württ. Repertorium“ vertrieben. 1784 gründete Johann Benediktd. J. Stuttgarts erstes Lesekabinett, die spätere „Metzlersche Lesegesellschaft“.

    Die Leitung des Verlags ging 1795 durch die Heirat der ältesten Tochter von Johann Benediktd. J. , Friederica Augusta, an Christoph Heinrich Erhard (1756–1815) über. Dessen Sohn Heinrich (1796–1873) führte dann den Verlag zu seiner größten Blüte. Er gründete 1819 eine Buch- und Akzidenzdruckerei. Wichtige Autoren waren Voß, Görres, Sealsfield und Scheffel. Neue Schwerpunkte wurden klassische Altertumswissenschaften, Germanistik, Mathematik und Geodäsie. 1840 wurde der Verlag Gebr. Schumann in Zwickau übernommen. Unter der Leitung von Heinrich Erhards Schwiegersöhnen Leopold Werlitz (1815–1900) und Adolf Bonz (1824–77) wie unter des ersteren Söhnen Egon (1845–1915) und Arthur (1862–1942) stagnierte der Verlag, und die Druckerei trat in den Vordergrund. 1908 wurden Alfred (1882–1967) und Eugen Druckenmüller (* 1878) Gesellschafter. Als neuer Schwerpunkt kam Kunstgeschichte hinzu, Literaturwissenschaft trat verstärkt in den Vordergrund. 1950 wurde der C. E. Poeschel-Verlag angegliedert, im selben Jahr trat Hermann Leins (1899–1977) in den Verlag ein und wurde 1965 Alleininhaber. Die Literaturwissenschaft wurde weiter ausgebaut. Seit 1991 ist der Metzler-Verlag im Besitz der Verlagsgruppe Holtzbrinck.

    Die Bankiers

    Samuels Sohn Benjamin (1650–86) kam 1671 nach seiner Ausbildung in Nürnberg als junger Kaufmannsgehilfe nach Frankfurt/Main und fand dort in der Tuchhandlung von Sebastian Schweitzer eine Anstellung als Buchhalter. Durch Heirat erlangte er 1674 das Bürgerrecht und begann im selben Jahr mit dem Aufbau einer eigenen Textilgroßhandlung, die von seinen Söhnen und Enkeln fortgeführt wurde. Diese gingen schließlich zum lukrativeren Spezereihandel über. Seit 1706 firmierte das Unternehmen „Benjamin Metzler seel. Söhne“, seit 1744 mit dem Zusatz „& Co.“, womit auf die Konsorten der Inhaber hingewiesen wurde. In dieser Form besteht das Haus noch heute als Privatbank in Frankfurt/Main. Der Übergang zum Bankgeschäft entwickelte sich allmählich aus den seit etwa 1720 nachweisbaren Wechselengagements des vielseitigen Unternehmens, das seine Tätigkeit mit dem Zusatz „Spedition und Kommission“ zum Firmennamen umschrieb. Dazu gehörte beispielsweise auch der Schrottgroßhandel. Ein Sohn des Gründers, Johann Jeremias (1677–1743), wurde kurz vor seinem Tode Mitglied des Börsenvorstandes. 1734 war er in einen Bürgerausschuß zur Kontrolle des Rates der Reichsstadt gewählt worden und vertrat als Senior die Interessen der niederländ. Gemeinde Augsburger Konfession.

    Das Bankhaus begann um 1750 mit Geldgeschäften mit dem Fürsten Carl Philipp zu Hohenlohe. Seit 1760 vergab es Darlehen an die Grafen v. Schönborn und andere Kunden. Die Enkel des Gründers, u. a. Wilhelm Peter ( 1762), bauten in den 1730er Jahren in Bordeaux ein zweites Unternehmen auf und befaßten sich von dort aus mit dem Import von Kolonialwaren. Im Zusammenhang damit kam es zu engen geschäftlichen und schließlich auch familiären Verbindungen mit dem Bankhaus Gebr. Bethmann. Zeitweilig wurde die Frankfurter Firma von Bordeaux aus geleitet. Erst mit Friedrich (1749–1825), dem bedeutendsten Repräsentanten seiner Generation, wurden Anleihen an Fürsten und|Landstände zum Hauptinhalt der Geschäfte des Unternehmens. Gemeinsam mit den Bankhäusern J. J. Willemer und J. F. Gontard & Söhne finanzierte es insbesondere preuß. Kapitalaufnahmen. Die Liste der gewährten Anleihen umfaßt viele Namen von politischem Rang. Die Geschäfte mit Preußen brachten Friedrich den Titel eines Geh. Kommerzienrats ein. Mit dem gleichaltrigen Goethe war er von Jugend auf bekannt und empfing dessen Besuch 1814 auf seinem prächtigen Landsitz in Offenbach. Zu jener Zeit war sein Vetter Dr. Johann Wilhelm (1755–1837) Bürgermeister der Freien Stadt Frankfurt. Schon 1790 hatte er als Ratsherr das von Friedrich ausgearbeitete Projekt einer reichsstädtischen Notenbank im Verein mit den bedeutendsten Bankhäusern der Stadt vorgetragen, aber kein Verständnis dafür gefunden. Sein Sohn Gustav (1791–1842) war als Gutachter der Handelskammer tätig.

    In den Jahrzehnten des Vormärz führten vier Brüder gemeinsam das Bankhaus, darunter Johann Friedrich (1780–1864). Sie verzichteten auf das Anleihegeschäft und wandten sich dem privaten Kontokorrent- und Kreditverkehr zu, da es galt, die Kapitalien, die sich im Zuge der Zehntablösung ansammelten, sinnvoll zu verwalten, bis sie im Zeichen der einsetzenden Industrialisierung vor allem im Eisenbahnbau angelegt werden konnten. Der folgenden Generation gehörte Wilhelm Peter v. M. (preuß. Adel 1902, 1818-1904) an, der 1844 bei seinem Eintritt in die Geschäftsleitung Emma Lutteroth-Gontard (1827–80) heiratete. In deren Salon verkehrte gern der Bundestagsgesandte Otto v. Bismarck; noch 1866/67 versuchte sie – allerdings vergeblich –, die freundschaftliche Verbindung zugunsten der durch die hohen Kontributionen der preuß. Generäle aufgeschreckten Vaterstadt zu nutzen. Das Bankhaus hat in jenen Jahren den Effektenhandel und das Depotgeschäft systematisch ausgebaut und sich bewußt mit dem verstärkten Einsetzen der Industrialisierung nach 1871 zu dessen Gunsten aus dem Kontokorrentverkehr und der Kreditvergabe zurückgezogen. Es wurde seitdem als Privatbankhaus zur Verwaltung der ihm anvertrauten Vermögen und zur Geschäftsabwicklung für seine Kunden geführt.

    Albert v. M. (preuß. Adel 1901, 1839-1918), seit 1883 Teilhaber des Bankhauses, war 1881-1912 ehrenamtlicher Stadtrat, 1885-93 nationalliberaler Abgeordneter im Preuß. Landtag und seit 1904 Mitglied des Herrenhauses. Er hat sich auch als Förderer des Pferdesports und langjähriger Vorsitzender des Frankfurter Rennclubs einen Namen gemacht. Adolph (1812–83) widmete sein Leben der Botanik und hat als Spezialist der Kryptogamenkunde seit 1870 diese Sektion der Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft systematisch ausgebaut, geordnet und ihre Bestände an Farnen durch viele Schenkungen vermehrt. Die große und vielseitige Kunstsammlung seines Vetters Wilhelm Peter (s. o.) wurde nach dessen Tode versteigert. Die herrlichen Renaissance-Medaillen, eine kostbare Sammlung japan. Kunst und die einmaligen Objekte der Buch- und Schriftkunst gelangten 1904 in den Besitz des heutigen Museums für Kunsthandwerk in Frankfurt/Main. Dieses bedeutende Institut, das aus privater Initiative aufgebaut wurde und erst 1923 in städtischen Besitz überging, erhielt 1966 die von Wilhelm Peters Bruder Georg Friedrich (1806–89) 1851 erworbene ehemalige Villa Metzler als Domizil zugewiesen. Sie bildet heute mit dem 1985 eröffneten Neubau den östlichen Eckpfeiler des Frankfurter Museumsufers. Auch der 1860 als Teilhaber eingetretene Karl v. M. (preuß. Adel 1901, 1835-1922) hinterließ eine bedeutende Kunstsammlung, zu deren Aufbau ihn langjährige Aufenthalte in Italien und der Umgang mit zeitgenössischen Künstlern angeregt hatten. Der folgenden Generation von Bankiers gehörten Alberts Sohn Moritz v. M. (1869-1935) sowie Hugo v. M. (* 1862) an (beide s. Rhdb., P).

    Der 1. Weltkrieg und seine Folgen, insbesondere Inflation und Währungsreform, mehr noch die Turbulenzen der zwei Jahrzehnte bis zum 2. Weltkrieg und dessen verheerende Auswirkungen zwangen die Teilhaber des Bankhauses zu erheblichen Umstellungen des Geschäfts. Immerhin gelang es ihnen, 1942 in Berlin Fuß zu fassen und durch den Ausbau des Konsortialgeschäfts den Rang als Privatbankhaus mit einem bewußt begrenzt gehaltenen Kundenkreis zu erhalten. 1974 beging die Firma, mit der Angehörige der Familie, z. B. Albert v. M. (1898-1989, s. Rhdb., P). bis in die Gegenwart aktiv verbunden sind, ihr 300jähriges Bestehen. Sie wird nunmehr als KG auf Aktien mit persönlich haftenden Geschäftsführern fortgeführt.

  • Literatur

    A. Druckenmüller, Der Buchhandel in Stuttgart, 1908;
    E. Metelmann, Die Gesch. d. J. B. M.schen Verlagsbuchhandlung in Stuttgart, 1975 (P);
    R. Wittmann, Ein Verlag u. seine Gesch., 300 J. J. B. M., 1982 (P, L-Verz. 1682-1848).

  • Portraits

    Gem., J. B. M. d. J., um 1760 (in Verlagsbes.).

  • Literatur

    H. Th. Geyer, Zum Andenken an Herrn Adolf M., in: Ber. d. Senckenberg. Naturforschenden Ges. 1882/83;
    H. Frauberger, Die Kunstslg. d. Herrn Wilhelm Peter M. in Frankfurt am Main, 1897;
    J. Cahn. Die Medaillen u. Plaketten d. Kunstslg. W. P. M., 1898 (Nachtrag 1903);
    Versteigerungskat. F. A. C. Prestel: Nachlaß W. v. M.-Lutteroth, 1905;
    F. Hoeber. Die Buchkunst d. Slg. W. M., in: Zs. f. Bücherfreunde 12, 1908/09;
    R. Schwemer, Gesch. d. Freien Stadt Frankfurt, 1910 ff.;
    Kat. Rudolf Bangel 1033, Gemälde neuerer Meister darunter aus d.|Nachlaß d. Herrn Carl v. M., 1922;
    H. Voelcker, Gesch. d. Fam. u. d. Bankhauses M., 1924;
    A. Dietz, Frankfurter Handelsgesch. IV/2, 1925;
    E. Achterberg, Der Bankplatz Frankfurt am Main, 1955;
    ders., Frankfurter Bankherren, 1956;
    ders. u. M. Müller-Jabusch, Lb. dt. Bankiers aus 5 Jhh., 1963;
    A. Grosser u. a., Wirtsch., Ges., Gesch., FS, 1974;
    G. G. Avitabile, Japonica aus d. Slg. d. Herrn Wilhelm Peter M. (Kat.), Mus. f. Kunsthandwerk Frankfurt a. M., 1983;
    J. Jeske, in: FAZ v. 28.3.1987.

  • Autor/in

    Reinhard Wittmann, Franz Lerner
  • Empfohlene Zitierweise

    Wittmann, Reinhard; Lerner, Franz, "Metzler" in: Neue Deutsche Biographie 17 (1994), S. 258-261 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd120506025.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA