Lebensdaten
1858 – 1921
Geburtsort
Geisenheim
Sterbeort
Freiburg (Br.)
Beruf/Funktion
katholischer Geistlicher ; Gründer des Deutschen Caritasverbandes
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118854585 | OGND | VIAF: 67263044
Namensvarianten
  • Werthmann, Lorenz
  • Werthmann, Lor.

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Zitierweise

Werthmann, Lorenz, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118854585.html [16.04.2024].

CC0

  • Genealogie

    Aus Rheingauer Winzerfam.;
    V Johann (1825–99), Gutsverw. in G., S d. Joseph, Winzer, Weinhändler in G., u. d. Katharina Schenk (1800–64);
    M Barbara (1823–1906), aus Lorch, T d. Adam Blum ( v. 1906), Gutsbes. in Lorch, Landmann, u. d. Elisabeth Pohl ( v. 1906);
    Ov Joseph (um 1837–83), Winzer in G.;
    B Joseph (1863–n. 1906, Magdalena Schmitt, * 1867), Gutsverw. in G.

  • Biographie

    Nach der Gymnasialzeit in Hadamar (Abitur 1877), während der er im bfl. Konvikt lebte, nahm W. 1877 sein Studium am Collegium Germanicum in Rom auf. Hier gab ihm die Begegnung mit dem späteren Sozialethiker und Zentrumsabgeordneten Franz Hitze (1851–1921) entscheidende Anstöße für sein soziales Engagement. Nach der Priesterweihe 1883 wurde W. als bfl. Sekretär nach Limburg berufen. 1880 in Rom zum Dr. phil. und 1884 zum Dr. theol. promoviert, war er seit 1884 Domkaplan in Frankfurt/M., wo er städtisches Elend kennenlernte und Erfahrungen in der karitativen Vereinsarbeit sammelte.

    1885 wurde W. Sekretär von Bf. Christian Roos (1826–96) in Limburg. Nach dessen Wahl zum Erzbischof von Freiburg 1886 folgte er diesem nach Baden (bad. Staatsbürger 1888) und nahm seine Tätigkeit als Sekretär und Hofkaplan auf. W. avancierte zu Roos’ engstem Berater mit entsprechendem Einfluß auf die Verwaltung der Diözese. Seit 1900 fungierte er als Kommissar für karitative Angelegenheiten.

    W. engagierte sich als Mitglied im Verein „Arbeiterwohl“ und im Vinzenzverein, widmete sich der Sozialen Frage, besuchte Vorlesungen an der Univ. Freiburg und traf, bevor er die Leitung des „Charitas-Comités“ und die Herausgeberschaft der von ihm begründeten Zeitschrift „Caritas“ (beides 1895; seit 1999 „neue caritas“) übernahm, bereits kath. Sozialpolitiker und Verbandsfunktionäre, wie den Industriellen Franz Brandts (1834–1914), den Juristen und rhein. Provinzialverwaltungsbeamten Max Brandts (1854–1905), den Gründer des „Seraphischen Lebenswerks“ P. Cyprian Fröhlich OFMCap (1853–1931) und Hitze, mit denen er seine Vorstellungen von karitativer Arbeit diskutierte. Die von prot. Seite bereits 1848 gegründete „Innere Mission“ stand ihm dabei als Vorbild auch hinsichtlich seines Ziels vor Augen, die verschiedenen kath. karitativen Vereine in einer zentralisierten Organisation zusammenzuführen. Die Wertschätzung W.s den Errungenschaften der prot. Parallelorganisation gegenüber ist vor dem Hintergrund des kaum 20 Jahre zurückreichenden Bismarck’schen Kulturkampfs bemerkenswert, war das Verhältnis der beiden Konfessionen zu dieser Zeit doch von Selbstbehauptung und Abgrenzung bestimmt. W. zielte darauf, den Caritasverband neben der Inneren Mission als Teil der bürgerlichen Sozialreform zu etablieren. Er trat für das Nebeneinander von öffentlicher und staatlicher Wohlfahrtspflege und für das Prinzip der Subsidiarität ein. Zu Zeiten der Verbandsgründung noch ein Sozialreformer mit konservativer Ausrichtung, verschloß sich W. den sozialpolitischen Neuerungen in der Weimarer Republik nicht.

    Am 9. 11. 1897 rief W. auf dem 2. Caritastag in Köln zur Gründung des „Charitas-Verbandes für das katholische Deutschland“ auf und wurde zu dessen erstem Vorsitzenden gewählt. Als Sitz der Zentrale wurde Freiburg bestimmt. Das Fehlen einer finanziellen Grundlage und einer tragfähigen Infrastruktur ließ das Projekt fast scheitern. Bedingt durch die Not des 1. Weltkriegs erkannte die Dt. Bischofskonferenz 1916 schließlich die „Caritas“ als Sozialdienst der kath. Kirche in Deutschland an und schuf die finanzielle Voraussetzung für die Gründung von Diözesan-Caritasverbänden, die W. für die Umsetzung seiner Idee als unabdingbar erachtete. Auch die Zahl der Orts- und Kreis-Caritasverbände stieg nach diesem Durchbruch sprunghaft an. Für den Verband baute W. eine Druckerei, eine Buchhandlung und einen Verlag (heute „Lambertus-Verlag“) auf und legte den Grundstock für die heute mehr als 270000 Bände umfassende Caritasbibliothek. 1920 gründete er die erste Caritasschule.

    W.s Vision, Anwalt und Partner der Benachteiligten zu sein, lebt im Dt. Caritasverband fort. Mit knapp 24 000 Einrichtungen und rund 1 Mio. haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitenden in 27 Diözesan-Caritasverbänden (mehr als 500 Landes-, Orts- u. Kreis-Caritasverbände) ist die Caritas heute der größte Wohlfahrtsverband in Deutschland. Er wurde Vorbild für nationale Caritasverbände in mehr als 160 Ländern.

  • Auszeichnungen

    |Geistl. Rat (1898);
    päpstl. Geheimkämmerer (1900);
    Pro Ecclesia et Pontifice (1901);
    Päpstl. Hausprälat (1913);
    Apostol. Protonotar (1921);
    E. K. II. Kl. (1918);
    Dr. med. h. c. (Freiburg 1920);
    – L.-W.-Preis z. Förderung d. Soz. Arb. (zweij. seit 1997);
    W.-Platz (1926–39, 1945–2007) u. W.-Str. (2007), Freiburg (Br.).

  • Werke

    |Reden u. Schrr., ausgew. u. hg. v. K. Borgmann, 1958;
    W-Verz.: W. Liese, 1929 (s. L), S. 275–88;
    Internetpräsenz d. Caritasbibl.;
    Nachlaß: Archiv d. Dt. Caritasverbandes, Freiburg (Br.).

  • Literatur

    | W. Liese, L. W. u. d. Dt. Caritasverband, 1929;
    H.-J. Wollasch, in: Caritas 72, 1971, S.111–14;
    ders., in: Zeitgesch. in Lb. IV, 1980, S. 79–91 (P);
    ders., in: Bad. Biogr. NF I, 1982, S. 270 f.;
    ders., „Sociale Gerechtigkeit u. christl. Charitas“, Leitfiguren u. Wegmarkierungen aus 100 J. Caritasgesch., 1996, S. 47–62;
    P. Neher u. a., L. W., Caritasmacher u. Visionär, 2008 (W, L, P);
    C. Maurer, Der Caritasverband zw. Ks.reich u. Weimarer Rep., Zur Soz.- u. Mentalitätsgesch. d. caritativen Katholizismus in Dtld., 2008;
    M. Eder, „Die Kirche hat mein Werk angenommen“, L. W. u. d. Dt. Caritasverband, in: Geist u. Leben 83, 2010, S. 127–40;
    Nassau. Lb. VI, 1961, 294–304 (P);
    Biogr. Lex. Pflegegesch. II, 2001;
    Who is who d. Soz. Arb.;
    Freiburger Biogrr. (P);
    Biogr. Lex. Soz.pol.;
    LThK³;
    BBKL 13 (W, L);
    Kosch, Lit.-Lex.³ (W, L).

  • Porträts

    |Photogrr. (Archiv d. Dt. Caritasverbandes);
    Ölgem. (Atelier Sellenscheidt, Freiburg;
    Archiv d. Dt. Caritasverbandes);
    Sonderbriefmarken d. Dt. Bundespost (1954) u. d. Dt. Post (2008).

  • Autor/in

    Gabriele Witolla
  • Zitierweise

    Witolla, Gabriele, "Werthmann, Lorenz" in: Neue Deutsche Biographie 27 (2020), S. 870-871 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118854585.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA