Lebensdaten
1829 bis 1906
Geburtsort
Liblar bei Köln
Sterbeort
New York
Beruf/Funktion
amerikanischer Politiker ; Publizist ; General
Konfession
evangelisch?
Normdaten
GND: 118611720 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schurz, Carl Christian
  • Schurz, Carl
  • Schurz, Carl Christian
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Zitierweise

Schurz, Carl, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118611720.html [13.11.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Christian (1796–1877), Lehrer, Kaufm., S d. Anton Johannes (1770–1803), aus Lessenich, u. d. Anna Maria Brenich (1768–1803);
    M Marianne (1798–1877), T d. Heribert Jüssen (1773–1840), aus Neukirchen, u. d. Anna Eva Fischer (1772–1831?);
    London 1852 Margarethe (1833–76), Päd., Schülerin v. Carl Fröbel, gründete 1856 in ihrem Haus in Watertown (Wisconsin) d. ersten privaten Kindergarten in d. USA (s. L), T d. Heinrich Christian Meyer (1797–1848), Spazierstockfabr. in Hamburg (s. NDB 17), u. d. Agathe Margarethe Beusch (1794–1833);
    2 S Carl Lincoln (1871–1924, 1] Harriet Tiedemann, N d. Gustav Tiedemann, 1808-49 hingerichtet, bad. Offz., dann in griech. Diensten, Leiter d. Kriegsschule in Piräus, 1849 Oberst d. bad. Rev.armee, Festungskdt. v. Rastatt, s. ADB 38, Bad. Biogrr. II, S d. Friedrich v. Tiedemann, 1781–1861. Prof. d. Anatomie u. Physiol. in Heidelberg, GHR, s. ADB 38, Drüll I, 2] Marie Hart), Herbert (1876–1900), 3 T aus 1) u. a. Agathe (1853-1915), Marianne (1857–1929), beide führten S.s Haushalt; Schwägerin Bertha Meyer (1818/19-63, Johannes Ronge, 1813–87, rel. Schriftst., Päd., s. NDB 22).

  • Leben

    S. besuchte das Marzellengymnasium in Köln, studierte seit 1847 in Bonn Philologie und Geschichte und war Mitglied der Burschenschaft Frankonia. Er schloß sich 1848 der demokratischen Bewegung an, gründete mit Gleichgesinnten einen demokratischen Club und gab mit anderen dessen Organ, die „Bonner Zeitung“, heraus. 1849 nahm er am pfälz.-bad. Maiaufstand teil und floh nach der Kapitulation der bad. Festung Rastatt am 21.7.1849 in die Schweiz. Im Herbst 1850 begab er sich heimlich nach Berlin und befreite seinen Lehrer und Freund Gottfried Kinkel (1815–82) aus der Festungshaft in Spandau. Über Frankreich emigrierte er nach Großbritannien, von wo er 1852 kurz nach der Heirat mit seiner Frau in die USA ging. Anfangs ließ er sich in Philadelphia, 1855 als Farmer in Watertown (Wisconsin) nieder, wo seine Frau 1856 den ersten Kindergarten in den USA gründete. Nach dortiger Tätigkeit im Stadtrat, als Landagent, Notar (seit 1856) und Publizist begann S. 1858 als Anwalt in Milwaukee zu arbeiten. Als Gegner der Sklaverei schloß er sich schon frühzeitig (1856) der 1854 gegründeten Republikanischen Partei an. S. war für diese v. a. als glänzender Redner wertvoll, der viele seiner eingewanderten Landsleute im Mittleren Westen für die Ziele der neuen Partei gewann und so 1860 zum Wahlsieg Abraham Lincolns beitrug, der ihn deshalb 1861 zum Gesandten in Madrid ernannte. 1862 kehrte S. zurück, um am Bürgerkrieg teilzunehmen. Er befehligte als Brigadegeneral zwei Freiwilligendivisionen (1862/63), nahm an den Schlachten von Bull Run, Fredericksburg, Chancellorsville und Gettysburg teil, wurde im Sommer 1863 zum Generalmajor befördert und befehligte die Army of the Cumberland (Sept. 1863 – Jan. 1864). Nach der Kapitulation der Konföderierten Staaten unternahm er im Auftrag Präsident Andrew Johnsons im Sommer 1865 eine Inspektionsreise in den Süden, berichtete über die starken Ressentiments unter der Bevölkerung gegen den Norden und forderte die Gewährung des Wahlrechts für die früheren Sklaven als Bedingung für die Wiedereingliederung der Staaten in die Union. Danach war S. in New York, Detroit und St. Louis publizistisch tätig, seit 1867 als Miteigentümer der dt.sprachigen „Westlichen Post“. 1867/68 traf er auf einer Deutschlandreise u. a. Bismarck. 1868 als Senator für Missouri in den amerik. Kongreß gewählt, wurde S. 1872 aus Protest gegen die Korruption in|der eigenen Partei Mitbegründer der Liberal Republican Party, wandte sich aber nach dem Ende seiner Amtsperiode 1875 bald wieder – nach einer erneuten Deutschlandreise vom Frühjahr bis Spätsommer 1875 – der Republikanischen Partei zu und wurde 1877 von Präsident Rutherford Hayes zum Innenminister ernannt. In dieser Funktion leitete er gegen die vorherrschende Praxis politischer Ernennungen eine Reform des öffentlichen Dienstes zu einem professionellen Verwaltungsapparat ein, verbesserte die Arbeitsweise des Bureau of Indian Affairs und setzte sich, dem allgemeinen Zeitgeist reformerischer Kreise entsprechend, für die Eingliederung der Indianer in die angloamerik. Gesellschaft ein. Nach seinem Ausscheiden aus dem Amt 1881 war er wieder als Herausgeber (bei d. New York Evening Post), als Journalist (u. a. für Harper's Weekly u. The Nation), aber auch als Buchautor (The Life of Henry Clay, 1887; Abraham Lincoln, 1891) tätig; 1888-92 hatte er die Generalvertretung der „Hamburg-Amerikanischen Packetfahrt-Aktiengesellschaft“ (HAPAG) in New York inne. Bei einem erneuten Deutschlandbesuch 1888 traf er wiederum mit Bismarck und Kronprinz Friedrich zusammen. Weiterhin setzte er sich für die Reform des öffentlichen Dienstes ein; so war er 1892-1901 Präsident der National Civil Service Reform League. Er war ein entschiedener Gegner des Span.-Amerik. Krieges (1898) und amerik. imperialistischer Außenpolitik allgemein. Jahrzehntelang war er der herausragende Repräsentant und Sprachrohr der Deutschamerikaner.

  • Auszeichnungen

    Dr. iur. h. c. (Harvard Univ., Univ. of Missouri, Columbia Univ. New York); C. S. Park, New York, Manhattan (1910); Denkmal v. K. Bitter, 1913 (New York); Carl-Schurz-Vereinigung, Berlin (1926); C. S. Memorial Foundation, New York, z. Pflege d. Dt.-Amerik. Beziehungen (1930); National C. S. Association (1962); C. S.-Plakette d. Carl-Schurz-Vereinigung; Denkmal in Liblar, C.-S.-Platz.

  • Werke

    Report on the condition of the South, 1865, Neudr. 1969;
    The reform movement, 1872;
    The new South, 1885;
    Life of Henry Clay, 1887, Neudr. 1972;
    Abraham Lincoln, 1891;
    Abraham Lincoln, v. C. S., Aus d. Engl. übers. v. M. Nolte, 1908, erneut 1949;
    Civil-service reform and democracy, 1893;
    America and Europe, A study of internat. relations, 1896;
    For truth, justice and liberty, 1900;
    Can the South solve the Negro problem?, 1903;
    American leadership for peace and arbitration, hg. v. d. World Peace Foundation, Boston, 1914;
    Autobiogr.:
    The reminiscences of C. S., 1907/08;
    Lebenserinnerungen, bearb. v. S. v. Redecki, 1948, Neuausg. 1988;
    Speeches, correspondence and political papers, hg. v. F. Bancroft, 6 Bde., 1913, Nachdr. 1969;
    Briefe:
    Intimate letters of C. S., 1841-1869. übers. u. hg. v. J. Schafer, 1929, Neudr. 1970;
    Die Briefe v. C. S. an Gottfried Kinkel, hg. v. E. Kessel, 1965.

  • Literatur

    F. Bancroft u. W. A. Dunning, C. S.s pol. Laufbahn 1869-1906, Für dt. Leser bearb. v. M. Blau, 1912;
    C.-S.-Vereinigung, Berlin (Hg.), Zum hundertsten Geb.tage v. C. S., Festreden b. Gelegenheit d. Feier im Reichstage zu Berlin am 3. März 1929, 1929;
    C. V. Easum, The Americanization of C. S., 1929;
    R. Baumgardt, C. S., Ein Leben zw. Zeiten u. Kontinenten, 1939;
    J. P. Terzian, Defender of human rights, C. S., 1965;
    M. Braubach, Bonner Professoren u. Studenten in d. Rev.jahren 1848/49, 1967;
    F. Kessler, C. S., Denkmäler, Büsten, Erinnerungstafeln, in: Heimatkal. d. Kreises Euskirchen 1969 (auch im Internet);
    ders., C. S., Zur Fam.- u. Sippengesch., ebd., 1972;
    C. S., hg. v. R. Wersich, 1979, 31999 (P);
    Oceans apart? Comparing Germany and the United States, Studies in commemoration of the 150th anniversary of the birth of C. S., hg. v. E. Angermann u. M.-L. Frings, 1981;
    H. L. Trefousse, C. S., 1982, 21998;
    C. M. Lovett, C. S., A biograph. essay and a selective list of reading materials in English, 1983;
    F. M. Schicketanz, The „Lebenserinnerungen“ of C. S., A critical reading, 1987;
    S. Reinhardt, Die Darst. d. Rev. v. 1848/49 in d. Lebenserinnerungen v. C. S. u. Otto v. Corvin, 1999;
    W. Keßler, C. S., Kampf, Exil u. Karriere, 2006 (P);
    DAB;
    Frankfurter Biogr.;
    Biogr. Lex. Burschenschaft (L, P);
    Reinalter II;
    zu Margarethe:
    H. u. M. Hirsch, Stammte M. Meyer-S. aus e. ursprüngl. jüd. Fam.? Zur Problematik ihrer ersten Biogr., in: Dt.-Jüd. Gesch. im 19. u. 20. Jh., Studien z. Geistesgesch., hg. v. L. Heid u. J. Knoll, 15, 1992, S. 85-106;
    K. Riedmann, Margaretha Meyer-S., Eine jüd. Kaufmannstochter aus Hamburg, Gründurin d. ersten Kindergartens in Amerika, in: Hamburger Lehrer-Ztg. 1995, H. 5;
    M. Berger, Margareta S., Amerikas First Kindergarten, in: Kinderzeit 1996, H. 3.

  • Portraits

    Bronzerelief v. W. Holt, 1906 (Washington, Innenmin.);
    Bronzetafel v. V. D. Brenner, 1907 (Philadelphia, Nat. C. S. Associaton);
    Marmorbüste v. T. C. Pilartz, 1929 (Oberkassel, C. S.-Schule);
    Gedenktafel am Geb.haus in Liblar, 1929;
    Bronzebüste v. J. O. Schweizer, 1942 (New York, Old Custom House), beide abgeb. in: F. Kessler, Denkmäler, Büsten, Erinnerungstafeln, 1969 (s. L);
    Denkmal mit Bronzebüste in Liblar;
    Gedenktafel an d. Paulskirche, Frankfurt/M.

  • Autor/in

    Hartmut Keil
  • Empfohlene Zitierweise

    Keil, Hartmut, "Schurz, Carl" in: Neue Deutsche Biographie 23 (2007), S. 763-764 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118611720.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA