Lebensdaten
gestorben 1307
Sterbeort
Horaždovice (Kreis Pisek)
Beruf/Funktion
König von Böhmen und Polen ; Herzog von Österreich und Steiermark
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 128689056 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Rudolf
  • Rudolf III. von Böhmen
  • Rudolf III.
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Zitierweise

Rudolf III., Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd128689056.html [20.07.2018].

CC0

  • Genealogie

    Aus d. Geschl. d. Habsburger (s. NDB VII);
    V Albrecht (1255–1308), seit 1298 röm.-dt. König (s. NDB I; Lex. MA), S d. Rudolf I. (1218–91), seit 1273 röm.-dt. Kg. (s. NDB 22);
    M Elisabeth v. Görz-Tirol ( 1313);
    1) Paris 1300 Blanche (Blanca) (1284–1305), aus d. Geschl. d. Kapetinger, T d. Philipp III., Kg. v. Krankreich (1245–85), 2) Prag 1306 Elisabeth (Ryksa) (1286–1335), aus d. Geschl. der Piasten (s. NDB 20 Fam.art.), Wwe d. Wenzel II., Kg. v. Böhmen (1271–1305, s. ADB 42; Lex. MA; NDB 20 Fam.art. Přemysliden);
    1 K aus 1) (früh †), 1 S aus 2) (früh †).

  • Leben

    Nach der Krönung seines Vaters Albrecht I. zum röm.-dt. Kg. wurde R. gemeinsam mit seinen jüngeren Brüdern Friedrich und Leopold 1298 mit Österreich, der Steiermark, Krain und der Windischen Mark belehnt; Albrecht behielt jedoch die Regierung weiterhin selbst in der Hand. Seine Bemühungen um eine Verbindung mit dem franz. Königshaus der Kapetinger führten 1300 in Paris zur Vermählung R.s mit Blanche, der Halbschwester Kg. Philipps IV. von Frankreich. Auf dessen Verlangen hatte Albrecht bereits ein Jahr zuvor R. und dessen Gattin die Alleinherrschaft in Österreich, Steiermark, Krain und Portenau (Pordenone) übertragen, die jüngeren Brüder mußten verzichten. In den folgenden Jahren erwies sich R. als tatkräftiger und auch wirtschaftlich tüchtiger Regent, dessen Politik aber vorwiegend den auf Böhmen gerichteten Zielen seines Vaters dienen mußte. Ein Angriff, den Albrecht I. und R. gemeinsam mit Kg. Karl Robert von Ungarn auf Böhmen und insbesondere die Silbergruben von Kuttenberg (Kutná Hora) unternahmen, scheiterte 1304; das Ende der Dynastie der Přemysliden in Böhmen mit dem Tod Kg. Wenzels II. 1305 und der Ermordung seines Sohnes und Nachfolgers, Wenzel III. 1306, eröffnete den Habsburgern jedoch eine neue Chance. Albrecht und R. rückten getrennt in Böhmen ein, der König belehnte seinen Sohn mit den Ländern der Wenzelskrone, und dieser fand allgemeine Anerkennung. Hzg. Heinrich von Kärnten aus dem Geschlecht der Grafen von Görz-Tirol, der mit Anna, der Schwester Kg. Wenzels III., vermählt war, mußte zunächst seinen Ansprüchen auf Böhmen entsagen. R., dessen erste Frau 1305 nach einer Fehlgeburt gestorben war, vermählte sich in Prag mit Elisabeth (Ryksa) aus dem Hause der Piasten, der Witwe Kg. Wenzels II., und führte seither auch den Titel eines Königs von Polen. Er mußte auf Österreich und die Steiermark verzichten und widmete sich energisch der Ordnung der böhm. Finanzen. Einen durch die Niederlage Albrechts I. bei Lucka verursachten Aufruhr oppositioneller, auch mit Heinrich von Kärnten in Verbindung stehender Adeliger konnte er 1307 rasch niederwerfen, erkrankte in dieser Zeit aber tödlich an der Ruhr. Am 15.8.1307 wählten die böhm. Stände Heinrich von Kärnten zum König. Ein Sohn, den R.s Witwe in Österreich zur Welt brachte, starb bei der Geburt und wurde in Tulln beigesetzt.

  • Literatur

    ADB 29;
    W. Diesenreiter, R. III., Hzg. v. Österr., Kg. v. Böhmen, Diss. Wien 1935;
    A. Lhotsky, Gesch. Österr.s seit d. Mitte d. 13. Jh., 1967, S. 99-154;
    B. Hamann (Hg.), Die Habsburger, 1988;
    A. Niederstätter, Die Herrschaft Österr., 2001;
    Thomas Meier, Die Archäol. d. ma. Kg.grabes im christl. Europa, 2002.

  • Autor/in

    Heinz Dopsch
  • Empfohlene Zitierweise

    Dopsch, Heinz, "Rudolf III." in: Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S. 178-179 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd128689056.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Rudolf III., Herzog von Oesterreich und Steiermark und König von Böhmen, ältester Sohn Albrecht's I. und der Gräfin Elisabeth v. Görz-Tirol, wurde ungefähr im J. 1281 geboren. Nachdem sein Vater zum deutschen Könige gewählt worden war, ward er gemeinschaftlich mit seinen Brüdern am 21. November 1298 mit den Herzogthümern Oesterreich und Steiermark belehnt und empfing dann die Huldigung der Bewohner. Im J. 1300 vermählte ihn sein Vater mit Blanca, Schwester des Königs Philipp IV. von Frankreich, die aber schon am 19. März 1305 starb, ohne ihrem Gemahle Nachkommen zu hinterlassen. Seit der Belehnung in Nürnberg führte er die Verwaltung der österreichischen Herzogthümer, ohne übrigens Raum zu größerer Thätigkeit zu finden, da sein Vater auch als König die Zügel der Regierung in den Händen behielt und die Politik Oesterreichs bestimmte. Im Herbste 1304 nahm er am Feldzuge seines Vaters gegen Böhmen theil, der nach der unglücklichen Belagerung Kuttenbergs mit einem schnellen Rückzuge endete.

    Als das Haus der Premysliden in Böhmen mit Wenzel III., der am 4. August 1306 ermordet wurde, in männlicher Linie erloschen war, suchte Albrecht I., welcher dieses Reich als erledigtes Reichslehen ansah, die Herrschaft seinem ältesten Sohne zu verschaffen, während die böhmischen Stände für sich das Recht beanspruchten, den Thron durch Wahl zu besetzen. Um seinem Willen Nachdruck zu verschaffen, rückte der König Ende September mit einem deutschen Heere von Westen her in Böhmen ein, während R. von Oesterreich her bis unter die Mauern von Prag zog. Der Druck der Waffen, Geschenke und Versprechungen, welche den einflußreichsten böhmischen Herren gemacht wurden, und die Bereitwilligkeit Rudolf's, eine mit dem alten Königshause in Verbindung stehende Prinzessin, die Wittwe Wenzel's II., Elisabeth von Polen, zu heirathen, bewogen die Böhmen den Forderungen K. Albrecht's nachzugeben. Nachdem dieser seinen Sohn mit Böhmen belehnt hatte, leisteten ihm die Bewohner die Huldigung. R., ein Mann von den besten Aulagen, suchte nun vor allem die Finanzen in Ordnung zu bringen, welche infolge der vorausgehenden Kriege und der Verschwenchung des letzten Premysliden in Unordnung gekommen waren, und führte zu diesem Zwecke in seinem Haushalte die größte Sparsamkeit ein. Aber gerade dadurch erregte er das Mißfallen mancher Barone. Mehrere Edelleute erhoben sich zu Gunsten des Herzogs Heinrich von Kärnten, welcher mit der ältesten Schwester Wenzel's III. vermählt war. Im Kampfe gegen diese ward er bei der Belagerung der Burg Horaždiowitz am 4. Juli 1307 von der Ruhr hinweggerafft.

    • Literatur

      Böhmer, 2. Ergänzungsheft zu den Regesten des Kaiserreichs von 1246 bis 1313 hat die Quellen zur Geschichte Rudolf's zusammengestellt.

  • Autor/in

    A. Huber.
  • Empfohlene Zitierweise

    Huber, Alfons, "Rudolf III." in: Allgemeine Deutsche Biographie 29 (1889), S. 544 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd128689056.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA