Lebensdaten
1871 bis 1946
Geburtsort
Innsbruck
Sterbeort
Leipzig
Beruf/Funktion
Chirurg
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 119150751 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Payr, Erwin
  • Payr, E.

Porträt(nachweise)

Verknüpfungen

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Auf der Karte werden im Anfangszustand bereits alle zu der Person lokalisierten Orte eingetragen und bei Überlagerung je nach Zoomstufe zusammengefaßt. Der Schatten des Symbols ist etwas stärker und es kann durch Klick aufgefaltet werden. Jeder Ort bietet bei Klick oder Mouseover einen Infokasten. Über den Ortsnamen kann eine Suche im Datenbestand ausgelöst werden.

Zitierweise

Payr, Erwin, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119150751.html [25.08.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Karl (1836–1907), Sekr. d. Handels- u. Gewerbekammer in I., Prof. f. Staatsrechnungswiss. an d. Univ. ebd. (s. BJ XII, Tl.; ÖBL);
    M Anna Sauter, aus Dichter- u. Botanikerfam.;
    1901 Helene Steiner;
    1 S Bernhard (* 1903), Dr. phil., Leiter d. Zentrallektorats d. Reichsstelle z. Förderung d. dt. Schrifttums, 1 T.

  • Leben

    P.s naturwissenschaftliches Interesse war bereits in früher Jugend ausgeprägt und wurde im Elternhaus gefördert. Nach dem Besuch des humanistischen Gymnasiums studierte er an den Univ. Innsbruck und Wien Medizin, wobei insbesondere der Anatom Wilhelm Roux (1850–1924), der Chirurg Carl Nicoladoni (1847–1902) und (in Wien) die Chirurgen Theodor Billroth (1829–1894) und Anton v. Eiselsberg (1860–1939) nachhaltigen Einfluß auf ihn ausübten. Nach der Promotion in Innsbruck 1894 arbeitete P. in Wien zunächst am Pathologisch-Anatomischen Institut, in Innerer Medizin sowie bei dem Chirurgen Eduard Albert (1841–1900) als Assistent. 1899 habilitierte er sich bei Nicoladoni in Graz, einem der Wegbereiter für die orthopädisch-plastische Chirurgie. Bis 1906 arbeitete P. als Primararzt am städtischen Krankenhaus Graz in der chirurgisch-gynäkologischen Abteilung sowie experimentell-chirurgisch. 1907 übernahm er den chirurgischen Lehrstuhl an der Univ. Greifswald als Nachfolger von Erich Lexer (1867–1937), der zeitlebens sein Rivale auf plastisch-chirurgischem Gebiet blieb. 1910 folgte die Berufung P.s zum Ordinarius für Chirurgie nach Königsberg und in gleicher Funktion 1911 nach Leipzig, wo er bis zur Emeritierung 1937 arbeitete.

    P. zählte zu den bedeutendsten Chirurgen seiner Zeit. Er stand in der Nachfolge der Chirurgenschule von Johann v. Dumreicher (1815–80), Albert und Nicoladoni und beeinflußte zahlreiche Chirurgen der nachfolgenden Generationen (darunter Martin Kirschner [1879-1942], Ludwig Zukschwerdt [1902-74], Rudolf Zenker [1903-84]). In Allgemeiner Chirurgie befaßte sich P. u. a. mit Techniken zur Blutgefäß- und Nervennaht, der Therapie von Wunden, Schußverletzungen und Amputationen. Die orthopädisch orientierte Pathologie und Chirurgie („Arthroplastik“) von Gelenkerkrankungen waren bleibender Schwerpunkt seiner Arbeit. Darüber hinaus arbeitete er auf den Gebieten der Magenchirurgie (Magen- und Duodenalgeschwüre), der Schädel-Hirn-Chirurgie, der Organtransplantation, der Trigeminus-Neuralgie, der Schilddrüsenchirurgie, Bauchchirurgie (Bauchfellverwachsungen, Obstipation, Appendizitis, Leber, Gallenwege, Bauchspeicheldrüse) und Therapie bösartiger Geschwülste sowie der Chirurgie des Harn- und Geschlechtsapparats. P. entwickelte zahlreiche chirurgische Instrumente (Darmklemme, Bauchdeckenhaken, Rillensonde, Quetschzange, Nadeln), verschiedene plastisch-chirurgische Operationsverfahren (Arthroplastik, Sichelschnitt) und beschrieb diagnostische Zeichen wie den Payr-Druck-schmerzpunkt als Frühzeichen der postoperativen Beinvenenthrombose. Als P.s Hauptwerk gilt seine Monographie über Gelenksteifen und Gelenkplastiken. Mehr als 320 Zeitschriften- und 30 Kongreßbeiträge sowie Beiträge zu den damals wichtigsten chirurgischen und therapeutischen Standardlehrwerken belegen P.s außerordentliche medizinische Leistungen.|

  • Auszeichnungen

    Ehrungen durch in- und ausländ. Regierungen u. Fachges., u. a. Geh. Med.rat; Dr. med. vet. h. c; Präs. (seit 1929) u. Ehrenmitgl. d. Dt. Ges. f. Chirurgie (1940).

  • Werke

    Pathol. u. Therapie d. Hallux valgus, in: Btrr z. klin. Med. u. Chirurgie, 1894 (Diss);
    Btrr. z. Technik d. Blutgefäß- u. Nervennaht nebst Mitt. üb. d. Verwendung e. resorbierbaren Metalles in d. Chirurgie, in: Archiv f. klin. Chirurgie 62, 1900, 64, 1901, 72, 1904;
    Transplantation v. Schilddrüsengewebe in d. Milz, ebd. 80, 1906, 106, 1915;
    Chirurg. Behandlung d. Verletzungen u. Erkrankungen d. Halses, in: Pentzoldt/Stintzing (Hg.), Hdb. d. gesamten Therapie, VI, 51914;
    Lehrb. d. speziellen Chirurgie, 1918/1927 (mit J. Hochenegg);
    Geschwülste d. Magens als Gegenstand chirurg. Behandlung (mit J. A. Hohlbaum), in: Kraus/Brugsch, Spezielle Pathol. u. Therapie innerer Krankheiten, V/1, 1921;
    Chirurgie, 1922;
    Allg. chirurg. Pathol. d. Schädels u. seines Inhaltes, 1926 (mit E. Sonntag);
    Klinik d. bösartigen Geschwülste, 1924/25/27 (mit P. Zweifel);
    Erkrankungen d. Schilddrüse u. Basedowsche Krankheiten, in: Guleke/Pentzold/Stintzing, Hdb. d. gesamten Therapie, VI, 61926-28;
    Gelenksteifen u. Gelenkplastik, 1934; Hg.
    (mit H. Küttner): Zs. „Ergebnisse d. Chirurgie u. Orthopädie“, 1910-71.

  • Literatur

    Fischer;
    L. R. Grote, (Hg.), Die Medizin d. Gegenwart in Selbstdarst., 1924, S. 120-64 (P, L);
    A. Borchard u. W. v. Brunn, Dt. Chirurgenverz., 1938, S. 493-97 (L);
    U. Paul, in: Zbl. f. Chirurgie 99, 1974, S. 1172-74 (P);
    H. Killian, Meister d. Chirurgie, 1980, S. 141 (P).

  • Autor/in

    Eberhard J. Wormer
  • Empfohlene Zitierweise

    Wormer, Eberhard J., "Payr, Erwin" in: Neue Deutsche Biographie 20 (2001), S. 148 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119150751.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA