Lebensdaten
unbekannt
Beruf/Funktion
Grafen und Fürsten von Orsini und Rosenberg
Konfession
katholische Familie
Normdaten
GND: 139933654 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Rosenberg, von
  • Ursini (angeblich alter Geschlechtername 1684 angenommen)
  • Orsini und Rosenberg
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Zitierweise

Orsini und Rosenberg, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd139933654.html [17.11.2018].

CC0

  • Leben

    Die zunächst in Kärnten begüterten Herren von Rosenberg wurden mit Johann Andreas (1600–67) 1621 in die Kärntner Landstände introduziert. Bald nach der Erwerbung von Lerchenau, Mageregg und Grafenstein (1629) erfolgte 1633 die Erhebung in den Freiherrn- und bereits 15 Jahre später (1648) in den Grafenstand. Unter seinen Söhnen Georg Nikolaus (1623–95) und Wolfgang Andreas (1626–95, s. W) gelangte 1652 Maria Loretto an die Familie, wo neben einer ausgedehnten Schloßanlage eine dem ital. Gnadenbild geweihte Kapelle entstand, zwischen 1653 und 1676 ferner Höhenbergen, Keutschach, Weizenegg b. Klagenfurt, Rosegg, Rottenstein, Stein im Drautal und Greifenberg. In Mähren erworbene Güter waren die Voraussetzung für das böhm. Inkolat (1695).

    Dem Zug der Zeit folgend, bemühten sich auch die Rosenberg um eine Überhöhung ihrer Familiengeschichte durch ein genealogisches Konstrukt. Hatte 1608 der Geschichtsschreiber Václav Březan für das südböhm. Geschlecht der Rosenberg/Witigonen eine Herleitung desselben vom alten röm. Adelshaus der Ursini (Orsini) behauptet, so bot sich – nach dem Aussterben der böhm. Rosenberger 1611 – die Namensgleichheit dazu an, die innerösterr. Familie als bereits 1155 nach Kärnten und in die Steiermark gelangte Hauptlinie zu bezeichnen. Nach Einholung von Gutachten (u. a. von Johann Ludwig Schönleben) genehmigte Kaiser Leopold I. 1684 die „Wiederannahme“ des alten Geschlechternamens „Ursini“ und die bis heute tradierte Namensvereinigung.

    Während die auf Georg Nikolaus folgende Linie bereits 1737 im Mannesstamm ausstarb, setzte sich jene nach Wolfgang Andreas zunächst über drei Söhne fort. Von diesen wählte der älteste, Joseph Paris (1651–85), die militärische Laufbahn, wurde aber 1685 als Kammerherr nach Wien berufen, wo er einem Mordanschlag zum Opfer fiel. Mit der Erhebung seines Enkels Franz Xaver Wolf (1723–96, s. u.) 1790 zum Reichsfürsten, einen Rang, der auch auf den Vetter Vinzenz (1722–94) und dessen erstgeborene männliche Deszendenten übergehen sollte (Nachgeborene: Gf./Gfn. v. O. u. Rosenberg), erreichte die Familie ihren ständischen Zenit.

    Da die von Wolfgang Andreas' zweitem Sohn, dem späteren Kärntner Landeshauptmann Franz Andreas (1653–98), begründete Nebenlinie 1718 im Mannesstamme ausgestorben war, setzte sich das Haus O. und Rosenberg lediglich über den Sohn aus dritter Ehe mit einer Fürstin Montecuccoli, Philipp Joseph (1691–1765), fort. Im kameralistischen Fach ausgebildet, wechselte dieser von diplomatischen Funktionen in solche der Staatsverwaltung und wieder zurück in den Dienst als Gesandter. 1744 war er am preuß. Hof und als „Großbotschafter“ in St. Petersburg, folgend in den Niederlanden, in England und Portugal. Nach kurzem Zwischenspiel als Präsident der niederösterr. Repräsentation und Kammer (1750–53) ging er 1753 nach Venedig, wo er eine Zweitehe mit der erheblich jüngeren Schriftstellerin Justine Wynne (1732–91, s. W), einer Tochter des engl. Konsuls Richard Wynne schloß. Zufolge des Erbanfalls der Güter der ausgestorbenen Nebenlinie konzentrierte sein einziger Sohn Vinzenz (1722–94), einen beträchtlichen Landbesitz, zu dem seit etwa 1700 auch das niederösterr. Gleiß zählte.

    Vinzenz wurde zunächst im militärischen Dienst ausgebildet und war von seinem Vater für die diplomatische Laufbahn vorgesehen. Seit 1749 richtete er allerdings seine Tätigkeit auf Innerösterreich, wo er 1773 Landeshauptmann in Krain wurde und von 1774 bis zur Vereinigung des Länderstelle mit jener in Graz 1782 das Amt des Landeshauptmannes von Kärnten bekleidete. Als solcher prägte er eine Vielzahl der im Zuge des großen Reformwerks entstandenen oder verbesserten kirchlichen, schulischen und militärischen Institutionen.

    Aufgrund der Zeitumstände, vor allem wegen der Kriege mit Frankreich, trat in den folgenden Generationen der militärische Dienst in den Vordergrund. Fürst Franz Seraph (1761–1832, s. L) stieg 1780-96 vom Leutnant zum Generalmajor und Brigadier auf, kämpfte in Serbien, später bei Neckarau und kommandierte seit 1801 als Feldmarschallleutnant die Truppen in der Steiermark. Nach seinem Einsatz als Kommandant bei Aspern und Wagram war er seit 1810 Inspektor der Truppen in Nieder- und Oberösterreich sowie Mähren. Ebenfalls Generalsrang erreichten seine Enkel Gf. Felix (1846–1905, s. ÖBL) als Feldmarschalleutnant und Gf. Maximilian (1846–1922, s ÖBL), letzterer seit 1892 Dienstkämmerer und langjähriger Begleiter Erzhzg. Rainers. Den Weg vom Militärdienst zum Deutschordensritter beschritt Gf. Karl Dominik Maximilian (1840–1918, s. ÖBL), der nach Ablegung der feierlichen Gelübde 1879 rasch in zentrale Funktionen aufstieg; seit 1909 war er Großkomtur zu Laibach und 1914-18 österr. Balleioberer. Gf. Lothar (1853–1932, s. Brümmer; Kosch, Lit.-Lex.3) schlug zunächst eine militärische Laufbahn ein, zog sich jedoch auf Schloß Loretto/Wörthersee (Kärnten) zurück und verfaßte historische und humoristische Erzählungen. Des Grafen Felix gleichnamiger Sohn (1886–1962, s. Teichl; Kosch, Biogr. Staatshdb.), Dr. iur., war österr. Geschäftsträger im Haag, später Gesandter in Kairo, Sofia, Brüssel und Luxemburg.

    Das jeweilige Haupt des Hauses – nach Fürst Ferdinand (1790–1859) die Fürsten Heinrich (1848–1929) und Johannes Andreas (1893–1932) – war bis zum Ende der Monarchie Erblandhofmeister von Kärnten und seit 1861 erbliches Mitglied des Herrenhauses des österr. Reichsrates. (Fürst) Heinrich Johannes (* 1925) bekleidete 1965-90 das Amt des Präsidenten des Hauptverbandes der Land- und Forstwirtschaftsbetriebe Österreichs und war 1984-88 Präsident des Verbandes der Europ. Landwirte (CEA).

  • Werke

    Wolfgang Andreas Frhr. v. Rosenberg, Apparatus nuptialis sapientiae hymenaeis cum… Georgio Nicolao de Rosenberg… in… Universitate Viennensi nuberet, 1640;
    zu Franz Xaver Wolf:
    Die Berichte des Gf. Rosenberg [1759-65], hg. v. H. Juretschke u. H.-O. Kleinmann, 3 Bde., 1970-72;
    zu Justine:
    Du séjour des comtes du Nord à Venise en janvier MDCCLXXXII, 1782;
    Pièces morales et sentimentales de Mad. J. W. C-t-sse de R-S-G…1785;
    Alticchiero, par J. W. C. d. R., 1787;
    Les Morlaques, par J. W. C. D. U. & R, 1788, dt. u. d. T. Die Morlaken, Aus d. Franz. übers. v. S. G. Bürde, 2 T., 1790;
    Jella od. d. Morlachische Mädchen, 1797.

  • Literatur

    J. L. Schönleben, Rosa Ursina in provinciis Austriacis florens, sive illustrissimae et antiquissimae familiae Romanae Ursinae traduces in Slavoniam, Carniolam, Garinthiam, Styriam, Bohemiam propagatae…,1680;
    H. Hermann, Die Rosenberge, in: Unterhaltungs-Beil. z. Klagenfurter Ztg. 1854, Nr. 59 f. (auch als Sonderdr.);
    M. Pangerl, Die Witigonen, ihre Herkunft, ihre ersten Sitze u. ihre älteste Genealogie, in: Archiv f. österr. Gesch. 51, 1873, bes. 508-13;
    F. Lanjus, Die blühenden Geschlechter d. österr. Uradels, in: Jb. d. Vereinigung kath. Edelleute in Österreich 1931, S. 137-42;
    H. Wiessner, Burgen um Klagenfurt, Feldkirchen, Völkermarkt, 1965;
    K. F. v. Frank, Standeserhebungen u. Gnadenakte f. d. Dt. Reich u. d. Österr. Erblande bis 1806, IV, 1973, S. 15 u. 188 f.;
    Th. Klein, Die Erhebungen in d. weltl. Reichsfürstenstand 1550-1806, in: Bll. f. dt. Landesgesch. 122, 1986, S. 182;
    E. Mahovsky, Der letzte Brief Kaiser Josephs II., in: Carinthia I, 176, 1986, S. 199-217;
    G. P. Obersteiner, Theresian. Verw.reformen im Hzgt. Steiermark, Die Repräsentation u. Kammer (1749–1763) als neue Landesbehörde d. aufgeklärten Absolutismus, 1993, S. 250-54;
    Wurzbach 27;
    Siebmacher 29, 1980, S. 18-21;
    GHdA Fürstl. Häuser XIII, 1987, S. 262-67;
    ÖBL VII. – zu Franz Seraph: I. Ogris, F. S. Fürst O.-Rosenberg, Diss. Wien 1941 (ungedr.).

  • Autor/in

    Herbert Knittler
  • Familienmitglieder

  • Empfohlene Zitierweise

    Knittler, Herbert, "Orsini und Rosenberg" in: Neue Deutsche Biographie 19 (1999), S. 594-596 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd139933654.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA