Lebensdaten
1895 bis 1952
Geburtsort
Zürich
Sterbeort
Zürich
Beruf/Funktion
Verleger ; Theaterleiter ; Philanthrop
Konfession
konfessionslose Familie
Normdaten
GND: 130052957 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Opprecht, Emil Adolf (bis 1941)
  • Oprecht, Emil
  • Opprecht, Emil Adolf (bis 1941)
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Zitierweise

Oprecht, Emil, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd130052957.html [17.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    B Hans (s. 1);
    Zürich 1921 Emmie (Emma Fanny) (1899–1990), T d. Friedrich Georg Fehlmann (1869–1959), Monteur, u. d. Louise Emilie Ritter (1872–1910); kinderlos.

  • Leben

    Nach der Matura auf der kantonalen Handelsschule, einer Banktätigkeit und dem Militärdienst studierte O. seit 1917 an der Zürcher Universität, wo er bei dem Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler Heinrich Sieveking 1921 zum Dr. nat. oec. promovierte. Bereits während dieser Jahre zeigte der karitativ und sozial disponierte Idealist, der zeitlebens gegen Intoleranz, Demagogie und Grausamkeit kämpfte, ein ausgesprochen pädagogisches und organisatorisches Talent, das sich in der „Hilfsaktion für ausländische Proletarierkinder“ 1919 entfaltete. 1921-25 wirkte O. in der „Unionsbuchhandlung“, zuletzt als ihr literarischer und geschäftlicher Leiter. Mit einem nur temporär beteiligten Partner gründete er 1925 den Verlag „Dr. Oprecht & Helbling“, der auch eine Buchhandlung mit einschloß. Das Unternehmen wurde 1929 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Gemeinsam mit der nach Zürich geflohenen Büchergilde Gutenberg, der sein Bruder Hans vorstand, rief O. 1933 den „Europa Verlag“ ins Leben. Schon die Namenswahl war Programm.

    Nach dem Beginn der NS-Diktatur setzte sich O., der 1921-24 der Kommunistischen, seit 1926 der Sozialdemokratischen Partei angehörte, mit seiner Frau Emmie vorbehaltlos für emigrierte und verfemte Schriftsteller, Publizisten und Politiker ein und schuf ihnen durch seine Verlage das nötige Forum. 1933-45 erschienen Werke von etwa einhundert deutschen Exil-Autoren – meist keine finanziellen Erfolge –, denen eine doppelt so hohe Zahl weiterer Autoren gegenüberstand. Das Naziregime schloß O.s Verlage aus dem „Börsenverein der Deutschen Buchhändler“ aus, die deutschfreundlichen Schweizer Behörden und die antisemitischen „Fronten“ machten O. größte Schwierigkeiten. Um der einheimischen Zensur zu entgehen, ließ er besonders zeitkritische Titel zwar in der Schweiz drucken, offiziell aber in der New Yorker Schwesterfirma erscheinen. O.s Engagement erhielt Anerkennung von Churchill und Roosevelt. Nach der Zeitschrift „Information“ (1932-34) regte Joseph Breitbach das Periodikum „Mass und Wert“ (1937-40) an. Thomas Mann, der Mitherausgeber, forderte „alle, denen ehrlich am Schicksal des Menschen und des europ. Deutschtums gelegen ist“, zur Mitarbeit auf. Der Oprecht Verlag pflegte Belletristik mit politischer Intention, wie sie z. B. Jakob Bührer und weit stärker Ignazio Silone, O.s Erfolgsautor, explizit verfaßten. Daneben wurden Kunstbücher sowie literarhistorische und wirtschaftliche Werke veröffentlicht. Für die Freiheit des Worts standen u. a. Ernst Bloch, Max Hermann-Neisse, Thomas Mann, Else Lasker-Schüler, Hans Sahl, Alfred Polgar, Wilhelm Uhde, Georg Kaiser und Jean Gebser. Der „Europa Verlag“ präsentierte bereits 1936 Walter Hornungs Tatsachenbericht „Dachau“. Grundlegende Analysen gegen Faschismus und Nationalsozialismus stammten von Silone, Konrad Heiden, Erich Kahler, Hermann Rauschning, Otto Braun, Karl Löwith und Willy Brandt. Die Thematik galt sowohl der akuten Situation als auch zur Neuorientierung nach dem Krieg. – Daß das Zürcher Schauspielhaus zur wichtigsten Bühne für deutsche Emigranten avancieren konnte, lag essentiell an dem Literaturkenner O., der seit 1938 die kaufmännische Leitung des Theaters innehatte. Gerade dieses Institut bot nach O.s Überzeugung die Chance für die „geistige Landesverteidigung“ der Schweiz. Nach dem 2. Weltkrieg setzte sich O., der an die Spitze des Schweizerischen Buchhändler- und Verleger-Vereins gewählt wurde, sogleich für den Bücheraustausch mit dem befreiten Deutschland ein, dessen Reintegration in das internationale Kulturleben er demonstrativ betrieb.

  • Literatur

    Bücherverzz. d. Verlage Oprecht u. Europa, 1939, 1948, 1952;
    J. R. v. Salis, Rede anläßl. d. Abdankungsfeier, in: E. O., 1952 (P);
    A. Hildebrand, Der Fall Brentano, in: ders., Insel u. Limes, 1965;
    ders., O.-Autoren b. Limes, in: ders., Das kulturelle Wiesbaden, aufgezeichnet 1972;
    Th. Mann, Abschied v. E. O., in: ders., Werke 19, 1968;
    P. Stahlberger, Der Zürcher Verleger E. O. u. d. dt. pol. Emigration 1933-1945, 1970;
    D. Bachmann u. R. Schneider (Hg.), Das verschonte Haus, Das Zürcher Schauspielhaus im 2. Weltkrieg, 1987;
    M. Papst, in: NZZ Nr. 32 v. 9.2.1998 (P);
    LGB.

  • Autor/in

    Alexander Hildebrand
  • Empfohlene Zitierweise

    Hildebrand, Alexander, "Oprecht, Emil" in: Neue Deutsche Biographie 19 (1999), S. 581 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd130052957.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA