Lebensdaten
1894 bis 1978
Geburtsort
Muri (Kanton Bern)
Sterbeort
Embrach (Kanton Zürich)
Beruf/Funktion
Politiker ; Gewerkschafter
Konfession
konfessionslose Familie
Normdaten
GND: 132107228 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Opprecht, Hans Wilhelm (bis 1941)
  • Oprecht, Hans Wilhelm
  • Oprecht, Hans
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Zitierweise

Oprecht, Hans, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd132107228.html [15.09.2019].

CC0

  • Genealogie

    Aus Uttwiler Fam.;
    V Wilhelm Opprecht (1870–1929), Stationsgehilfe, seit 1895 Kanzlist in d. Steuerverw. d. Stadt Zürich, S d. Johann Ulrich (1834–1917), Schuster, u. d. Ursula Uhler (1832–1913), aus Uttwil;
    M Maria (1871–1947), T d. Johann Jacob Graf (1839–85), Bauer, u. d. Marie Barbara Schaub (1836–85), aus Frenkendorf (Kt. Baselland);
    B Emil (s. 2);
    1) Küsnacht (Kt. Zürich) 1917 ( 1927) Gertrud (1894–1986), T d. Johann Jakob Berchtold (1864–1940), Dr. iur., Finanzsekr., RA, u. d. Emma Luise Freimann (1867–1942), aus Winterthur, Kindergärtnerin, 2) Zürich 1927 ( 1928) Luisa Rosa (* 1908), T d. Eduard Christian Georg Wyttenbach (1882–1968), aus Thun (Kt. Bern), Beamter d. Schweizer. Bundesbahn, u. d. Emma Waldburger (1883–1952), aus Teufen (Kt. Appenzell Ausserrhoden), 3) Zürich 1928 ( 1931) Gertrud Berchtold (s. o.). 4) Zürich 1942 Marlis (eigtl. Maria Luise) (1910–91), Sekr., T d. Josef Schuler (1868–1932), Holzhändler aus Alpthal (Kt. Schwyz), u. d. Maria Lienert (1877–1953), aus Einsiedeln (Kt. Schwyz);
    2 S, 1 T aus 1), 2 S aus 4).

  • Leben

    O. wuchs in Zürich, wo die Eltern seit 1895 wohnten, in bescheidenen Verhältnissen auf. Er besuchte die Primar- und die Sekundarschule und anschließend 1910-14 das kantonale Lehrerseminar in Küsnacht. 1914-18 studierte er an der Univ. Zürich Psychologie, Philosophie sowie Zivil- und Strafrecht und promovierte 1918 zum Dr. phil. Gleichzeitig unterrichtete er als Primarlehrer in Niederglatt (Kt. Zürich) und Zürich. Nach dem Studium war O. zunächst Amtsvormund der Stadt Zürich (1918–26). In diesen Jahren begann seine Laufbahn als Gewerkschafter und Politiker. 1921-31 war er Präsident des Verbandes der Gemeinde- und Staatsarbeiter der Schweiz (seit 1924 Schweizer. Verband d. Personals öff. Dienste, VPOD). 1925 wurde er als Mitglied der Sozialdemokratischen Partei der Schweiz (SPS) in den Nationalrat gewählt, dem er bis 1963 angehörte (1939-46 Mitgl. d. Vollmachtenkomm.). Seit 1926 arbeitete O. beim VPOD, zunächst als Sekretär, 1927 als Zentralsekretär und 1931-46 als Geschäftsleitender Sekretär und Redakteur der Verbandszeitungen. Zugleich gehörte er dem Bundeskomitee des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes (1928–46, SGB) und der Exekutive der Berufsinternationale des öffentlichen Personals an. 1936 wurde er zudem zum Präsidenten der SPS (1936–52) gewählt. Diese Stellung ließ O. zum einflußreichen Politiker der Arbeiterbewegung während Krise, Faschismus, Krieg und Nachkriegszeit werden. O. machte den VPOD zum Zentralverband und baute das Bildungswesen aus. Hier initiierte er zur Überwindung der Krise nach den Ideen des belg. Sozialisten Hendrik de Man auch die Diskussion über den Plan der Arbeit, die in der von SGB und SPS unterstützten Kriseninitiative (1935) und in der Richtlinienbewegung ihren Niederschlag fand. Als entschiedener Gegner des Faschismus und Verfechter der Unabhängigkeit der Schweiz gehörte er zu den Befürwortern der von der SPS seit 1917 abgelehnten Landesverteidigung. 1940 war er Mitbegründer der Aktion Nationaler Widerstand. O. unterstützte überdies verschiedene Projekte zur Verteidigung der Demokratie und zur Rettung der Kultur, er setzte sich für Flüchtlinge und für verfolgte Künstler ein und suchte Literatur und Kunst in der Arbeiterschaft zu verbreiten (u. a. 1933 Mitbegründer der überparteilichen Zeitung „Die Nation“, 1933-46 Präsident der Büchergilde Gutenberg). Ende 1942 veröffentlichte die SPS im Hinblick auf die Nachkriegszeit das Aktionsprogramm „Die Neue Schweiz“, an dem O. ebenso mitarbeitete wie am neuen Parteiprogramm von 1959. Seit 1944 engagierte er sich beim Wiederaufbau der internationalen Arbeiterorganisationen; 1951-63 war er Mitglied des Generalrates der Sozialistischen Internationale. O. zählt zu den führenden Persönlichkeiten der Arbeiterbewegung der Zwischen- und Nachkriegszeit. Gegner des Nationalsozialismus wie des Stalinismus, hatte er maßgeblichen Anteil an der Entwicklung der SPS von der Klassen- zur Volkspartei und der Integration von Partei und Gewerkschaften in den bürgerlichen Staat.

    1946 wechselte O. als Geschäftsleiter zur Büchergilde Gutenberg (1946–53). 1957 gründete er eine Galerie für junge Künstler in Zürich, die er mit seiner Frau leitete. 1960-64 war er Zentralpräsident der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft, in dessen regionaler Trägerorganisation Zürich er bereits seit 1931 mitgearbeitet hatte.|

  • Auszeichnungen

    Dr. phil. h. c. (Basel 1972).

  • Werke

    Der Kampf um d. öff. Wirtsch., 1932;
    Der Plan d. Arbeit, Nat. Planwirtsch. in d. Schweiz, hg. v. VPOD, 1934;
    Wohin des Wegs? Unsere Pol. in d. Arbeiterbewegung, hg. v. VPOD, 1934;
    Die Arbeiterschaft d. Schweiz im zweiten Weltkrieg, 1943;
    Der Sozialismus in Europa, 1944;
    Vom Wiederaufbau d. internat. Arbeiterbewegung, Die Weltgewerkschaftskonferenz in London, 6.-16. Febr. 1945, 1945 (mit H. Leuenberger);
    Die Büchergilde Gutenberg als Bildungsinst. d. Werktätigen, in: FS f. Max Ras, 1949;
    zahlr. Art. in: Öff. Dienst (VPOD) u. in: Rote Revue (SPS).

  • Literatur

    H. Jordi u. M. Arnold, 50 J. Verbandsgesch., in: Der VPOD im Spiegel d. Zeitgeschehens (1905–55), III, 1955;
    Unterwegs zur soz. Demokratie, FS z. 75. Geb.tag v. H. O., hg. v. U. Kägi, 1969 (P).

  • Autor/in

    Markus Bürgi
  • Empfohlene Zitierweise

    Bürgi, Markus, "Oprecht, Hans" in: Neue Deutsche Biographie 19 (1999), S. 580-581 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd132107228.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA