Lebensdaten
1889 bis 1945
Geburtsort
Berlin
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Philosoph
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 139136304 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Odebrecht, Paul Rudolf
  • Odebrecht, Rudolf
  • Odebrecht, Paul Rudolf

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Zitierweise

Odebrecht, Rudolf, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd139136304.html [21.10.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Paul (1839–1909), Feuervers.beamter;
    M Maria Mohr (1844–1911);
    Berlin 1909 Karoline Zumpl (* 1882);
    S Botho (* 1912).

  • Leben

    O., der Philosophie, Mathematik und Physik in Berlin studierte, promovierte in Erlangen mit der Arbeit „Hermann Cohens Philosophie der Mathematik“ (1906). Nach dem Staatsexamen 1910 in philosophischer Propädeutik, Mathematik und Physik verdiente er seinen Lebensunterhalt als Lyzeal-, später als Gymnasiallehrer. In den 20er Jahren wandte er sich der phänomenologischen Philosophie Husserls zu, gleichzeitig trat er als Radierer in Erscheinung (Radierte Glossen z. Zeitgesch. 1921, Radierungen zu Peer Gynt u: Strindbergs Traumspiel).

    In seinem philosophischen Hauptwerk „Grundlegung einer ästhetischen Werttheorie“ (I: Das ästhet. Werterlebnis, 1927; II: Morphologie d. ästhet. Wertzonen, nicht erschienen) versuchte er. die Transzendentalphilosophie Cohens mit der Phänomenologie Husserls zu verbinden. Er führte das ästhetische Wertgefühl auf eine Gesetzlichkeit des Gefühls zurück, in der eine regionale Ganzheit von Individuation erlebt und in der Gestaltung symbolisch zum Ausdruck gebracht wird. Mit seiner Lehre von der „Stimmung“ als einer gefühlsmäßigen Gesamthaltung des Bewußtseins, die das künstlerische Schaffen leitet, nahm er Anregungen der Ganzbeitspsychologie von Eduard Spranger (1882–1963) und Felix Krueger (1874–1948) auf. Mit „Form und Geist, Der Aufstieg des dialektischen Gedankens in Kants Ästhetik“ (1930) und mit „Schleiermachers System der Ästhetik“ (1932) wollte O. seinen „Versuch einer systematischen Grundlegung der Ästhetik als philosophischer Disziplin“ weiterführen. Nach seiner Habilitation 1931 mit der Schrift „Schleiermachers Ästhetik des Gefühls in ihrer systematischen und problemgeschichtlichen Bedeutung“ lehrte er nebenberuflich an der Univ. Berlin (1939 ao.|Prof.). Seit der Machtergreifung Hitlers arbeitete O. an einer Darstellung der Geschichte der deutschen Philosophie als Werk arteigenen deutschen Geistes, der sich seit Nikolaus von Kues, Böhme und Paracelsus vom Rationalismus franz. Prägung abgegrenzt habe. Die programmatischen Leitlinien seiner völkischen Weltanschauung, mit der er sich vom „sterilen Intellektualismus“ seiner einstigen (jüd.) Lehrer Cohen und Husserl abgrenzt, hat O. in zwei kleinen Schriften dargestellt (Nicolaus von Cues u. d. dt. Geist, 1934; Welterlebnis u. phil. Rede, Ein Btr. z. Verstehen dt. Philosophie, 1938). Wiederholte Anträge auf Freistellung vom Schuldienst wurden nicht genehmigt, so daß die Geschichte der artdeutschen Philosophie nicht realisiert werden konnte. O.s Versuch, arteigenes deutsches Philosophieren mit der Politik des Nationalsozialismus zu verbinden, fand bei den Herrschenden keine Unterstützung. Kurz nach Kriegsende verunglückte O. tödlich. Seine vor 1933 ausgearbeitete transzendental-phänomenologische Ästhetik konnte sich in Deutschland nicht mehr auswirken, fand aber in Japan große Anerkennung.|

  • Auszeichnungen

    Silberne Leibnizmedaille d. Preuß. Ak. d. Wiss. (1942).

  • Werke

    Weitere W Gefühl u. Schöpfer. Gestaltung, 1929;
    Gefühl u. Ganzheit, 1929;
    Ästhetik d. Gegenwart, 1932 (Forschungsber.). – Hg. (im Auftrag d. Preuß. Ak. d. Wiss.): Friedrich Schleiermachers Ästhetik, 1931;
    Friedrich Schleiermachers Dialektik, 1942. – Mithg: Philos. u. Schule, 1929-31.

  • Literatur

    H. Noack, in: DVjS 10, 1932, S. 148-52;
    R. Majut, in: Phil. Stud. 2, 1951, S. 257-59;
    Th. Weber, Joachim Ritter u. d. „metaphys. Wendung“, in: W. F. Haug (Hg.), Dt. Philosophen 1933, 1989, S. 224 ff.;
    T. Ota, Gefühlsgestaltung u. d. künstler. Schaffen, in: Aesthetics 4, 1990, S. 13-23;
    Ziegenfuß.

  • Autor/in

    Wolfhart Henckmann
  • Empfohlene Zitierweise

    Henckmann, Wolfhart, "Odebrecht, Rudolf" in: Neue Deutsche Biographie 19 (1999), S. 417 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd139136304.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA