Lebensdaten
unbekannt
Beruf/Funktion
Grafen von Neuenahr ; rheinische Adelsfamilie
Konfession
katholisch,evangelisch
Normdaten
GND: 1075773172 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Are, Grafen von
  • Are-Hochstaden, von
  • Neuenahr
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Neuenahr, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd1075773172.html [16.12.2018].

CC0

  • Leben

    Der Ahrgau wurde seit spätestens 1102 von den Grafen v. Are verwaltet, deren Bedeutung weit über den Gau hinausreichte (s. NDB I). Wichtigster Vertreter des Geschlechts war der Kölner Ebf. Konrad v. Are-Hochstaden, durch den 1246 ein Großteil seiner Grafschaften an das Erzstift überging. Mit Gf. Otto gelangte 1206 das Haus Are-Nürburg an die Herrschaft. Dessen Enkel Otto (erw. 1209, 1231) wird 1225 erstmals Gf. v. N. genannt und muß in dieser Zeit Burg Neuenahr (1276 erstmals erw.) erbaut haben. Die Grafschaft war Lehen der Pfalzgrafen bei Rhein, die Burg seit 1280 kurköln. Lehen. Ottos Sohn Gerhard (erw. 1231-66) war seit 1248 Lehensmann des Erzbischofs von Köln und häufig in dessen Umgebung. Sein Enkel Wilhelm I. (erw. 1276, reg. 1280-1322) nahm 1292 an der Krönung Adolfs in Aachen teil und erhielt 1297/98 die neuerworbenen Burgen Neuerburg (Eifel), Schönstein Westerwald und Altenwied sowie das Dorf Asbach als köln. Lehen. Sein Bruder Johann I. (erw. 1276-1328), Herr zu Saffenberg, war 1288 bei Worringen einer der Gegner des Erzbischofs. Unter Wilhelms I. Enkel Wilhelm III. (erw. 1342-53) wurde die Grafschaft 1346 von Kurpfalz dem Markgrafen v. Jülich verliehen und dadurch Afterlehen. Für Wilhelms II. unmündige Tochter Katharina (um 1351–93) übernahm sein Onkel Kraft ( 1358/59), bisher Kanoniker in Köln und Bonn, die Vormundschaft. 1353 verlobte er sie mit Johann III. v. Saffenberg (erw. 1353-97); die Eheschließung erfolgte 1360/63. Nach Krafts Tod mußte sich dieser – als Gf. v. N.-Saffenberg: Johann I. – 1360-72 gegen Katharinas Verwandte durchsetzen, welche die weibliche Erbfolge bestritten. Nach dem Verzicht des Raubritters Johann v. N.-Rösberg (erw. 1327-63) auf die Grafschaft wurde Johann I. vom Herzog v. Jülich 1364 damit belehnt. Als der Streit jedoch immer wieder aufflammte, wurde Burg Neuenahr 1372 vom Kölner Ebf. Friedrich v. Saarwerden zerstört. Für diese Unterstützung übertrug ihm Johann I. 1382 die Hälfte der Grafschaft, die aber ungeteilt blieb; das Kondominium bestand bis 1546. Auf Johanns I. ältesten Sohn Johann II. (erw. 1397, 1414) folgte sein mittlerer Sohn Wilhelm IV. (erw. 1397-1426). 1424 dankte dieser zugunsten seiner ältesten Tochter Katharina (1411–70) und ihres Ehemannes Philipp I. Gf. v. Virneburg (erw. 1419, 1443) ab. Der jüngste Sohn Kraft (erw. 1404-46) wurde durch Heirat Herr v. Landskron. Die letzte Phase der Hauptlinie – N.-Saffenberg-Virneburg – währte bis 1545. Philipps I. Enkel Philipp II. (erw. 1458-1522/27) hatte vier Söhne. Der älteste, Philipp III. (erw. 1508-36), folgte 1514, der zweite, Kuno (erw. 1508, 1545), 1534. Da beide kinderlos blieben und die Rösberger Linie auf Neuenahr verzichtet hatte, zog Hzg. Wilhelm V. v. Jülich die Grafschaft 1546 als erledigtes Lehen ein, was einen 1549-1717 währenden Rechtsstreit mit dem Erzstift Köln am Reichskammergericht zur Folge hatte. Die Grafen v. N.-Rösberg in Alpen usw. hatten im Stammland so viele Besitzungen und Rechte, daß Jülich noch 1571 ihre halbe Beteiligung an den Reichssteuern der Grafschaft anstrebte.

    Der bedeutendere Zweig der Familie war der von N.-Rösberg. Des Raubritters Johann Sohn Johann III. (erw. 1360, 1405) heiratete in die Familie der Herren v. Alpen (kurköln. Lehen) ein und war Vater Gumprechts I. v. N. und Alpen (erw. 1393-1429), der 1422 durch Verzicht seines Onkels (Großvaters) auch die Erbvogtei über die Stadt Köln erhielt. Sein Sohn Gumprecht II. ( 1484) heiratete 1425 Margarete ( 1459), Erbtochter der Gfsch. Limburg und der Herrschaft Bedburg/Erft. Seine Schwiegereltern Wilhelm Gf. v. Limburg, Herr zu Broich, und Mechthild v. Reifferscheid vermachten ihm 1442 die Gfsch. Limburg, mit der ihn Kg. Friedrich IV. im Mai belehnte. 1440 leitete Gumprecht II. als kurköln. Rat eine Gesandtschaft Ebf. Dietrichs v. Moers zu Kg. Heinrich VI. von England (Bündnis gegen Frankreich u. Burgund; Vermittlung in d. engl.-franz. Wirren; Beendigung d. Schismas). 1441 übertrug Friedrich IV. ihm, der schon 1440 kgl. Rat war, das (Reichs-)Hofgericht. Als Hofrichter nahm er 1442 an Friedrichs Krönung in Aachen und am Frankfurter Reichstag auch als Reichsstand teil, wo er mehrere Privilegien erhielt. Anschließend war er kgl. Gesandter zum Hzg. von Burgund in dessen Zwist mit Kursachsen.

    Gumprechts II. Sohn Friedrich ( 1468 vor Wachtendonk) war 1456-59 Propst zu Aachen. 1461 heiratete er die Erbtochter Eva v. Linnep und Heipenstein, wodurch letzteres wieder an die Erbvögte zurückfiel. 1465 folgte er in Alpen, Rösberg usw. nach. Sein Sohn Gumprecht III. ( 1505 ?), 1467 bis zu seiner Heirat 1484 Kölner Domherr, trat 1470 die Herrschaft an, doch Gf. Dietrich v. Bronckhorst zu Batenburg vertrieb ihn infolge des Pfandschaftsstreits 1485 aus Alpen. Nach dem Schiedsspruch Erzhzg. Maximilians I. als Herzog von Burgund 1486 wurde Gumprecht von Ebf. Hermann IV. v. Köln mit Alpen belehnt. Auf dem Wormser Reichstag 1495 war er als dessen Gefolgsmann, aber auch als Reichsstand anwesend. An der Lindauer Reichsversammlung 1496 hatte er als kurköln. Gesandter wesentlichen Anteil.

    Sein Sohn Gumprecht IV. (* 1503, nach 6. März 1553/56) heiratete 1528 Gfn. Anna v. Bronckhorst ( 1529), 1536 (1530 ?) die jüngere Schwester des Kölner Domherrn (1529) bzw. Koadjutors (1533) und nachmaligen Ebf. Adolf III., Gfn. Cordula v. Holstein-Schauenburg (* 1516) und 1542 Gfn. Amöna v. Daun-Falkenstein, Erbin v. Limburg ( nicht vor 1582). Gumprechts II. weiterer Sohn Wilhelm I. ( 1497), wie seine Vorfahren Erbhofmeister des Erzstifts Köln, folgte 1465 in Bedburg nach; auch er nahm 1495 am Reichstag teil, wo er u. a. einen Auftrag Maximilians I. zur Beilegung eines Streits in der Abtei Essen erhielt. Er und seine Ehefrau Walburga v. Manderscheid-Schleiden (1468-nicht vor 1527) waren die Eltern Wilhelms II. (erw. 1497, 1552), der 1518 die Erbtochter der|Gfsch. Moers, Anna Gfn. v. Wied, eine Nichte des Kölner Ebf. Hermann v. Wied, heiratete, als dessen Rat Wilhelm II. mit bedeutenden Aufgaben betraut wurde: So setzte er sich 1519 mit anderen rhein. Grafen für die röm. Königswahl Karls V. ein; im Okt. 1519 war er einer der Gesandten der Kurfürsten an Karl V. wegen Verlegung des Krönungsortes; 1526 war er Unterhändler des Ehevertrages Johann Friedrichs I. von Sachsen mit Sybilla v. Jülich, 1529 Vermittler zwischen Kurköln und Jülich-Kleve-Berg in Neuß. Auf dem Speyerer Reichstag 1529 war er mit seinem Bruder Hermann d. Ä. (s. 1) und seinem Großneffen Gumprecht IV. im kurköln. Gefolge und eifrig bemüht, Sachsen beim Kaiser zu halten. Im März 1530 wurden er und Gf. Wilhelm I. v. Nassau-Dillenburg nach ihrem Besuch des Arnstädter Tages von Kf. Johann von Sachsen zu Karl V. gesandt, u. a. wegen der Belehnung mit der Kur und zur Bestätigung des Heiratsvertrags. Anschließend nahm er, wiederum mit Hermann d. Ä. und Gumprecht IV, am Augsburger Reichstag teil. Im Juli 1531 sandte Karl V.ihn zur Vermittlung mit dem Schmalkald. Bund zum sächs. Hof zurück. Ebf. Hermann sandte ihn im Herbst 1542 mit Dr. Johannes Gropper zur Regentin der Niederlande. Bei der köln. Reformation 1543 wird er oft in Verbindung mit Gf. Dietrich v. Mandeischeid genannt; beide führten auch Verhandlungen mit Melanchthon, der 1543 nach Bonn kam. Wie es scheint, haben beide Grafen 1547 Hermann v. Wied zur Amtsniederlegung bewogen. Die Gfsch. Moers, die ihm sein Schwiegervater 1519 überlassen hatte, mußte Wilhelm II. 1542 zusammen mit dem zurückgewonnenen Krefelder Ländchen vom Herzog v. Jülich-Kleve-Berg zu Lehen nehmen. Die Reformation, der er sich persönlich schon früh zugewandt hatte, begann er, ohne Rücksicht auf die benachbarten kath. Landesherren, bald auch in der Grafschaft einzuführen. 1536 berief er den ehem. Priester Henrich Bommel (um 1500–70) als Prediger nach Moers. 1543, im Jahr des Venloer Vertrages, war die Reformation in Moers bereits so weit fortgeschritten, daß die prot. Geistlichkeit ein regelmäßig tagendes Kapitel bilden konnte. Nach 1542 förderte er auch in Krefeld die Reformation, eifrigst unterstützt von seinem Sohn Hermann d. J. (s. 2). Wilhelm war außerdem Freund und Beschützer des niederländ. ref. Schulmannes Heinrich Geldorp ( 1585). Aber auch der Katholik Caesarius war in seinen letzten Lebensjahren mehrmals am gräfl. Hof in Moers.

  • Literatur

    J. Chmel, Regesta … Friderici IV. … (Imperatoris III.), 1. Abt., 1838, Nachdr. 1962;
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    Th. J. Lacomblet, UB f. d. Gesch. d. Niederrheins, II-IV, 1846–58, Nachdr. 1966;
    A. Fahne, Gesch. d. Köln., Jül. u. Berg. Geschlechter, I-II. 1848–53, Nachdr. 1965;
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    C. A. Cornelius, Briefwechsel zw. Hzg. Friedr. v. Sachsen u. Gf. Wilh. v. N. …, 1529-1536, ebd. 10, 1874, S. 129-58;
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    A. Schneider, Der Niederrhein.-Westfäl. Kreis im 16. Jh., 1985;
    A. Kulenkampfl, Die Grafen u. Herren v. N. 1276-1521, Ein Btr. z. vfg.geschichtl. Stellung d. Grafen u. Herren im späten MA, in: ZHF 24, 1997, S. 161-78;

    ADB VIII;
    Biogr. Nat. Belge 15;
    NNBW V, IX;
    Isenburg I, 32, 115, 138; IV, 33-35, 36 a (unzuverlässig); VII 140, 141 (fehlerhaft), 157, 165;
    BBKL. – Eigene Stud.:
    HStA Düsseldorf, Bestände Reichskammergericht, Kurköln, Jülich-Berg, Moers, Abtei Werden, Herrschaften Alpen u. Broich.

  • Autor/in

    Hugo Altmann
  • Familienmitglieder

  • Empfohlene Zitierweise

    Altmann, Hugo, "Neuenahr" in: Neue Deutsche Biographie 19 (1999), S. 106-108 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd1075773172.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA