Lebensdaten
um 1545 bis 1589
Sterbeort
Arnheim
Beruf/Funktion
Graf zu Neuenahr und Moers ; Statthalter von Gelderland, Utrecht und Overyssel
Konfession
reformiert
Normdaten
GND: 138058644 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Adolf von Neuenahr
  • Neuenahr und Mörs, Adolf Graf von
  • Neuenar und Mörs, Adolf Graf von
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Zitierweise

Neuenahr, Adolf Graf von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd138058644.html [23.09.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Gamprecht IV. (1503–53/56, s. Einl.);
    M Amoena v. Daun-Falkenstein ( nicht vor 1582), Erbin v. Limburg;
    Stief-Schw Amalia (1528/29-1612, Kf. Friedrich III. v. d. Pfalz, 1515–76, s. NDB V);
    Schw Magdalena (1551–1626, Gf. Arnold II. v. Bentheim-Tecklenburg-Steinfurt, 1601), Erbin v. Limburg, Alpen, Helpenstein u. der Erbvogtei;
    1569 Walburga v. N. u. Moers (1522/27-1600, ⚮] Philipp v. Montmorency, Gf. v. Horn, 1524–68, hingerichtet), T d. Wilhelm II. Gf. v. N. (1497-1522, s. Einl.), Erbhofmstr. d. Kft. Köln, u. d. Anna Gfn. v. Wied;
    1 S (früh †).

  • Leben

    Der einzige Sohn Gumprechts IV. aus dessen dritter Ehe war Patenkind Ebf. Adolfs III. v.|Köln. Nach dem Tod seines Vaters stand er etwa bis 1570 unter der Vormundschaft Hermanns d. J. und wurde wohl gemäßigt prot. erzogen. Zur Besitzsicherung heiratete er die Schwester – und Nachfolgerin – seines Vormunds, die eine überzeugte Calvinistin war. Der umfangreiche Besitz der beiden umfaßte neben dem Kern um Moers, Friemersheim und Krefeld den bis nach Luxemburg reichenden Alpener Streubesitz; dazu kam 1576/78 Weert (Limburg) und Altena (Nordbrabant ?) aus dem Erbe des Gf. Horn sowie die Kölner Erbvogtei und das Erbhofmeisteramt. Für Moers und Krefeld erließ N. 1567-86 mehrere neue Verordnungen (Gerichtsordnung 1567, drei Polizeiordnungen 1580–82, Busch- und Holzordnung 1579–86). 1575 begann er den Neubau des Moerser Schlosses. N. und Hermann d. J. ist es in erster Linie zuzuschreiben, daß das Kölner Domkapitel 1577 mehrheitlich für Gebhard Truchseß v. Waldburg und gegen Ernst von Bayern als neuen Erzbischof stimmte. Auch als Gebhard heiraten und das Erzstift protestantisieren wollte, spielte N. eine herausragende Rolle. Als ersten Schritt zur Einführung der Reformation in Kurköln veranstaltete er gemeinsam mit Ebf. Gebhard in dem zur Erbvogtei gehörenden Weiler Mechern vor den Toren Kölns am 8.7.1582 die erste einer Reihe von Predigten, was in Köln wie im ganzen Reich Erregung hervorrief. Auch den endgültigen Konfessionswechsel Gebhards im November 1582 in Bonn hat N. herbeigeführt. Die Teilnahme des Erbhofmeisters am Kölner Landtag 1583 wurde durch die Stadt Köln verhindert. Am 2.2.1583 heiratete Gebhard in N.s Gegenwart und ernannte diesen am selben Tag zum Obersten und zum Statthalter im Erzstift. Die Verteidigung des Niederstifts übernahm N. persönlich, die des Oberstifts Gebhards Bruder Karl. Gebhard übergab N. das Stiftsarchiv, das dieser bei den Generalstaaten deponierte. Im Niederstift konnte er v. a. Rheinberg sichern (Febr./März 1583), wo er den Calvinismus einführte. Der Krieg, der sein Vermögen verbrauchte, brachte ihm im April die Einnahme von Recklinghausen, am 29. Juni den erneuten Einzug in Bonn und im August die Einnahme von Deutz. Im Herbst drohte ihm Kaiser Rudolf II. mit der Reichsacht, deren Verhängung jedoch wurde durch die luth. Kurfürsten verhindert wurde. Im November ließ N. die Abtei Kamp, die Grablege seiner Vorfahren, plündern. Der nach Delft exilierte Gebhard überließ N. die kriegerische Initiative, doch blieben diesem nur Rheinberg, Moers und Alpen. Wie ernst die Lage war, zeigt die Übersiedlung seiner Ehefrau Walburga im Juli 1584 nach Arnheim. Den Sommerfeldzug führte N. 1584 im Gelderland und wurde im Verlauf des Jahres zum Statthalter von Geldern und Zutphen gewählt, 1585 auch zum provisorischen Statthalter von Utrecht. In der Nacht zum 19.5.1585 überrumpelte er Neuß, das er bis zur Befreiung durch Alexander Farnese im Juli 1586 hielt. Dieser nahm im August auch Moers ein, das elf Jahre in span. Hand blieb, sowie Alpen. Nach der Eroberung von Neuß nahm er den berüchtigten span. Truppenführer Martin Schenk v. Nideggen (1540–89) in seinen Dienst, welcher im Dezember 1587 überraschend Bonn einnahm.

    1581 erließ N. eine neue ref. Kirchenordnung für Moers, die den Calvinismus in der Grafschaft festschrieb und seinem Schwager für Bentheim-Tecklenburg als Vorbild diente. In dem säkularisierten Moerser Karmelitenkloster gründete N. 1582 eine Hohe Schule unter der Leitung von Johann Piscator (1546–1625). Die rigorose Reformierung von Arnheim und Nymwegen Anfang 1585 führte dazu, daß letzteres sich Spanien anschloß. Die Belagerung Rheinbergs durch Alexander Farnese veranlaßte N. zu waffentechnischen Versuchen in Arnheim, bei denen es am 6.10.1589 zu einer schweren Explosion kam, an deren Folgen er starb. Mit seinem Tod war der Kölner Krieg praktisch beendet. Seine Witwe Walburga, deren Freigebigkeit gerühmt wurde, vermachte in ihrem Testament von 1594 Moritz v. Nassau-Oranien die Gfsch. Moers, die dieser 1597 kurzzeitig den Spaniern entriß und erst 1601/03 endgültig in seinen Besitz brachte.

  • Literatur

    ADB 23;
    [L.] Ennen, Zur Ueberrumpelung d. Stadt Neuß durch d. Gf. v. N., 1585, in: Ann. d. Hist. Ver. f. d. Niederrhein, 31, 1877, S. 159 f., 171 f.;
    Ch. Schmitz, Gf. A. v. N.-Moers, in: Die Heimat …, Krefeld, 19, 1940, S. 181 f.;
    O. Bierhoff, Aus d. Leben d. Kriegsmannes Gf. A. zu N. u. Limburg, in: Heimatbll. f. Hohenlimburg 29, 1968, S. 56-66, 81-89, 113-15;
    Het Archief van het Hof van Gelre en Zutphen, hg. v. Rijksarchief in Gelderland, 3 T., 1973-78;
    H. Preuß, Martin Schenk v. Nideggen … u. d. Truchsess. Krieg, in: Rhein. Vj.bll. 49, 1985, S. 117-38;
    M. Heiermann, Die Rolle Gf. A.s v. N. im Köln. Krieg (1580–1589), Mag.arb. Bonn 1992 (masch.);
    U. Geißler, Die Stadt Rheinberg … u. ihre Befestigungsanlagen, 1995.

  • Autor/in

    Hugo Altmann
  • Empfohlene Zitierweise

    Altmann, Hugo, "Neuenahr, Adolf Graf von" in: Neue Deutsche Biographie 19 (1999), S. 109 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd138058644.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Neuenar: Adolf, Graf v. N. und Mörs, Statthalter von Gelderland, Utrecht und Overyssel, geb. in der ersten Hälfte des sechs zehnten Jahrhunderts aus einem protestantischen niederrheinischen Grafengeschlecht, war durch Heirathen mit den Nassauern und Brederode's verwandt und selber mit der Wittwe des 1568 enthaupteten Grafen v. Horn vermählt. So ward er schon früh in die niederländischen Wirren hineingezogen, während die Lage seiner Besitzungen, hart an den niederländischen und namentlich an den geldrischen Grenzen, ihn nicht weniger mit denselben in Berührung brachte. Dazu ergriff er die Partei des Kurfürsten Gebhard von Köln gegen dessen von den Spaniern unterstützten baierischen Nebenbuhler. Kein Wunder, daß er schon bald nach der Utrechter Union von mehreren Seiten als Statthalter von Gelderland vorgeschlagen ward, als Graf Johann von Nassau diese Stelle aufzugeben im Begriff war. Doch wurde ihm 1581 Graf Wilhelm v. Berg, Oraniens Schwager, vorgezogen, doch als der sich 1584 unmöglich gemacht, wurde er zu diesem freilich schwierigen Posten erwählt. Zu spät allerdings um zu verhindern, daß ein ansehnlicher Theil dieses noch sehr katholischen Landes sich den Spaniern zuwandte. Das gewaltthätige Regiment Johanns und das schwache Wilhelms v. Berg trugen damals böse Früchte; die Katholiken waren vom ersteren arg bedrückt, während das letztere ihnen die freie Hand ließ, ihren Uebertritt vorzubereiten. Nur die Hauptstadt Arnhem und einige kleinere Städte gelang es N. zu behaupten, sonst war 1585 fast die ganze Provinz spanisch. Auch mangelte es ihm durchaus an politischer Befähigung und was ärger war, an Charakterfestigkeit, wenn er auch ein aufrichtiger Patriot und Protestant war. Im Felde hatte er kaum größeres Glück. Gelang es ihm auch Neuß in seine Gewalt zu bringen und den gefürchteten Condottiere Martin Schenk auf seine Seite zu ziehen, so erlitt er dafür zusammen mit diesem neuen Alliirten und dem Utrechter|Statthalter Villiers eine gewaltige Niederlage bei Amerongen in der Provinz Utrecht. Ihm selbst brachte diese Schlappe freilich Gewinn, weil er an Stelle des gefangenen Villiers provisorisch zum Statthalter erkoren wurde. Die Wahl hatte er den demokratischen Calvinisten der Stadt zu verdanken, die ihn zu ihrem Führer und Werkzeug ausersehen hatten, um die alten mit Holland und dem nassauischen Hause befreundeten libertinischen Regenten zu stürzen. Sie hatten ganz richtig gewählt. Als Graf Leicester ins Land gekommen war und sich ihnen angeschlossen hatte, trat N. gänzlich auf ihre Seite und lieh seinen Namen zu allen Gewaltthätigkeiten jener rührigen Partei, wenn er sich auch hütete sich persönlich zu betheiligen. Als jedoch Leicester nach England zurückgegangen war, sieht man N. im Laufe des Jahres 1587 allmählich seine Stellung ändern. Es wird das wol dem Einfluß seiner mit den Engländern zerfallenen Frau zugeschrieben. Mit einer gewissen Mäßigung und unter Wahrung der gesetzlichen Formen brachte er eine, wenn auch rein formelle, Versöhnung der Parteien in Utrecht zu Stande, die ihm die Anerkennung seiner Würde eintrug, der er auch die overysseler Statthalterschaft zufügen konnte. Er war damals meist am Niederrhein thätig, wenn auch sein zahlreiches Reitercorps nicht viel anders that, als das Land verwüsten und das Geld der Staaten aufzehren. So konnte er ohne zuviel Aufsehen zu erwecken im Herbste des Jahres 1588 durch einen friedlichen Staatsstreich die Utrechter Demokraten, die er bis jetzt beschützt hatte, mit Hülfe freilich einiger ihrer ehemaligen Häupter, aus dem Regiment in Stadt und Provinz entfernen. Ein Jahr später, im October 1589 kam er bei einem artilleristischen Versuche ums Leben, einen etwas zweifelhaften Namen hinterlassend, wenn auch seine Treue an der niederländischen und protestantischen Sache nie in Zweifel gezogen ist.

    • Literatur

      Vgl. außer Bor, van Meteren und van Reidt, Groen van Prinsterer, Archives de la Maison d'Orange, 1. Serie. T. VII—VIII; auch Motley, History of the United Netherlands. v. I—II. — Fruin, Tien Jaren, und mein Staat der Ver. Nederlanden.

  • Autor/in

    P. L. Müller.
  • Empfohlene Zitierweise

    Müller, P. L., "Neuenahr, Adolf Graf von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 23 (1886), S. 484-485 unter Neuenar [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd138058644.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA