Lebensdaten
1805 bis 1874
Geburtsort
Schaffhausen
Sterbeort
Badenweiler
Beruf/Funktion
Uhrenindustrieller ; Wirtschaftspionier ; Unternehmer
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118821008 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Moser, Johann Heinrich
  • Moser, Heinrich
  • Moser, Johann Heinrich
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Zitierweise

Moser, Heinrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118821008.html [07.12.2019].

CC0

  • Genealogie

    Aus alter Schaffhauser Handwerkerfam.;
    V Erhard (1760–1829), Stadtuhrmacher in Sch., S d. Uhrmachers Johannes u. d. Maria Magdalena Schalch;
    M Dorothea (1771–1839), T d. Goldarbeiters Johann Georg Müller u. d. Esther Schalch;
    1) St. Petersburg 1831 Charlotte Iwanowna ( 1850), T d. Mechanikers Franz Mayu aus Amsterdam u. d. Babette Balabrega, 2) 1870 Fanny Louise (1848–1925), ging als Patientin S. Freuds unter d. Pseudonym „Emmy v. N.“ in d. psychoanalyt. Lit. ein (s. L), T d. Heinrich Frhr. v. Sulzer-Wart (1805–87), Gutsbes. in Wart Kt. Zürich, bayer. Kämmerer, Gen.konsul u. Salzhandlungskommissär in Winterthur, u. d. Catharina Elisabetha Peter (1809–64);
    1 S, 4 T aus 1), u. a. Henri (Georg Heinrich) (s. 2), Emma (1835–1916, Georg Neher, 1826–85, Fabr. in Neuhausen), Sophie (1839–1920, Benedikt Gf. Mikes v. Zabola, 1819–78), 2 T aus 2) Fanny (1872–1953, Jaroslav Hoppe, 1927, tschech. Komponist), Zoologin u. Parapsychologin, Mentona (1874–1971), Sozialarbeiterin in London u. Zürich, Frauenrechtskämpferin, Mitgl. d. Kommunist. Partei, gründete 1928 e. internat. Kinderheim in d. Nähe v. Moskau, Ehrenbürgerin d. DDR (1950) (s. W);
    E Charlotte Neher (1855–1929, Gustave Naville, 1848–1929, Ing., Industrieller).

  • Leben

    In der väterlichen Werkstatt erlernte M. das Uhrmacherhandwerk und begab sich anschließend auf die Wanderschaft. Seine ersten Gesellenjahre verbrachte er 1824-27 in Le Locle, dem schweizer. Zentrum der Uhrmacherei, wo er seine beruflichen Kenntnisse vervollkommnete. 1827 zog er nach Rußland und stieg dort in erstaunlich kurzer Zeit vom einfachen Handwerksgesellen zum erfolgreichen Uhrenindustriellen auf. Schon 1828 eröffnete er in St. Petersburg ein eigenes Verkaufshaus, und nur ein Jahr später gründete er – als Zweigbetrieb des russ. Hauptgeschäftes – eine Fabrikationsstätte in Le Locle; weitere Verkaufsfilialen in Moskau, Kiew und Nischnij Nowgorod folgten. Schließlich beherrschte er mit seinen in der Schweiz hergestellten Uhren den gesamten russ. Markt bis an die Grenzen Chinas. 1848 kehrte er mit seiner Familie als schwerreicher Geschäftsmann in die Heimat zurück; seine Firmen in Rußland wurden von Stellvertretern weitergeführt und trugen noch bis zur allgemeinen Verstaatlichung von 1918 den Namen des Gründers.

    M.s erklärtes Lebensziel bestand fortan darin, der damals in einer argen Krise steckenden Schaffhauser Wirtschaft durch innovative Maßnahmen wieder aufzuhelfen und damit den Wohlstand seiner Vaterstadt zu heben. So gründete er hier mit der ihm eigenen Tatkraft und seinen fast unerschöpflichen finanziellen Mitteln eine Reihe von Handels und Industrieunternehmungen, darunter die Schweizerische Waggons-Fabrik (heute Schweizerische Industrie-Gesellschaft) in Neuhausen am Rheinfall, die er 1853 zusammen mit Friedrich Peyer im Hof und Johann Conrad Neher ins Leben rief. Auch gehörte er zu den engagiertesten Förderern der neuen Eisenbahnlinie nach Winterthur, der sog. Rheinfallbahn, durch die Schaffhausen 1857 den direkten Anschluß an das schweizer. Bahnnetz erhielt. Die eigentliche Krönung seiner Gründertätigkeit bildete jedoch der trotz mancherlei Schwierigkeiten und Widerständen verwirklichte Bau eines großen flußüberquerenden Wasserkraftwerkes im Rhein bei Schaffhausen in den Jahren 1863–66. Mit dieser hinsichtlich Größe und technischer Ausführung damals einzigartigen Anlage schuf M. die wichtigste Voraussetzung für die Ansiedelung verschiedenster Industriebetriebe und leitete auf diese Weise in seiner Heimatstadt eine neue wirtschaftliche Epoche ein. M. gehörte zu den erfolgreichsten schweizer. Unternehmern des 19. Jh.

  • Werke

    zu Fanny ( 1953): Die Siphonophoren d. dt. Südpolar-Expedition, 1925;
    Okkultismus, Täuschungen u. Tatsachen, 2 Bde., 1935. – Zu Mentona: Unter d. Dächern v. Morcote (Autobiogr.), 1985.

  • Literatur

    ADB 22;
    A. Pfaff, H. M., Ein Lb., 1875 (P);
    K. Ritter, in: H. Günther, Pioniere d. Technik, 1920, S. 91-111 (P);
    K. Schib, H. M., in: Schaffhauser Btrr. z. Vaterländ. Gesch. 33, 1956, S. 301-10 (P);
    ders., H. M., Briefe in Auswahl, 1972 (P) U. Rauber, Schweizer Industrie in Rußland, 1985, S. 79-83;
    P.-G. Franke u. A. Kleinschroth, Kurzbiogrr. Hydraulik u. Wasserbau, 1991, S. 156 (P);
    HBLS;
    Schweizer Lex. (P).Zu Fanny ( 1925): H.-F. Ellenberger, L'histoire d'»Emmy v. N.«, in: L'Evolution psychiatrique 42, 1977, S. 519-40. – Zu Fanny ( 1953): O. Wanner, in: Schaffhauser Btrr. z. Gesch. 58, 1981, S. 163-72. – Zu Mentona: R. N. Balsiger, ebd., S. 179-92.

  • Autor/in

    Hans Ulrich Wipf
  • Empfohlene Zitierweise

    Wipf, Hans Ulrich, "Moser, Heinrich" in: Neue Deutsche Biographie 18 (1997), S. 181 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118821008.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Moser: Johann Heinrich M., geb. den 12. December 1805 in Schaff-Hausen, den 24. October 1874 ebendaselbst. Sohn eines wackern Uhrmachers, zog M. mit 19 Jahren auch als angehender Uhrmacher aus der Vaterstadt in die Fremde. Seine Wanderschaft führte ihn schließlich nach Rußland. In Moskau richtete er sich zuerst sein eigenes Geschäft ein; dann übersiedelte er nach Petersburg und gründete hier mit geringen Mitteln eine Uhrenfabrik, die unter seiner ebenso thatkräftigen, wie sachverständigen Leitung bald eine der bedeutendsten im weiten russischen Reiche wurde und ihn in Verbindung mit einem ausgebreiteten Uhrenhandel in verhältnißmäßig kurzer Zeit zum reichen Manne machte. Als mehrfacher Millionär kehrte M. 1849 mit seiner Familie nach Schaffhausen zurück; nicht um seine Reichthümer in unthätiger behaglicher Ruhe zu genießen, sondern um seiner in dumpfe Kleinlichkeit versunkenen Vaterstadt neue Lebensimpulse zu geben durch Erweckung einer regen gewerblichen Thätigkeit. Zwar die Uhrenfabrikation in großem Stile aus ihrer eigentlichen Heimath der Neuenburger Berge nach Schaffhausen zu verpflanzen, wagte er noch nicht; dafür war zu jener' Zeit die Concentration dieser Industrie in große, fabrikmäßig betriebene Etablissements noch zu wenig vorgeschritten. Für den Betrieb der Uhrmacherei richtete sich M. deshalb nach seiner Heimkehr in Locle ein. Dagegen gab er seinen Mitbürgern durch Gründung der Eisenbahnwagen- und Waffenfabrik Neuhausen — eine leichte Stunde unterhalb Schaffhausen — selbst das erste Beispiel, wie die gewaltige Wasserkraft des jungen Rheins für industrielle Unternehmungen zu verwerthen sei. Dann setzte er mit raschem Erfolge seine ganze Energie daran, um Schaffhausen durch eine Eisenbahn nach Winterthur, die sogenannte „Rheinfallbahn“, mit dem schweizerischen Bahnnetze in directeste Verbindung zu bringen. Endlich ging er mit aller Macht an die Verwirklichung eines Projects, das man füglich als seine größte Lebensaufgabe bezeichnen darf: an die Ausführung der großartigen Wasserbauten, durch welche die ganze Kraft des Rheinstroms in den Dienst der menschlichen Arbeit gezwungen und den Einwohnern der Stadt Schaffhausen zur freien Verfügung gestellt werden sollte. Am 9. April 1866 wurde das vollständig gelungene Werk der öffentlichen Benutzung übergeben und dem Schöpfer desselben die wohlverdiente Dankesurkunde der Vaterstadt mit einem kostbaren Ehrengeschenk überreicht. Sind auch nicht alle Hoffnungen zur Verwirklichung gelangt, welche sich für Schaffhausen an das Unternehmen knüpften, so ist in dessen Gefolge doch wieder neues, vielgestaltetes Leben in die stillen Mauern eingezogen und somit der Hauptzweck erreicht worden. Mit innerer Befriedigung durfte M. von der Höhe seiner prächtigen Villa Charlottenfels auf die Zeugnisse und Ergebnisse seiner zielbewußten, rastlosen Wirksamkeit herniederblicken, als er sich im spätern Alter einer immer noch durch mannigfaltige nützliche Thätigkeit, sowie durch die Pflege der Kunst verschönten Muße hingab; in dem Bewußtsein, nicht bloß für sich, sondern auch für Andere gelebt und fruchtbar gearbeitet zu haben.

  • Autor/in

    Wartmann.
  • Empfohlene Zitierweise

    Wartmann, Hermann, "Moser, Heinrich" in: Allgemeine Deutsche Biographie 22 (1885), S. 382-383 unter Moser, Johann Heinrich [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118821008.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA