Lebensdaten
um 1120 bis 1183
Geburtsort
vermutlich Kelheim
Sterbeort
Pfullendorf (Baden)
Beruf/Funktion
Herzog von Bayern ; Pfalzgraf von Bayern
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 124104428 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Otto von Wittelsbach
  • Otto I. von Wittelsbach
  • Otto I. von Bayern
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Objekt/Werk(nachweise)

Orte

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Zitierweise

Otto I., Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd124104428.html [23.05.2018].

CC0

  • Genealogie

    Aus d. seit ca. 1040 nachweisbaren Fam. d. Grafen v. Schevern;
    V Otto IV. ( 4.8.1156), seit ca. 1120 Pfalzgf.v. B., S d. Gf. Otto II. v. Scheyern ( ca. 1110) u. d. Richardis v. Krain ( ca. 1129);
    M Heilika ( 13.9.1170), T d. Gf. Friedrich v. Lengenfeld ( 1119) u. d. Heilika v. Staufen ( ca. 1110);
    B Konrad ( 1200), 1161-65 u. 1183-1200 Ebf. v. Mainz, 1177-83 Ebf. v. Salzburg (s. NDB XII), Otto VI. ( 1189), erhielt 1180 d. bayer. Pfalzgfsch. v. O., nachdem dieser d. Hzgt. Bayern erhalten hatte, Friedrich ( 1198), Laienmönch im Kloster Indersdorf;
    Agnes ( 1191/92), T d. Gf. v. Loon (Looz) u. Rieneck;
    3 S, 5 T, u. a. Ludwig I. d. Kelheimer, Hzg. v. Bayern (1174–1231, s. NDB 15), Heilika ( 1200, Gf. Dietrich v. Wasserburg), Agnes ( Gf. Heinrich v. Plain), Richardis ( Gf. Otto v. Geldern), Elisabeth ( 1190, Mgf. Berthold III. v. Vohburg), Sophie ( 1238, Landgf. Hermann I. v. Thüringen);
    N Otto VIII. v. Wittelsbach, Pfalzgf. v. Bayern ( 1209, s. NDB 19).

  • Leben

    O., der sich in seinen früheren Jahren gelegentlich auch nach Wartenberg bei Erding genannt hatte, folgte beim Tod seines Vaters diesem in der Pfalzgrafschaft und übernahm die Besitzungen seines Familienzweigs Wittelsbach (neben dem noch die Linien Dachau und Valley bestanden). In seinen Bemühungen um den Ausbau des Einflußbereichs seiner Familie konnte er einige große Erfolge verbuchen, u. a. die Erwerbung der Vogteien über Ober- und Niedermünster in Regensburg sowie die des Klosters Schäftlarn. Als unbedingter Parteigänger der Staufer war er mehrfach in diplomatischer Mission für Friedrich Barbarossa tätig, besonders 1158/59, als er zusammen mit Rainald v. Dassel die Verhandlungen mit Byzanz über die ital. Küstenstädte führte. Schon 1154 hatte er Barbarossa auf dessen erstem Italienzug begleitet; bekannt ist seine Erstürmung der Veroneser Klause auf dem Rückweg 1155, mit der er dem deutschen Heer den Rückweg sicherte. In den folgenden Jahren trat er als Vertreter des Kaisers gegenüber Hzg. Heinrich dem Löwen wie auch als Stellvertreter des Herzogs im Gericht und bei der Wahrung des Landfriedens in Erscheinung. Die Zeugenreihen der Kaiserurkunden belegen seinen herausgehobenen Rang.

    Nachdem Heinrich der Löwe 1179 der Acht verfallen und im Januar 1180 seiner Reichslehen verlustig gegangen war, begann man im April neu über sie zu verfügen. Auf dem Regensburger Reichstag im Juni 1180 wurde auch auf bayer. Boden die Absetzung noch einmal feierlich verkündet und von den anwesenden Großen Bayerns bestätigt. Die Neuvergabe des Herzogtums wurde aber erneut hinausgezögert, obwohl kaum ein anderer Kandidat als der Pfalzgraf des Landes in Frage kommen konnte. Erst am 16.9.1180 wurde O. zu Altenburg (Thüringen) mit Bayern belehnt; die Steiermark wurde abgetrennt und Otakar IV. von Steyr gleichfalls mit der Herzogswürde ausgestattet. Am 23. November hielt O. seinen ersten Landtag in Regensburg, auf dem – im Unterschied zum Reichstag im Juni – jedoch nur zwei Grafen, Burggraf Friedrich v. Regensburg und Gf. Heinrich v. Frontenhausen, ihre Huldigung leisteten – deutliches Zeichen für die Ablehnung des neuen Herzogs durch den höheren Adel. Mit Sicherheit fehlte der Herzog der Steiermark, doch war damit im Grunde der Endpunkt einer Entwicklung erreicht, die 1156 eingesetzt hatte. Die Erhebung Gf. Bertholds IV. von Andechs zum Herzog im Verlauf des Jahres 1180, mit dem der Kaiser diesen in den gleichen Rang wie O. erhob, bedeutete zugleich eine empfindliche Beschneidung von dessen Hoheitsrechten im Westen. Ebenso war der Nordgau durch die Reichslandpolitik Barbarossas in Gefahr, dem Herzogtum entfremdet zu werden. O. konnte sich demgegenüber auf seinen umfangreichen Hausbesitz entlang den Tälern von Paar, Ilm und Abens, d. h. das Gebiet zwischen Aichach und Dachau bis Kelheim stützen. Dazu kamen Besitzungen östlich der Isar nach Norden bis vor Moosburg, im Mangfalltal und nördlich des Starnberger Sees sowie ausgedehnte Vogteirechte. Für die territoriale Grundlegung der Landesherrschaft konnte O. indes keine große Bedeutung mehr erlangen, da er bereits drei Jahre nach der Amtsübernahme verstarb. Aufgrund seiner persönlichen Durchsetzungskraft, vor allem in seiner Funktion als oberster Richter des Herzogtums, gelang es ihm aber offensichtlich, die Stellung des Herzogs soweit zu festigen, daß sein Sohn Ludwig I. nach der langen Vormundschaftszeit wieder an diese anknüpfen konnte. Die Erblichkeit des Herzogtums dürfte dem Geschlecht – nach dem österr. Vorbild von 1156 – bereits 1180 verbürgt worden sein. Mit O. beginnt daher die ununterbrochene Reihe der wittelsbachischen Herzöge bzw. (seit 1806) Könige in Bayern.

  • Literatur

    ADB 24;
    M. Spindler, Die Anfänge d. Bayer. Landesfürstentums, 1937;
    ders. u. A. Kraus, Grundlegung u. Aufbau, in: Hdb. d. bayer. Gesch. II, 21987, S. 7 ff.;
    A. Kraus, Das Hzgt. d. Wittelsbacher, Die Grundlegung d. Landes Bayern, in: Wittelsbach u. Bayern, Ausst.kat. München 1980, I/1, S. 165-200;
    H. Glaser, Auftakt – Der Dynastiegründer, Pfalzgf. O. I. v. W., Kaiser Friedrich Barbarossa u. d.|Hoftag v. Altenburg am 16. Sept. 1180, ebd. S. 5-11;
    A. Schütz, Das Geschl. d. Andechs-Meranier im europ. HochMA, in: Herzöge u. Heilige, Ausst.kat. München 1993, S. 66;
    Lex. MA.

  • Portraits

    Stifterbild, süddt., zw. 1521 u. 1531, Klosterkirche Kühbach, Abb. in: Wittelsbach u. Bayern, I/2, 1980, S. 45 (s. L);
    10 Wandteppiche mit d. Taten O.s, zw. 1604 u. 1611, Weißer Saal d. Münchener Residenz, vgl. dazu B. Volk-Knüttel, Wandteppiche f. d. Münchener Hof nach Entwürfen v. Peter Candid, 1976 (Abb.), u. in: Wittelsbach u. Bayern, II/2, 1980, S. 158 ff. (s. L).

  • Autor/in

    Ludwig Holzfurtner
  • Empfohlene Zitierweise

    Holzfurtner, Ludwig, "Otto I." in: Neue Deutsche Biographie 19 (1999), S. 672-673 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd124104428.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Otto von Wittelsbach, als Herzog von Baiern der erste (1180—1283). in der Reihe der Grafen von Scheiern und Wittelsbach als der sechste seines Namens gezählt. Bekanntlich sind die Grafen von Scheiern, deren älteste Linie ungefähr seit 1116 nach der Burg Wittelsbach bei Pfaffenhofen in Oberbaiern sich nannte, die Nachkommen jener Liutpoldinger, die nach dem Ausgange der Karolinger bereits einige Jahrzehnte lang als Herzoge über Baiern gewaltet hatten. Otto's Tüchtigkeit verdankte das Geschlecht, daß ihm unter K. Friedrich I. wiederum die Leitung des Stammes zufiel, an dessen Spitze es dann unter allem Wechsel der Geschicke ununterbrochen bis heute geblieben ist. Als Sohn des baierischen Pfalzgrafen, Otto V. von Wittelsbach und der Gräfin Heilika von Lengenfeld um 1120 geb., erhielt O. die herkömmliche kriegerische Erziehung des hohen Adels. Mit seinem Vater nahm er theil an dem Kreuzzuge von 1147. Wahrscheinlich sind die Wittelsbacher mit König Konrad zurückgekehrt und mit diesem um den 1. Mai 1149 in Pola gelandet. Dem jugendlichen Uebermuth der Söhne, der den Vater mit fortriß, schrieb man es dann zu, daß dieser 1151 gegen den König sich auflehnte, wol verstimmt durch die Gunstbezeigungen, die derselbe auf Kosten seiner vogteilichen Rechte dem Freifinger Bischofe gewährt hatte. In die Acht erklärt und auf seiner Burg Kelheim belagert, mußte sich der Pfalzgraf unterwerfen und einen seiner Söhne als Geisel stellen. Die Vermuthung liegt nahe, daß dies O. war, und daß eben bei diesem erzwungenen Aufenthalte desselben sein vertrautes Verhältniß zu Friedrich von Schwaben, Konrads baldigem Nachfolger, angeknüpft ward. Uebrigens kann er diesem auch schon auf der Kreuzfahrt nahe getreten sein, war mit ihm auch durch eine gemeinsame Urgroßmutter, Sophie von Sachsen, Gemahlin des Sachsenherzogs Magnus, verwandt. Sowie Friedrich den Thron bestieg, erscheint O. unter seinen hervorragendsten Räthen und Feldherrn; ja im Krieg wie Frieden ist damals, um mit Rachwin von Freising zu sprechen, kaum eine hohe Eigenschaften erheischende That zur Ausführung gelangt, bei der nicht O. von Wittelsbach und Rainald von Dassel die ersten oder doch unter den ersten waren. Die unermüdliche Thätigkeit, mit der er für die Verwirklichung der kaiserlichen Pläne bei jeder Gelegenheit seine ganze Persönlichkeit einsetzte, strenge Pflichttreue, die ihn von jedem Mißbrauch der Gewalt fern hielt, Klugheit und Geistesgegenwart, die ihm bei aller tollkühnen Tapferkeit nicht fremd waren, alle diese Vorzüge erhoben ihn zur unentbehrlichen Stütze des Kaisers, der besonders in Italien die schwierigsten Aufgaben am liebsten in seine Hände legte. Bald kannten dort Freund und Feind den hochgewachsenen Mann von schönem und kräftigem Gliederbau, mit den großen Augen im länglichen, ziemlich gerötheten Gesichte, das langes, dunkles Haar umsäumte. Bei der Romfahrt Friedrich's von 1154/1155 war ihm das königliche Banner anvertraut und durch eine merkwürdige Fügung sollte neben Heinrich dem Löwen gerade O., der ihm später im baierischen Herzogthume folgte, auf diesem Feldzuge die reichsten Lorbeeren ernten. Schon bei der Eroberung Tortona's mit Ruhm bedeckt, brachte er seinen Namen in aller Mund, als das Heer auf dem Rückmarsche in der ersten Septemberwoche 1155 seinem verwegenen Muthe die Rettung aus schwieriger Lage verdankte. Unter Führung eines Ritters Alberich hatten Veroneser die Etschklause bei Rivoli besetzt. Eine schmale Straße zieht hier zwischen dem brausenden Strom und steil abfallenden Felswänden. Das deutsche Heer war kaum in diesen Engpaß eingetreten, als es sich von dem veronesischen Gesindel aus der Höhe bedroht und seinen Vor- und Rückmarsch, den letzteren durch eine vom Feinde besetzte Burg, in gleicher Weise gehemmt sah. Als Preis des Durchzugs verlangten die Wegelagerer von jedem Ritter ein Pferd oder einen Harnisch und vom Kaiser eine bedeutende Geldsumme. Solchen Schimpf ersparte O. dem|Heere, indem er mit 200 auserlesenen Kriegern, wol Söhnen der baierischen Hochlande, in mühe- und gefahrvollem Klettern, wobei einer auf die Schultern des andern stieg und Speere gleich Leitern gebraucht wurden, über Fels und Schlucht eine Höhe erklomm, welche die Stellung der Räuber überragte, dort unter dem jauchzenden Zuruf der Untenstehenden das Reichsbanner flattern ließ und nun von oben herab über die Feinde Herfiel, die theils niedergemacht, theils gefangen und dann aufgeknüpft wurden. In dem genauen Berichte Otto's von Freising über diesen Vorgang besitzen wir ein ausnehmend zuverlässiges, vielleicht auf Mittheilung des Kaisers selbst zurückzuführendes Zeugniß, in dem, wie eine jüngst vorgenommene Untersuchung der Oertlichkeit erwiesen hat, fast jedes Wort auf die Waagschale gelegt werden darf. Es geschah wol in dankbarer Erinnerung an diese That, daß der Kaiser 1163 die Grafschaft Garda, zu der dieses Gebiet gehörte, mit der nach langer Belagerung eben gewonnenen Burg Garda an O. verlieh. Der Wittelsbacher hat jedoch schon nach vier Jahren auf diesen, ihm wol zu entlegenen Besitz verzichtet. Nachdem O. im Sommer 1157 Friedrich's polnischen Feldzug mitgemacht hatte, begleitete er den Kaiser im September zu der Versammlung nach Befançon, wo durch einen unglücklich gewählten Ausdruck in dem Schreiben Papst Hadrian's IV. an den Kaiser der Bruch mit der Curie entschieden wurde. Mit herausfordernder Anmaßung traten die päpstlichen Legaten auf, ja einer derselben, der Kanzler Roland, rief aus: Von wem hat denn der Kaiser seine Würde, wenn nicht vom Papste! Da brauste der Wittelsbacher auf; mit gezücktem Schwert drang er auf den kecken Redner ein; Friedrich selbst mußte sich ins Mittel legen, um die Ruhe wiederherzustellen. Ter Papst richtete darauf ein Sendschreiben an den deutschen Episkopat, worin er ihn mahnte, dahin zu wirken, daß O. wegen seiner ärgerlichen Lästerungen gegen den Legaten und die römische Kirche nicht ungestraft bliebe. Otto's Jähzorn ist übrigens auch sonst ersichtlich; in Freising ließ er sich von seinem Unmuth über den Bischof einmal bis zur Störung des Gottesdienstes hinreißen. Eben jene beiden Räthe aber, die zu Besançon die Curie schwer gereizt hatten, O. von Wittelsbach und Rainald von Dassel, sandte der Kaiser 1158 über die Alpen, um seiner zweiten italienischen Heerfahrt die Wege zu bahnen. Hier gab O. wieder außerordentliche Beweise von Umsicht, Thatkraft und Unerschrockenheit. In Ravenna stieß er mit wenig Mannschaft auf einen an Zahl weit überlegenen Heerhaufen von Ravennaten, der im Begriffe war, mit den Byzantinern gemeinsame Sache zu machen. Sein Schwert schwingend, sprang er allein mitten unter die Feinde, erklärte ihren Führer Wilhelm Maltraversar zu seinem Gefangenen und schüchterte dadurch die übrigen völlig ein. Im Sommer 1159 ging er als kaiserlicher Gesandter nach Rom, um Verbindungen mit der römischen Bürgerschaft anzuknüpfen. Senat und Volk empfingen ihn mit großen Ehren. Wie auf kaiserlichem Gebiete saß er im Kloster Farfa zu Gericht. Mit Entschiedenheit trat er für den eben von der kaiserlich gesinnten Minorität der Cardinäle gewählten Papst Victor IV. ein. Dafür traf ihn im April 1160 ebenso wie den Kaiser der Bannfluch des von der Mehrheit gewählten Papstes Alexander III., eben jenes Kanzlers Roland, den er in Besançon bedroht hatte. Bei der ersten Belagerung Mailands (1159) hatte O. die sechste, meist aus Baiern gebildete Heeresabtheilung befehligt und besonders bei dem nächtlichen Sturme auf die Vorwerke Wunder der Tapferkeit verrichtet. Nachher nach Ferrara entsandt, um von dieser Stadt, deren Gesinnung Verdacht erweckt hatte, Bürgschaften der Treue entgegenzunehmen, schwamm er, ohne erst ein Schiff abzuwarten, über den Po, erschien allen unerwartet in der Stadt, ließ sich vierzig Geiseln stellen und kehrte mit diesen zum Kaiser zurück. Bei der langen und schrecklichen Belagerung von Crema (1160)|lag O. im Westen der Stadt vor dem Thore gegen Ombriano. Damals wären alle Stürmer, sagt Rachwin, würdig gewesen einzeln genannt zu werden, er wolle aber nur einen nennen als den tapfersten von allen, den Pfalzgrafen O. von Baiern, der öfters von der Mauer herabgeworfen. immer wieder allen anderen voran zum Kampfe zurückgekehrt sei und durch seine Heldenkraft und Furchtlosigkeit diesen ganzen traurigen Vorgang mit seinem Ruhme verherrlicht habe. O. blieb noch in Italien, als die Mehrzahl der deutschen Fürsten nach Hause zog, und begleitete von dort aus, wie es scheint, den Kaiser auf den Reichstag nach Dole in Burgund. An dem italienischen Feldzuge von 1167 hat O. wenigstens anfangs theilgenommen; ob aber die bei der Belagerung Ancona's erwähnten baierischen Streitkräfte noch unter seinem Befehle standen, ist zweifelhaft. Noch im nämlichen Jahre wurde O. mit Herzog Heinrich von Oesterreich vom Kaiser nach Constantinopel geschickt, vielleicht um ein Bündniß zu erzielen. Mit reichen Geschenken, doch ohne politischen Erfolg kehrten die Gesandten nach Hause. Seinem Vater war O. nach dessen Tode (1156) im Amte eines baierischen Pfalzgrafen gefolgt, auch war er Schirmvogt über das Hochstift Freising und die Klöster Obermünster in Regensburg, St. Castulus in Moosburg, Weihenstephan, Schäftlarn und Scheiern. Die über Salzburg verhängte Reichsacht brachte er als einer der Executoren zur Geltung, scheint jedoch seine Feindseligkeiten bald eingestellt zu haben. In den siebziger Jahren erscheint er nicht mehr so häufig in des Kaisers Umgebung, ohne doch dessen Gunst verloren zu haben. Zwar fehlte er nicht auf dem italienischen Feldzuge von 1174 und bei der fruchtlosen Belagerung von Alessandria; er war damals unter den Unterhändlern des Waffenstillstandes. Dagegen blieb ihm die Theilnahme an der furchtbaren Niederlage bei Legnano erspart. 1179 ging er mit feinem Bruder Konrad, dem früheren Erzbischofe von Mainz, nun Erzbischof von Salzburg, nach Rom, schloß seine Aussöhnung mit der Kirche und wohnte der Generalsynode im Lateran bei. Der Sturz Heinrich des Löwen erfolgte ohne sein Zuthun, aber wie eine langsam gereifte Frucht fiel ihm nun das Herzogthum Baiern in den Schoß. Nicht nur, weil sein Geschlecht schon in der Vorzeit diese Würde besessen, weil er selbst nach Grundbesitz, Grafschaften, Vogteien, Lehensleuten und Dienstmannen zu den mächtigsten Herren von Baiern gehörte, den Ausschlag gab doch die enge Freundschaft, mit der er dem Kaiser seit langen Jahren verbunden war, gaben die ersprießlichen, vielseitigen, unter allen Verhältnissen unwandelbar treuen Dienste, die er dem Reiche geleistet hatte. Nach Schluß des Regensburger Reichstages von 1180 scheint der Kaiser den dort versammelten Fürsten eröffnet zu haben, daß seine Wahl auf O. gefallen, und unter Zustimmung aller anwesenden Fürsten erfolgte seine Belehnung am 16. September 1180 zu Altenburg in Thüringen. Das Pfalzgrafenamt ging auf seinen jüngeren, gleichnamigen Bruder über. Ohne alle Schwierigkeit konnte sich eine solche Umwälzung nicht vollziehen. Mehrere Grafen und Freie verweigerten dem neuen Herzoge den Lehenseid, als er im November in altüblicher Weise einen Huldigungslandtag einberief. Der Zwist ward wahrscheinlich durch das Eingreifen des Kaisers auf dem Nürnberger Reichstage im Februar 1181 beigelegt. Für das Herzogthum hatte der Uebergang der Herrschaft manche staatsrechtliche Einbuße im Gefolge. Die Tiroler Herren scheinen doch erst damals die letzten Bande der Abhängigkeit abgestreift zu haben; die Steiermark ward unter Erhebung ihres Markgrafen Ottokar zum Herzoge völlig von Baiern gelöst, das Wittelsbach an Macht überbietende Haus Andechs wahrscheinlich durch besondere Auszeichnungen beschwichtigt. Im Sommer 1181 waren die baierischen Angelegenheiten soweit geordnet, daß sich O. in Sachsen an den Kämpfen gegen Heinrich den Löwen betheiligen konnte. Münzen, die er prägen ließ, stellen ihn|bar, wie er den Helm auf dem Haupte, mit Schwert und Schild bewaffnet, auf einen fliehenden Löwen, Wappenthier und Sinnbild des Welfen, eindringt. Auch als Herzog ließ O. nicht ab von jener unermüdlichen, pflichttreuen Thätigkeit, der er sein Aufsteigen verdankte. Eifrig widmete er sich der in der letzten Zeit Heinrich des Löwen wol vernachlässigten Rechtspflege. Die Vergrößerung der wittelsbachischen Hausmacht in Baiern hat er durch glückliche Verlobungen seiner Töchter vorbereitet. Er selbst hatte 1168 von den Tempelherren das Leukenthal durch Kauf erworben und kaufte als Herzog von der Wittwe des Grafen Konrad von Dachau dessen Besitzungen. Landshut in dem Gebiete der Grafen von Roning, die er beerbte, scheint ihm seine Gründung zu verdanken. 1183 begleitete er den Kaiser zum Friedensschlusse mit den lombardischen Städten nach Constanz. Auf der Heimreise überraschte ihn in der Burg Pfullendorf am 11. Juli 1183 der Tod. Im Kloster Scheiern ward der tapfere Held bestattet, von dem Rachwin rühmt, daß er, seinen Vater übertreffend, in den Waffen außerordentlich erfahren war, mit Weisheit begabt, vielvermögend im Rath, freigebig mit Geschenken, begierig nach Lorbeeren, allbekannt durch seine Treue und die Echtheit seiner Tugenden. Otto's Gemahlin, die ihn überlebte, war Agnes, Tochter des niederländischen Grafen Ludwig von Looz.

    • Literatur

      Huschberg, Gesch. d. Hauses Scheiern-Wittelsbach. — Graf Hundt, Kloster Scheiern. — Heigel u. Riezler, Herzogthum Baiern unter Heinrich d. Löwen u. Otto I. — Wittmann, die Pfalzgrafen v. Baiern. — Prutz, K. Friedrich I. — Giesebrecht, Kaiserzeit. — Riezler, Gesch. Baierns. I, H. — Schrott, zur Erinnerung an O. v. W. (Allg. Ztg. 1880, Beilage Nr. 157). — Ueber die Erstürmung der Veroneser Klause: Niezler, in der Allg. Ztg. 1880, Aug. 4., Beilage; Oster in d. Zeitsch. d. deutschen Alpenver eins 1885.

  • Autor/in

    Riezler.
  • Empfohlene Zitierweise

    Riezler, Sigmund Ritter von, "Otto I." in: Allgemeine Deutsche Biographie 24 (1887), S. 643-646 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd124104428.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA