Lebensdaten
1257 bis 1309
Beruf/Funktion
Herzog von Schlesien ; Herr von Glogau, Posen und Großpolen
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 138770352 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Heinrich III.
  • Heinrich I. von Schlesien
  • Heinrich I.
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Zitierweise

Heinrich I., Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd138770352.html [07.12.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Hzg. Konrad I. v. Sch.-Glogau ( 1273/74), S d. Hzg. Heinrich II. v. Sch. ( 1241, s. NDB VIII);
    M Salome ( 1266/71), T d. Hzg. Wladislaw Odonicz v. Großpolen ( 1239);
    B Hzg. Konrad II. v. Sch.-Sagan ( 1304), Dompropst v. Breslau, 1299 z. Patriarchen v. Aquileja erwählt, 1299 resigniert, Hzg. Primko v. Sch.-Steinau ( 1289);
    Schw Anna ( 1271, Hzg. Ludwig II. v. Bayern, 1294), Euphemia ( n. 1318, Gf. Albrecht II. v. Görz, 1304), Hedwig ( 1318), Klarissin in Breslau;
    Vt Hzg. Heinrich V. v. Sch. ( 1296, s. NDB VIII), Hzg. Bolko I. v. Sch.-Schweidnitz-Jauer ( 1301, s. NDB II), Hzg. Heinrich IV. v. Sch.-Breslau ( 1290, s. NDB VIII), König Przemyslaw II. vonPolen ( 1296);
    - 1292 Mechthild ( 1318), T d. Hzg. Albrecht I. v. Braunschw.-Lüneburg ( 1279, s. NDB I);
    5 S, 2 T, u. a. Hzg. Heinrich II. (IV.) v. Sch. ( 1342, s. NDB VIII).

  • Leben

    Als Jüngster erhielt H. aus dem väterlichen Erbe die Städte und Gebiete Glogau, Grünberg, Schwiebus, Fraustadt und das Land bis zur Obra und Warthe. Er vermochte jedoch 1289 den Steinauer Erbteil seines in der Schlacht bei Siewierz gefallenen unverheirateten Bruders Primko und – nach einem fehlgeschlagenen früheren Versuch – 1304 auch das Saganer Fürstentum seines dem geistlichen Stande angehörenden Bruders Konrad an sich zu ziehen, so daß er nun das gesamte väterliche Erbe in seiner Hand vereinigte. Damit war es noch nicht genug. Von Heinrich IV. von Breslau, als dessen treuer Verbündeter er sich (ungeachtet einer Gefangennahme 1281) sowohl im Kampfe mit Herzog Boleslaw von Liegnitz (1277) wie in den Krakauer Unternehmungen (1289) erwies, erhielt er zunächst das Krossener Land und wurde schließlich von ihm testamentarisch als|Haupterbe in Breslau eingesetzt (1290). Da Stadt und Ritterschaft ihm die Anerkennung verweigerten und sich Heinrich von Liegnitz erkoren, mußte er um seine Erbrechte kämpfen. Es gelang ihm bereits 1291 und besonders 1294 nach grausamer Inhaftierung Heinrichs V., von diesem die Abtretung nahezu des gesamten Territoriums des Fürstentums Breslau rechts der Oder zu erzwingen (unter anderem Oels, Bernstadt, Konstadt, Namslau, Kreuzburg, Pitschen, Guhrau, woraus später im wesentlichen das Fürstentum Oels gebildet wurde). Daneben besaß er erklärte Ansprüche auf das Erbe seines söhnelosen Vetters Przemyslaw II. von Großpolen – und nach dessen Krönung zum polnischen König (1295) auch auf die polnische Krone. Er führte daher in Urkunden nach 1301 neben seinen übrigen Titeln auch den eines „Erben des Königreichs Polen“. Sein Hauptrivale in Schlesien war Bolko I. von Schweidnitz, in Polen Władysław Łokietek und hinsichtlich der polnischen Krone nicht zuletzt auch König Wenzel II. von Böhmen. Mit Łokietek versuchte er sich 1296 vertraglich zu einigen: H. erbot sich, auf seine polnischen Rechtstitel zu verzichten, während Łokietek ihm unter anderem das großpolnische Gebiet westlich der Obra abzutreten und H.s gleichnamigen Sohn zu adoptieren und mit der Herrschaft Posen auszustatten versprach. Dieser Vertrag wurde aber nicht eingehalten und schlug in offene Feindschaft um. H. ging zur böhmischen Partei über und fand sich 1297 bei der feierlichen Krönung Wenzels II. in Prag ein, obwohl dessen polnische Politik und Krönung zum König von Polen (Gnesen 1300) vorerst die Realisierung der polnischen Ansprüche H.s verhinderten. Erst nach Wenzels Tode vermochte er sie durchzusetzen und Posen samt dem restlichen Großpolen in seine Hand zu bringen (1306). Als H. 1309 starb, galt er als der mächtigste unter den schlesischen Fürsten und selbst den polnischen überlegen.

    Im Inneren war seine Regierung nicht minder erfolgreich. Tatkräftig förderte er das Deutschtum, in dem er seine Hauptstütze erblickte. Mit starker Hand und notfalls mit drakonischer Schärfe sorgte er für Sicherheit und Frieden im Lande und auf den Straßen. Um 1290 ordnete er das Münzwesen neu und zog rigoros Steuern und Abgaben ein. Städten und Geistlichkeit erteilte er zahlreiche Privilegien – weniger der Ritterschaft – und rief verschiedene kirchliche Stiftungen ins Leben. Überhaupt begünstigte er die Geistlichkeit sichtlich, was ihn freilich nicht hinderte, sich der Wahl Johann Romkas zum Bischof von Breslau (1292) an Stelle seines Bruders Konrad energisch zu widersetzen. Er wurde deshalb sogar kurzfristig gebannt. Um sich der Unterstützung Bischof Thomas' II. gegen Heinrich V. zu vergewissern, bestätigte er das große Kirchenprivileg Heinrichs IV. von Schlesien von 1290 nicht nur für das Breslauer, sondern auch für sein Glogauer Herzogtum. Ebenso versicherte er sich der hilfreichen Gunst der Bischöfe von Gnesen, Posen und Kujawien bezüglich seiner polnischen Erbansprüche durch Bekräftigung ihrer Freiheiten (1298).

  • Literatur

    W. Haeusler, Gesch. d. Fürstenthums Oels, 1883; s. a. L zu
    Heinrich I. v. Schlesien ( 1346).

  • Autor/in

    Josef Joachim Menzel
  • Empfohlene Zitierweise

    Menzel, Josef Joachim, "Heinrich I." in: Neue Deutsche Biographie 8 (1969), S. 398-299 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd138770352.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Heinrich I., Herzog von Schlesien-Glogau, zuletzt auch Herzog von Polen, stirbt am 9. Decbr. 1309 (als Herzog von Glogau der Erste seines Namens, doch nicht selten als der Dritte bezeichnet von Solchen, welche die über den ungetheilten Landbesitz herrschenden Fürsten Heinrich I. und II. mitrechnen). Bei dem Tode seines Vaters Konrad 1273 oder 74, fallen ihm die Gebiete von Glogau, Grünberg, Schwiebus und Fraustadt zu, er beerbte dann seinen 1289 bei Siewierz gefallenen Bruder Primko von Steinau und suchte, als sein anderer Bruder Konrad zum Dompropst von Breslau gewählt war, 1287 auch dessen Landantheil Sagan zu erwerben, was jedoch die Vasallen dieses Fürstenthums verhinderten, so daß dasselbe bis zum Tode Konrads 1304 in dessen Besitze blieb. Ueber sein Verhältniß zu dem mächtigen Heinrich IV. von Breslau erfahren wir nur von seiner Gefangennehmung durch den Letzteren 1281, der aber baldige Freilassung folgte (vgl. die Biographie Heinrichs V.). Im Gegensatze zu seinem Bruder Primko und seinem Vetter von Liegnitz bleibt er den Unternehmungen Heinrichs IV. ganz fern, vielmehr weiß er während des großen Kampfes des Breslauer Herzogs mit der Geistlichkeit sich mit der Letzteren so gut zu stellen, daß in dem Testamente Heinrichs IV., der einen jener beiden merkwürdigen Urkunden, durch welche man den sterbenden Fürsten an seinem Todestage 23. Juni 1290 Alles preisgeben ließ, was er sein Leben lang erstrebt hatte, H. von Glogau als Universalerbe der schlesischen Besitzthümer seines Vetters genannt wurde. Es war dafür nicht mehr als billig, daß er als der erste schlesische Fürst die andere jener beiden fragwürdigen Urkunden, nämlich das große Privileg des Breslauer Bisthums feierlich anerkannte und bestätigte. Und obwol nun sein Versuch sich Breslaus unmittelbar nach dem Tode Heinrichs IV. zu bemächtigen, an der feindseligen Gesinnung der Bürgerschaft und des Landadels, welche Heinrich von Liegnitz zum Herzoge begehrten, scheiterte, und er selbst bald nachher (vermuthlich um 1292) in Händel mit der Geistlichkeit kam, die ihm sogar den Bann der Kirche zuzogen, so suchte er doch jenen Anspruch festhaltend durch immer wieder erneute Feindseligkeiten seinen Vetter wo nicht|zur Abtretung des Herzogthums Breslau, so doch wenigstens zu ansehnlichen Landabtretungen zu nöthigen, und kam so auch wirklich in den Besitz des größten Theils der Gebiete von Hainau, Bunzlau und Naumburg am Bober, mit Zubehör auf dem linken, sowie der Orte Wartenberg, Auras, Trebnitz, Militsch und Sandewalde auf dem rechten Oderufer, doch damit noch nicht zufrieden, wußte er im J. 1294, nachdem es ihm unter Benutzung des verrätherischen Lutko (vgl. die Biographie Heinrichs V.) gelungen war, den Breslauer Herzog in seine Gewalt zu bekommen (1294), von diesem durch eine barbarische Haft die Abtretung von Oels, Bernstadt, Namslau, Constadt, Kreuzburg, Pitschen, Landsberg, Schwirz zu erzwingen. Aus dem bei dieser Gelegenheit und früher abgetretenen Gebiet auf dem rechten Oderufer bis zur Weida entstand dann ein neues Herzogthum, Oels, welches seitdem in der Glogauer Linie vererbte. Bald sollten sich H. von Glogau noch umfassendere Aussichten eröffnen. In Polen hatte sein Oheim Premysl von Großpolen dem in den Besitz von Krakau gelangten Böhmenkönig Wenzel die Herrschaft über Polen streitig gemacht und war wirklich am 26. Juli 1295 in Gnesen als König von Polen gekrönt worden. Nach seiner Ermordung am 6. Febr. 1296 trat als Erbe seiner Ansprüche auf Grund einer früheren Zusage Premysl's sein Vetter H. von Glogau auf. Allerdings erfahren wir von einem Vertrage vom 10. März 1296, vermöge dessen ein anderer Kronprätendent Wladislaw Lokietek dem Herzoge H. durch Abtretung des großpolnischen Landes westlich von der Obra und die Zusage seinem Sohne das Herzogthum Posen zu überlassen, seine Ansprüche abkaufte, doch sehen wir H. noch weiterhin Ansprüche auf das ganze Landgebiet seines Oheims erheben und deswegen in weitere Händel mit Wladislaw verwickelt werden. Diese Kämpfe benutzte dann Bolko von Schweidnitz um als Vormund der minderjährigen Söhne des 1296 gestorbenen Heinrichs V. dem Glogauer Herzog von dem, was derselbe 1294 Jenem abgepreßt hatte, wenigstens die niederschlesischen Landestheile wieder zu entreißen. In dem Kampfe um die polnische Krone vermochte H., obwol er an seine frühere Politik anknüpfend die Geistlichkeit durch Verheißung umfassender Begünstigungen für sich zu gewinnen trachtete, es ebensowenig wie Wladislaw gegen König Wenzel aufzukommen, doch behauptete er sich im Besitze von Posen und Kalisch, und mochte, nachdem auch Sagan 1304 nach dem Tode seines Bruders Konrad an ihn gefallen war, wol für den mächtigsten schlesischen Fürsten gelten. Es wird Herzog H. nachgerühmt, daß er gesetzliche Zustände in seinen Landen mit starker Hand aufrecht erhalten und dem Räuberwesen mit Strenge gewehrt habe. Die Städte seines Landes, vor allem Glogau, danken ihm große Freiheiten und die Geistlichkeit zahlreiche Schenkungen, in Glogau hat er ein Kloster der Clarisserinnen neu gegründet (1307). Er heirathete 1292 Mechtild, die Tochter Herzog Albrechts von Braunschweig-Lüneburg, die ihm 5 Söhne und 4 Töchter geboren hat.

    • Literatur

      Hauptquelle die Chron. principum Polon. bei Stenzel Ss. rer. Siles. Bd. I. Die Biographie Heinrichs von Worbs in dessem neuem Archiv für die Gesch. Schles. und der Lausitzen II, S. 3 ist nicht wol mehr brauchbar.

  • Autor/in

    Grünhagen.
  • Empfohlene Zitierweise

    Grünhagen, Colmar, "Heinrich I." in: Allgemeine Deutsche Biographie 11 (1880), S. 612-613 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd138770352.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA