Lebensdaten
1821 bis 1865
Geburtsort
Hamburg
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Ethnologe ; Forschungsreisender in Afrika ; Geograph ; Forschungsreisender
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 119076950 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Barth, Heinrich
  • Abdul Karim
  • Barth, H.
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Objekt/Werk(nachweise)

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Zitierweise

Barth, Heinrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119076950.html [22.02.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Johann Christoph Heinrich Barth (1787–1856), Kaufmann in Hamburg;
    M Charlotte Karoline (1789–1862), T des Johann Karl Zadow (1753–1800) und der Dorothea Justine Heiden;
    Gvv Johann Andreas Barth, Zeug- und Leinewebermeister;
    Gmv Johanna Magdalena Ludwig;
    Schw Mathilde (1825–94, ⚭ Gustav von Schubert 1824-1907, sächsischer Adel 1878, aus Leipzig, sächischer Generalleutnant, 1870/71 1. Generalstabsoffizier der 1. Division, Militärhistoriker, Verfasser einer Biografie von Barth, s. L; Wi. 1905; BJ XII, Tl.); - ledig.

  • Leben

    Nach dem Besuche des Johanneums zu Hamburg studierte B. seit 1839 in Berlin vor allem Altertumskunde, Philologie und Erdkunde. P. A. Böckh und besonders C. Ritter beeinflußten ihn am stärksten. Schon während der Studienzeit machte B. 1840-41 eine erste größere Reise nach Italien, die in vielem wegweisend für sein weiteres Leben wurde.

    Auf ihr entstand der Plan zu einer umfassenden physisch- und kulturgeographischen Erforschung des Mittelmeergebietes, dessen Erfüllung ihm seitdem als ein Ziel seiner Lebensarbeit vorschwebte. 1844 beendete B. nach erfolgter Promotion (über die Handelstätigkeit der alten Korinther) sein Studium und begann mit den Vorbereitungen für seine erste große Forschungsreise, zu der er am 7.8.1845 von Gibraltar aus aufbrach. Bis Ende 1847 durchzog er oftmals unter großen Schwierigkeiten nacheinander Marokko, Algerien, Tunesien, Malta, Tripolitanien, die Cyrenaika, Ägypten, Palästina, Syrien, Zypern sowie Süd- und West-Kleinasien und kehrte reich an Erfolgen und Erfahrungen über Konstantinopel und Athen zurück. 1848 habilitierte B. sich in Berlin, siedelte nach dort über und begann mit Vorlesungen und der Bearbeitung seines Reisewerkes. Doch schon 1849 wurde er durch Vermittlung R. Bunsens, A. Petermanns und Ritters zusammen mit A. Overweg Teilnehmer einer englischen Forschungsexpedition unter J. Richardson ins Innere Nordafrikas, die am 31.3.1850 von Tripolis aufbrach. Die Hauptpunkte der Expedition waren: Mursuk, Ghat, Air (Asben), Kuka, Tschadsee, Adamaua, Jola, Kamen, Bagirmi, Benue, Kano, Katsema, Sokoto, Niger, Timbuktu, Kuka, Tripolis. Diese nach dem Tode von Richardson und Overweg seit September 1852 von B. allein durchgeführte Forschungsreise gehört zu den bedeutendsten der Entdeckungsgeschichte Afrikas, die durch sie in eine neue Epoche eintrat. Sie erschloß und erforschte erstmalig das gewaltige Gebiet zwischen Tripolitanien und dem Benue, dem oberen Niger und dem Lande Wadai, also den westlichen Sudan, große Teile des mittleren Sudan und der Sahara. B.s geographische und ethnographische Forschungen - allein rund 20 000 km Weges wurden von ihm kartographisch aufgenommen, 49 Sudansprachen aufgezeichnet - sind z. T. auch heute noch nicht überholt. Am 8.9.1855 nach Europa zurückgekehrt, wurde B. reich geehrt. Die geographischen Gesellschaften von Paris und London verliehen ihm die große goldene Medaille, die Universitäten Jena und Oxford den Ehrendoktor, nachdem die Berliner Akademie der Wissenschaften ihn bereits schon am 11.8. zu ihrem korrespondierenden Mitglied ernannt hatte. November 1855 siedelte B. auf den Rat Bunsens nach London über. Hier vollendete er bis Mai 1858 sein großes fünfbändiges Reisewerk, das überall größte Beachtung fand. Im Herbst 1858 bereiste er das nördliche Kleinasien und kehrte 1859 nach Berlin zurück. Nach dem Tode Ritters 1859 wurde B. zweiter, 1863 erster Vorsitzender der „Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin“, dadurch Hauptbegründer der „Ritterstiftung“ und damit Mittelpunkt und Anreger der gesamten Afrikaforschung seiner Zeit. Demgegenüber treten seine Lehrtätigkeit an der Universität (seit 1863) und die Bedeutung seiner weiteren Reisen (1861 Spanien, 1862 Balkan, 1863 Alpen, 1864 Italien, 1865 Mazedonien, Albanien, Montenegro) zurück.

  • Werke

    Wanderungen durch d. Küstenländer d. Mittelmeeres, ausgeführt in d. J. 1845, 1846 u. 1847, I, 1849;
    Reisen u. Entdeckungen in Nord- u. Central-Afrika in d. J. 1849 bis 1855, 5 Bde., 1857/58 (engl. London 1857, 58, holländ. 's Hertogenbosch, 1858–61, dän., Kopenhagen, 1859/60, französ., Paris, 1860/61);
    Das Becken d. Mittelmeeres in natürl. u. kultur-hist. Beziehung, 1860;
    Reise v. Trapezunt durch d. nördl. Hälfte Klein-Asiens nach Scutari im Herbst 1858, 1860;
    Slg. u. Bearb. Central-Afrikan. Vokabularien - Collections of vocabularies of Central-African languages, 3 Abt., 1862-66 (unvollendet);
    Reise durch d. Innere d. europ. Türkei v. Rustschuk üb. Philippopel, Rilo (Monastir), Bitolia u. d. Thessal. Olymp nach Saloniki im Herbst 1862, 1864.

  • Literatur

    ADB II;
    W. Koner, H. B., in: Ztschr. d. Ges. f. Erdkde. z. Berlin 1, 1866 (W-Verz.);
    S. Günther, H. B., der Erforscher d. dunklen Kontinents, in: Biograph. Bll. 2, 1896, H. 3;
    G. v. Schubert, H. B., der Bahnbrecher d. dt. Afrika-F, 1897 (P);
    E. Banse, Große Forschungsreisende, 1933 (P);
    K. Hassert, Die Erforschung Afrikas, 1941, S. 82 u. ö. (P);
    F. Klute, Große dt. Geographen: H. B., der Bahnbrecher d. dt. Afrika-F, in: Atlantis 13, 1941;
    F. Kußmaul, H. B., ein dt. Pionier d. Afrika-F, in: Dt. Kolonialdienst 6, 1941;
    K. Gebauer, Die Erschließung Afrikas u. d. dabei erzielten wiss. Ergebnisse, in: Archiv d. Dt. Seewarte, Bd. 62, = Semmelharkreihe, Abh. 4, 1943;
    Dt. Koloniallex., hrsg. v. H. Schnee, I, 1920, S. 136.

  • Portraits

    Phot. im Besitz d. Ges. f. Erdkde. z. Berlin; Holzschnitte, in: LIZ 23, 1854, S. 325, 45, 1865, S. 468.

  • Autor/in

    Klaus Schroeder
  • Empfohlene Zitierweise

    Schroeder, Klaus, "Barth, Heinrich" in: Neue Deutsche Biographie 1 (1953), S. 602-603 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119076950.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Barth: Heinrich B., Afrikareisender, geb. 16. Febr. 1821 in Hamburg, 25. Nov. 1865 in Berlin. Auf dem Gymnasium des Johanneums hatte er für Sprachen und Geschichtskunde besondere Neigung und widmete sich seit dem Herbst 1839 auf der Universität Berlin besonders unter Böckh der Philologie. Auch hörte er bei Karl Ritter die allgemeine Erdkunde, ohne aber über seine Neigungen klar zu werden, nur daß er eine besondere Vorliebe für den Länderkreis am mittelländischen Meere faßte, die er auch mit Ausdauer und Zähigkeit durch das ganze Leben festhielt, und die Veranlassung zu wiederholten Reisen gab. So reiste er schon am Schluß des zweiten Semesters, im August 1840, nach Italien, besuchte Venedig, Florenz, Rom, Neapel und Sicilien. Im Mai 1841 wieder in Berlin, befestigte sich nach manchen Schwankungen seine Vorliebe für das classische Becken des Mittelmeers darin, daß er sich eine lebendige Entwickelung der griechischen Colonieen als Vorbereitung zur römischen Weltherrschaft und zugleich die einheitliche Darstellung des Mittelmeerbeckens im Menschenleben zur Aufgabe machte, und diesen Gedanken zuerst an das alte Korinth anknüpfte, in seiner wichtigen Lage auf dem Isthmus mit seinem weit in den Adriagolf hineingeschobenen Colonieen und dem merkwürdigen Verkehr längs der Donau in das Innere der türkischen Halbinsel hinein. Mit einem kleinen Abschnitt aus dieser Arbeit „Corinthiorum commercii et mercaturae historiae particula“, promovirte er im Sommer 1844 und trat dann im Januar 1845 eine dreijährige Wanderung um das Mittelmeer an. Er durchreiste Frankreich, Spanien, die nördlichen Küstenländer von Afrika, die Halbinsel Sinai, Palästina, Syrien, Cypern, Kleinasien und kam über Griechenland wieder nach Berlin, wenige Monate vor den Märzereignissen 1848. Trotz der politischen Unruhen habilitirte er sich im nächsten Winter und las im Sommer 1849 ein Publicum über Topographie einiger berühmten Stätten des Alterthums. Schon im Herbst desselben Jahres kam von Bunsen, dem preußischen Gesandten in England, an Karl Ritter die Aufforderung, die Theilnahme eines deutschen Gelehrten an einer projectirten Reise Richardson's nach Centralafrika unter englischem Schutze auszuwirken, und B. wie Overweg schlossen sich derselben mit Begeisterung an. Richardson hatte nach mehrjährigem Aufenthalt in Tripolis und Murzuk in England für die Abschaffung des Sklavenhandels gewirkt und die Regierung zu einer Expedition bewogen, um mit den afrikanischen Fürsten die hierzu nothwendigen Verträge zu schließen. Das der ursprüngliche Zweck der Expedition. Die Berliner geographische Gesellschaft unterstützte die beiden Deutschen B. und Overweg wiederholentlich aus ihren Mitteln und verschaffte ihnen auch noch vom Könige und der physikalischen Gesellschaft in Königsberg namhafte Summen. Die Expedition ist daher wegen der geistigen und materiellen Mittel, die für sie eingelegt wurden, noch mehr aber wegen ihres Verlaufs, eine deutsche; denn Deutsche, B., Overweg, Vogel, waren ihre Seele, waren die Heroen derselben. Freilich aber klagte B.: „Leider kam ich im Laufe dieses 5½jährigen, schwierigen|und gefahrvollen Unternehmens mehrfach in die unerfreulichste Lage. Wann wird Preußen lernen, daß sich die Kleinen nur dann zu ihm halten werden, wenn ihre Interessen von ihm wirklich vertreten werden!“ Es hat dies inzwischen gelernt!

    B. und Overweg reisten im November 1849 von Berlin ab, kamen am 18. Januar 1850 in Tripoli mit Richardson zusammen, und brachen von hier am 24. März nach dem Süden auf, nachdem sie zuvor einige Excursionen namentlich nach den Ghariânbergen gemacht hatten. Die kleine Karavane ging zunächst nach Murzuk und von hier durch die Sahara nach Tintellust, von wo B. als erster Europäer Aghâdez besuchte, die Hauptstadt der bisher fast unbekannten Oase Aïrn und damit die lange Reihe seiner hervorragenden Forschungen und Entdeckungen eröffnete. Erst im December konnten die Reisenden ihren Weg weiter nach Süden fortsetzen und erreichten im Januar 1851 Damergu. Hier trennten sich die Reisenden am 11. Januar, um auf verschiedenen Wegen das weite, wenig bekannte Gebiet zu durchziehen und endlich in Kuka, der Residenz des Scheikhs von Bornu am Westufer des Tschadsees wieder zusammenzukommen. Richardson ging ostwärts über Sinder auf dem kürzesten Wege nach Kuka. Overweg ging westwärts durch Guber und Mariadi, während B. zwischen beiden Gefährten sich nach Südwesten wandte, nach dem Lande Haussa und dessen beiden großen von Klapperton besuchten Handelsstädten Katsena und Kano im Reiche Sokoto. Schon am 4. März erlag Richardson den Beschwerden zu Ungurutua, 6 Tagereisen vor Kuka, wo Overweg und B. am 5. Mai glücklich zusammentrafen, nachdem letzterer noch zuvor die Papiere Richardson's gerettet hatte. Von Kuka aus machten B. und Overweg zum Theil vereint, zum Theil einzeln verschiedene Excursionen in die Gegenden im Süden und Osten vom Tschadsee Zunächst ging B. nach Süden, entdeckte am 18. Juni den Benuefluß, jenen großen östlichen Arm des Niger, den Baikie 1854 als eine bequeme Wasserstraße bis tief ins Herz des Südens erprobte, und erreichte am 20. Juni die Hauptstadt Jola des bisher unbekannten Landes Adamana, von wo er am 22. Juli wieder in Kuka eintraf. Hierauf besuchte er mit Overweg in Begleitung des berüchtigten Räuberstammes der Uëad Sliman das nördlich vom Tschadsee gelegene Kanem, und vom 25. Nov. 1851 bis Ende Januar 1852 das Land der Musgo. Ende März ging sodann B. allein nach Baghirmi im Südosten des Tschadsee's, wo er wichtige Materalien zur Kunde jener noch ganz unbekannten Länder des Sudan zusammenbrachte, aber sich auch von der Unmöglichkeit überzeugte, mit seinen geringen Mitteln südostwärts den indischen Ocean zu erreichen. Nach abermaliger Vereinigung mit Overweg in Kuka erlag auch dieser am 27. September 1852 zu Maduari am Tschadsee dem endemischen Sumpffieber. — B., obwol nunmehr ganz allein, entschließt sich dennoch westwärts nach Timbuktu vorzudringen. Die Wanderung ging über Zinder, Kátsena und Wurno nach Sokoto, der Hauptstadt der Fellatah, über Gando nach Sai am Niger, und jenseits des Stromes durch die bisher von keinem Europäer betretenen Gebiete von Gurma, Libtako, Dalla. Rach fast ¾jähriger beschwerlicher und gefahrvoller Wanderung erreichte er 5. Sept. 1853 Kabara, den Hafen von Timbuktu, und hielt am 7. Sept. seinen Einzug in die Wüstenstadt. Nach einem siebenmonatlichen Aufenthalt unter fortwährenden drohenden Gefahren trat er endlich am 19. April 1854 die Rückreise nach Kuka an, verfolgte den Lauf des Niger bis Sai, erkrankte in Wurno und wiederholentlich in Kano bei drückendem Mangel an materiellen und pecuniären Mitteln, und alle Welt war ohne Nachricht von ihm geblieben. In dieser Zeit hielt man ihn in Europa wie in Kuka für todt. Dort schrieb man seine Nekrologe (Gumprecht, Zeitschr. für allgem. Erdk. IV. 1855. S. 53), hier hatte man sich schon in seinen|zurückgebliebenen Nachlaß getheilt, als er schwach und entkräftet zwischen Kano und Kuka in einem Walde bei Surrikulo ganz unerwartet am 1. December mit Eduard Vogel zusammentraf, der ihm mit allen Mitteln zu Hülfe nachgeschickt worden war. Beide Reisende blieben nun einige Wochen in Kuka zusammen. Am 10. Mai 1855 trat B. die Heimreise nach Europa an, erreichte über Bilma und Murzuk den 28. August Tripolis, und betrat nach fast 6jähriger Abwesenheit am 8. September zu Marseille wieder den europäischen Boden.

    Mehr Theilnahme und Interesse, sagt Petermann, als B. fern im Innern des räthselvollen, noch immer so wenig gekannten Afrika, hat wol kaum je ein andrer Reisender erweckt, und wenn dies vor allem durch die wunderbaren Erlebnisse auf seinen von Gefahren aller Art umlagerten Pfaden hervorgerufen war, so hatte es in wissenschaftlicher Beziehung seine tiefe und volle Berechtigung. Sein großes Reisewerk, das zugleich in deutscher und englischer Ausgabe erschien, hat eine höchst ausgedehnte Länderstrecke der abgeschlossenen afrikanischen Welt eröffnet. Denn abgesehen von den neu entdeckten und zuerst von ihm beschriebenen Landschaften, wie Aïr, Adamana, die Länder am Niger, dehnen sich Barth's Erkundigungen fast über das ganze Innere des nördlich vom Aequator gelegenen Theiles von Afrika aus, so daß sie zum ersten Male eine geographische Uebersicht dieser so schwer zugänglichen Welt ergaben. Seine Forschungen über Geschichte, Politik und Sprachen erschlossen ein vollständig neues Gebiet und lieferten eine staunenswerthe Masse wichtiger Daten. Alles dies leistete er unter den drückendsten Verhältnissen; seine ganze 6jährige Reise von wenigstens 3000 deutschen Meilen kostete nicht mehr als 10000 Thlr.! Es ist wahrhaft zu bewundern, wie er neben den weit umfassenden ethnographischen und geographischen Forschungen noch Zeit gefunden, zu den höchst mühevollen, vielleicht von keinem anderen Reisenden jemals mit ähnlicher Genauigkeit und Ausdauer durchgeführten Wegeaufnahmen, die den festen Anhalt zu seinen Karten gaben, wie er oft alle 5 Minuten Uhr und Kompaß ablas, die Schnelligkeit des Kameelschrittes in verschiedenen Tagesstunden sorgfältig maß und diese auf Richtung und Länge der Wegestunden angewandt hat. So urtheilte Petermann, der die Karten zu dem großen Reisewerk redigirt hat. Humboldt klagte indeß 1852 (Briefwechsel mit Berghaus III. 209): „Schade, ewig Schade, daß B. von der ersten Grundlage aller Erdbeschreibung, von der Ortsbestimmung nichts versteht. Durch diesen Mangel erleidet die Geographie von Central-Afrika große Einbuße an positiven Thatsachen. An Encke und dessen astronomischem Generalstabe hätte er die bereitwilligsten Lehrmeister gefunden. Bei dem Mangel aller Ortsbestimmung schweben und schwanken Barth's Reiserouten, sobald Overweg sich von ihm trennte, rein in der Luft. Ich bin weit entfernt, Barth's Verdienste zu verkennen, dennoch muß ich Overweg darum den Preis einräumen, weil er es versteht, den Ort, wo er sich befindet, nach der Entfernung vom Aequator und von irgend einem als fest angenommenen Mittagskreise zu bestimmen.“ Auch hat B. selbst es noch in späteren Jahren sehr bedauert, daß er das Studium der Natur versäumt habe. Aber trotz alledem wurde er doch die erste geographische Autorität in Betreff des nördlichen Centralafrika, und übte durch sein Beispiel einen begeisternden Einfluß aus auf die große Zahl der Reisenden in Afrika. — In Berlin fand B. die seinem unermüdlichen Arbeitstrieb angemessenste Stätte. Seit 1863 war er Professor der Geographie an der Universität und wirkte als Gründer der Carl Ritter-Stiftung, als Vorsitzender der geographischen Gesellschaft in umfassendster Weise für alle Zweige geographischen Wissens. Nach Vollendung seines afrikanischen Reisewerks richtete er seine Studien wieder auf den Länderkreis des Mittelmeers. Im Herbst 1858 durchwanderte er die nördliche Hälfte Klein-Asiens von Trapezunt über Kaisarieh bis Scutari, 1861 bereiste er Spanien,|1862 das Innere der europäischen Türkei, 1863 die Alpen, 1864 Italien, 1865 wiederum die Türkei. Noch in demselben Jahre, im 45. seines Lebensalters, in Mitten eifrigster Arbeit verschied er nach zweitägigem Unwohlsein am 25. November. Seine Reisewerke sind: „Wanderungen durch die Küstenländer des Mittelmeeres“, Bd. J. 1849; „Reise und Entdeckungen in Nord- und Central-Afrika in den Jahren 1849—1855“. 5 Bde. mit Karten und Illustrationen. Gotha, J. Perthes, 1857—58, ein Auszug unter gleichem Titel in 2 Bdn. Gotha 1859—60; „Reise von Trapezunt durch die nördliche Hälfte Kleinasiens nach Skutari“, 1860; „Reise durch das Innere der europäischen Türkei". 1864. Das für die Sprachwissenschaft viel verheißende Werk: „Sammlung und Bearbeitung centralafrikanischer Vocabularien“. Abth. I u. II. Gotha, Perthes 1862—1863, ist unvollendet geblieben.

  • Autor/in

    Löwenberg.
  • Empfohlene Zitierweise

    Löwenberg, "Barth, Heinrich" in: Allgemeine Deutsche Biographie 2 (1875), S. 96-99 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119076950.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA