Lebensdaten
1856 bis 1922
Geburtsort
Alst (Westfalen)
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
preußischer Landwirtschaftsminister
Konfession
keine Angabe
Normdaten
GND: 11691954X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schorlemer-Lieser, Clemens Freiherr von
  • Schorlemer, Clemens Freiherr von
  • Schorlemer-Lieser, Clemens Freiherr von
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Objekt/Werk(nachweise)

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Zitierweise

Schorlemer, Clemens Freiherr von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11691954X.html [16.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Burghard (s. 1);
    M Anna Reichsfreiin v. Imbsen;
    Darfeld 1852 Maria (1855–1936), Bes. d. Waldschaft Winterhauch b. Oberstein, Weingutsbes. (s. L), T d. Eduard Puricelli (1826–93), Rittmeister d. Res., Industr., Weingutsbes.;
    2 S August (1885–1940, ⚭ Maria-Elisabeth Kirsch-Puricelli, * 1898, T d. Nikolaus Kirsch-Puricelli, 1866–1936, luxemburg. Geschäftsträger in B., s. NDB XI*, B d. Johann Peter Kirsch, 1861–1941, Prof. f. Patrol. u. christl. Archäol. in Fribourg, s. NDB XI), Oberlt. d. Res., Weingutsbes., 1929-34 Präs. d. Dt. Weinbauverbands. Friedrich-Leo (1894–1915 ⚔), Lt., 4 T Helene (1882–1938, 1| Joseph Frhr. v. Fürstenberg, 1904, preuß. Oberlt., 2] Hugo Gf. Montgelas, 1866–1916, würtl. Kammerherr, Oberstallmeister, preuß. Oberstlt., s. NDB 18 Fam.art), Maria (1888–1959, ⚭ Karl Gf. v. Kageneck, 1871–1967, Gen.major, Flügeladjutant Ks. Wilhelms II.), Elisabeth (1898–1979, ⚭ Kurt v. Oswald, 1892–1971, Dipl.-Ing., Großindustr., s. NDB 19*, S d. Wilhelm v. Oswald, 1859–1936, preuß. Adel 1913, Montanindustr., s. NDB 19);
    E Clemens (* 1926), RA;
    Ur-E Andreas (* 1954, bis 1998 Sabine N. N., * 1959, Dr. iur., Dr. rer. pol. habil., Prof. f. Völkerrecht an d. TU Dresden, s. Kürschner, Gel.-Kal. 2005); Verwandte Friedrich (1842–1921), preuß. Kammerherr, dessen S Anton (1891–1956), Gaujägermeister f. Westfalen u. Lippe, Karl-Friedrich (1886–1936), Bes. d. Burg Volpershausen b. Wissen/Sieg, 1932-36 MdR (DNVP, seit Nov. 1933 NSDAP), Karl (1863–1938). Landstallmeister, dessen S Wilhelm (1888–1965), SA-Obergruppenführer, Inh. d. Goldenen Ehrenzeichens d. NSDAP, 1933-34 MdR (s. Lilla, MdR), Ferdinand (1870–1935), Landesfinanzamtsdir., Elmo (* 1941/42), RA, 1991-99 Vorstandsvors. d. Aachener u. Münchener Versicherungs AG, Reinhardt (* 1938), Land- u. Forstwirt, 1980-2002 MdB (CDU), Bettina (* 1962), Dipl.päd., Heilpraktikerin.

  • Leben

    Nach dem Studium der Rechtswissenschaften seit 1874 in Würzburg und Göttingen trat S. 1877 in den Justizdienst ein, wechselte 1886 als Regierungsassessor in die Verwaltungslaufbahn und übernahm 1888 das Landratsamt Neuss. 1899 zum Vorsitzenden der rhein. Landwirtschaftskammer gewählt, ließ der inzwischen an das Oberpräsidium Breslau versetzte S. sich beurlauben und schied 1900 aus dem Staatsdienst aus, um sich der Verwaltung des Familienbesitzes und der von seiner Frau ererbten Puricelli'schen Industriebetriebe und Weingüter an der Mosel zu widmen. Der nunmehrige Besitz des Schlosses Lieser war Anlaß für den Namenszusatz. Der 1901 ins preuß. Herrenhaus berufene Multimillionär S. entfaltete hier sowie im Landesökonomiekollegium umfangreiche Aktivitäten, was ihm den Ruf eines Agrarfachmannes, dem Belange der Industrie nicht fremd waren, verschaffte. 1905 erfolgte die vermutlich direkt auf Ks. Wilhelm II. zurückgehende Berufung zum Oberpräsidenten in Koblenz. Seit 1907 setzte sich S. prononciert vom politischen Katholizismus seines Vaters ab und engagierte sich in der Dt. Vereinigung. Breiten Kreisen wurde der Politiker im April 1910 durch einen Herrenhausantrag zur Wahlrechtsreform bekannt. Der im Einklang mit Intentionen des Ministerpräsidenten Bethmann Hollweg gegen SPD und Zentrum gerichtete und zugleich auf gesteigerten Einfluß der Vertreter von Industrie und Handel zielende Antrag konnte jedoch die Gesetzesinitiative nicht retten. Da dies u. a. auf den Widerstand des Bundes der Landwirte gestoßen war, besaß die Ernennung S.s zum preuß. Landwirtschaftsminister im Juni 1910 Brisanz, stabilisierte jedoch zusammen mit der Neubesetzung des Innen- und Finanzressorts die in Schwierigkeiten geratene Regierung. Schwerpunkte der Arbeit im Staatsministerium waren die Vollendung des seit 1893 bearbeiteten Wassergesetzes (1913) sowie Landeskultur- und Siedlungsgesetze, die auf einen Interessenausgleich der Landwirtschaft mit der Industrie und der städtischen Bevölkerung gerichtet waren. Das setzte S. wiederholt scharfer Kritik auch von agrarischer Seite aus. Ebenso widersprüchlich war seine Deutschtumspolitik, die zwar vom Grundsatz her moderat war, zugleich aber das Odium der erstmaligen Anwendung des sog. Enteignungsparagraphen trug. Während des 1. Weltkriegs wirkte S. bei der Organisation der Kriegsernährungswirtschaft mit. Da sich trotz allem die Ernährungslage weiter rapide verschlechterte, die zunehmend an den Erzeugern orientierte Politik auf Kritik stieß und zugleich Kompetenzen sowie Einfluß v. a. an das Kriegsamt verloren gingen, trat S. im Aug. 1917 im Zusammenhang mit der sog. Juli-Krise zurück. Erneut zum Vorsitzenden seiner Landwirtschaftskammer gewählt, übernahm er 1918 zusätzlich die Leitung des Dt. Landwirtschaftsrates. 1920/21 wurde S. nochmals im Staatsauftrag bei der Festsetzung der dt. Viehlieferungen gemäß Versailler Vertrag sowie bei der Anerkennung von Besatzungsschäden in Belgien tätig.

  • Auszeichnungen

    zahlr. Orden, u. a. päpstl. Pius-Orden (1880 Rr.kreuz, 1908 Großkreuz); Devotionskreuz d. Rhein.-Westf. Malteser-Ordens (1887); Kronen-Orden II. Kl. (1903); bayer. Verdienstorden v. Hl. Michael II. Kl. (1905); preuß. Roter Adler-Orden (I. Kl. 1911, mit Krone u. Eichenlaub 1913, Großkreuz 1917); E. K. II. (1915) u. I. (1917); Brustkreuz d. Verdienstkreuzes d. Malteser-Ritter mit Kriegsdekoration (1919); Dr. h. c. (Tierärztl. Hochschule Berlin 1911).

  • Werke

    Die Erhaltung d. Bauernstandes durch bes. gesetzt. Vorschrr. über d. Erbfolge im ländl. Grundbes., in: Jb. d. Internat. Vereinigung f. vgl. Rechtswiss. u. Volkswirtsch.lehre 8, 1910, S. 80-95;
    Die Frhrl. v. Schorlemerschen Weingüter, in: H. G. Dade (Hg.), Die dt. Landwirtsch. unter Ks. Wilhelm II., Bd. 1, 1913, S. 639-43;
    zahlr. Reden in d. Stenograph. Berr. d. RT, d. preuß. Abg.hauses, d. Herrenhauses sowie agrarpolit. Interessenvereinigungen.

  • Literatur

    F. Aoreboe, Der Einfluß d. Krieges auf d. landwirtschaftl. Produktion, 1927;
    H.-J. Puhle, Agrar. Interessenpol. u. preuß. Konservatismus, 1967;
    J. Flemming, Landwirtschaftl. Interessen u. Demokratie, 1978;
    K. H. Jarausch, The enigmatic chancellor, Bethmann Hollweg, 1982;
    R. G. Moeller, German peasants and agrarian politics, 1914-1924, 1986;
    A. Roerkohl, Hungerblockade u. Heimatfront, 1991;
    J. Eckert, Der Kampf um d. Fam.fideikommisse, 1992;
    H. Spenkuch, Das Preuß. Herrenhaus, 1998;
    R. Zilch (Bearb.), Die Protokolle d. Preuß. Staatsmin., IX, 1900–1909, 2001, X, 1909 bis 1918, 1999;
    G. Gerhold, C. Frhr. v. S. (1856-1922), 2002 (Bibliogr.);
    Wi. 1909-1914;
    DBJ IV, S. 250-53 u. Tl.;
    H. Romeyk, Die leitenden staatl. u. kommunalen Verw.beamten d. Rheinprovinz 1816-1945, 1994, S. 732 f.;
    P. Claus, Persönlichkeiten d. Weinkultur dt. Sprache u. Herkunft, 1991, 22002;
    Trierer Biogr. Lex.; |

  • Quellen

    Qu Geh. StA Berlin, I. HA, Rep. 87, ZB Nr. 377-92 (Personalakten); Rep. 89, Nr. 3698 (Ernennung u. Rücktritt); Rep. 151, I B Nr. 2597; – zu Maria Freiin v. S.-Lieser: H.-Ch. Brandenburg, Das Geschl. d. Puricelli in Südwestdtld., Eine genealog. Darst., in: Landeskundl. Vj.bll. 2, Jg. 36, 1990, S. 73-92.

  • Portraits

    Die Woche 1910 II, S. 777;
    Ill. Ztg. Nr. 4079, 1922;
    W. Hubatsch, Grundriß z. dt. Verw.gesch. XII, Abb. 237.

  • Autor/in

    Reinhold Zilch
  • Empfohlene Zitierweise

    Zilch, Reinhold, "Schorlemer, Clemens Freiherr von" in: Neue Deutsche Biographie 23 (2007), S. 480-482 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11691954X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA