Lebensdaten
unbekannt
Beruf/Funktion
Adelsfamilie
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 139775072 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Montgelas de Garnerin de la Thuille
  • Garnerin, de
  • de Garnerin
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Zitierweise

Montgelas, von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd139775072.html [20.04.2019].

CC0

  • Leben

    Seit dem 16. Jh. erscheinen Mitglieder der Familie Garnerin im Hzgt. Savoyen als Beamte, Offiziere und Kleriker. Die Mutter des hl. Franz v. Sales (1567–1622) war eine Garnerin. Die gesicherte Reihe beginnt mit Jean-François de Garnerin ( 1657), Seigneur de la Thuille, 2. Präsident der Rechnungskammer, Staatsrat und Senatspräsident von Chambéry. Sein Enkel Sigismond de Garnerin (1670–1756), Seigneur de Montdragon et de la Thuille, Offizier im Regiment de la Tour, kam durch die Heirat mit Anne Françoise de Barillet in den Besitz der Seigneurie de Montgelas, nach welcher er sich, in den Freiherrnstand erhoben, benannte. Sigismonds Sohn Janus (1710–67) trat als Offizier in kaiserl., 1742 in kurbayer. Dienste und wurde 1760 Generalmajor. Verschiedentlich wurde er auch mit diplomatischen Missionen betraut (s. L). Sein Sohn Maximilian (1759–1838) gilt als Bayerns größter Staatsmann (s. u.). 1809 wurde er in den Grafenstand erhoben und zum erblichen Reichsrat der Krone Bayern ernannt. Er errichtete ein Fideikommiß mit den Herrschaften Egglkofen, Aham und Gerzen. Seine Söhne Maximilian (1807–70), verheiratet mit einer engl. Adeligen, und Ludwig (1814–92), verheiratet mit einer Tochter des Reichstagsabgeordneten Maximilian Gf. v. Seinsheim (1811–85), begründeten mit ihren jeweils drei Söhnen die beiden Linien der Familie.

    Das Fideikommiß und der Sitz im Reichsrat gingen von Maximilian auf dessen gleichnamigen Sohn (1837–84) und den Enkel Joseph (1870–1921), beide Offiziere in der bayer. Armee, über. Josephs Sohn Emmanuel (1903–69), auf Egglkofen, Aham und Gerzen, adoptierte 1969 seinen Neffen Rudolf Konrad (* 1939), Sohn des Würzburger Staatsrechtlers Friedrich August Frhr. v. der Heydte (1907–94). Dieser Familienzweig blüht indes weiter in den vier Söhnen von Emmanuels Bruder Joseph (1919–86), auf Gerzen, Dipl.-Forstwirt: u. a. in dem Rechtsanwalt Max Joseph (* 1947), auf Gerzen, und in dem Tierarzt Albert (* 1950). – Anders der von Hugo (1844–85) ausgehende Zweig: Sein gleichnamiger Sohn (1866–1916), württ. Oberstallmeister und preuß. Oberstleutnant, der mit einer Tochter des preuß. Landwirtschaftsministers Clemens Frhr. v. Schorlemer (1856–1922) verheiratet war, hatte keine männlichen Nachkommen. – Maximilians Sohn Eduard (1854–1916) trat in den auswärtigen Dienst Bayerns ein. Nach Stationen in Rom, Bern und Wien wurde er 1903 Gesandter in Dresden, seit 1911 im Rang eines Staatsrates (s. Schärl)). Eduards Sohn Franz (1882–1945), Architekt, wurde im Zusammenhang mit dem gescheiterten Attentat vom 20. Juli 1944 hingerichtet. Paul (1886–1968) war Korvettenkapitän, dessen Sohn Thassilo (1918–92) Geschäftsführer des Verbands der Aluminiumverarbeitenden Industrie. Eduards dritter Sohn Albrecht (1887–1958), Dr. iur., absolvierte eine Bankausbildung in Dresden und New York. In Amerika wandte er sich als Kunst- und Literaturkritiker dem Journalismus zu. 1923 wurde er England-Korrespondent der Vossischen Zeitung, für die er u. a. den ersten Zeppelin-Weltflug mitmachte. 1933 mußte er aus politischen Gründen seine journalistische Tätigkeit einstellen, blieb aber als Vertreter einer Nürnberger Brauerei in London, wo er 1939 interniert wurde. 1949-55 war er außenpolitischer Redakteur des „Münchner Merkur“ (s. W, L). Seine Frau Margarete (1894–1976), Dr. rer. pol., Tochter des Görlitzer Oberbürgermeisters Georg Snay (1862–1930), betätigte sich als Übersetzerin, seine Cousine Elisabeth (1873–1945) als Verfasserin von Tiergeschichten (s. W).

    Ludwig (1814–92), Begründer der 2. Linie, schlug ebenfalls die diplomatische Laufbahn|ein. Nach Stationen in Paris, Stuttgart, Karlsruhe, Berlin, St. Petersburg, Dresden und Hannover war er 1854-70 bayer. Gesandter in Berlin, dazwischen 1858-60 in St. Petersburg (s. W; Schärl). Sein Sohn Maximilian (1860–1938) trat 1879 in die bayer. Armee ein. 1900 war er Bataillonskommandeur im Ostasiat. Expeditionskorps, 1901-03 Militärattaché in Peking, 1910-12 Oberquartiermeister im Großen Generalstab, 1912-15 schließlich Kommandeur der 4. bayer. Infanteriedivision. Nach dem 1. Weltkrieg wurde er zusammen mit dem Völkerrechtler Walter Schücking vom Auswärtigen Amt beauftragt, „Die deutschen Dokumente zum Kriegsausbruch 1914“ herauszugeben (1919 ff.). Er wandte sich vehement gegen den seiner Meinung nach ungerechten Versailler Friedensvertrag und den Vorwurf, Deutschland trage die Hauptschuld am Kriegsausbruch (s. W, L). Seine Frau Pauline (1874–1961), Tochter des österr.-ungar. Botschafters in Rom, Felix Gf. v. Wimpffen (1827–82), betätigte sich ebenfalls schriftstellerisch. Vor dem 1. Weltkrieg nahm sie hohe Funktionen im Kath. Deutschen Frauenbund wahr, danach wurde sie Vorsitzende der Kommission für Volkstumsarbeit (s. W). – Auch Ludwigs 2. Sohn Theodor (1862–1938), verheiratet mit einer Tochter des Regierungspräsidenten von Mittelfranken Hugo Frhr. v. Herman (1817–90), und sein Enkel Ludwig (1907–82), verheiratet mit einer Tochter des Prinzen Friedrich v. Hanau (1864–1940), wählten die militärische Laufbahn. Tassilo (* 1937), verheiratet mit einer Tochter des Fürsten Carl v. Wrede (1899–1945), ist Justitiar bei der Allianz Versicherungs-AG. Während der erste Familienzweig dieser Linie schon mit Maximilian ausstarb, lebt der zweite in Philipp (* 1969) und Clemens (* 1976) weiter. – Ludwigs 3. Sohn Adolf (1872–1924), deutscher Gesandter in Mexiko, heiratete eine Amerikanerin. Seine beiden Söhne, die Kaufleute Karl-Maximilian (* 1909) und Rudolf (* 1913), ließen sich in den USA nieder.

  • Werke

    zu Ludwig (Hrsg.): Denkwürdigkeiten d. bayer. Staatsministers Maximilian Gf. v. M. (1799-1817) im Auszug aus d. franz. Original übers. v. Max Frhr. v. Freyberg-Eisenberg, 1887. – Zu Albrecht:
    Die rel. Erziehung d. Kinder aus gemischten Ehen im Kgr. Sachsen, Diss. Leipzig 1911;
    Abraham Lincoln, Präs. d. Vereinigten Staaten v. Nordamerika, 1925;
    Abraham Lincoln, Die Schöpfer. Kraft d. Demokratie, 1947, 21949;
    Wilhelm Hoegner, Eine Lebensbeschreibung, 1957 (mit C. Nützel). – Zu Maximilian ( 1938):
    Btrr. zur Volksbundfrage, 1919;
    Glossen z. Kautsky-Buch, 1920;
    Zur Vorgesch. d. Weltkrieges, 1921;
    Zur Schuldfrage, Eine Unters. üb. d. Ausbruch d. Weltkrieges, 1921;
    Franz.-dt. Diskussion üb. d. Kriegsursachen u. üb. d. Wiederaufbau Europas, 1922 (mit E. Renauld u. H. Lutz);
    Die Folgen d. Friedensverträge f. Europa, 1922 (mit F. Klein);
    Leitfaden z. Kriegsschuldfrage, 1923 (21929 u. d. T. Leitsätze z. Kriegsschuldfrage);
    Ursprung u. Ziel d. franz. Einbruchs in d. Ruhrgebiet, 1923;
    Les responsabilités de la guerre, Un plaidoyer allemand, 1924;
    Die Sicherheitsfrage, 1925 (mit K. Linnebach);
    Rußland u. d. Weltkonflikt, 1927;
    British Foreign Policy under Sir Edward Grey, 1928;
    Die drei Invasionen Frankreichs, 1923 (auch franz., engl.);
    Frankreichs Rüstung, 1932;
    Gesch. d. Weltkriegs (Propyläen-Weltgesch. X), 1933. – Zu Pauline: Ostasiat. Skizzen, 1905;
    Bilder aus Südasien, 1906;
    Von Frankreichs Seele u. Form, 1925;
    Zeitenwende, Briefe an e. Freund in Ostasien, 1926;
    Zeit- u. Streitfragen d. Gegenwart, 1926;
    Ein Frauenleben aus d. alten Europa – Charlotte Lady Blennerhassett, 1926. – Zu Elisabeth:
    Tiergeschichten, 1922;
    Vom Umgang mit Tieren – Hunde u. Pferde, 1922;
    Ein Besuch b. d. Löwengräfin, Zwiegespräch üb. Tiere u. Menschen, 1925;
    Exot. Wildtiere in Gefangenschaft, 1925.

  • Literatur

    P. Guichonnet, Une famille savoyarde au Service de la Bavière: les M., in: Mémoires de l'Académie des Sciences, Belles-Lettres et Arts de Savoie, 7. série, V, 1991, S. 75-105 (P v. Janus, Maximilian 1838, Maximilian 1938). – Zu Janus:
    ADB 22;
    E. Weis, Montgelas' Vater: Janus Frhr. v. M. (1710-1767), bayer. General u. Diplomat, in: ZBLG 26, 1963, S. 256-322 (P). – Zu Albrecht:
    W. Kiaulehn, Ein Leben f. d. Ztg., in: Münchner Merkur Nr. 160, 1958;
    BHdE II. – Zu Maximilian ( 1938):
    G. Demartin, Qui est Montgelas?, 1921;
    Kosch, Biogr. Staatshdb., 1963.

  • Autor/in

    Franz Menges
  • Familienmitglieder

  • Empfohlene Zitierweise

    Menges, Franz, "Montgelas, von" in: Neue Deutsche Biographie 18 (1997), S. 54-55 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd139775072.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA