Lebensdaten
1754 bis 1831
Geburtsort
Berlin
Sterbeort
Alland bei Wien
Beruf/Funktion
Regisseur ; Schauspieler
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 116273364 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Eckardt, Siegfried Gotthelf (eigentlich)
  • Koch, S. G.
  • Koch, Siegfried Gotthelf
  • mehr

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Verknüpfungen auf die Person andernorts

Aus dem Register von NDB/ADB

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Auf der Karte werden im Anfangszustand bereits alle zu der Person lokalisierten Orte eingetragen und bei Überlagerung je nach Zoomstufe zusammengefaßt. Der Schatten des Symbols ist etwas stärker und es kann durch Klick aufgefaltet werden. Jeder Ort bietet bei Klick oder Mouseover einen Infokasten. Über den Ortsnamen kann eine Suche im Datenbestand ausgelöst werden.

Zitierweise

Koch, Siegfried Gotthelf, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116273364.html [23.05.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Samuel Gotthilf Eckardt (1718–78), Kauf- u. Handelsmann in B., S d. Torschreibers Martin in B. u. d. Catharina Schäffer aus Löwenbruch b. Zossen, M Maria Catharina (1725–72), T d. Tuchscherers David Lietzmann in B. u. d. Rahel Grawe;
    B Friedrich Eckardt (1759–1806), Theaterdichter (s. Dt.balt. Biogr. Lex., 1970);
    - Johanna, T d. kaiserl. Hauptm. Johann Mathis v. Bruckenfeld;
    3 S, 2 T, u. a. Elisabeth (Betty ( 1808), Friedrich Roose, 1767–1818, Burgschauspieler seit 1798), Burgschauspielerin (Naive u. Sentimentale), bei d. Uraufführung d. Versfassung v. Goethes „Iphigenie“ 1800 spielte sie mit gr. Erfolg d. Titelrolle, hatte gr. Einfluß auf d. dichter. Entwicklung Grillparzers (beide s. L).

  • Leben

    K. arbeitete nach dem Jurastudium als Sekretär bei der Bergwerksadministration in Berlin. Vielfache Besuche der Vorstellungen mit den Schauspielern Heinrich Gottfried Koch und Carl Theophil Döbbelin weckten bei ihm den Wunsch, selbst zum Theater zu gehen. Er verließ Berlin und wandte sich zunächst nach Hamburg, wo er F. L. Schröder, J. F. H. Brockmann und J. F. Reinecke sah, ein Erlebnis, das ihn in seinem Entschluß noch mehr bestärkte. 1778 debütierte er in Schleswig unter dem Pseudonym „Koch“. Über Hildesheim kam er 1779 zur Schuchschen Gesellschaft nach Danzig. Mit dieser Truppe, die auch für Kurland das Privileg erhielt, ging K. nach Mitau. Die Vorstellungen fanden solchen Anklang, daß Otto Hermann von Vietinghoff 1783 in Riga ein Theater auf eigene Rechnung eröffnete. K. wurde zum künstlerischen Leiter ernannt; daneben wirkte er als Regisseur. 1785 trat er unter anderem in Mainz und in Frankfurt am Main auf. 1788 ging er als dirigierender Regisseur an das 1787 gegründete Mainz-Frankfurter Nationaltheater. Als im Herbst 1792 infolge der französischen Besetzung die deutschen Schauspieler durch französische abgelöst wurden, wandte sich K. mit seiner Tochter Betty 1793 nach Mannheim. Nach Gastspielen in Hamburg, Hannover und Bremen leitete er 1796-98 in Hannover die Großmannsche Gesellschaft, deren Notlage er beseitigen konnte. 1798 erhielt er von seinem Freund Kotzebue einen Ruf an das Wiener Burgtheater, wo er bis zum Ende seiner künstlerischen Laufbahn 1829 blieb. – K. gab dem im Laufe des 18. Jahrhunderts ins Pathetische abgeglittenen Konversationsstil durch seine frische Natürlichkeit neue Impulse. Das wirkte sich besonders an dem konventionellen Wiener Burgtheater aus. Seine reiche Mimik, sein wohlklingendes Organ, sein durchdachtes, bis ins kleinste Detail ausgearbeitetes Spiel ließen aber auch Tragödien- und feinkomische Rollen ausgezeichnet gelingen. Als Hamlet und Macbeth wurde er berühmt. Später ging er zum Fach der Heldenväter über und spielte unter anderem Lear, Nathan und Falstaff.

  • Literatur

    ADB 16 (auch f. T Betty);
    Wurzbach III (unter Eckardt, auch f. Fam.);
    Kosch, Theater-Lex. (unter Eckardt, auch f. Fam.); ÖBL (unter Eckardt); K. Mras, Das Stammbuch d. Hofschausp. S. G. Eckardt, gen.Koch (1754–1831), in: Anz. d. Österr. Ak. d. Wiss., Phil.-hist. Kl., 1959, S. 115-26 (PPorträt).

  • Autor/in

    Gisela Schwanbeck
  • Empfohlene Zitierweise

    Schwanbeck, Gisela, "Koch, Siegfried Gotthelf" in: Neue Deutsche Biographie 12 (1979), S. 277 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116273364.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Koch: Siegfried Gotthelf K., eigentlich Eckardt, Schauspieler, geb. am 25. October 1754 zu Berlin, starb am 11. Juni 1831 zu Alland nächst Baden bei Wien. Dieser nachmals so vorzügliche Schauspieler war der Sohn eines angesehenen Kaufmanns, den J. J. Engel angeblich als Vorbild für seinen Lorenz Stark benutzt haben soll (?). Die günstigen Verhältnisse, in denen sich K. befand, ermöglichten es, daß er Cameralwissenschaften studirte und bereits mit 18 Jahren wurde er als Assistent bei der Bergwerksadministration angestellt und im 22. Jahre zum expedirenden Secretär befördert. Allein der dem Theater nahe stehende Umgang, den er suchte, „verdrüßliche Familienvorfälle“, die Anregung, welche ihm durch die Vorstellungen der Koch'schen und Doebelin'schen Gesellschaft wurde, bestimmten ihn um diese Zeit dem Bureauleben Ade zu sagen und Schauspieler zu werden. Ein kurzer Aufenthalt in Hamburg, wo es ihm vergönnt war sich an den Leistungen Schröder's, Brockmann's u. A. zu erheben, bestärkte ihn nur noch in seinem Vorsatz und unter dem angenommenen Namen Koch betrat er in Schleswig im November (n. A. im October) 1778 als Hauptmann Edelsen (der Postzug) zum ersten Male die Bühne. Da er das Glück hatte zu gefallen, gab er schon in der nächsten Zeit den Medon in dem gleichnamigen Drama, dann den Waller (Marianne). Der Erfolg des ersten Auftretens blieb ihm nicht nur treu, sondern verstärkte sich mit jeder neuen Rolle, so daß er schon 1779 nach kurzer Wirksamkeit bei Constantini in Lüneburg unter sehr günstigen Bedingungen an das bischöfliche Theater in Hildesheim berufen wurde, dem er aber bald wieder entsagte, um 1780 einem Engagementsantrag der Wittwe Schuch, als erster Liebhaber, nach Danzig Folge zu leisten. Er begleitete die Gesellschaft nach Mitau, wo ihn der russische Geheimrath Baron v. Vittinghoff sah und für das von ihm in Riga errichtete neue Theater erwarb. Bis 1782 führte K. hier mit Brandes und Meyer zusammen die Regie und dirigirte dann, als Vittinghoff nach Petersburg ging, mit Meyer zusammen die Bühne als Unternehmung auf eigene Rechnung. Eine Gastspielreise, die K. nach Deutschland unternahm, verschaffte ihm kurz nach seiner Rückkehr nach Riga eine Berufung als Director des Mainz-Frankfurter Nationaltheaters. Am 18. April 1788 trat er in Frankfurt die neue Direction an, unter der nun hier wie in Mainz Stücke von Goethe, Lessing, Schröder, Iffland, Schiller u. A. das Repertoir bildeten. Als dann der Kurfürst von Mainz. Friedrich Karl Joseph v. Erthal, in Mainz eine Nationalbühne unter Oberleitung des Freiherrn Friedrich Karl v. Dalberg errichtete, ward K. zum technischen Director ernannt. Die Eröffnung der neuen Unternehmung fand am 5. November 1788 statt und eine Blütheperiode der Mainzer Schaubühne nahm damit ihren Anfang. Das Repertoir war reichhaltig und vielseitig, mit gutem Geschmack zusammengestellt, das Personal strebsam und selbst ein schwer zufriedengestellter Kritiker wie Iffland, der früher über das Mainzer Theater gespottet hatte, bezeugte ihm jetzt seine Anerkennung. Beck, Christ, Mattausch, Mad. Fiala, ferner Stegmann, Gunicke, Walter, Hübsch, Mad. Schick u. A. bildeten die Truppe, mit der K. seine Siege erfocht. Während der Kaiserkrönung des Kaisers Leopold II. 1790 spielte K. mit seiner Gesellschaft auch in Frankfurt und fand auch hier die auszeichnendste Anerkennung. Die Folgen der französischen Revolution bereiteten leider dem schönen Unternehmen ein frühes Ende und im November 1792 fanden die letzten Vorstellungen unter K. statt. K. selbst nahm im November 1792 ein Engagement in Mannheim an, um den verstorbenen Boeck zu ersetzen, bis ihn 1796 auch hier der Krieg Vertrieb. Noch im selbigen Jahre ging er nun nach Hannover, wo er bereits 1795 gastirt hatte, und wurde hier mit den Functionen eines (die Großmann'schen Erben) stellvertretenden Directors engagirt. Die ewigen Verdächtigungen der mißmuthigen Frau Großmann bestimmten ihn 1798 die Stelle aufzugeben und Kotzebue's Ruf ans Wiener Hoftheater zu folgen. Er debutirte am 1. October d. J. als „Klarenbach“ (Advokaten), feierte 1828 sein 50jähriges Jubiläum und wurde 1831 pensionirt. Koch's Spiel zeichnete sich durch Anstand und Würde, Gefühl und Wahrheit aus. Auch seine schöne Declamation ward stets gerühmt. 1780) urtheilt ein Mitarbeiter der Litteratur- und Theater-Zeitung (III. 494 f.) über ihn: „Sein Wuchs ist schlank und durchaus verhältnißmäßig ... Er — seiner ganz mächtig und daher reich an Ausdruck und Minenspiel; die Stimme männlich; was ihr an volltönendem Wohllaut abgeht ... ersetzen richtige Declamation, überlegtes Spiel, wahres Gefühl und Hinzauberung eines jeden Charakters, in dem er auftritt. Sein Vortrag der Rollen ist nie auswendig gelerntes Pensum, ist Ergießung eigener Empfindung, Hinströmung eigener Worte. So sein Spiel — eigene Handlung; sein Ausdruck — sichtbares Gefühl, unvorbereitet — Natur. Da ihn nur der wahre Ruhm anspornt, so ist er weder stolz, noch voller Eigendünkel. Jede freundschaftliche Erinnerung ist ihm willkommen, jeder Wink des Kenners — Besuch einer Muse.“ Eine vortreffliche Rolle von ihm war früher der Hamlet, auch der Posa, später feierte man ihn als „Abbé de l'Epée“ (Taubstummer), „Lorenz Stark" (Deutsche Familie). „Einnehmer Trut" (Reise in die Stadt), „Kriegsminister" (Spieler), „Dallner“ (Dienstpflicht), „Wagner“ (Vetter in Lissabon), „Belaccueul“ (Die Gefangene), „Kaberdar“ (Indianer in England), „Graf" (Puls), „Hofrath“ (Hausfrieden) und „Nathan“. Das Beste leistete er im Conversationsstück. Porträts und andere Abbildungen (unter Anderem auch eine Büste und Medaille) hat man von K. sehr häufig, als besonders ähnlich wird der Henne'sche Stich in den Ephemeriden der Litteratur und des Theaters gerühmt. K. war verheirathet mit einem Fräulein v. Brückenfeld, die er in Mitau hatte kennen lernen. — Seine Tochter Betti (geb. am 20. October 1778 zu Hamburg), die mit ihm in Mainz, Mannheim, Hannover und Wien thätig war und hier|den Hofschauspieler Roose heirathete, starb leider schon am 24. October 1808. Sie war eine treffliche Darstellerin.

    • Literatur

      Vgl. u. A. Baldamus, Siegfried Gotthelf Eckardt, gen. Koch ... Eine biogr. Skizze (Wien 1828). Bäuerle's Wiener Theaterzeitung 1806 S. 173, 1829 Nr. 118, 1831 Nr. 74—76. Lembert's Taschenbuch für Schauspieler und Schauspielerfreunde, 1821 S. 51—58; die Litt.- u. Theater-Ztg. a. a. O. u. 1780 I. 41 f. Peth, Gesch. d. Theaters in Mainz, S. 77—104. Wurzbach und andere lexikalische Werke sind betr. der Engagements u. Directionsführungen nach den oben gemachten Angaben zu berichtigen.

  • Autor/in

    Joseph Kürschner.
  • Empfohlene Zitierweise

    Kürschner, Joseph, "Koch, Siegfried Gotthelf" in: Allgemeine Deutsche Biographie 16 (1882), S. 399-401 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116273364.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA