Lebensdaten
1825 bis 1907
Geburtsort
Uttlau bei Passau
Sterbeort
Rom
Beruf/Funktion
Jesuit ; katholischer Theologe ; Kardinal
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 119442426 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Steinhuber, Andreas
  • Steinhuber, Andrea

Quellen(nachweise)

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Zitierweise

Steinhuber, Andreas, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119442426.html [18.08.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Chrysant, Landwirt u. Bes. d. Raumosergutes in Unter-Uttlau b. Griesbach;
    M Elisabeth Hölzl; 8 Geschw.

  • Leben

    Nach der Ausbildung am Gymnasium in Passau studierte S. 1845–53 an der Univ. Gregoriana in Rom (Promotion zum Dr. phil. u. Dr. theol.) und 1853/54 an der Univ. München „Kirchenrecht vom vaterländischen Standpunkt aus“, vorgeschrieben für Theologen aus Rom. Anschließend wirkte er als Pfarrkooperator in Passau und trat 1857 in Österreich dem Jesuitenorden bei. Seit 1859 lehrte er an der Univ. Innsbruck, seit 1866 als Ordinarius für Dogmatik. 1867 wechselte S. als Rektor des Collegium Germanicum (bis 1880) nach Rom. Sein politisches Geschick schützte das Kolleg während des Einmarsches ital. Truppen in Rom (Ende d. Kirchenstaates 1870). Den wirtschaftlichen Bestand des Kollegs rettete S. seit 1873 trotz Gefährdung durch die kirchenfeindliche ital. Politik (Zwangsverkauf d. Stiftungsvermögen, Sondersteuern, Aufnahme d. Jesuiten-Professoren ins Kolleg nach staatl. Enteignung d. Univ. Gregoriana) auch wegen des Kulturkampfs in Deutschland (u. a. Verbote für röm. Studenten aus Preußen, Bayern). Der politische Druck schuf Corpsgeist und Solidarität von Kollegsleitung und Studenten (mit Ehemaligen), mit S. als Bezugspunkt über Jahrzehnte hinweg.

    Im innerdt. Konflikt antipreuß. und großdt. eingestellt, propäpstl. mit mäßigender Tendenz in kirchenpolitischen Fragen, wurde S. ein gesuchter Berater auch der päpstl. Kurie (1874 Theologus d. Poenitentiaria, 1876 Konsultor d. Kongregationen f. kirchenpol. Fragen, 1885 f. d. Missionen u. 1886 d. S. Officiums). 1893 in den Kardinalsstand erhoben (zunächst ,in petto`, 1894 veröff.), wurde S. 1896 Präfekt der Kongregation für den Index der verbotenen Bücher. Zudem gehörte er als Mitglied der Kongregationen für Lehrfragen, Kirchenpolitik und Missionen fast allen Spitzengremien des Vatikans an, unterstützt durch politische Informationen aus einer Vielzahl vertraulicher Korrespondenzen. Wiederholt engagierte sich S. mit markant antiliberaler Einstellung bei kirchlichen Fragen aus Nordamerika, u. a. im Streit um den kath. ,Amerikanismus` um 1898. Als Präfekt der Indexkongregation unterzeichnete er spektakuläre Bücherverbote, darunter die Indizierung des Würzburger Theologen Herman Schell (1850–1906). Als Leiter dieser Behörde, die nach den Forderungen von Bischöfen und Laien zur Reform oder Abschaffung des „Index“ und dem monumentalen Buch „Der Index der verbotenen Bücher“ (1883) des kritischen Bonner Theologen Franz Heinrich Reusch (1825–1900) ihr Ansehen verspielt hatte, stand S. unter hohem Reformdruck. Mit Papst Leo XIII. führte er 1900 eine ,Reform` des Index der verbotenen Bücher durch, die aus späterer Sicht nur eine oberflächliche Korrektur des überlebten Instituts der päpstl. Bücherverbote darstellte, das erst 1966 abgeschafft wurde.

  • Werke

    u. a. Gesch. d. Kollegium Germanikum Hungarikum in Rom, 2 Bde., 1895, 21906 (Autobiogr. in Bd. 2, S. 483 f.).

  • Literatur

    | P. Walter, A. S. extra Collegium, Sein Leben bis z. Eintritt in d. Ges. Jesu in Briefen an d. Kommunität 1853–1857, in: Korr.bl. f. d. Alumnen d. Collegium Germanicum et Hungaricum 84, 1977, 85, 1978;
    J. Malget, Bf. Johann Joseph Koppes, 2 Bde., 1997 (Qu);
    J. Schasching, Kard. A. S. u. d. Knights of Labour, in: Glaube in Pol. u. Zeitgesch., FS Franz Josef Stegmann, hg. v. G. Giegel u. P. Langhorst, 1995, S. 191–98;
    K. Hausberger, Herman Schell, 1999;
    H. Wolf, Die „dt.“ Indexreform Leos XIII. ( . . . ), in: HZ 272, 2001, S. 63–106;
    H. H. Schwedt, Prosopogr. v. Röm. Inquisition u. Indexkongregation 1814–1917, 2005, Bd. 2, S. 1415–18;
    ders., Joseph Schröder (1849–1903 u. d. Amerikanismus 1897, Aus d. Briefmappe d. Kard. A. S., in: Christen in Bayern, Christen aus Bayern, FS Karl Hausberger, hg. v. M. Eder, 2009, S. 365–406;
    S. Schratz, Das Gift d. alten Europa u. die Arbeiter d. neuen Welt, Zum amerik. Hintergrund d. Enzyklika ,Rerum novarum` (1891), 2011;
    K. Hengst, Jesuiten an Universitäten, 1981;
    BJ XII, Tl.;
    LThK1–3 .

  • Portraits

    Ölgem. v. F. Venuti, 1895, u. Marmorbüste v. J. Limburg, 1909 (Rom, Collegium Germanicum et Hungaricum);
    Fotos, Abb. in: Korr.bl. f. d. Alumnen d. Collegium Germanicum-Hungaricum 9, 1901, S. 17–19 u. ebd. 15, 1907, S. 85–98.

  • Autor/in

    Herman H. Schwedt
  • Empfohlene Zitierweise

    Schwedt, Herman H., "Steinhuber, Andreas" in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 204-205 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119442426.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA