Lebensdaten
1719 bis 1772
Geburtsort
Elbing
Sterbeort
Göttingen
Beruf/Funktion
Historiker ; Statistiker ; Rechtsgelehrter
Konfession
evangelisch?
Normdaten
GND: 118643657 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Achenwall, Gottfried

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Zitierweise

Achenwall, Gottfried, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118643657.html [10.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Gottfried Achenwall (1691–1745), Kaufmann und Mälzenbrauer, aus Schottland eingewandert;
    S des Michael (1664–1726) und der Dorothea Döringer ( 1701);
    M Elisabeth Zachert;
    Ur-Gvv Thomas (1615–74), Kaufmann, Bürgermeister, Burggraf in Elbing, S des Thomas (1581–1653), aus Stirling (Schottland), und der Ursula Ott (1595–1653), aus Preußisch Holland;
    Ov Thomas (1695–1755), Pfarrer;
    1) 1752 Sofie Eleonore (1723–54), Schriftstellerin aus Gießen T des Pfarrers N. N. Walther, 2) 1755 Wilhelmine Louise (1726–62), T des Reichspublizisten Johann Jakob Moser (1701–85) aus Stuttgart, 3) Uslar 1763 Sophie Rosine (oder Maria) ( 1773), T des Geheimen Kammerrates Jäger aus Gotha;
    1 T aus 1) (früh †), 1 T aus 2), 3 S, 1 T aus 3), u.a. Heinrich Gottfried (1764–1824), Dr. iur.; Schwager Friedrich Carl Freiherr von Moser (1723–98), württembergischer Staatsmann, Wilhem Gottfried Moser (1729–93), Forstmann.

  • Leben

    A. bezog 1738 die Universität Jena zum Studium der Philosophie, Mathematik und Physik und siedelte 1740 an die Universität Halle über, an der er Rechts- und Staatswissenschaften und Geschichte studierte. Seit 1742 war er in Dresden Hofmeister der Söhne des Staatskanzlers von Gersdorff, und wurde, nachdem er 1746 die Magisterwürde an der Universität Leipzig erworben hatte, nach Marburg berufen, wo er Vorlesungen über Rechts- und Staatsgeschichte und vor allem über „Statistic“ („Notitia politica vulgo statistica“) nach dem Vorbild seines Lehrers M. Schmeitzel hielt. Schon 1748 erhielt er eine außerordentliche Professur der philosophischen Fakultät an der Universität Göttingen, wurde Professor auch in der juristischen Fakultät. In seiner Göttinger Zeit (24 Jahre) entfaltete A. neben seinen Vorlesungen und Übungen eine rege literarische Tätigkeit. Mehrere seiner Werke erschienen in neuer Auflage. Das Naturrecht ist die Grundlage von A.s System der praktischen Staatswissenschaften, die er in Geschichte, Staatskunde und Politik gliederte. Dabei legte er den Schwerpunkt auf die Staatskunde, die schon vor ihm als Universitätsstatistik an mehreren deutschen Universitäten eingeführt und bekannt war. Sein Nachfolger auf dem|Göttinger Lehrstuhl und bedeutendster Schüler A. L. von Schlözer hat A. den „Vater der Statistik“ genannt und ihm damit einen Ehrentitel zugelegt, der ihm in der statistischen Literatur häufig und bis in die Gegenwart zugebilligt wurde, obwohl A. lange nicht der erste war, der Vorlesungen über Statistik hielt, und auch das Wort Statistik gar nicht von ihm stammt. Mit der Tabellenstatistik des Dänen Ancherson, die damals schon ziemlich verbreitet war und die A. sehr wohl kannte, hatte seine Lehre von den Staatsmerkwürdigkeiten nichts gemein; denn A. machte von Zahlen und Tabellen fast keinen Gebrauch. Seine politische Staatskunde war ebenso wie die von H. Conring, der sie begründet hat, eine mehr oder weniger ausführliche Beschreibung verschiedener Länder, in der „Land- und Leute“, „Regierungs- und Verwaltungsform“, „Land- und Seemacht“, „Überfluß und Mangel“ dargestellt wurden. Als Aufgabe seiner Staatswissenschaft, wie A. die Statistik auch nannte, bezeichnet er die „Beschreibung der wirklichen Merkwürdigkeiten einer bürgerlichen Gesellschaft aus ihren Gründen“, wobei er als Hauptregel seiner Wissenschaft aufstellte: „je mehr etwas die Wohlfahrt eines ganzen Reiches betrifft, je notwendiger wird dessen Erläuterung in der Staatswissenschaft“. A.s Verdienst ist es vor allem, die Statistik als Lehre von den Staatsmerkwürdigkeiten gegenüber verwandten Wissenschaften, insbesondere der Staatslehre und dem Staatsrecht, genau abgegrenzt und die Statistik durch seine in deutscher Sprache geschriebenen Werke volkstümlich gemacht zu haben. Von der Staatenkunde A.s ist auf die spätere Statistik nicht viel übergegangen. Sie wurde ein Bestandteil der Wirtschaftsgeographie und der politischen Geographie und noch anderer Wissenschaften. Gegenüber seiner Bedeutung als Statistiker tritt A. als Historiker und als Gelehrter des Natur- und Völkerrechts zurück; immerhin hat er diese Wissenschaften in seiner Lehr- und Forschungsarbeit stark berücksichtigt.

  • Literatur

    ADB I (W);
    A. L. Schlözer, Theorie d. Statistik, 1804;
    A. F. Lüder, Krit. Gesch. d. Statistik, 1817;
    W. Roscher, Gesch. d. National-Oekonomik in Dtld., 1874;
    V. John, Gesch. d. Statistik, 1884;
    F. X. v. Wegele, Gesch. d. dt. Historiogr., 1885;
    Gr. v. Mayr, Statistik u. Gesellschaftslehre I, 1875;
    G. Achilles, Die Bedeutung u. Stellung v. G. A. in d. Nationalökonomie u. d. Statistik, Diss. Göttingen 1906;
    P. Schiefer, A. u. seine Schule, 1916;
    F. Zizek, Grundriß d. Statistik, 21923;
    H. Westergaard-H. C. Nybolle, Grundzüge d. Theorie d. Statistik, 21928;
    H. Wolff, Theoret. Statistik, = Grundrisse z. Studium d. Nationalökonomie, Bd. 20, 1926;
    G. v. Selle, Die Georg-August-Univ. in Göttingen, 1937;
    H. v. Solf, G. A., Sein, Leben u. Werk, Diss. Göttingen 1938;
    P. Flaskämper, Allg. Statistik, 1949.

  • Autor/in

    Friedrich Zahn - Ernst Meier
  • Empfohlene Zitierweise

    Zahn, Friedrich; Meier, Ernst, "Achenwall, Gottfried" in: Neue Deutsche Biographie 1 (1953), S. 32-33 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118643657.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Achenwall: Gottfried A., Statistiker, geb. 20. Oct. 1719 zu Elbing in Westpreußen, wo sein Vater Kaufmann war, 1. Mai 1772. Er studirte seit Ostern 1738 in Jena, Halle, dann wieder in Jena und Leipzig und war von 1743 drei Jahre Hofmeister in Dresden. Nachdem er 1746 von der philosophischen Facultät zu Leipzig die Magisterwürde erlangt hatte, ging er in demselben Jahre nach Marburg, wo er als Privatdocent Geschichte, Statistik, Natur- und Völkerrecht las. Um Ostern 1748 folgte er einem Rufe nach Göttingen, wurde im November außerord. Professor der Philosophie, 1751 außerordentliches Mitglied der Societät der Wissenschaften (welche Würde er jedoch 1762 wieder niederlegte), 10. April 1753 außerord. Professor der Rechtsgelehrsamkeit und 4. Sept. ord. Professor der Philosophie, 1761 aber des Naturrechts und der Politik, 1762 im October Doctor beider Rechte, 1765 königl. Großbritannischer und Kur-Braunschweig-Lüneburgischer Hofrath. Mit königl. Unterstützung machte er zwei gelehrte Reisen 1751 durch die Schweiz und Frankreich, 1759 nach Holland und England. A. war der Erste, welcher die Statistik in eine bestimmte Form brachte und zur eigenen Wissenschaft erhob. Er gilt daher als „Vater" der Statistik. Sein statistisches Lehrbuch erschien zuerst 1749 unter dem Titel: „Abriß der neuesten Staatswissenschaft der vornehmsten Europäischen Reiche und Republiken“, und in den folgenden Auflagen seit 1752 als: „Staatsverfassung der Europäischen Reiche im Grundrisse“, 7. Aufl. (unvollendet) von M. C. Sprengel in 2 Thln. 1790—98. Mit seinem Freunde Pütter zusammen gab er ein „Naturrecht“ heraus 1750, 1753, dann allein in neuer Bearbeitung „Jus naturae“, 2 Thle. 1755—56, edit. VII. cum praef. J. H. de Selchow 1781. Außer kleineren Arbeiten besitzen wir von ihm noch: „Grundsätze der Europäischen Geschichte, zur politischen Kenntniß der heutigen vornehmsten Staaten" 1754, 2. Aufl. mit dem Titel: „Geschichte der heutigen vornehmsten Staaten im Grundrisse" 1759, 5. Aufl. 1779, wozu als zweiter Theil gehört: „Entwurf der allgemeineren Europäischen Staatshändel des 17. und 18. Jahrhunderts“ 1756, 4. Aufl. 1779, und: „Staatsklugheit nach ihren ersten Grundsätzen“ 1761, 4. Aufl. 1779. Sein Compendium des Völkerrechts: „Juris gentium Europaei practici primae lineae“, 1775, konnte er nicht mehr vollenden, da ihn der Tod während des Druckes überraschte. Seinen handschriftlichen Nachlaß bewahrt die Göttinger Universitäts-Bibliothek.

    • Literatur

      Weidlich, Zuv. Nachr. II. 74 und Lex.; Pütter, Götting. Gelehrtengesch. I. 149. II. 37; desselben Litteratur d. Teutschen Staatsrechts II. und Selbstbiographie I. 51. 118. 184. 230. 260. II. 577.

    • Korrektur

      Korrektur: seine Gattin war eine Tochter J. J. Moser's.

  • Autor/in

    Steffenhagen.,
  • Empfohlene Zitierweise

    Steffenhagen, "Achenwall, Gottfried" in: Allgemeine Deutsche Biographie 1 (1875), S. 30 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118643657.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA