Lebensdaten
unbekannt
Beruf/Funktion
Herrengeschlecht in der Wetterau
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 119295091 | OGND | VIAF: 10652962
Namensvarianten
  • Münzenberg, von

Zitierweise

Münzenberg, von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119295091.html [28.09.2020].

CC0

  • Leben

    Das in der nördlichen Wetterau beheimatete Geschlecht der M. zählt zu den bedeutendsten Reichsministerialen der salischen und staufischen Zeit. Die urkundlich faßbare Ahnenreihe beginnt mit Kuno v. Arnsburg (erw. 1057-v. 1093), aus dessen Verbindung mit Gfn. Mathilde v. Bilstein eine Tochter Gertrud hervorging. Diese heiratete in die am Untermain ansässige, ebenfalls im Königsdienst stehende Familie v. Hagen mit Stammsitz in Hain in der Dreieich ein. Die Verschmelzung des Wetterauer Erbes mit dem nicht unbeträchtlichen Besitz derer v. Hagen, der vom Fiskus Trebur, dem Wildbann Dreieich bis zum Bachgau und Rodgau reichte,|bildete die Grundlage für den raschen Aufstieg des Geschlechts. Die Herren v. Hagen verlagerten ihren Lebens- und Tätigkeitsbereich zu Beginn des 12. Jh. zunehmend in die Wetterau: Konrad II. (erw. 1138-52), der Enkel Gertruds, nannte sich bereits nach Hagen und Arnsburg. Er stiftete 1151 in unmittelbarer Nähe der vorväterlichen Burg Arnsburg das Benediktinerkloster Altenburg. In seinem Sohn Kuno I. (s. u.) begegnet die markanteste Gestalt der Familie. Auf ihn geht die Gründung der Burg Münzenberg zurück, nach der er und seine Nachkommen sich fortan nannten. Nicht zuletzt aufgrund seiner königsnahen Stellung konnten die M. die Lehnsnachfolge der um 1171 ausgestorbenen Grafen v. Nürings antreten. Damit rundete sich der Besitz in der Wetterau entscheidend ab. Er umfaßte in nahezu geschlossener Dichte das Gebiet zwischen Butzbach-Lich-Hungen-Laubach mit Münzenberg als Mittelpunkt, im südlichen Bereich Assenheim, die Gegend um Oberursel, Königstein und an der unteren Nidda. Zusammen mit dem ehedem hagenschen Besitz südlich der Mainlinie verfügten die M. über eine breite territoriale Basis und nahmen innerhalb der Adelslandschaft eine grafengleiche Stellung ein.

    Schon bald nach der Jahrhundertwende zeichnete sich indes der Niedergang ab. Im stauf.-welf. Thronstreit standen die Söhne Kunos I. in verschiedenen Lagern: Kuno II. (erw. 1192-1210) auf Seiten Ottos IV. und Ulrich I. (erw. 1211-39) auf Seiten Friedrichs II. Diese Konstellation führte nach dem Entzug der Herrschaftsrechte Kunos II. durch Kaiser Friedrich II. trotz ihrer 1216 erfolgten Rückübertragung auf dessen Bruder Ulrich I. zu erheblichen Einschränkungen des Machtbereichs der M. Der Verlust wichtiger Rechtstitel, hervorgerufen u. a. durch die neueingerichtete Wetterauer Reichslandvogtei, veranlaßte Ulrich I., im Gegensatz zu den übrigen kgl. Ministerialen der Region offen die Partei Heinrichs (VII.) zu ergreifen und selbst nach dem Zusammenbruch von dessen Empörung 1235 antistaufisch zu bleiben. Mit Ulrich II. (erw. 1231-55) starben die M. im Mannesstamm aus. Das trotz Verlusten immer noch reiche Erbe fiel an mehrere Töchter und bildete nach langen Auseinandersetzungen besonders für die Herren von Falkenstein und von Hanau, die beide den Namen Münzenberg fortführten, eine wichtige territoriale Basis.

  • Literatur

    K. Bosl, Die Reichsministerialität d. Salier u. Staufer, 1950 f., S. 290-96;
    W.-A. Kropat, Reich, Adel u. Kirche in d. Wetterau v. d. Karolinger- bis zu. Stauferzeit, 1964, S. 159-84;
    H.-O. Keunecke, Die Münzenberger, Qu. u. Stud. z. Emancipation e. Reichsdienstmannenfam., 1978 (Stammtafeln u. umfangr. Regg.slg.);
    A. Löffler, Die Herren u. Gf. v. Falkenstein (Taunus) (1255–1418), 1994;
    B. Jost, Die Reichsministerialen v. M. als Bauherren in d. Wetterau im 12. Jh., 1995;
    Möller I;
    Isenburg III, Tafel 87 a;
    Frankfurter Biogr. II.

  • Autor/in

    Dieter Rübsamen
  • Familienmitglieder

  • Empfohlene Zitierweise

    Rübsamen, Dieter, "Münzenberg, von" in: Neue Deutsche Biographie 18 (1997), S. 551.552 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119295091.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA