Lebensdaten
1850 bis 1934
Geburtsort
Grimma (Sachsen)
Sterbeort
Göttingen
Beruf/Funktion
Psychologe
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 10128568X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Müller, Georg Elias

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Zitierweise

Müller, Georg Elias, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd10128568X.html [11.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V August Friedrich (1811–90), Dr., Lic., Prof. an d. Fürstenschule in G., dann Pfarrer in Zwenkau b. Leipzig (s. L), S e. Schneiders in Eibenstock (Erzgebirge);
    M Rosalie Zehme: 1892 Käthe, T d. David Müller, Historiker in Karlsruhe.

  • Leben

    M. besuchte die Fürstenschule in Grimma und verbrachte das letzte Jahr seiner Gymnasialzeit in Leipzig, wo er 1868 das Studium der Philosophie und der Geschichte begann. 1869 wechselte er an die Univ. Berlin über, nahm 1870/71 als Freiwilliger und Offizier am Krieg teil und immatrikulierte sich anschließend wieder in Leipzig. 1873 wurde M. in Göttingen mit einer Dissertation über die „Theorie der sinnlichen Aufmerksamkeit“ zum Dr. phil. promoviert. Danach war er Hauslehrer in Rötha bei Leipzig und später in Berlin. 1876 habilitierte er sich mit der Schrift „Grundlegung der Psychophysik“ (1878) in Göttingen für das Fach Philosophie und erhielt 1880 einen Ruf an die Univ. Czernowitz. 1881 kehrte er als Nachfolger von Hermann Lotze nach Göttingen zurück. 1921 wurde er emeritiert.

    M.s wissenschaftliches Werk läßt drei Schwerpunkte erkennen: die psychophysische Methodik, die Gedächtnistätigkeit und die Psychophysik der Gesichtsempfindungen. Prinzipien- und Methodenfragen untersuchte er erstmals in seiner Habilitationsschrift, in der er auch auf die ungelösten Probleme der Proportionalität des Präzisionsmaßes, der absoluten Unterschiedsempfindlichkeit und deren Abhängigkeit von der Reizqualität einging. Zusammen mit seinem Schüler F. Schumann publizierte M. 1889 die Studie „Über die psychologischen Grundlagen der Vergleichung gehobener Gewichte“, in der die Empfindlichkeit der Bewegungsunterschiede geprüft und nachgewiesen wurde, daß bei einem Muskel weder Innervationsempfindungen noch Spannungsempfindungen in Frage kommen. 1890 folgte die gemeinsam mit L. J. Martin gemachte Untersuchung „Zur Analyse der Unterschiedsempfindlichkeit“, in der die Methode der richtigen und falschen Fälle erstmals mit dem strengeren Begriff „Methode der konstanten Unterschiede“ bezeichnet wurde. Der Versuch, in seiner „Theorie der Muskelcontraktion“ (1891) eine rein physiologisch-chemisch begründete Lehre der Muskelkontraktion aufzustellen, fand keine Zustimmung. 1903 konnte M. dann in seiner zusammenfassenden Darstellung „Die Gesichtspunkte und die Tatsache der psychophysischen Methodik“ (in: Ergebnisse d. Physiologie, hrsg. v. L. Asher u. K. Spiro, 1903, S. 267-516) feststellen, daß nun „ein gewisser Abschluß der psychophysischen Methodik“ erreicht sei.

    Zu den bedeutendsten Studien über die Gedächtnistätigkeit zählen M.s „Experimentelle Beiträge zur Untersuchung des Gedächtnisses“ (1894, mit F. Schumann) und die dreiteilige Gesamtdarstellung „Zur Analyse der Gedächtnistätigkeit und des Vorstellungsverlaufes“ (1911-17, 21924), in der Normalität und Übernormalität des Gedächtnisses verglichen, die beim Lernen und Hersagen stattfindenden psychischen Vorgänge analysiert und Fragen, die dem Bereich einer allgemeinen Lehre von der Erinnerung und dem Vorstellungsverlauf zuzuordnen sind, angesprochen werden. Aus der Reihe seiner Arbeiten zur Psychophysik der Gesichtsempfindungen ragen zwei Werke heraus. Die „Darstellung und Erklärung der verschiedenen Typen der Farbenblindheit“ (1924) geht vom Grundsatz aus, daß jedes Farbsystem, das sich aufgrund signifikanter Merkmale als eine Reduktionsform des normalen Farbensystems darstellt, auch als ein solches erklärt werden kann. Die Studie „Über die Farbenempfindungen“ (2 Bde., 1930) untersucht die Farbempfindungen im Hinblick auf ihre Qualität und Intensität, wobei die Funktionsweise der lichtempfindlichen Substanzen und bestimmte Vorstellungen über die Beeinflussung der chromatischen durch die achromatischen Vorgänge im Mittelpunkt stehen. – M. zählte zu den Begründern der Gesellschaft für experimentelle Psychologie, deren Vorsitzender er bis 1925 war, und gab die „Zeitschrift für Physiologie“ mit heraus.|

  • Auszeichnungen

    Dr. h. c. (Leipzig 1897, Oslo 1911, Frankfurt 1920).

  • Werke

    Weitem W u. a. Komplextheorie u. Gestalttheorie, Ein Btr. z. Wahrnehmungspsychol., 1923;
    Abriß d. Psychol., 1924;
    Ein Btr. z. Eidetik, in: Zs. f. Psychol. 134, 1935, S. 1-23.

  • Literatur

    D. Katz, in: FF 6, 1930, S. 271 f.;
    O. Kroh, in: Zs. f. Psychol. 134, 1935, S. 150-90;
    W. Hische, Gedenkrede, ebd., S. 145-49 (P);
    E. R. Jaensch, Was wird aus d. Werk? Betrachtungen aus d. Gesichtspunkt d. Kulturwende üb. G. E. M.s Wesen u. Werk u. d. Schicksal d. Psychol., ebd., S. 191-218;
    Fischer;
    DSB. – Zu August Friedrich: W. Haan, Sachs. Schriftst.-Lex., 1875.

  • Portraits

    Gem. v. H. Reifferscheid (im Bes. v. Frau G. R. Müller), Abb. in: M. Voit (Hrsg.), Bildnisse Göttinger Professoren aus zwei Jhh., 1937.

  • Autor/in

    Volker Zimmermann
  • Empfohlene Zitierweise

    Zimmermann, Volker, "Müller, Georg Elias" in: Neue Deutsche Biographie 18 (1997), S. 393-394 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd10128568X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA