Lebensdaten
1913 – 1989
Geburtsort
Meerane (Sachsen)
Sterbeort
Rostock
Beruf/Funktion
Entomologe
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 134183533 | OGND | VIAF: 11057959
Namensvarianten
  • Müller, Fritz Paul
  • Müller, Fritz Paul

Objekt/Werk(nachweise)

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Zitierweise

Müller, Fritz Paul, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd134183533.html [21.04.2024].

CC0

  • Genealogie

    V Paul Otto (1885–1946), Bäckermeister in M.;
    M Marie Müller (1888–1961, Cousine d. Paul Otto);
    Rostock 1940 Elfriede (* 1922), T d. Gottlieb Buchholtz (1861–1927) u. d. Margarete Philipp (1886–1966);
    1 S, 1 T, Wolfgang (* 1947), Dipl.-Ing., Erika Lemke (* 1942), Biologielehrerin.

  • Biographie

    Nach dem Schulbesuch in Meerane studierte M. 1932-35 an der Univ. Leipzig, dann bis 1938 an der Univ. Rostock Biologie (Dr. phil. 1938). Bereits mit der Dissertation über die Ernährungsbiologie verwandter Käferarten spezialisierte er sich auf die angewandte Entomologie, der er fortan sein Lebenswerk widmete. Erste Untersuchungen als Assistent am Entomologischen Seminar der Univ. Rostock galten Forstschädlingen (Kiefernspanner); später folgten Aufgaben als Sachverständiger im Pflanzenschutzdienst in Meiningen (Thüringen) bei der Kartoffelkäferbekämpfung. Entscheidende Anregungen für seine Spezialisierung erhielt M. durch den Haeckel-Schüler Albrecht Hase, als dessen Mitarbeiter er 1945-48 am Institut für landwirtschaftliche Zoologie der Biologischen Reichsanstalt für Land- und Forstwirtschaft in Berlin-Dahlem über verschiedene Vorrats- und Hygieneschädlinge arbeitete, wie über die Kleiderlaus, über wurzelbesaugende Insekten und über Chrysomeliden. 1948-55 leitete er die Entomologische Abteilung des Instituts für Phytopathologie der Akademie für Landwirtschaftswissenschaften, Zweigstelle Naumburg, wo ihm u. a. die Prüfung von Insektiziden oblag. Die Begegnung mit dem Aphidologen Carl Börner in Naumburg förderte maßgeblich sein Interesse an ökologischer Rassendifferenzierung und Artbildungsprozessen von Blattläusen, deren theoretischer und praktischer Analyse seine Forschungsarbeit seit 1953 fast ausschließlich galt. Außerdem nahm er Lehraufgaben an der Naumburger Fachschule für Pflanzenschutz wahr. Seinem Lehrauftrag für angewandte Entomologie (seit 1952) an der Univ. Jena folgte 1955 die Berufung zum Hochschul-Dozenten für Entomologie an der Landwirtschaftlichen Fakultät der Univ. Rostock (Habilitation 1957), 1958 zum Professor mit Lehrauftrag, 1959 zum Professor mit vollem Lehrauftrag und 1964 zum o. Professor für landwirtschaftliche Zoologie und Entomologie. M. leitete die Abteilungen „Angewandte Entomologie“ am Institut für Phytopathologie und „Zoologie“ am Institut für Landwirtschaftliche Biologie. Nach Auflösung dieser Institute 1968 übernahm M. die Leitung der|Forschungsgruppe Phyto-Entomologie an der Sektion Biologie der Univ. Rostock mit dem Thema „Systematik und Biologie der Blattläuse (Aphiden) unter besonderer Berücksichtigung virusübertragender und direkt schädlicher Arten“, eine Forschungsarbeit, die er auch nach der Emeritierung 1978 intensiv fortsetzte.

    Der großen wirtschaftlichen Bedeutung und den Schwierigkeiten exakter Artbestimmung in der großen Gruppe der Blattläuse (Aphidinea) wurde M. durch Einführung vielfältiger Methoden und die Anlage einer überregionalen Sammlung zur vergleichenden Untersuchung gerecht. Neben morphologischtaxonomischen Studien, zu denen er alle Zeichnungen selbst anfertigte, spielten zunehmend autökologische Analysen und experimentell-biologische Untersuchungen über das Verhältnis von Parasiten zu Wirtspflanzen und über Entwicklungszyklen eine Rolle. Beobachtungen über die Differenzierung ökologischer Rassen führten zu evolutionsgenetischen Schlußfolgerungen und ließen ihn zu einem international anerkannten Spezialisten für Aphiden und Fragen der Mikroevolution werden. Seine Beiträge zur Theorie der Artenbildung flössen in Ernst Mayrs Evolutionstheorie der „biologischen Art“ ein. Neben den über 200 Spezialarbeiten (er beschrieb 21 neue Aphiden-Arten und wies 628 Arten für das Territorium der ehemaligen DDR sicher nach, darunter 101 als Erstnachweis) erhalten vor allem seine Beiträge in wichtigen Sammelwerken wie Stresemanns „Exkursionsfauna von Deutschland“ (II/2) bis zur 8. Auflage (1990), „Handbuch der Pflanzenkrankheiten“ (hrsg. v. P. Sorauer, IV) oder im Lehrbuch „Phytopathologie und Pflanzenschutz“ (hrsg. v. M. Minkowski u. a., II) bleibende Bedeutung. Ein großes Buchprojekt zur umfassenden Darstellung der Systematik, Biologie, Ökologie und Evolution der Blattläuse konnte nicht mehr fertiggestellt werden. Es fußte u. a. auf teilweise noch existierenden Lebendsammlungen; so hielt M. einige Aphidenstämme über 25 Jahre in Dauerzuchten, die er für autökologische Versuche und zu evolutionsgenetischer Forschung nutzte. Seine rund 22 000 Dauerpräparate umfassende Aphiden-Sammlung enthält umfangreiche Serien der verschiedenen Morphen von Blattlausstämmen, die „durchgezüchtet“ worden waren, und über 100 Nomenklaturtypen. Sie ist seit Januar 1990 als „Fritz-Paul-Müller-Sammlung“ im Besitz der Univ. Rostock.|

  • Auszeichnungen

    Ehrenmitgl. d. Ungar, u. d. Sudanes. Entomolog.Entomologisch Ges.;
    Präsidiumsmitgl. d. Biolog. Ges. d. DDR (mehrfach 1960-71).

  • Werke

    u. a. Holozyklie u. Anholozyklie b. d. Grünen Pfirsichblattlaus Myzodes persicae (Sulz.), in: Zs. f. angew. Entomol. 36, S. 369-80;
    Blattläuse, 1955;
    Die Wirtspflanzenwahl phytophager Insekten in Beziehung z. Artenbildung, in: Arbeitstagung d. Biolog. Ges. d. DDR zu Fragen d. Evolution 1959 in Jena, 1960;
    Bastardierungsversuche z. Feststellung v. Isolierungsmechanismen zw. nahe verwandten Formen d. Gattung Myzus Passerini, in: Biolog. Zbl. 88, 1969, S. 147-64;
    Genetic and Evolutionary Aspects of Host Choice in Phytophagous Insects, especially Aphids, ebd. 104, 1985;
    Blattlausbiol., Faunistik u. Evolution, in: Polskie Pismo Entomologiczne 40/3, 1970, S. 435-66;
    Isolationsmechanismen zw. sympatr. bionom. Rassen …, in: Zoolog. Jbb., Systemat. R. 98, 1971, S. 131-52;
    Aphiden an Moosen, in: Entomolog. Abhh. d. Mus. f. Tierkde. Dresden 39, 1973, Nr. 3, S. 205-47;
    Wirtswechsel, Generationenfolge u. reproduktive Isolation v. Ovatus crataegarius (Walker 1850) u. O. insitus (Walker 1849), in: Dt. Entomolog. Zs. 1981 (mit M. L. Dahl);
    Das Problem Aphis fabae, in: Angew. Entomol. 94, 1982.

  • Literatur

    Zum 65. Geb.tag, Btrr. z. Entomol. 29, 1979, S. 299-306 (W, P);
    A. Bartels, in: Mitt. d. Biolog. Ges. d. DDR, 1983, S. 31-33;
    S. Scheurer, in: Entomolog. Nachrr. u. Berr. 32/1, 1988, S. 47 f.;
    Th. Thieme, in: Entomologia Generalis 16/2, 1991, S. 167-69 (P);
    Z. Basky, In Memory of Dr. F. P. M., Acta Phytopathologica et Entomologica Hungarica 25, Nr. 1-4.1990 (W, P). – Archiv d. Univ. Rostock;
    Mitt. v. Elfriede Müller u. Hanna Steiner.

  • Autor/in

    Ilse Jahn
  • Zitierweise

    Jahn, Ilse, "Müller, Fritz Paul" in: Neue Deutsche Biographie 18 (1997), S. 387-388 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd134183533.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA