Lebensdaten
1894 - 1947
Geburtsort
Darmstadt
Sterbeort
Essen
Beruf/Funktion
Chemiker ; Bergbaumanager
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 121575594 | OGND | VIAF: 64866631
Namensvarianten
  • Müller, Fritz
  • Müller, Fritz
  • Müller, Friedrich Philipp

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Personen im NDB Artikel

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Auf der Karte werden im Anfangszustand bereits alle zu der Person lokalisierten Orte eingetragen und bei Überlagerung je nach Zoomstufe zusammengefaßt. Der Schatten des Symbols ist etwas stärker und es kann durch Klick aufgefaltet werden. Jeder Ort bietet bei Klick oder Mouseover einen Infokasten. Über den Ortsnamen kann eine Suche im Datenbestand ausgelöst werden.

Zitierweise

Müller, Fritz, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd121575594.html [23.01.2022].

CC0

  • Genealogie

    Aus Odenwälder Bauern- u. Handwerkerfam.;
    V Philipp (1858–1941), Schreiner;
    M Elise Fritz (* 1861);
    Duisburg 1922 Margarethe Flitner (1898-n. 1969);
    1 T.

  • Leben

    Nach dem Abitur an einer Oberrealschule (1912) studierte M. mit einem Stipendium der Firma Merck Chemie an der TH Darmstadt. Als Kriegsfreiwilliger nach einem Unfall zur Beendigung seines Studiums (1915 Diplomprüfung) entlassen, meldete er sich als „Militärchemiker“ erneut freiwillig und war bei einem Luftschifferbataillon zuständig für die Wasserstoffgewinnung. Seit Ende 1918 war M. Assistent an der TH Darmstadt. Nach der Promotion „Über die Calciumsilicide“ (1920) leitete er bis Anfang 1921 die Patronenfabrik Hamborn bei Duisburg der Sprengluft GmbH, Berlin, und war dann bis Ende 1921 bei der Rhenania Verein chemischer Fabriken AG in Mannheim tätig. Anschließend kehrte er als Betriebsführer der Gewerkschaft Mathias Stinnes, (Essen-)Karnap, ins Ruhrgebiet zurück, um Bau und Inbetriebnahme einer Steinkohlenschwelanlage in Anlehnung an das von Franz Fischer weiterentwickelte Tieftemperaturschwelverfahren (Urteergewinnung) zu überwachen. Damit begann seine Beschäftigung mit Fragen der Kohlechemie. 1923 wurde M. zum Betriebsinspektor der Nebenproduktenanlagen einschließlich Gasfernversorgung ernannt. 1926 trat er als Bergwerksdirektor in die zum Krupp-Konzern gehörige Gewerkschaft Constantin der Große in Bochum ein, von wo er die Gewinnung von Stickstoff für Düngemittel mit Hilfe von Kokereigas als Gemeinschaftsaufgabe der Ruhrzechen (Casale-Konsortium) förderte. Als ehrenamtliches Vorstandsmitglied der 1927 gegründeten späteren Ruhrchemie AG, Oberhausen-Holten, war er während der Bauphase des Werkes die führende Persönlichkeit und für die Entscheidung zugunsten der Ammoniak-Synthese nach dem ital. Casale-Verfahren zuständig, das den Patentschutz der BASF auf ihr Haber-Bosch-Verfahren umging. M. erkannte früh die wirtschaftliche Bedeutung des Koksofengases und der sich aus Schwelung und Verkokung ergebenden Aufgaben für den mit Absatzproblemen kämpfenden Steinkohlenbergbau. Anfang 1929 wurde ihm auch die neugeschaffene Kohlechemie-Abteilung bei Krupp übertragen. Er verzichtete auf die Errichtung eines kohlechemischen Zentrallaboratoriums, delegierte die anwendungsbezogenen Forschungs- und Entwicklungsarbeiten auf die einzelnen Kokereigruppen und suchte für grundlagenbezogene Themen den Kontakt zur Hochschule bzw. zu den Forschungseinrichtungen des rhein.-westfäl. Bergbaus, in deren Leitungsgremien er nach und nach einrückte: Kaiser-Wilhelm-Institut für Kohlenforschung, Gesellschaft für Kohlentechnik, Gesellschaft für Teerverwertung. 1932 übernahm er zusätzlich die Leitung der Kokereien Hannover-Hannibal und wurde im selben Jahr Abteilungsdirektor der Fried. Krupp AG und kokereitechnischer Leiter des Krupp-Bergbaus. 1937 wurde er zum stellvertretenden Direktor der Bergbau-Hauptverwaltung ernannt.

    Nach 1933 betrieb M. als Beitrag zur von den Nationalsozialisten angestrebten wehrwirtschaftlichen Autarkie die Errichtung einer Versuchsanlage zur Steinkohlenschwelung der Bauart „Krupp-Lurgi“ sowie einer Treibstoffanlage nach dem Fischer-Tropsch-Verfahren in Kombination mit einer großtechnischen Schwelanlage (200 000 t/a), obwohl die Kruppsche Kohlenbasis den Bedarf der eigenen Hüttenwerke nicht deckte. In der Verbindung von Schwelung und Kohlenwasserstoff-Synthese bzw. Hydrierverfahren sah er eine optimale Ausnutzung des Chemierohstoffes Kohle. Obwohl die Ruhrchemie AG durch seine Initiative Generallizenznehmer des Fischer-Tropsch-Verfahrens war und obwohl große Teile des Ruhrbergbaus eher einen Kurs gegen die I. G. Farben steuerten, versuchte M. hinsichtlich des anzuwendenden Kohleverflüssigungsverfahrens (Fischer-Tropsch-Synthese bzw. I. G.-Hydrierverfahren) zunächst ausgleichend zu wirken. Krupp und andere rhein.-westfäl. Montanunternehmen kamen seit 1936 mit dem Bau eigener Fischer-Tropsch-Anlagen dem staatlichen Zwangszusammenschluß zum Bau einer Hydrieranlage im Ruhrgebiet nach dem Bergius-IG-Verfahren zuvor. Bei der Krupp Treibstoffwerk GmbH in Wanne-Eickel war M. 1937-39 Vorstandsmitglied, danach bis 1945 Geschäftsführer. 1944 beteiligte er sich an dem von Paul Pleiger initiierten Zusammenschluß des rhein.-westfäl. Bergbaus zur chemischen Kohleveredelung unter Ausschluß der I. G. Farben.

    Seit Mai 1933 gehörte M. der NSDAP an. Sein Aufstieg in den Gremien der Kohlenwertstoffverbände und der dem Bergbau nahestehenden Gesellschaften setzte zwar schon 1933/34 ein, aber erst nach einem Konflikt zwischen Staat/Partei und Wirtschaft 1937/38 um die Besetzung der Vorsitze in den maßgebenden Verbänden (Benzol-Verband, Deutsche Ammoniak-Verkaufs-Vereinigung) wurde M., offensichtlich als Kompromißkandidat, in diese Gremien gewählt. 1940 wurde M. zum Wehrwirtschaftsführer ernannt, seit 1941 war er stellvertretendes, seit 1943 ordentliches Vorstandsmitglied bei Krupp. Unter seiner Leitung war der Kruppsche Steinkohlenbergbau in den 40er Jahren u. a. durch die Einführung des Kohlenhobels (1942) und der Vierseilförderung (1947) innovativ tätig.

    Im Rhein.-Westfäl. Kohlen-Syndikat trat M. 1940 in den Hauptausschuß ein, im selben|Jahr wurde er Vorstandsmitglied des Vereins für die bergbaulichen Interessen. Er gehörte zahlreichen Beiräten und Kuratorien im Bereich der Energieversorgung an, engagierte sich aber nicht in dem 1943 von Speer eingerichteten Ruhrstab zur Beseitigung der Luftkriegsschäden und zur Aufrechterhaltung der Kriegsproduktion und des Verkehrswesens im Industriegebiet. Schon am 29.11.1945 beauftragten die Alliierten den erst im Frühjahr 1946 als unbelastet Entnazifizierten gemeinsam mit F. W. Hardach und H. Kallen mit der Wahrnehmung der vorläufigen Geschäftsführung bei Krupp. Sie benötigten den Fachmann dringend für die Wiederingangsetzung der Kohlenförderung. Seit Herbst 1945 wurde eine rechtliche und organisatorische Verselbständigung des Kruppschen Bergbaus unter M.s Leitung angestrebt, um die alliierten Zwangsmaßnahmen gegen die Firma auf die Rüstungsbetriebe zu beschränken. Zu dem gegen Alfried Krupp v. Bohlen und Halbach und leitende Angestellte stattfindenden Prozeß sollte auch M. 1947 nach Nürnberg gebracht werden, starb jedoch vorher.

  • Werke

    Über d. Wasserstofferzeugung im Kriege nach d. Messerschnitt-Verfahren, in: Zs. f. komprimierte u. flüssige Gase 20, 1919, S. 4-8;
    Über d. Calciumsilicide, in: Zs. f. anorgan. u. allg. Chemie 120, 1921, S. 49-70 (mit L. Wöhler);
    Über Schwelkoks aus Steinkohle, seine Herstellung u. Verwendung, in: VDI-Zs. 70, 1926, S. 1605-10;
    Hochdruckverfahren z. Ammoniaksynthese, in: Glückauf 64, 1928, S. 105-11;
    dass., in: Archiv f. d. Eisenhüttenwesen 1, 1927/28, S. 517-23;
    Tieftemperaturverkokung im geneigten Doppeldrehofen, in: Stahl u. Eisen 45, 1925, S. 885-87;
    Die Entwicklung d. Veredelung d. Steinkohle in d. letzten Jahren, ebd. 51, 1931, S. 1001-05;
    Tieftemperaturverkokung (Schwelung) v. Steinkohle, in: Oel u. Kohle 12, 1936, S. 543-49. dass., in: Techn. Mitt. Krupp B, Techn. Berr. 4, 1936, S. 143-50;
    Über d. Schwelung d. Steinkohle in Verbindung mit d. Fischer-Tropsch-Ruhrchemie-Synthese, ebd., Techn. Berr. 6, 1938, S. 47-49;
    Entwicklung u. Bedeutung d. Steinkohlenveredelung in d. Gegenwart, in: Glückauf 75, 1939, S. 706-12;
    Über d. Schwelung d. Steinkohle als Vorschaltstufe f. d. Fischer-Tropsch-Ruhrchemiesynthese, in: Brennstoff-Chemie 20, 1939, S. 141-44.

  • Literatur

    Stahl u. Eisen 67, 1947, S. 340;
    Angew. Chemie 59, 1947, S. 184;
    F. Pudor, Nekrologe aus d. rhein.-westfäl. Industriegebiet, 1939–51, 1955, S. 147 f.;
    H. Stuhlmann, Die Gesch. d. Ruhrchemie, 1. T., in: Die Ruhrchemie, Werksztg. d. Ruhrchemie AG v. 28.10.1967, S. 3-6;
    M. Rasch, Gesch. d. Ruhrchemie Aktienges. 1927-1988 (unveröff. Ms.);
    Rhdb. (P). – Eigene Archivstud.

  • Autor/in

    Manfred Rasch
  • Empfohlene Zitierweise

    Rasch, Manfred, "Müller, Fritz" in: Neue Deutsche Biographie 18 (1997), S. 385-387 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd121575594.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA