Lebensdaten
1899 bis 1985
Geburtsort
Buchholz (heute Hattingen)
Sterbeort
Hattingen
Beruf/Funktion
Industrieller
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 124996671 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Pleiger, Paul

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Zitierweise

Pleiger, Paul, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd124996671.html [15.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Heinrich (1869–1942), Bergmann;
    M Emma Pöthen (1870–1943);
    1925 Martha (1901–90), T d. Landwirts Heinrich Murmann (1873–1951) u. d. Karoline Brämer (1878–1962);
    2 S, u. a. Paul (1930–83, Unfall), Dr. rer. nat., Dipl.-Ing., 1970-83 Vors. d. Märk. Arbeitgeberverbandes Hagen-Witten-Ennepe-Ruhr, 1980-83 Präs. d. Verbandes d. Metallind. Nordrhein-Westfalens u. 1982/83 d. Landesvereinigung d. Arbeitgeberverbände Nordrhein-Westfalens, 3 T.

  • Leben

    Nach Besuch der Volksschule und einer Schlosser- und Dreherlehre 1913-17 bei der Firma Düsterloh (Fabrik f. Bergwerksbedarfsartikel GmbH) in Sprockhövel absolvierte P. 1919-21 die Staatl. Maschinenbauschule in Elberfeld. Anschließend trat er als Techniker in die Dienste der „Harpener Bergbau-AG“ (Dortmund), bis er im Januar 1925 auch dank des Kapitals seiner späteren Frau die „Paul Pleiger, Maschinenfabrik“ in Sprockhövel (später Buchholz, heute Witten) gründete. Das Unternehmen produzierte Maschinen und Geräte für den Bergbau, 1933 hatte es ca. 150, 1941 ca. 400 Beschäftigte. Unter dem Eindruck der Wirtschaftskrise 1929/30 begann P., sich politisch zu engagieren. 1932 trat er in die NSDAP ein. Im Spätsommer 1933 berief ihn der Gauleiter des NSDAP-Gaues Westfalen-Süd zum Gauwirtschaftsberater, im November 1934 folgte er der Bitte Wilhelm Kepplers, des Beauftragten Hitlers für Wirtschaftsfragen, in seiner Berliner Dienststelle mitzuarbeiten, wo er sich mit der Förderung des inländischen Erzbergbaus befaßte. Im Oktober 1936 wechselte P. in das Amt für deutsche Roh- und Werkstoffe innerhalb der Vierjahresplanorganisation. Dort profilierte er sich als Fachmann für die deutsche Eisenerzversorgung. Nicht zuletzt aufgrund seiner Initiativen entstand im Juli 1937 als Staatsunternehmen die „Reichswerke AG für Erzbergbau und Eisenhütten ‚Hermann Göring'“, deren Vorstandsvorsitz P. übernahm. Der Expansionsdrang der Reichswerke führte zu Konflikten mit anderen Montankonzernen, insbesondere der „Vereinigte|Stahlwerke AG“, die seit 1937 u. a. einen großen Teil ihrer Erzfelder und Betriebsanlagen im Salzgittergebiet unter politischem Druck weit unter Wert an die Reichswerke verkaufen mußte. Gegen alle Widerstände und mit der Rückendeckung Görings wurden die Reichswerke zum größten deutschen Eisenerzförderer und im 2. Weltkrieg, gemessen am Aktienkapital, zum größten europ. Montanuntemehmen. Auf P.s Initiative und unter seiner Leitung wurden die Stahlwerke Salzgitter aufgebaut, in deren Hochöfen 1941 erstmalig die großtechnische Verhüttung von sauren Eisenerzen aus der Region gelang. Bei der Neuordnung des Reichswerke-Konzerns Mitte 1939 wurde P. Vorstandsvorsitzender des Montanblocks (Reichswerke AG f. Berg- u. Hüttenbetriebe ‚Hermann Göring'), im August 1941 außerdem Geschäftsführer der neugegründeten „Berg- und Hüttenwerksgesellschaft Ost mbH“, die alle Gruben und Hütten in den besetzten Teilen der Sowjetunion betrieb oder verwertete. Zwei weitere seiner vielen Ämter machten P. zu einem der zentralen Akteure der Wirtschaftspolitik im „Dritten Reich“: Er war seit dem Frühjahr 1941 in Personalunion Reichsbeauftragter für Kohle, d. h. Leiter einer dem Reichswirtschaftsministerium unterstellten Behörde, und Präsident der Reichsvereinigung Kohle, einer privaten Selbstverwaltungs-Organisation der Kohle-Industrie, die zentrale Lenkungsaufgaben wie Produktionsplanvorgaben und Arbeitskräfteverteilung übernahm.

    Zu den Mitteln der Kriegswirtschaft in P.s Verantwortungsbereichen gehörten auch erzwungene Eigentumsübertragungen, die Beschäftigung von Fremdarbeitern und Kriegsgefangenen und die Verlagerung maschineller Anlagen aus den besetzten Gebieten nach Deutschland. P., der seine Fähigkeiten in den Dienst des Reichswerke-Aufbaus und die Leistungssteigerung der deutschen Industrie während des Kriegs gestellt hatte, schloß zu Kriegsende eine Vereinbarung mit den Bergwerksdirektoren des Ruhrgebiets, um die Durchführung des „Verbrannte Erde“-Befehls zu verhindern. Auch bei anderen Gelegenheiten zeigte sich P. eher als Wirtschafts-Technokrat denn als nationalsozialistischer Ideologe. In den Nürnberger Prozessen wurde er zu einer Freiheitsstrafe von 15 Jahren verurteilt. Ostern 1951 wurde P. nach sechs Jahren Haft vorzeitig entlassen. Danach widmete er sich dem Wiederaufbau seines Unternehmens, das nach dem Krieg zunächst unter Treuhandverwaltung gestanden hatte. In den 50er und 60er Jahren diversifizierte er die Produktionsstruktur des mittelständischen Unternehmens durch neue Abteilungen für Kunststoffe, Regeltechnik, Hydraulik und Elektronik (1956 360 Beschäftigte).|

  • Auszeichnungen

    Ritterkreuz z. Kriegsverdienstkr. mit Schwertern (Mai 1943 als erster Wirtschaftsführer); preuß. Staatsrat (1941); goldenes Parteiabzeichen (1943).

  • Werke

    u. a. Zurück zur freien Unternehmer-Verantwortung, in: Gen.-Anz./Rote Erde v. 8.12.1933;
    Wie ich mir d. nat.soz. Unternehmer d. Zukunft vorstelle, in: Westfäl. Landesztg. v. 11.2.1934;
    Höchste Alarmstufe! Ein notwendiges Wort z. Exportfrage in entscheidender Stunde, ebd. v. 24.4.1934 (unter diesem Titel auch Artikelserie in: Völk. Beobachter, April 1934).

  • Literatur

    M. Riedel, Eisen u. Kohle f. d. Dritte Reich, P. P.s Stellung in d. NS-Wirtsch., 1973 (P);
    Die Abg. d. Westfalenparl. 1826-1978, zus.gestellt v. J. Häming, 1978, S. 495 (P);
    G. T. Mollin, Montankonzerne u. „Drittes Reich“, Der Gegensatz zw. Monopolind. u. Befehlswirtsch. in d. dt. Rüstung u. Expansion 1936-1944, 1988;
    G. Kratzsch, Der Gauwirtsch.apparat d. NSDAP, Menschenführung – „Arisierung“ – Wehrwirtsch. im Gau Westfalen-Süd, 1989;
    Braunschweigisches Biographisches Lexikon. |

  • Quellen

    Qu Inst. f. Zeitgesch., München; Westfäl. Wirtsch.archiv, Dortmund; Nordrhein-Westfal. StA Münster; Nordrhein-Westfäl. HStA Düsseldorf; Mitt. d. Fam.

  • Autor/in

    Ralf Stremmel
  • Empfohlene Zitierweise

    Stremmel, Ralf, "Pleiger, Paul" in: Neue Deutsche Biographie 20 (2001), S. 526 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd124996671.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA