Lebensdaten
1906 - 1982
Geburtsort
Funkenstein Bezirk Karlsbad
Sterbeort
Neutraubling Kreis Regensburg
Beruf/Funktion
Lebensmittelfabrikant
Konfession
keine Angabe
Normdaten
GND: 137765568 | OGND | VIAF: 81906472
Namensvarianten
  • Müller, Ernst
  • Müller, Ernst

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Zitierweise

Müller, Ernst, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd137765568.html [07.05.2021].

CC0

  • Genealogie

    V Ernst, Wirtsch.bes. in F., S d. Josef, Wirtsch.bes. in F., u. d. Franziska Walisch aus Langlamitz;
    M Theresia, T d. Werner Heinz aus Lauterbach, Feldarzt in F., u. d. Franziska Kunz aus F.;
    ⚭ Emmi (* 1917), Modistin, T d. Johann Frank, Wirtsch.bes. in F., u. d. Josefa Grimm aus Kohlau;
    1 S Wolfgang (* 1943), Nährmittelfabr., seit 1982 Leiter d. Unternehmens (s. Egerländer Biogr. Lex.).

  • Leben

    Nach dem Besuch der Handelsschule und einer kaufmännischen Fortbildungsschule in Karlsbad begann M. 1920 eine Lehrzeit bei der dortigen Handelsgenossenschaft. 1923-37 sammelte er kaufmännische Erfahrungen als Kontorist, Buchhalter und Korrespondent bei verschiedenen Firmen. Zuletzt war er als Außendienstmitarbeiter in der Nahrungsmittelbranche tätig. So vorbereitet gründete M. Anfang 1938 in Karlsbad einen eigenen Herstellungsbetrieb für Nährmittel mit den Schwerpunkten Backpulver, Vanillinzucker, Puddingpulver, Aromen und Gewürze. Bald wurde der Handel in Böhmen, Mähren und der Slowakei mit „Müller's Karlsbader“ Produkten beliefert, doch wurde der weitere Ausbau des Unternehmens durch den 2. Weltkrieg gebremst. Im Rahmen der Zwangsbewirtschaftung erfolgten auch Lieferungen nach Ostbayern, wo M.s Erzeugnisse auf diese Weise schon während des Krieges bekannt wurden.

    1945 wurde M.s Unternehmen enteignet und der Karlsbader Betrieb unter tschech. Verwaltung gestellt. Nach der Vertreibung kamen M. die während des Krieges geknüpften Geschäftsverbindungen nach Bayern zugute. Er gründete 1946 seinen Betrieb in Regensburg neu – eine Zwischenlösung, bis ihm 1947 von den Amerikanern die zerbombte Waffenmeisterei auf dem ehemaligen Fliegerhorst Barbing/Obertraubling zugewiesen wurde, wo ein neues Industriegebiet entstehen sollte. M. gründete eine Notgemeinschaft der hier angesiedelten Heimatvertriebenen, die später in „Aufbaugemeinschaft“ umbenannt wurde, und fungierte als deren Vorsitzender und „heimlicher Bürgermeister“ der im Entstehen begriffenen Ortschaft. Seine wichtigsten Aufgaben sah er darin, die Interessen der neu angesiedelten Betriebe zu vertreten, die im Krieg zerstörten Unterkünfte wiederaufzubauen und neuen Wohnraum für die Beschäftigten zu schaffen. Er regte die Gründung einer Siedlungs-Genossenschaft an und führte Verhandlungen mit den Behörden in München und Regensburg, um die Siedlung aus der militärischen Sonderverwaltung zu lösen. M.s Bemühungen hatten schließlich Erfolg. Am 1.4.1951 wurde aus der Industrieansiedlung die Gemeinde Neutraubling.

    M. mußte nach dem 2. Weltkrieg sein Unternehmen sowohl im Hinblick auf die Produktion als auch auf den Vertrieb völlig neu aufbauen. Die Erzeugung erfolgte zunächst weitgehend in Handarbeit, bis die ersten Abfüllmaschinen eingesetzt werden konnten. Später wurden vollautomatische Abpackanlagen aufgestellt. 1972 wurde eine moderne Gewürzmühle installiert, die es erlaubte, Gewürze schonend kaltzuvermahlen. Für Kontrolle und Forschung wurde ein firmeneigenes Labor eingerichtet. Die Firma Ernst Müller & Co., vormals Karlsbader Nährmittelindustrie GmbH, erlangte als Hersteller von Nährmitteln (u. a. Back- und Puddingpulver, Desserts, Schokoladenerzeugnisse) sowie von Gewürzen und Gewürzmischungen eine führende Stellung im süddeutschen Raum. – M. war Mitglied des Gemeinderats von Neutraubling, langjähriges Ausschußmitglied der IHK Regensburg sowie Gründungs- und Aufsichtsratsmitglied der Landsiedler-Genossenschaft. – Bundesverdienstkreuz (1971).

  • Werke

    Ber. d. Vorsitzenden d. Aufbaugemeinschaft (früher Notgemeinschaft) Neutraubling, ca. 1950 (HStA München).

  • Literatur

    Müllers Karlsbader e. Markenname, o. J. (P);
    R. Ohlbaum, Bayerns vierter Stamm – d. Sudetendeutschen, 1980;
    Mittelbayer. Ztg. v. 3.8.1982;
    Neutraublinger Anz. v. 17.12.1982;
    Regensburger Alm. 1983, S. 109;
    Egerländer Biogr. Lex. I;
    Biographisches Lexikon Böhmen.

  • Autor/in

    Wolfgang Müller
  • Empfohlene Zitierweise

    Müller, Wolfgang, "Müller, Ernst" in: Neue Deutsche Biographie 18 (1997), S. 364-365 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd137765568.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA