Lebensdaten
1832 bis 1897
Geburtsort
Klagenfurt
Sterbeort
Graz
Beruf/Funktion
Schriftsteller ; Dichter ; Politiker
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 130119555 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Morre, Karl
  • Morre, Carl
  • Morré, Carl
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Zitierweise

Morre, Karl, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd130119555.html [20.10.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Peter (um 1802-n. 1857), Kaufm. in K., später Gastwirt in Völkermarkt, S d. Anton (1777–1831),|Früchtehändler in K., u. d. Helena Kraschowitz;
    M Aloisia Zuedrum (Zudrun, Zutrum) aus Mürzhofen (Steiermark);
    Bruck/Mur 1857 Magdalene (1829–1903) aus Graz, T d. Wirtes Johann Pongratz (* 1857) u. d. Magdalena Wichner ( 1857); kinderlos.

  • Leben

    M. besuchte seit 1843 das Gymnasium in Klagenfurt, seit 1848 in Graz und studierte anschließend, ohne eine Reifeprüfung abgelegt zu haben, ein Jahr an der dortigen chirurgischen Lehranstalt. 1855 wurde er Amtspraktikant bei der k. k. Cameral-Bezirks-Verwaltung in Graz. Seit 1857 war er Kanzlei-Assistent in Bruck/Mur. 1868 aus organisatorischen Gründen in den Ruhestand versetzt, wirkte er dort anschließend als Sekretär der Bezirksvertretung und als Verwalter eines Hammerwerks in Turnau. Seit 1875 war er wieder im Staatsdienst als Offizial der Finanzdirektion in Graz tätig. Wegen eines Augenleidens trat er 1883 vorzeitig in den Ruhestand und lebte seither in Feldkirchen bei Graz. 1886 wurde er als Abgeordneter des Bezirks Leibnitz in den steir. Landtag gewählt, dem er bis 1896 angehörte, 1891 als Mitglied der deutschnationalen Partei auch in den Reichsrat. Sein Engagement für die sozialen Probleme der Landbevölkerung bekundete er in seiner Schrift „Die Arbeiter-Partei und der Bauernstand, Ein ernstes Wort in ernster Zeit“ (1890, 21893). Der Appell an das soziale Gewissen, eine Altersversorgung für ländliche Dienstboten und Kleinbauern einzuführen, war auch eine an die Besitzenden gerichtete ideologische Warnung vor der Sozialdemokratie, die M.s philanthropische Vorschläge guthieß, darin aber im Gegensatz zu M. keine Lösung der „Agrarfrage“ erkennen wollte.

    M. begann erst spät zu schreiben. Seit 1871 verfaßte er neben Gelegenheits- und Dialektgedichten vor allem Schwänke und Possen, Charakter- und Sittenbilder, meist „mit Gesang“. In ihnen ist er dem Vorbild Nestroys, Friedrich Kaisers und Anzengrubers verpflichtet. Die Mehrzahl wurde an fast allen Bühnen Österreichs, einige auch in Deutschland aufgeführt. Sein erfolgreichstes, bis in die 1960er Jahre auf Provinzbühnen immer wieder aufgeführtes und als Inbegriff des Genres geltendes Werk „s'Nullerl, Volksstück mit Gesang“ (1885) erschien mit einer Vorrede Peter Roseggers, der mit ihm befreundet war. Dieser würdigte das soziale Mitgefühl in der Darstellung des Elends eines greisen, der bäuerlichen Willkür ausgelieferten Einlegers und versuchte mit seinen eigenen publizistischen Arbeiten M.s ebenso eindringlichem wie sentimentalem Drama zu sozialpolitischer Wirkung zu verhelfen. Die Verwirklichung dieser Absicht hat der zuletzt resignierte und schwerkranke M. nicht erlebt. – Denkmäler in Bruck, Eggenberg, Graz u. Leibnitz.

  • Werke

    Weitere W u. a. Durch d. Presse, Posse mit Gesang, 1871;
    Schörl, Schwank, 1879;
    Familie Schneck, Volksstück, 1881;
    Statuten d. Ehe, od. Silberpappel u. Korkstoppel, Lebensbild, 1881;
    Dreidrittel, Posse mit Gesang, 1882;
    Die Frau Räthin, Lebensbild, 1884;
    Der Glückselige, Posse mit Gesang, 1886;
    Gedichte u. humorist. Vorträge, hrsg. v. L. Harand, 1899.

  • Literatur

    ADB 52;
    R. Dürnwirth, Der Dichter C. M., in: Carinthia 87, 1897, S. 84-90;
    M. Besozzi, Dem Andenken K. M.s, 1905;
    K. Hubatschek, C. M., Der Dichter u. Volksfreund, 1932;
    H. Schluga, in: Kärntner Tagbl.v. 5.11.1932, S. 2 f. (P);
    L. Klingenböck, Das Schaffen K. M.s mit bes. Berücksichtigung seiner Volksstücke, Charakterbilder u. Possen, Diss. Wien 1949 (ungedr., W, L);
    E. Nußbaumer, Geistiges Kärnten, 1956, S. 409 f.;
    H. Himmel, Die Lit. in d. Steiermark, Ausst.kat. Graz 1976;
    W. Schmidt-Dengler, Die Unbedeutenden werden bedeutend, Anm. z. Volksstück nach Nestroys Tod: Kaiser, Anzengruber u. M., in: Die Andere Welt, FS f. H. Himmel, 1979, S. 133-46;
    J. Hein (Hrsg.), Volksstück, Vom Hanswurstspiel z. soz. Drama d. Gegenwart, 1989, S. 188-91;
    Brümmer;
    BJ IV, Tl.;
    ÖBL;
    Kosch, Lit.-Lex3;
    Killy.

  • Portraits

    Phot. (Bildarchiv d. Österr. Nat.bibl., Wien);
    Phot. in: P. Rosegger, Gute Kameraden, 1893.

  • Autor/in

    Karl Wagner
  • Empfohlene Zitierweise

    Wagner, Karl, "Morre, Karl" in: Neue Deutsche Biographie 18 (1997), S. 155 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd130119555.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Morre: Karl M., dramatischer Dichter. Er wurde am 8. November 1832 zu Klagenfurt in Kärnten geboren, absolvirte dort das Gymnasium, wurde 1857 als Kanzleiassistent im Staatsdienste angestellt, rückte allmählich zum Official vor, als welcher er 1883 wegen Augenleidens in den Ruhestand versetzt wurde.

    Als dramatischer Dichter, als Verfasser von echten und wahren Volksstücken war er ungemein fruchtbar; es erschienen von ihm das Singspiel „Der Statthalter von Hochanger" (1860), die Posse „Durch die Presse" (1862), der Schwank „Schorl" (1878), „Die Familie Schneck" (1881), „Die Statuten der Ehe" (1881), die Posse „Drei Drittel" (1882), „Die Frau Räthin" (1884), „s' Nullerl" (1884), „Der Glückselige" (1885), „Ein Regimentsarzt" (1887), „Der ganze Papa" (1890), „A Räuscherl“ (1890), „Vorm Suppenessen“ (1890).

    Seine Volksstücke sind durchaus aus dem vollen Leben gegriffen, beruhen stets auf tiefen sittlichen Grundlagen und zeugen von großem theatralischen Geschick; sie wurden auf vielen Bühnen aufgeführt und haben überall lebhaften Beifall errungen. Das bekannteste und bedeutendste ist „s' Nullerl“, welches auf den meisten deutschen Theatern die Runde machte. Es schildert die bedauernswerthe Lage der den Landgemeinden zur Versorgung zugewiesenen Dürftigen in ebenso drastischer und wahrer als rührender Weise.

    Die Zuneigung und Anhänglichkeit, welche M. bei seinen steirischen Landsleuten genoß, bewirkte, daß er von dem Wahlbezirke Leibnitz, wo er ein kleines Gut besaß, 1886 in den steiermärkischen Landtag und 1891 in das Abgeordnetenhaus des Reichsrathes gewählt wurde; dort suchte er in demselben humanen Geiste zu wirken, von welchem sein bestes Bühnenwerk getragen ist: er verlangte die Altersversorgung der landwirthschaftlichen Dienstboten; sodann nahm er lebhaften Antheil an der Berathung über die Ermäßigung der Viehfalzpreise, an der Organisation des Sanitätsdienstes, an der Frage der Entschädigung der Bauern für Wildschäden, stellte Anträge auf Unterstützung der durch Hochwasser beschädigten Bauern, und über mehrere andere volksthümliche Angelegenheiten, er war ein fleißiger und gewissenhafter Abgeordneter, wenn auch kein geschulter Parlamentarier; die Sache stand ihm immer höher als die Form, seine Ueberzeugung immer höher als das Fraktionsinteresse; er war auch kein parlamentarischer Redner, aber niemand konnte wirksamer sprechen als er, der ein gewandter Improvisator und schlagfertiger Polemiker war. Wie in seinen Bühnenstücken, so stellte er auch im parlamentarischen Wirken seinen köstlichen Humor und seinen schlagfertigen Witz in den Dienst eines edlen idealen Strebens, während er oft mit seinen Einfällen das ganze Haus in stürmische Heiterkeit versetzte, klang aus dem Grundton der Rede immer der sittliche Ernst und das tiefe Gemüth des Mannes heraus, der mit unerschütterlicher Liebe an seinem Volke hing. Er war ein Volksvertreter im besten Sinne des Wortes. Aus seiner politischen Bethätigung fanden die zwei Broschüren „Arbeiterpartei und Bauernstand“ und „Der Rückstandsausweis“ ihren Ursprung. Schon lange leidend, zog er sich durch die Anstrengungen bei der Wahlcampagne gegen einen clericalen Gegencandidaten eine schwere Krankheit zu, der er am 20. Februar 1897 erlag.

    Seine Freunde und Verehrer in Graz ließen an dem Hause (in der Annenstraße), in dem M. die letzten Jahre seines Lebens wohnte und wo er starb, eine Gedenktafel anbringen.

    • Literatur

      Grazer Tagespost vom 9. November 1892, vom 21. Februar und vom 5. Mai 1897.

  • Autor/in

    Franz Ilwof.
  • Empfohlene Zitierweise

    Ilwof, Franz, "Morre, Karl" in: Allgemeine Deutsche Biographie 52 (1906), S. 484 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd130119555.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA