Lebensdaten
1892 bis 1963
Geburtsort
Tapiau (Ostpreußen)
Sterbeort
Düsseldorf
Beruf/Funktion
Maler
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 119046202 | OGND | VIAF: 27872899
Namensvarianten
  • Mollenhauer, Ernst

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Zitierweise

Mollenhauer, Ernst, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119046202.html [13.04.2021].

CC0

  • Genealogie

    V August Franz (1855–1933), Kaufm. in T., S d. Carl Ferdinand (1824–72) aus T. u. d. Tugendreich Grunewald (1814–83) aus Deutsch-Wilten b. Bartenstein (Ostpreußen);
    M Emma Elisabeth (1863–1945), T d. Johann George Anbuhl (1821–94) in Neunischken b. Insterburg u. d. Maria Huhn (1822–85) aus Samelucken b. Insterburg;
    Nidden (Memelland) 1920 Hedwig (1891–1973), T d. Hermann Blode (1862–1934), Hotelbes. u. Kunstsammler in Nidden, u. d. Emma Zander (1869–1945) aus Nidden;
    1 T Maja Ehlermann (* 1925), Kunsthistorikerin in Mainz.

  • Leben

    Nach dem Besuch der Oberrealschule begann M. eine kaufmännische Ausbildung in einer Königsberger Reederei, bezog jedoch 1913 auf Empfehlung seines Landsmanns Lovis Corinth die Kunstakademie in Königsberg. Schon im folgenden Jahr wurde er zum Kriegsdienst eingezogen. 1919 kehrte er nach Königsberg zurück und wurde Meisterschüler Arthur Degners. Er lernte die Künstlerkolonie Nidden auf der Kurischen Nehrung kennen und schloß sich der Künstlervereinigung „Der Ring“ an. Edvard Munch, Karl Schmidt-Rottluff, Max Pechstein und die übrigen Maler der „Brücke“ waren ihm Vorbild, aber auch van Gogh und Christian Rohlfs. 1922/23 hielt sich M. in den USA auf. Er stellte in New York aus und arbeitete in einem Studio zur Herstellung projizierbarer Bühnenbilder auf Glasplatten (ähnlich großen Diapositiven). Max Reinhardt lud ihn daraufhin ein, an der Gestaltung seiner Bühnen in Berlin mitzuarbeiten. M. ließ sich jedoch 1923 als freischaffender Künstler in Nidden nieder. Sein Atelier und das vom Schwiegervater übernommene Gasthaus Blöde wurden zum Mittelpunkt der Künstlerkolonie, der sich u. a. 1930 Thomas Mann anschloß. Eine besonders enge Freundschaft verband M. mit Max Pechstein und Paul Fechter, aber auch mit Oskar Moll und zahlreichen Königsberger Künstlern, die die Sommermonate in Nidden verbrachten und an den dortigen legendären Künstlerfesten teilnahmen. Für M. waren es die beiden glücklichsten und fruchtbarsten Jahrzehnte seines Lebens. Es entstanden expressionistische Bilder – meist Landschaften – von großer Eindringlichkeit, aber auch von bodenständiger Schwerblütigkeit. Als das Memelland, das 1923 zu Litauen gelangt war, 1939 wieder zum Deutschen Reich kam, wurde M. für „entartet“ erklärt und mit Mal- und Ausstellungsverbot belegt. 1945 verlor er seine Heimat und einen Großteil seiner Bilder. M. ließ sich 1946 in Kaarst bei Neuss, 1950 in Düsseldorf nieder. Die Sommermonate verbrachte er in Kampen, dann in Keitum. Auf Sylt fand er eine der verlorenen Heimat vergleichbare Landschaft.

    M. hatte eine kernige, gesellige Art, in seinem Innersten war er sehr ernst und religiös. Ohne je religiöse Themen gewählt zu haben, war es doch sein Anliegen, Gottes Schöpfungswerk künstlerisch zu erfassen und wiederzugeben, die Kraft und Unbändigkeit der Natur sichtbar zu machen. Im Bemühen, „den Dingen das Beiläufige zu nehmen“ und das Wesentliche aufzuzeigen, gelangte M. in eigenständiger Weiterentwicklung seiner expressionistischen Malweise zu einer starken Formvereinfachung. Seine Farben bleiben meist flächig rein und vermitteln zusammen mit dem kraftvollen Pinselduktus den Eindruck der Schwere. Der Gegensatz von „still“ und „dramatisch“, „zurückhaltend“ und „leuchtend“ verleiht den Bildern Dynamik. M.s bevorzugtes Sujet war die Landschaft, die er vor Ort in seinen Skizzenbüchern zeichnete, um sie anschließend im Atelier auszuführen. Die wenigen Bildnisse, die er schuf, sind prägnant und auf das Wesenhafte|beschränkt. Seine Werke finden sich in verschiedenen Museen, u. a. in der Ostdeutschen Galerie Regensburg, vor allem aber in Privatbesitz.

  • Schriften

    Schrr.: Nidden, in: Erbe u. Auftrag, Ostdt. Alm. 1960, S. 234-41; Die Kurische Nehrung, in: Ostpreuß. Panorama, hrsg. v. R. M. Wagner, 1968, S. 67-69.

  • Literatur

    R. C. Muschler, Persönlichkeit u. Landschaft, Eine Einf. in d. Werk d. Malers E. M., in: Ostdt. Monatshh. 13, Febr. 1933, S. 662-70 (mit Abb.);
    R. Trotzky, E. M., Ein ostpreuß. Maler im Westen, ebd. 24, 1958, S. 543-47 (mit Abb.);
    E. Melzner, Die Künstlerkolonie in Nidden, ebd., S. 521-42;
    P. Fechter, Das Barbizon d. Nehrung, in: Memellandkal. 1954, S. 75-80;
    ders., Maler in Nidden, Ausst.kat. Mannheim 1955;
    M. Pechstein, Erinnerungen, 1960 (hrsg. v. L. Reidemeister);
    E. Schremmer. E. M., 1968 (mit Abb.);
    G. Krüger, Nidden auf d. Kurischen Nehrung, in: G. Wietek, Dt. Künstlerkolonien u. Künstlerorte, 1976;
    ders. u. Ch. Knupp, Norddt. Künstlerkolonien, Ausst.kat. Hamburg 1976;
    C. Benz, in: Wehlauer Heimatbrief 48, 1992 (P);
    ThB;
    Altpr. Biogr. III. – Ausstellungskat. (P): Goslar 1955;
    Bochum 1957;
    Esslingen 1957, 1979, 1992;
    Gelsenkirchen 1960;
    Duisburg 1962;
    Mannheim 1963;
    Lünen 1963;
    Düsseldorf 1969, 1982;
    Leverkusen 1972, 1992;
    Regensburg 1977;
    Berlin 1983;
    Neuss 1983, 1992.

  • Autor/in

    Franz Menges
  • Empfohlene Zitierweise

    Menges, Franz, "Mollenhauer, Ernst" in: Neue Deutsche Biographie 17 (1994), S. 740 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119046202.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA