Lebensdaten
1861 bis 1945
Geburtsort
Wien
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
Maler ; Graphiker ; Kunsthändler
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118882368 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Moll, Carl
  • Moll, Karl

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Zitierweise

Moll, Carl, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118882368.html [18.09.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Julius (1829–77), Kassabeamter d. Nat.bank, später Großhändler u. Fabr., Mitgl. d. Gemeinderats in W., S d. Ignaz (1776–1846) aus Linz, Bes. d. Apotheke „Zum weißen Storch“ in W., u. d. Eleonora Koller (1796–1834);
    M Rosina (* 1835), T d. Anton Schmid (1806–57), Bäckermeister in W.-Wieden, u. d. Rosina Fischer (1814–47);
    Om Karl Schmid (1837–71), Maler in W. (s. Wurzbach 30; ThB);
    Wien-Gumpendorf 1895 Anna (1857–1938, ev.), Schausp. u. Sängerin aus Hamburg, T d. Klaus Bergen u. d. Meta Margarete Roggenkamp, Wwe d. Emil Jakob Schindler (1842–92), Landschaftsmaler (s.|ADB 54; ÖBL);
    2 Stief-T, u. a. Alma (1879–1964, s. NDB 15, 1> 1902 Gustav Mahler, 1860–1911, Komponist, s. NDB 15, 2> 1915 Walter Gropius, 1883–1969, Architekt, 3> 1929 Franz Werfel, 1890–1945, Dichter), 1 T Maria (1899–1945, Richard Eberstaller, 1887–1945, Landgerichtsvizepräs.).

  • Leben

    M. besuchte Privatschulen, mußte jedoch wegen zeitweiliger Anämie jahrelang dem Unterricht fernbleiben. In dieser Zeit beschäftigte er sich mit Zeichnen und Aquarellieren, seit 1877 unterstützt von Carl Haunold, der eine Malschule betrieb. Nach Abschluß der Realschule trat M. 1879 in die Akademie der bildenden Künste ein. Sein eigentlicher Lehrer wurde jedoch zwei Jahre später der noch im Biedermeier wurzelnde Spätromantiker Emil Jakob Schindler, mit dessen Familie M. künftig die Ferien verbrachte und 1885 das Schloß Neulengbach in Plankenberg bezog. In dieser „Schule des Sehens“ entstanden lichtdurchflutete Landschaftsbilder von romantischem Naturalismus und Architektur-Studien, Stilleben und Interieurs. Im April 1891 wurde M.s Gemälde „Römische Ruine von Schönbrunn“ (1889) von Kaiser Franz Joseph angekauft. Dieses Bild besticht durch ein an Schindler erinnerndes zartes Kolorit und die Sicherheit der räumlichen Darstellung (M. war ein Meister der Perspektive).

    Drei Jahre nach dem Tod Schindlers heiratete M. dessen Witwe. Wiederholt hielt er sich mit ihr und den beiden Stieftöchtern in Danzig, Lübeck und Lüneburg auf. In Lübeck lernte er Gotthardt Kuehl kennen, der ihn zu stärkerer Farbigkeit ermutigte und ihn für den Impressionismus begeisterte. M. bevorzugte nun Interieurs und Szenen aus dem täglichen Leben (besonders Alt-Wiens). Er stellte seine Staffelei auf dem Wiener Naschmarkt auf und betrieb Studien in der Technik der Plein-air-Malerei, wobei sich der malerische Duktus dem Impressionismus näherte. In der Landschaftsmalerei entfernte er sich von Schindlers romantischem Naturempfinden; bisweilen experimentierte er mit Spiegelungen und wählte Elemente der Symbolhaftigkeit. Ähnlich wie andere Secessionisten reduzierte er die Bildtiefe und malte flächiger. Die Reduktion von Formen und Farben glückte ihm vor allem in seinen Holzschnitten, die einen gewissen Gegenpol zur überfeinerten Malweise des Impressionismus bilden. In der Umgebung seiner Villa, in Döbling und Heiligenstadt, fand M. die Motive. Seit 1912 wandte er sich wieder verstärkt der Landschaftsmalerei zu. Die Farben gewannen an Intensität und Tiefe, die Malweise wurde großzügiger. Für Neues immer aufgeschlossen, ging M. noch als über 70jähriger in die Akademie der bildenden Künste zu Robin Christian Andersen, dessen Werk kühle Zurückhaltung und Sparsamkeit atmet, und schuf nun zahlreiche Stilleben.

    Die Jahre 1894-1912 waren von kunst- und kulturpolitischen Aktivitäten ausgefüllt. 1894 wurde M. Mitglied der Wiener Künstlergenossenschaft. Es gelang ihm, die erste, 420 Exponate umfassende Ausstellung der Münchener und Düsseldorfer Secession in das Künstlerhaus nach Wien zu holen. Diese Ausstellung erregte großes Aufsehen und führte letztlich zur Gründung der Wiener Secession am 3.4.1897 (Vereinigung Bildender Künstler Österreichs). Gustav Klimt wurde zum Präsidenten. M. zum Vizepräsidenten gewählt. Er initiierte und organisierte in der Folgezeit bedeutende Ausstellungen, etwa 1902 mit Werken der Münchener und Wiener Secessionisten und 1903 mit 260 Exponaten der franz. Impressionisten. Meistens war er auch selbst mit einer Reihe von Bildern vertreten. Auf der Pariser Weltausstellung 1900 wurde sein Bild „Vor dem Diner“ mit der Silbernen Medaille ausgezeichnet. Damals lernte M. den Kunsthistoriker Julius Meier-Graefe kennen, mit dem er bis 1933 freundschaftlich verbunden blieb; dieser erschloß ihm vor allem van Gogh, Cézanne und Delacroix. Seit 1902 stellte er auch bei der Berliner Secession aus und stand mit Max Liebermann und Max Slevogt in engem Kontakt. 1903 gehörte M. mit Josef Hoffmann, Koloman Moser und dem Einander Fritz Wärndorfer zu den Begründern der „Wiener Werkstätte“. Als diese 1907 die Postkartenproduktion aufnahm, erschien auch M.s zwölf Holzschnitte umfassende Mappe der „Beethovenhäuser“.

    Die Secession kaufte 1904 die renommierte Galerie Miethke in der Dorotheergasse und bestimmte M. als „künstlerischen Leiter“. Die Galerie, seit Jahresende 1905 in neuen Räumen Am Graben, erlebte einen ungeheueren Aufschwung. M. führte über 100 Auktionen durch und organisierte bedeutende Ausstellungen. Allerdings brach die Wiener Secession im Juni 1905 u. a. wegen Differenzen bezüglich der Galerie Miethke auseinander: Die „Klimtgruppe“ mit M., Adolf Hölzel, Josef Hoffmann, Max Kurzweil, Wilhelm List, Emil Orlik, Otto Wagner u. a. verließ die Secession. 1912 schied M. als Leiter der Galerie Miethke aus. Als Abfindung erhielt er die bis dahin unverkauften italien. Bilder: vorwiegend solche aus dem Quattrocento, aber auch einige von Giovanni Bellini, Tintoretto und Tiepolo. Als sich im selben Jahr der „Österreichische Werkbund“ konstituierte, gehörte|er zu dessen Begründern, organisierte aber auch weiterhin für die Secession Ausstellungen und blieb im Kunsthandel tätig. So vermittelte er 1913 an das Kaiser-Friedrich-Museum in Berlin Tizians „Venus mit dem Orgelspieler“. 1925 führte er eine Ausstellung über die führenden franz. Maler des 19. Jh. durch. 1932 übernahm er die organisatorische Leitung des österr. Beitrags für die Biennale in Venedig.

    War M. gleichsam zu einer festen Institution des Wiener Kulturlebens geworden, so entwickelten sich sein Atelier in der Theresianumgasse und seine Villa auf der Hohen Warte, 1900/01 als Doppelhaus für Koloman Moser und M. von Josef Hoffmann errichtet, zum Mittelpunkt eines Freundeskreises, der sich regelmäßig traf. Zu ihm gehörten u. a. Klimt, Hoffmann, Moser, Kurzweil, List, Gustav Mahler, der 1902 M.s Stieftochter Alma heiratete, und Oskar Kokoschka, ebenfalls ein Verehrer Almas. 1909 beauftragte M. Rodin mit der Schaffung einer Büste Mahlers und verschaffte Kokoschka ein zweijähriges Paris-Stipendium. Dieser porträtierte seinen Gönner 1913. Alma, die ihren Stiefvater abgrundtief haßte, erwarb nach ihrer Verehelichung mit Franz Werfel die benachbarte Villa Ast.

    1907 reiste M. mit Klimt nach Spanien, wo ihn die Werke Goyas, Velásquez' und El Grecos faszinierten. Von ersteren brachte er einige nach Wien. M. war Mitorganisator der legendären „Kunstschau 1908“, die die Ästhetisierung aller Lebensbereiche propagierte und zur Konstituierung der Künstlervereinigung „Kunstschau“ führte. 1925 wurde M. Vorstandsmitglied des „Vereins der Museumsfreunde in Wien“. Da die Inflation schon während des 1. Weltkrieges sein Geldvermögen schmälerte, ließ er 1917 bei Cassirer in Berlin einen Teil seiner Gemäldesammlung versteigern. Nach dem Krieg hielt sich M. regelmäßig an der franz. Riviera (Nizza, Rapallo, Beaulieu) auf, von Januar bis April 1930 auch in Algier; es entstanden Bilder von harmonischer Gestaltung und feinem Licht- und Farbenspiel. Nach dem Tode seiner Frau vereinsamte M., weiterhin jedoch von seiner Tochter umsorgt. In der Nacht vom 12. zum 13. April 1945 drangen sowjet. Soldaten in das Haus ein und verletzten M., der vergeblich versuchte, seine Tochter vor der Vergewaltigung zu schützen. Anschließend nahmen sich M., seine Tochter und deren Mann das Leben.|

  • Auszeichnungen

    Orden d. Eisernen Krone (1900); Ehrenbürger v. Wien (1931).

  • Werke

    Ver Sacrum H. 2, 1903 (M. als Graphiker);
    Emil Jakob Schindler, 1842-92, Eine Bildnisstudie, 1930. – Werke M.s finden sich in zahlr. Museen der Welt, bes. in jenen Wiens.

  • Literatur

    L. Hevesi, Acht Jahre Secession, 1906;
    A. Rößler, in: Österr. Kunst 1931, H. 4;
    H. Ankwicz v. Kleehoven, Die Anfänge d. Wiener Secession, in: Alte u. moderne Kunst 5, 1960, H. 6 f.;
    M. Fritz, Der Wiener Maler C. M. (1861-1945), Diss. Innsbruck 1962;
    B. Grimschitz, Österr. Malerei v. Biedermeier z. Moderne, 1963;
    Ch. M. Nebehay, Ver Sacrum 1898-1903, 1979;
    W. J. Schweiger, Wiener Werkstätte, Kunst u. Handwerk 1903–32, 1982;
    A. Gmeiner (Hrsg.), C. M., Seine Freunde, sein Leben, sein Werk, 1985 (Abb. v. W, P). – Ausst.kat.: Wien 1921, eingel. v. E. Gross, hrsg. v. A. Kolig u. F. Wiegele, u. 1931 (jeweils Abb. v. W, P). – Zur Fam.: H. Schöny, Wiener Künstler-Ahnen III, 1987, S. 41.

  • Autor/in

    Franz Menges
  • Empfohlene Zitierweise

    Menges, Franz, "Moll, Carl" in: Neue Deutsche Biographie 17 (1994), S. 735-737 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118882368.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA