Lebensdaten
1847 - 1901
Geburtsort
Zehdenik bei Templin (Uckermark)
Sterbeort
Ningpo (China)
Beruf/Funktion
Sinologe ; Diplomat
Konfession
evangelische Familie
Normdaten
GND: 119108984 | OGND | VIAF: 72196980
Namensvarianten
  • Moellendorff, Paul G. von
  • Mu Lin-te (chinesisch)
  • Mok In-dok (koreanisch)
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Zitierweise

Moellendorff, Paul Georg von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119108984.html [13.06.2021].

CC0

  • Genealogie

    V Georg (1811–61), Ökonomie-Kommissionsrat, Präs. d. Naturforschenden Ges. in Görlitz, S d. Georg Heinrich (1778–1854), Lt. u. Holzwärter in Pampin, u. d. Elisabeth Edem (1780–1869);
    M Emma (1817–72), T d. Christian Dietrich Peter Meyer, Pfarrer in Freyenstein, dann in Pritzwalk, u. d. Johanna Luise Dorothea Stenger;
    B Otto (s. 3);
    Bonn 1877 Rosalie (1848–1943) (s. L), T d. Friedrich|Wilhelm Holthausen ( v. 1877), Gefängnisprediger in Werden, u. d. Ernestine Franke (1820–95);
    3 T, Emma (1880–1963, Oskar Frhr. v. Seckendorff, 1875–1946, kaiserl. chines. Militärinstrukteur); Margarete Döring-v. M. (1883-1963, Ernst Döring, 1863–1943, Cellist. Prof. f. Musikwiss. in Halifax [USA], Coburg u. Berlin, s. Dt. Musiker-Lex., 1929), Konzertpianistin u. Klavierpädagogin (s. Dt. Musiker-Lex., 1929), Dora (1886–1971, William Straube, 1871–1954, Kunstmaler, s. ThB; Vollmer), Geigerin;
    N Wichard (s. 4).

  • Leben

    M. besuchte das Gymnasium in Görlitz, wo er schon Interesse an orientalischen Sprachen zeigte. Seit 1865 studierte er an der Univ. Halle Jura – er promovierte später zum Dr. iur. – sowie orientalische Sprachen bei August Friedrich Pott und Hebräisch bei dem Theologen Friedrich August Tholuck. 1867-68 leistete er Militärdienst beim 86. Infanterieregiment. 1869 trat er in den chines. Seezolldienst unter dessen brit. Direktor Robert Hart ein. Seine erste Station war Hankow. Dort studierte er die chines. Sprache und legte bereits nach zwei Jahren ein glänzendes Examen ab. 1871 wurde er nach Kiukiang versetzt. Im Mai 1874 verließ er den Seezoll und trat in den deutschen auswärtigen Dienst ein. Nach einem Jahr in Kanton wechselte er im November 1875 nach Peking, wo er das deutsche Handelsgesetzbuch ins Chinesische übersetzte. Seit Januar 1876 fungierte er als etatmäßiger Dolmetscher in Tientsin. Im März 1877 wurde er nach Shanghai abgeordnet. Noch im selben Jahr trat er einen Deutschlandurlaub an. um zu heiraten. Im August 1879 wurde er Konsulatsverweser in Tientsin und schloß Bekanntschaft mit dem chines. Vizekönig Li Hung-chang. 1881 in eine untergeordnete Position nach Shanghai versetzt, trat er im Mai 1882 aus dem auswärtigen Dienst aus und begab sich in den Dienst des chines. Staates unter Li Hung-chang, der als Gouverneur für das unter chines. Schutzherrschaft stehende Korea fungierte. Auf dessen Anregung hin begab er sich nach Seoul, erlernte in kurzer Zeit das Koreanische, gründete im November 1882 den korean. Seezoll, den er während der folgenden drei Jahre leitete, und beriet die korean. Regierung in innen- und außenpolitischen Fragen. Während des gescheiterten Putsches japanfreundlicher Kräfte im Dezember 1884 rettete er nur knapp sein Leben. Im Juli 1885 – offenbar auf diplomatischen Druck Englands und Japans – aus seinem Amt entlassen, kehrte er Ende des Jahres nach China zurück. Als ein Versuch, 1888 wieder als Berater nach Korea zu gehen, scheiterte, trat er 1889 erneut in den chines. Seezoll ein und wurde zum Deputy Commissioner im Statistical Department in Shanghai ernannt. 1897 erfolgte seine Beförderung zum Statistical Secretary und 1899 schließlich die zum Commissioner in Ningpo. Da keine geeigneten Schulen in Ningpo bestanden, kehrte seine Frau mit den Kindern nach Deutschland zurück. M. starb überraschend in Ningpo, als er einen Heimaturlaub antreten wollte.

    M. war ein vielseitiger Orientalist, dessen berufliche Laufbahn weder im chines. Seezoll noch im deutschen auswärtigen Dienst nach außen hin sehr erfolgreich war. Trotz seiner beachtlichen Kenntnisse gelang es ihm nicht, seine Vorgesetzten Robert Hart und Max v. Brandt für sich einzunehmen. Beide schätzten seine Fähigkeiten, stellten sich aber seinen beruflichen Ambitionen entgegen. Besondere Bedeutung hatte M.s Tätigkeit als erster offizieller westlicher Berater der korean. Regierung; er besaß das Vertrauen des Königs Kojong in hohem Maße und initiierte eine Reihe von politischen und wirtschaftlichen Reformen zur Modernisierung Koreas am Ende der Yi-Dynastie, die sehr zum Nutzen des Landes gewesen wären, hätte man sie nach seinem Ausscheiden aus dem Amte (zuletzt Vizeminister im Auswärtigen Amt, chh'amp'an) fortgeführt. Er bemühte sich in der Außenpolitik um größere Unabhängigkeit des Landes von den traditionell um Einfluß bemühten Mächten – vor allem Japan und England – und strebte deshalb eine Neuorientierung auf der Basis einer Zusammenarbeit mit Rußland an. Als besondere Leistungen sind der Abschluß des korean.-japan. Handelsabkommens (1883) und des korean.-russ. Vertrages (1884) anzusehen.

    Von seinen zahlreichen Veröffentlichungen ist besonders sein Lehrbuch „Praktische Anleitung zur Erlernung der hochchines. Sprache“ (1880. 61906) zu nennen. Darüber hinaus verdanken wir ihm eine Klassifikation der chines. Dialekte für die Weltausstellung in Paris 1900 (Classification des dialectes chinois, 1899, mit Tonaufnahmen). Sein Interesse an chines. Philosophie drückt sich in einer engl. Übersetzung eines Werkes von Ernst Faber (A Systematical Digest of the Doctrines of Confucius, 1875) aus. Mit seinem Bruder Otto verfaßte er das erste umfassende bibliographische Handbuch der sinologischen Literatur: „Manual of Chinese Bibliography“ (1876). „The Family Law of the Chinese“, eine grundlegende Studie zum chines. Familienrecht, erschien im Journal of the North China Branch of the Royal Asiatic Society (NF 27, 1892/93, S. 131-90, franz. 1896). Besondere Verdienste hat sich M. durch die Förderung der Mandju-Studien erworben. Sein|„Essay on Manchu Literature“ (ebd. 24, 1890, S. 1-45) wird bis heute als erste brauchbare Übersicht über die mandjur. Literatur zitiert. M.s große Sammlung von Mandjuliteratur findet sich heute in der Staatsbibliothek Preuß. Kulturbesitz in Berlin.|

  • Auszeichnungen

    Vizepräs. u. Präs. (1896/97) d. Royal Asiatic Society, North China Branch (Shanghai).

  • Werke

    On the Limitations of Comparative Philology. in: Journal of the North China Branch of the Royal Asiatic Society 31, 1899, S. 81-101;
    Ningpo Colloquial Handbook, Ed. by G. W. Sheppard, 1910;
    On the Foreign Languages Spoken in China and the Classification of the Chinese Dialects, in: China Mission Hand-Book, 1896, S. 46-58;
    A Manchu Grammar with Analysed Texts, 1892;
    Die Juden in China, in: Mschr. f. Gesch. u. Wiss. d. Judenthums 39, 1895, S. 327-31;
    Aufsätze, 1983. |

  • Nachlaß

    Nachlaß: Berlin, Staatsbibl. Preuß. Kulturbes. (Hss.-Abt.); Nachlaßverz. in R. v. Moellendorff (s. L).

  • Literatur

    J. O'Shea, in: Celestial Empire v. 1.5.1901;
    T. W. Kingsmill, in: Journal of the North China Branch of the Roval Asiatic Society 33, 1901, S. 301-03;
    Geogr. Jb. 24, 1901, S. 324;
    Die Gartenlaube 1901, Nr. 28. Beil. 2 (P);
    H. H. Hulbert. Baron v. M., in: Korean Review 1, 1901, S. 245-52;
    Ostasiat Lloyd v. 26.4.1903;
    R(osalie) v. Moellendorff, P. G. v. M., e. Lb., 1930 (P);
    W. Leifer, P. G. v. M. – Scholar and Statesman, in: Transactions of Ihe Royal Asiatic Society. Korea Branch, 57, 1982, S. 41-52;
    ders., P. G. v. M. u. d. Öffnung Koreas, in: Saeculum 33, 1982, S. 50-67;
    ders. u. a. (Hrsg.), P. G. v. M., 1983 (Referate e. internat. Seminars in Seoul, darin u. a.: ders., P. G. v. M. – Gelehrter u. Staatsmann in e. Übergangszeit. S. 57-91;
    B. H. Min, M. u. d. traditionelle korean. Ges., S. 141-54;
    C. K. Choi, P. G. v. M. u. d. korean. Recht, S. 191-210;
    C. I. Park, Thesen z. Wirtsch.pol. u. z. Wirtsch.konzept M.s, S. 239-55;
    Z.-Q. Kim, M. u. d. Industrialisierung Koreas, S. 272-89);
    ders., P. G. v. M., e. dt. Staatsmann in Korea, 1988 (L, P);
    Y.-B. Lee, West Goes East, P. G. v. M. and Great Power Imperialism in Late Yi Korea, 1988 (P);
    BJ VI, S. 324 u. Tl.

  • Autor/in

    Hartmut Walravens
  • Empfohlene Zitierweise

    Walravens, Hartmut, "Moellendorff, Paul Georg von" in: Neue Deutsche Biographie 17 (1994), S. 629-631 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119108984.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA