Lebensdaten
1876 bis 1942
Geburtsort
Schrimm (Provinz Posen)
Sterbeort
London
Beruf/Funktion
Orientalist
Konfession
jüdisch
Normdaten
GND: 117065617 | OGND | VIAF

Quellen(nachweise)

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Verknüpfungen auf die Person andernorts

Aus dem Register von NDB/ADB
Weitere Erwähnungen in der NDB/ADB

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Mittwoch, Eugen, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd117065617.html [26.09.2017].

CC0

  • Genealogie

    V Louis (1850–1924), Kaufm. in Sch., später in Berlin; M Caroline Weyl (1856–1943 KZ Bergen-Belsen) aus Rogasen (Prov. Posen); 1921 Hermine Lipmann (1897–1968), Dr. med.; 3 T Ursula Springer (* 1924), Dr. phil., Genetikerin in England, Adele (* 1925), Psychotherapeutin in England, Anita (* 1926), Univ.doz. in Jerusalem.

  • Leben

    M. studierte seit 1894 an der Univ. Berlin orientalische und klassische Sprachen und wurde 1899 mit einer arabistischen Arbeit promoviert (Proelia Arabum paganorum – Ajjâm al-'Arab – quomodo litteris tradita sunt). 1905 habilitierte er sich für Semitische Philologie und lehrte seit 1907 als Privatdozent Altäthiopisch und Amharisch am Seminar für Orientalische Sprachen. 1915 wurde er Extraordinarius in Berlin, 1917 Ordinarius in Greifswald als Nachfolger von M. Lidzbarski. Als Leiter der Nachrichtenstelle des Außenministeriums war er jedoch zugleich in Berlin, wo er 1919 zum o. Professor am Seminar für Orientalische Sprachen ernannt wurde. Diese Stelle und seit 1928 das Direktorat des Seminars hatte er bis zu seiner Zwangsemeritierung 1935 inne.

    In seinen wissenschaftlichen Arbeiten befaßte sich M. zunächst mit Themen der arab. Literatur und Geschichte. Sein Hauptgebiet war jedoch die äthiop. Philologie und Sprachwissenschaft. In Zusammenarbeit mit seinem äthiop. Lehrer Aleka Taje (Aläqa Tayyä) gab er mehrere volkskundliche Texte heraus, darunter „Exzerpte aus dem Koran in amhar. Sprache“ (Mitt. d. Seminars f. Oriental. Sprachen zu Berlin 9, 1906, S. 111-47), „Proben aus amhar. Volksmunde“ (ebd. 10, 1907, S. 185-241), „Abessin. Kinderspiele“ (ebd. 13, 1910, S. 107-40), und „Abessin. Erzählungen und Fabeln“ (ebd. 14, 1911, S. 101-58). In „Die amhar. Version der Soirées de Carthage“ (1934) wies M. nach, daß die theologisch-philosophischen Schriften, die man den “abessin. Philosophen“ des 17. Jh. zuschrieb, von einem ital. Pater des 19. Jh. verfaßt worden sind. Als bekannteste Arbeit gilt seine Studie „Die traditionelle Aussprache des Äthiopischen“ (1926), in der die heutige Aussprache der altäthiop. Literatursprache behandelt wird. In seinen letzten Berliner Jahren beschäftigte sich M. mit dem Altsüdarabischen. Zusammen mit J. H. Mordtmann veröffentlichte er die Bände „Sabäische Inschriften“ (1931) und „Himjarische Inschriften in den Staatlichen Museen zu Berlin“ (1932). Zahlreiche altsüdarab. Beiträge erschienen in der Zeitschrift „Orientalia“ (1932-38, z. T. mit H. Schlobies). 1922-24 war M. Herausgeber der Zeitschrift „Der Neue Orient“.

    Neben seinen semitistischen Arbeiten hat sich M. für jüd. Anliegen eingesetzt. Er förderte die Kenntnis des Hebräischen in Deutschland und Palästina. Anfang 1933 war er für kurze Zeit Dezernent für jüd. Angelegenheiten im Auswärtigen Amt. Er wirkte in zahlreichen jüd. Organisationen, wie der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums, deren letzter Vorsitzender er war, und dem Central-Verein deutscher Staatsbürger jüd. Glaubens. Als er während eines Aufenthaltes im Auftrage des Joint Distribution Committee in Frankreich von der „Kristallnacht“ überrascht wurde, kehrte er nicht wieder in seine Heimat zurück, sondern emigrierte 1939 nach Großbritannien, um dort bis zu seinem Tode an staatlichen Stellen (Ministry of Information) und bei jüd. Organisationen wie der Association of Jewish Refugees in Great Britain weiterzuwirken.

  • Werke

    Weitere W Ibn Saad, Biogr. Mohammeds I, 1905, II, 1917 (mit E. Sachau); Die literar. Tätigkeit Ḥamza al-Iṣbahānīs, 1909; Zur Entstehungsgesch. d. islam. Gebets u. Kultus, 1913; Aus d. Jemen, H. Burchardts letzte Reise durch Südarabien, 1926; Zahlr. Art. in: Enz. d. Islam, 1913 ff. – Mitautor: Die arab. Augenärzte. 3 Bde., 1904/05. – Mithrsg.: Moses Mendelssohn, Ges. Schrr., 1929-32.

  • Literatur

    W. Gottschalk, Die Schrr. E. M.s, in: Mschr. f. Gesch. u. Wiss. d. Judentums 81, 1937, S. 243-50 (P); S. Rawidowicz, in: Metsudah 1, 1943, S, 282-86; E. Littmann, in: Zs. d. Dt. Morgenländ. Ges. 99, 1950, S. 143-46 (P); M. G. Glenn, in: Ḥokmat Jiśrā'ēl be-ma'ǎrāb Ērōpā 1958, S. 339-42; E. Hammerschmidt, Äthiopistik an dt. Univ., 1968 (L); Wi. 1928, 1935; Wininger; Rhdb. (P); Enc. Jud. 1971; BHdE II. – Mitt. v. Anita Mittwoch.

  • Autor

    Rainer Voigt
  • Empfohlene Zitierweise

    Voigt, Rainer, "Mittwoch, Eugen" in: Neue Deutsche Biographie 17 (1994), S. 591 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd117065617.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

Artikel noch nicht erschlossen.