Lebensdaten
1490 bis 1529
Geburtsort
Rabenau bei Dresden
Sterbeort
im Main bei Steinheim
Beruf/Funktion
päpstlicher Diplomat ; Kämmerer
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118734008 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Miltitz, Karl von

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Zitierweise

Miltitz, Karl von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118734008.html [20.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Siegmund ( 1506), auf R., Landvogt in Meißen, Amtmann in Pirna, S d. Georg u. d. N. N. v. Ende;
    M Klara ( 1522/23), T d. N. N. v. Schleinitz u. d. N. N. v. Schönberg;
    B Dietrich, Bernhard, beide Domherren in Meißen;
    Halb-B Siegmund ( 1523), hzgl. sächs. Rat, später kursächs. Landvogt zu Pirna, Ernst (1495/98-1555), kursächs. Hofmarschall, Kammer- u. Bergrat, Oberhauptmann d. Meißnischen Kreises, erbaute Schloß Siebeneichen neu;
    N Heinrich (um 1475–um 1545), Diplomat u. Dichter (s. Altpr. Biogr. II).

  • Leben

    M. immatrikulierte sich 1508 an der Univ. Köln in der Juristischen Fakultät und wechselte 1510 nach Bologna, wo er neben dem Studium möglicherweise auch humanistische Interessen entwickelte. Zumindest könnte die Tatsache, daß der damals entstandene „Libellus de sepulchris et vario sepeliendi ritu“ (gedr. Basel 1539) des Humanisten Giglio Gregorio Giraldi ihm gewidmet war, ein Zeichen dafür sein. Nach Abschluß seiner juristischen Studien ging M. um die Wende 1513/14 nach Rom, wo er am 22.4.1514 zum Geheimkämmerer und Notarius sacri palatii ernannt wurde. Die Verwandtschaft mit dem Generalprokurator der Dominikaner und späteren Kardinal Nikolaus v. Schönberg dürfte die röm. Karriere gefördert haben. Wie um diese Zeit üblich, erlangte M. – neben vielen anderen Präbenden – Kanonikate im Domkapitel zu Mainz (1519) und in Meißen (1524) und war Kanoniker zu St. Alban in Mainz und Propst von St. Florin in Koblenz. Auf Kanonikate zu St. Paulin in Trier und St. Lubentius in Dietkirchen sowie zahlreiche andere Pfründen verzichtete er 1518.

    M., der u. a. als Agent sächs. Fürsten in Rom tätig war, wurde unmittelbar in die Ereignisse um die beginnende Reformation verwickelt, als man ihn am 10.9.1518 beauftragte, die Goldene Rose (Tugendrose) sowie eine Ablaßbulle und ein Beichtprivileg an Kf. Friedrich von Sachsen zu überbringen. Aus diesem begrenzten Auftrag, der im einzelnen mit dem in Deutschland weilenden Kardinal Cajetan OP abzusprechen war und auch Erkundigungen über die Einstellung Luthers beinhaltete, erwuchs die sog. „Miltitziade“: M. überreichte Friedrich dem Weisen die Rose zunächst nicht und führte – unter Duldung Cajetans – mit Luther Anfang Januar 1519 in Altenburg Verhandlungen über ein Stillhalteabkommen. Dieser sollte sich einem gelehrten deutschen Bischof – man dachte vor allem an Erzbischof Richard v. Greiffenclau in Trier – als Schiedsrichter stellen. Weitere Modifikationen der Absprachen und ein nochmaliger Vermittlungsversuch M.s am 9./10.10.1519 in Liebenwerda scheiterten an der raschen Entwicklung der Ereignisse, die vor allem durch die Leipziger Disputation (Juni-Juli 1519) vorangetrieben wurden.

    War M. 1519 durch ein unausgesprochenes Wohlwollen der an der bevorstehenden Kaiserwahl und damit an der Hilfe Friedrichs des Weisen interessierten Kurie legitimiert, so entfiel diese Rückendeckung, als er seit August 1520 einen weiteren Vermittlungsversuch unternahm und – unterstützt durch die Augustiner und den Kurfürsten – in den Lichtenburger Verhandlungen Luther zum „Sendbrief an Leo X.“ und zur Publikation der versöhnlichen Schrift „Von der Freiheit eines Christenmenschen“ bewegen konnte. Nach dem endgültigen Scheitern auch dieser diplomatischen Initiative dürfte M. in Sachsen schärfer gegen Luther Front bezogen haben, wie Kontakte mit dem Nuntius Hieronymus Aleander und Hieronymus Emser in Dresden belegen. Kurzfristig wurde er noch für Erzbischof Albrecht von Brandenburg tätig, spielte aber seit 1521 diplomatisch keine Rolle mehr. Bis zu seinem Tod residierte er im Mainzer Domkapitel, wenn er nicht andere Residenzpflichten wahrnahm.

    Unter dem Einfluß P. Kalkoffs wurde M. –entsprechend seinem Hang zur Selbstüberschätzung und seinem Mangel an Augenmaß – lange negativ beurteilt. Dagegen sieht ihn die neuere Forschung als einen durchaus ernstzunehmenden und keineswegs völlig eigenmächtig handelnden Gesprächs- und Verhandlungspartner an.

  • Literatur

    ADB 21;
    F. Herrmann, Die Protokolle d. Mainzer Domkap., 3/1: Die Protokolle aus d. Zeit d. EB Albrecht v. Brandenburg 1514-1545, 1929;
    F.-J. Heyen, Das Stift St. Paulin vor Trier, in: Germania|Sacra NF 6, 1972, S. 714;
    H. A. Creutzberg, K. v. M (1490–1529), Sein Leben u. seine geschichtl. Bedeutung, 1907;
    P. Kalkoff, Die Miltitziade, 1911;
    W. Friedensburg, Aus d. Bologneser Studienjahren K. v. M.s, in: Neues Archiv f. Sächs. Gesch. u. Altertumskde. 57, 1936, S. 71-76;
    H.-G. Leder, Ausgleich mit d. Papst? Luthers Haltung in d. Verhh. mit M. 1520, 1969;
    W. Borth, Die Luthersache (Causa Lutheri) 1517-1524, Die Anfänge d. Ref. als Frage v. Pol. u. Recht, 1970, S. 56 ff.;
    M. Brecht, Martin Luther, I: Sein Weg zur Ref. 1483-1521, 1981;
    I. Ludolphy, Friedrich d. Weise, Kf. v. Sachsen 1463-1525, 1984;
    LThK;
    LThK;
    Kosch, Lit.-Lex.3;
    BBKL;
    Zur Geneal. v. Uradelsgeschlechtern, Wettiner Lande, XVI, Zur Geneal. d. Fam. v. M., bearb. v. F. Fischer, 1973. – Zu Dietrich ( 1853);
    ADB 21;
    Otto Eduard Schmidt, Fouqué, Apel, M., Btrr. z. Gesch. d. dt. Romantik, 1908;
    ders., in: Sächs. Lb. II, 1938, S. 278-88 (L, P);
    Priesdorff IV, S. 192-94 (P).

  • Autor/in

    Heribert Smolinsky
  • Empfohlene Zitierweise

    Smolinsky, Heribert, "Miltitz, Karl von" in: Neue Deutsche Biographie 17 (1994), S. 533 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118734008.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Miltitz: Karl v. M., Sohn Sigismunds v. M., Landvogts zu Meißen in Pirna und Herrn auf Rabenau, erhielt seine Bildung zu Köln, war Domherr zu Mainz, Trier und Meißen und siedelte 1514 oder 1515 nach Rom über, wo er die Stellung eines päpstlichen Kämmerers, Notarius et cubicularius secretus et familiaris, endlich eines Nuntius und apostolischen Commissarius bekleidete und dem Kurfürsten Friedrich, ingleichen dem Herzog Georg dem Bärtigen von Sachsen als Agent am päpstlichen Hofe diente; letzterem erwirkte er unter Anderem die päpstliche Erlaubniß, einiges von der aus Jerusalem stammenden Erde des Campo santo zu Rom für den Kirchhof zu Annaberg holen zu lassen. Nachdem des Cardinal Cajetan Versuch, Luther zum Schweigen zu bringen, fehlgeschlagen war, schien M. der geeignetste Mann, diese Sache beizulegen; als äußerlicher Vorwand diente der Auftrag Papst Leos X., dem Kurfürsten Friedrich die geweihte goldene Rose zu überbringen, um die derselbe seit drei Jahren vergebens sollicitirt hatte. Um den Zweck seiner Mission nicht zu gefährden,|vermied M. dem Cardinallegaten zu begegnen, suchte vielmehr den kurfürstlichen geheimen Rath Degenhard Pfeffinger auf dessen Gütern auf und ließ sich von ihm nach Altenburg begleiten, wo er in Spalatin's Wohnung in Gegenwart Fabians v. Feilitzsch seine erste Unterredung mit Luther hatte, 3. Januar 1519. Absehend von der Forderung eines Widerrufs kam er mit Luther überein, daß beiden Theilen Schweigen auferlegt und des letzteren Sache einem gelehrten Bischofe, als welchen er den Erzbischof Richard von Trier bezeichnete, zur Untersuchung aufgetragen werden solle. Eine Folge dieser Verhandlung war der demüthige Brief, den. Luther an den Papst richtete. Nachdem M. hierauf Tetzeln in Leipzig zur Ruhe verwiesen, begab er sich nach Koblenz und drang in Luther ebenfalls dahin zu kommen, damit dort seine Sache durch den Erzbischof von Trier geschlichtet werde. Dies geschah jedoch ebenso wenig wie Kurfürst Friedrich auf Miltitz's Vorschlag einging, die mittlerweile bei den Fugger in Augsburg angelangte goldene Rose selbst dort abholen zu lassen. Vielmehr mußte sie M. daselbst abholen, allein seine Absicht, mit der Rose pomphaft in Wittenberg einzuziehen, wurde durch die Verstimmung des Kurfürsten über die lange Vorenthaltung derselben vereitelt und M. mußte sich begnügen, dieselbe am 24. September 1519 den kurfürstlichen Commissarien zu Altenburg auszuhändigen. Er empfing dafür 200 Gulden Gratial und die Ernennung zum kurfürstlichen Rathe auf drei Jahre mit 100 Gulden Jahresgehalt, zeigte sich aber hiermit wenig zufrieden und bat wiederholt um Erhöhung dieser Summen. M. hielt sich noch längere Zeit in Sachsen auf, gern verweilend „an den Orten, wo man ihm gutlich thut und wol aufwart“. Mit Luther hatte er eine zweite Zusammenkunft am 9. October zu Liebenwerda, eine dritte, der auch Melanchthon beiwohnte, im October 1520 zu Lichtenburg, nachdem er in der Zwischenzeit den Augustinerconvent zu Eisleben im August 1520 besucht und die Veröffentlichung von Luther's neuen Streitschriften zu hintertreiben gesucht hatte. Auf einer späteren Reise nach Deutschland 1529 fand er seinen Tod, indem er, angeblich in trunkenem Zustande, im Main unweit Steinau ertrank.

    • Literatur

      J. K. Seidemann, Karl v. Miltitz. Eine chronologische Untersuchung. Dresden 1844.

  • Autor/in

    Flathe.
  • Empfohlene Zitierweise

    Flathe, Heinrich Theodor, "Miltitz, Karl von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 21 (1885), S. 759-760 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118734008.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA