Lebensdaten
1800 bis 1873
Geburtsort
Gotha
Sterbeort
Hannover
Beruf/Funktion
lutherischer Theologe
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 117559245 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Meyer, Heinrich August Wilhelm
  • Meyer, Heinr. Aug. Wilh.
  • Meyer, Heinrich A.

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Zitierweise

Meyer, Heinrich August Wilhelm, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117559245.html [19.10.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Johann Nikolaus (1759–1823), Hofschuhmacher in G., S d. Schuhmachermeisters Johann Nikolaus (1717–82) in Rügheim u. d. Anna Margarethe Geyer (1722–78);
    M Marie Juliane (1772–1851), T d. Strumpfwirkers Johann Michael Leinhos (1709–93) in G. u. d. Juliane Christiane Ritter (1728–94);
    B Joseph (s. 2);
    Grone b. Göttingen 1822 Elise (1804–64), T d. Pfarrers Heinrich Jakob Oppermann (1766–1839) in Grone u. d. Katharina Sophie Grabenstein (* 1771);
    2 S, 1 T, u. a. Gustav (s. L);
    N Herrmann Julius (s. 3);
    Groß-N Hans (s. 4).

  • Leben

    M. studierte 1818-20 in Jena ev. Theologie. Auf das Examen folgte eine kurze Lehrertätigkeit in einem Erziehungsinstitut in Grone, 1822 begann er in Osthausen (Thüringen) seine kirchliche Laufbahn als Pfarrer. Diese setzte er 1831 auf der Pfarrstelle in Harste (bei Göttingen), 1837-41 als Superintendent in Hoya und 1841-48 als Superintendent und Pastor primus an der Neustädter Hof- und Stadtkirche in Hannover fort. Mit der letzten Stelle war eine Berufung in das Hannoversche Konsistorium verbunden (Oberkonsistorialrat 1861), 1865 wurde M. emeritiert. Neben der pfarramtlichen und kirchenleitenden Tätigkeit (letztere verpflichtete ihn. auch das Amt des Examinators wahrzunehmen) war es M. durch seine disziplinierte Arbeitsweise möglich, eingehende exegetische Studien zu betreiben und zu veröffentlichen. Hierin lag M.s eigentliches Lebenswerk. Dennoch lehnte er 1841 einen Ruf an die Univ. Gießen ab.

    Gegenstand seiner wissenschaftlichen Arbeiten war eine Übersetzung des Neuen Testaments, die durch einen kritischen und exegetischen Kommentar ergänzt wurde. Bereits 1829 erschien der erste von drei geplanten Teilen des Werkes „Das Neue Testament Griechisch nach den besten Hülfsmitteln kritisch revidirt mit einer neuen Deutschen Übersetzung und einem kritischen und exegetischen Kommentar“. Er bot den Text und die Übersetzung der vier Evangelien, der Rest sollte folgen. Ein zweiter Teil mit drei Abteilungen (1. Markusevangelium bis Apostelgeschichte, 2. Briefe, 3. allgemeine Einführung, Auslegungsgeschichte etc.) war geplant, doch realisiert wurde im Grunde nur der Kommentar der 1. und 2. Abteilung. Die Übersetzung des restlichen Neuen Testaments wurde ebenso aufgegeben wie die Zusammenfassung exegetischer Ergebnisse. M., ein ausgewiesener Philologe, arbeitete beständig – unterbrochen nur durch eine von ihm herausgegebene Ausgabe der luth. Bekenntnisschriften zum Jubiläumsjahr 1830 – an der Kommentierung neutestamentlicher Schriften (1832 Mt, Mk, Lk; 1834 Joh; 1835 Apg; 1836 Röm; 1839 1. Kor; 1840 2. Kor; 1841 Gal; 1843 Eph; 1847 Phil, Kol, Phlm). Immer wieder neu zu gestaltende Auflagen seiner Kommentare, die bald ins Englische übersetzt wurden, zwangen ihn, die Bearbeitung der noch fehlenden Schriften anderen Mitarbeitern (Lünemann, Huther, Düsterdieck) zu überlassen. Aus dem ursprünglich geplanten Handbuch für Studierende entstand durch ständige Überarbeitung und Neuauflagen die heute jedem Exegeten bekannte wissenschaftliche Kommentarreihe „Kritisch-exegetischer Kommentar über das Neue Testament“ (KEK), bestehend aus 17 Abteilungen. Nach M.s Tod übernahm B. Weiß die Verantwortung für die Edition.

    Gründliche philologische Untersuchung des Textes („grammatisch-historischer Kommentar nannte M. 1832 sein Unternehmen) und Berücksichtigung der Auslegungsgeschichte kennzeichnen die Auflage des gesamten exegetischen Werkes. Betonte M. in der Vorrede von 1832 noch den „biblischen Rationalismus“, zu dem seine Kommentare die exegetische Grundlage bieten sollten, trat im Laufe der Zeit, insbesondere als er engagiert im Konsistorium arbeitete, eine vermittlungstheologische Ausrichtung in den Vordergrund; jedoch hat in den Jahren seines Ruhestandes die alte Position wieder Oberhand gewonnen. Die von M. gegründete Kommentarreihe ist bis heute für Studenten, Pfarrer, wissenschaftliche Theologen und Philologen ein wichtiges Hilfsmittel bei der Auslegung des Neuen Testaments.|

  • Auszeichnungen

    D. theol. (Göttingen 1845).

  • Werke

    Weitere W Libri symbolici ecclesiae lutheranae, 1830.

  • Literatur

    ADB 21;
    Gustav Meyer (S), in: ders., Vorwort zu H. A. W. M., Exeget. Hdb. üb. d. Briefe d. Paulus an d. Philipper, Kolosser u. an Philemon, KEK IX, 41874, S. V-XVIII;
    J. Hohlfeld, Das Bibliogr. Inst., FS zu seiner Jh.feier, 1926;
    R. Rasch, H. A. W. M., d. Begründer d. M.schen Kommentars, Ein Lb. aus d. 19. Jh., in: Jb. d. Ges. f. Niedersächs. KG 64, 1966, S. 129-43;
    F. Mildenberger, Gesch. d. dt. ev. Theol. im 19. u. 20. Jh., 1981 (P);
    R. Smend, Über einige ältere Autoren d. Verlages …, in: 250 J. Verlag Vandenhoeck & Ruprecht in Göttingen, Jubiläumsfeier am 15.2.1985, 1985, S. 15-40 (P);
    P. Kaiser, H. A. W. M., Zum 190. Geb.tag d. Begründers d. Krit.-exeget. Kommentars üb. d. NT, in: Dt. Pfarrerbl. 90, 1990, S. 9-11;
    PRE 13;
    RGG3;
    LThK2;
    BBKL.

  • Autor/in

    Georg Strecker
  • Empfohlene Zitierweise

    Strecker, Georg, "Meyer, Heinrich August Wilhelm" in: Neue Deutsche Biographie 17 (1994), S. 295 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117559245.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Meyer: Heinrich August Wilhelm M., lutherischer Theolog und berühmter Exeget des 19. Jahrhunderts, geb. am 10. Januar 1800 zu Gotha, am 21. Juni 1873 zu Hannover. — Sohn eines herzoglichen Hofschuhmachers in Gotha, der aus Rügheim in Unterfranken stammte, Bruder des bekannten Buchhändlers Joseph M., des Gründers des Bibliographischen Instituts, erhielt er seine Schulbildung auf dem Gymnasium zu Gotha, wo Döring, Galetti, Ukert, Rost, Bretschneider zu seinen Lehrern gehörten und wo er gründliche philologische Kenntnisse sich erwarb. Er studirte darauf 1818—20 Theologie zu Jena unter Schott, Danz, Gabler, Baumgarten-Crusius, wurde 1820 Hauslehrer zu Grone bei Göttingen bei seinem nachherigen Schwiegervater Pastor Oppermann, 1823 aber Pfarrer zu Osthausen im Herzogthum Sachsen-Meiningen, wo er zu seinen theologischen Privatstudien und litterarischen Arbeiten Zeit sand. Nachdem er 1827 zu Hannover ein theologisches Colloquium bestanden, trat er 1830 in den Dienst der hannoverschen Landeskirche, wurde Pastor in Harste bei Göttingen, 1837 Superintendent in Hoya, 1841 Consistorialrath in Hannover und zugleich Superintendent und Pastor an der Neustädter Kirche. 1845 wurde er von der Göttinger Facultät zum Dr. theol. ernannt, 1846 nahm er Theil an den kirchlichen Conferenzen in Berlin, 1848 wurde er seines Predigt- und Superintendentenamtes enthoben und trat ganz ins Consistorium ein, in welchem er besonders bei den theologischen Prüfungen regelmäßig mitzuwirken hatte. Nachdem er 1861 zum Oberconsistorialrath ernannt war, trat er 1865 in den Ruhestand und verlebte den Rest seiner Jahre in eifriger gelehrter Thätigkeit, besonders der unermüdlich bessernden Fortarbeit an den verschiedenen Abtheilungen seines Commentars, aber auch in aufrichtiger und herzlicher Theilnahme an den kirchlichen und politischen Geschicken seines hannoverschen und deutschen Vaterlandes. Von seinen literarischen Arbeiten sind zu nennen: 1. seine Ausgabe und Uebersetzung des Neuen Testamentes, 1829, 2. seine Ausgabe der symbolischen Bücher der lutherischen Kirche im Reformationsjubeljahr 1830, insbesondere aber 3. sein kritisch-exegetischer Commentar zum Neuen Testament, begonnen 1832, beendigt (mit Hülfe einiger jüngerer Gelehrten: Huther, Düsterdieck, Lünemann) in 16 Bänden 1859; die einzelnen Bände in zahlreichen neuen Ausgaben, die theils noch von dem Verfasser selbst, theils nach seinem Tod von jüngeren Gelehrten (Ritschl, Wendt, Weiß, Heinrici, Beyschlag, Siefert etc.) besorgt sind. Seiner theologischen Richtung nach Supranaturalist, aber bei aller Pietät gegen die kirchliche Tradition durch theologische Unbefangenheit und philologische Akribie sich auszeichnend, hat M. einer streng wissenschaftlichen Auslegung nach Kräften Vorschub geleistet, „Nichts Anderes wollend und suchend als das sichere geschichtliche Verständniß des göttlichen Wortes“, die Arbeiten der Vorgänger mit treuem Fleiß und nüchternem Urtheil benutzend, frei von dogmatistischen Voraussetzungen wie von subjectivistischer Ein- und Ausdeutung. Er ist im Lauf der Jahre zusehends positiver geworden, aber an dem von Anfang an von ihm betonten Prinzip streng grammatisch-historischer Auslegung hat er unwandelbar festgehalten.

    • Literatur

      Siehe den Lebensabriß von der Hand seines Sohnes, abgedruckt in der 4. Auflage der IX. Abtheilung des Krit.-ex. Commentars, Göttingen 1874; vgl. auch die Vorrede zur 7. Auflage der I. Abth., Göttingen 1883, der auch ein photographisches Porträt des Verfassers beigegeben ist.

  • Autor/in

    Wagenmann.
  • Empfohlene Zitierweise

    Wagenmann, Julius August, "Meyer, Heinrich August Wilhelm" in: Allgemeine Deutsche Biographie 21 (1885), S. 580-581 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117559245.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA