Lebensdaten
1837 bis 1901
Geburtsort
Hamburg
Sterbeort
Wildungen
Beruf/Funktion
Bauingenieur
Konfession
evangelische Familie
Normdaten
GND: 122534476 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Meyer, Franz Andreas
  • Meyer, Andreas
  • Meyer, F. Andreas
  • mehr

Verknüpfungen

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Auf der Karte werden im Anfangszustand bereits alle zu der Person lokalisierten Orte eingetragen und bei Überlagerung je nach Zoomstufe zusammengefaßt. Der Schatten des Symbols ist etwas stärker und es kann durch Klick aufgefaltet werden. Jeder Ort bietet bei Klick oder Mouseover einen Infokasten. Über den Ortsnamen kann eine Suche im Datenbestand ausgelöst werden.

Zitierweise

Meyer, Franz Andreas, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd122534476.html [15.09.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Ferdinand Wilhelm (1800–62), Kaufm., S d. Johann Heinrich (1770–1837) aus Dresden, Weinhändler, Wirt u. Kastellan in H., u. d. Gastwirts-T Maria Elisabeth Schade verw. Poppe (1768–1830);
    M Bertha (1809–66), T d. Kaufm. Franz Andreas Prale in H. u. d. Anna Amalie Schultz;
    Ov Friedrich August (1802–59), Theaterinsp. in H., Eduard (s. Gen. 2);
    Vt Eduard (s. 2), Kuno (s. 3); Cousinen Marie (* 1840), Hofschausp. (M d. Schriftst. Gustav Meyrink, 1868–1932, s. NDB 17), Luise (1854–99), Kammersängerin;
    Hamburg 1868 Antonie Mathilde (1848–1920), T d. Ernst Goßler (1806–89), Dr. iur., Präses am Niedergericht in H., u. d. Mathilde Hüffell aus London;
    3 S, 5 T, u. a. Ernst Andreas (1873–1958), Dipl.-Ing., Oberbaurat in H.

  • Leben

    M. besuchte das Johanneum in Hamburg und seit 1854 das Polytechnikum in Hannover. 1858 legte er dort die Staatsprüfung als Ingenieur ab und arbeitete bis 1860 im Dienste der hann. und anschließend der brem. Eisenbahnverwaltung (Hafenbahnen und hafentechnische Einrichtungen in Bremerhaven). 1862 wurde er Mitarbeiter der Hamburger Schiffahrts- und Hafen-Deputation. Unter dem Wasserbaudirektor Johannes Dalmann war er maßgeblich beteiligt an den neuartigen Anlagen des Sandtorhafens (1864–66). Seinen künstlerischen Neigungen folgend, strebte er auch nach architektonischen Entwurfsaufgaben. Dies wurde 1868 möglich durch seinen Wechsel zur Sektion Ingenieurwesen der Baudeputation. 1872 wurde er als Nachfolger von Christian Wilhelm Plath zum Oberingenieur berufen.

    Die Umgestaltung der Stadt in der Gründerzeit, als sie von 270 000 Einwohnern (1868) auf 750 000 (1900) anwuchs, erschien den Zeitgenossen als Entstehung eines schlechthin „neuen Hamburgs“ und wurde im wesentlichen als M.s Werk angesehen. Als Oberingenieur leitete er mit dem Ingenieurwesen die (neben Strom- und Hafenbau sowie Hochhauwesen) größte und wichtigste Sektion der Baudeputation; das Ressort war ebenso für die technische Infrastruktur zuständig wie für den gesamten Städtebau. Die Ausdehnung Hamburgs über den alten Wallring in neue Vororte hinein, die Verwandlung der inneren Stadt in eine City, die Anlage des Freihafens nach dem Zollanschluß an das Deutsche Reich (1881/88), die Neuordnung des Verkehrs durch Straßendurchbrüche und -neuanlagen, durch die Umgestaltung der Eisenbahnen, durch Straßenbahnen, die Planung der Stadt- und Vorortbahnen, die Verbesserung der städtischen Hygiene durch Ausbau des Sielwesens und der Wasserversorgung sowie der Abfallbeseitigung, durch öffentliche Grünanlagen, Alleen und Parks erfolgte im wesentlichen nach den Ideen M.s.

    Als Einzelleistungen ragen heraus die Gestaltung des Außenalster-Ostufers 1873-75 und der Innocentiapark, die ersten Entwürfe für den Ohlsdorfer Zentralfriedhof, die Freihafenlagerhäuser der „Speicherstadt“ wie überhaupt die Anlagen des Freihafens seit 1881,|die Filteranlagen der Stadtwasserkunst 1891–93, die Neugestaltung der Hamburger Eisenbahnanlagen seit 1899, die Bebauungspläne für die Vororte seit 1892, die Einrichtung der ersten Abfallverbrennungsanstalt Deutschlands 1894/95, aber auch die Wallregulierung zu einer Prachtstraße; von den zahlreichen Brückenbauten seien die Trostbrücke und die Kersten-Miles-Brücke erwähnt. Technisch gehörten diese Werke zu den größten und modernsten ihrer Zeit in Deutschland. Architektonisch sind alle im Stil der „Hannoverschen Schule“ des von M. besonders verehrten Konrad Wilhelm Hase und seiner charakteristischen Backsteinneugotik gehalten. Patriotisch motivierte historische Interessen wurden Grundlage für denkmalpflegerische Leistungen wie die Wiederherstellung und Neugestaltung des Schlosses in Bergedorf (1897–1901). Zugleich trug M. mit zahlreichen Detailentwürfen (z. B. Meßbergbrunnen) zur Ausschmückung des Stadtbildes bei. M.s dogmatisches Festhalten an seiner historistischen Stilposition setzte ihn um 1900 der Kritik der Reformbewegungen aus (in Hamburg etwa durch Alfred Lichtwark), die zunächst gerade von ihm eine Erneuerung der Architektur erwartet hatten (Julius Langbehn, Rembrandt als Erzieher, 1890). Zu M.s Tragik gehörte, daß die katastrophale Cholera-Epidemie von 1892 wohl nicht eingetreten wäre, wenn eine Modernisierung der städtischen Wasserversorgung – wie von ihm gefordert – schon in den 70er Jahren ausgeführt worden wäre.

    Da die Oberbeamten in Hamburg kein passives Wahlrecht besaßen, verlagerte M. seine politischen Aktivitäten in eine außerordentlich einflußreiche Vereinsarbeit. Er war u. a. langjähriger Vorsitzender des Architekten- und Ingenieurvereins zu Hamburg, des Vereins für Kunst und Wissenschaft und des Landesvereins vom Roten Kreuz. Er war auch maßgebliches Mitglied überregionaler Fachverbände, u. a. des Deutschen Vereins für öffentliche Gesundheitspflege. 1897 wurde er Mitglied des Kaiserlichen Gesundheitsamtes, 1901 des Reichsgesundheitsamtes. M., der nach seinem Tode weitgehend in Vergessenheit geriet, muß zu den bedeutendsten Stadtbaumeistern des 19. Jh. gezählt werden. Mit seiner Auffassung von der Stadt als einem technisch wie künstlerisch einheitlich zu planenden Organismus nahm er Positionen des 20. Jh. vorweg.

  • Werke

    u. a. Das öffentl. Bauwesen in Hamburg, in: VDI-Zs. 23, 1879;
    Hamburg u. d. Zollanschlußbauten, in: Stahl u. Eisen 10, 1888;
    Über Hamburg, in: Dt. Bauztg. 24, 1890;
    Baumpflanzungen u. Gartenanlagen in d. Städten, in: Dt. Vjschr. f. öffentl. Gesundheitspflege 23, 1891;
    Das Wasserwerk d. Freien u. Hansestadt Hamburg unter bes. Berücksichtigung d. in d. J. 1891-93 ausgeführten Filtrationsanlagen, 1894;
    Die städt. Verbrennungsanstalt f. Abfallstoffe am Bullerdeich in Hamburg, 1897, 21901.

  • Literatur

    Hamburg u. seine Bauten, 2 Bde., 1890/1914;
    F. A. M., Ein Gedenkbl. aus d. Trauerfeier v. 4.4.1901, 1901 (Nachrufe v. J. Classen u. A. Metz);
    F. Sperber, F. A. M. in seiner hamburg. Thätigkeit, in: Der Lotse I/1, 1901;
    H. A. Roechling, F. A. M., in: Gesundheits-Ing. 24, 1901;
    E. Vormehren, Zum Gedächtnis f. F. A. M., 1901;
    O. Beselin, F. A. M., Ein Baumeister d. Großstadt Hamburg, 1974 (P);
    K. Maak, Die Speicherstadt im Hamburger Freihafen, e. Stadt an Stelle d. Stadt, 1985.

  • Autor/in

    Hermann Hipp
  • Empfohlene Zitierweise

    Hipp, Hermann, "Meyer, Franz Andreas" in: Neue Deutsche Biographie 17 (1994), S. 308 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd122534476.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA