Lebensdaten
1823 bis 1875
Geburtsort
Lübeck
Sterbeort
Wunsiedel
Beruf/Funktion
Wasserbautechniker
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 13572922X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Dalmann, Johannes Christian Wilhelm
  • Dalmann, Johannes
  • Dalmann, Johannes Christian Wilhelm

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Zitierweise

Dalmann, Johannes, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd13572922X.html [21.10.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Joh. Jac. ( 1855), Schiffskapitän;
    M Anna Joh. Elis. Kaß, beide in Lübeck;
    1) 1849 Emma Joh. Elis. (1823–62), T des Lübecker Hafenmeisters Hutter, 2) 1865 Bertha Caspersen, verw. Berghofer (* 1831);
    2 K, 4 Stiefkinder namens Berghofer-Dalmann.

  • Leben

    An und auf dem Wasser großgeworden und nach eigenen Worten früh entschlossen „Herr des Wassers“ zu werden, um es den menschlichen Zwecken unterzuordnen, widmete sich D. von jung auf der damals erst in den Kinderschuhen steckenden Wasserbautechnik. Nach praktischer Vorbildung in Feldmesserei und Zimmerlehre sowie eindringlichen mathematischen Studien besuchte er die Bauakademie zu Berlin, wo der große Gotthilf Hagen sein Lehrer in der Hydrotechnik wurde. 1845 trat er als Baukondukteur in die Dienste der Hamburger Wasserbaudirektion, der er trotz lockendster Anerbietungen lebenslang treugeblieben ist. Bald wurden ihm die Strombauten im engeren hamburgischen Gebiet übertragen. Durch ständige Beobachtungen im Gelände lauschte er, ein großer Naturfreund und „Wassermann“, der Flutwelle des Elbstromes ihre verborgensten Geheimnisse ab und erwarb damit die Grundlagen für seine späteren Planungen. In seiner bahnbrechenden Schrift von 1856 über Stromkorrektionen im Flutgebiet entschied er auf 23 knappen Seiten mit einem Schlage die jahrzehntelangen erbitterten Kämpfe über die Neugestaltung der Elbe und des Hafens. Seit dem gleichen Jahre war er, erst 33 Jahre alt, der tatsächliche, seit 1864 auch der rechtliche Leiter des gesamten Strom- und Hafenbauwesens. Es entstand ein wohl ausgewogener, weit vorausschauender Gesamtplan, der fortan die „Bibel“ der Wasserbautechniker wurde und in seinen Hauptpunkten noch heute nach 100 Jahren volle Gültigkeit besitzt. Mit Durchstichen und Abdeichungen bestimmte und veränderte er den Lauf der Elbe im Stromspaltungsgebiet; er schuf als erster die offenen Tidehäfen mit langen Bassins, direktem Eisenbahnanschluß und unmittelbarer Umladung vom Seeschiff in den oberelbischen Kahn. In dem ersten sogenannten Köhlbrandvertrag mit Hannover-Preußen von 1868 gelang es, seine Grundsätze auch außerhalb der Landesgrenzen zur Anerkennung zu bringen. Das Gesamtkunstwerk seines Hafensystems, das er selber nur in den Anfängen noch durchführen konnte, wirkte vorbildlich in seiner klassischen Einfachheit und Klarheit der Linien, übertrifft an praktischer Brauchbarkeit weitaus sowohl die isolierten Pieranlagen von New York wie die ummauerten Dockhäfen von Antwerpen oder Bremerhaven und hat den Ruhm Hamburgs als eines besonders schnellen Hafens begründet. Dadurch und durch seine zahlreichen Auslandsreisen - er war ein Künstler des Reisens - gewann er in seinem Gemeinwesen eine innere und äußere Autorität, wie sie für einen Beamten, vor allem für einen Techniker, bisher unerhört war, und wurde in allen grundlegenden Bau-, Verkehrs- und Handelsfragen der überall anerkannte Vertrauensmann. Auch das Ausland, zumal im Donauraum, zog ihn in Strom- und Hafenfragen gern als sachverständigen Berater heran.

    Er war der geniale Schöpfer des größten deutschen Seehafens, der Vater und Gestalter der Niederelbe; jede Karte Deutschlands dokumentiert noch heute in der Linienführung des Elbstroms sein Lebenswerk.

  • Werke

    Weitere W u. a. Über Wasserstands- u. meteorolog. Beobachtungen, o. J. (um 1856);
    Über d. Anstalten z. Reparieren d. Schiffe, o. J. (um 1856);
    Der Hafen von Hamburg-Altona, insbes. d. Anlage d. Sandtorkais in Hamburg, 1868;
    Ber. üb. d. Korrektion d. Norderelbe zw. Gamm-Elbe u.|Rotenburgsort, die Beseitigung der Billwärder Konkave durch d. Kaltenhofer Durchstich, 1873.

  • Literatur

    ADB V;
    Nachrufe in d. hamburg. Tagesztg., d. dt. Bauztg. 1875 u. in d. Rückblicken auf d. ersten 20 Lebensj. d. Architekten- u. Ingenieurver., 1884;
    F. A. Meyer, in: Hamburg. Nachrr. v. 17.-22.9.1875 (Biogr. nach autobiogr. Aufzeichnungen);
    E. Baasch, Gesch. Hamburgs 1814-1918, 1924/25, I, S. 232 ff., II, S. 253 ff.

  • Portraits

    Relief in Bronze (Grabmal Jakobifriedhof Hamburg), in Sandstein (Diele d. neuen Rathauses Hamburg);
    Ölgem. (Hamburg. Wasserstraßendirektion).

  • Autor/in

    Heinrich Reincke
  • Empfohlene Zitierweise

    Reincke, Heinrich, "Dalmann, Johannes" in: Neue Deutsche Biographie 3 (1957), S. 494 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd13572922X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Dalmann: Johannes Christian Wilhelm D., Hydrotechniker, geb. zu Lübeck 4. März 1823, bildete sich auf der Bauakademie zu Berlin für seinen Beruf aus. Nachdem er in seiner Vaterstadt als Bauconducteur beschäftigt gewesen, trat er im J. 1845 in den hamburgischen Staatsdienst, und bewährte in demselben, zunächst als Conducteur, seit 1853 als Inspector und seit 1864 als Wasserbaudirector, seine ungewöhnliche Tüchtigkeit. Das auch von auswärtigen Staaten anerkannte Genie dieses eminenten Technikers schuf eine Reihe großartiger Bauwerke in und um Hamburg, von welchen hier nur der Sandthorquai, der Grasbrook- und der Kaiserquai nebst Hafenbassin, sowie die Elbcorrection bei Kaltenhofe erwähnt sein mögen. Diese meisterlichen Werke und nicht minder die guten Dienste, die der kenntnißreiche gewandte Mann auch bei Verhandlungen mit den Nachbarstaaten über gemeinsame Strominteressen u. dgl. dem hamburgischen Staate erwiesen, veranlaßten im J. 1873 den Senat und die Bürgerschaft, ihm eine außerordentliche Anerkennung zu votiren, welche, da die in monarchischen Staaten üblichen Formen der Rangerhöhung, Titel- und Ordensverleihung in Hamburg nicht bekannt sind, in der ehrenvoll ausgedrückten Bewilligung einer persönlichen Zulage von jährlich 4000 Thalern zu seinem Amtsgehalte bestand. — Nicht lange noch erfreute sich Hamburg der Wirksamkeit Dalmann's. Auf einer zur Herstellung seiner Gesundheit unternommenen Urlaubsreise erkrankte er von neuem und starb im Alexanderbade bei Wunsiedel 2. Aug. 1875.

  • Autor/in

    O. Beneke.
  • Empfohlene Zitierweise

    Beneke, Otto, "Dalmann, Johannes" in: Allgemeine Deutsche Biographie 4 (1876), S. 712 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd13572922X.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA