Lebensdaten
1792 bis 1859
Geburtsort
Karlsruhe
Sterbeort
Karlsruhe
Beruf/Funktion
Markgraf von Baden
Konfession
keine Angabe
Normdaten
GND: 101798393 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Wilhelm Ludwig August
  • Wilhelm von Hochberg
  • Wilhelm von Baden
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Objekt/Werk(nachweise)

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Zitierweise

Wilhelm, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd101798393.html [19.02.2019].

CC0

  • Leben

    Wilhelm Ludwig August, Prinz und Markgraf von Baden, in der Kriegsgeschichte „Graf Wilhelm von Hochberg“ genannt, wurde am 8. April 1792 zu Karlsruhe als der zweite Sohn des nachmaligen Großherzogs Karl Friedrich aus dessen zweiter Ehe mit der zur Gräfin Hochberg erhobenen Freiin Louise Geyer von Gehersberg geboren und seinen Neigungen entsprechend von Kindheit an für den militärischen Beruf erzogen. Als im J. 1809 der Krieg gegen Oesterreich bevorstand, hatte er den sehnlichen Wunsch, denselben mitzumachen. Er war freilich noch sehr jung, aber körperlich kräftig und geistig reifer als sein Lebensalter voraussetzen ließ, daher erfüllte der Großherzog-Mitregent, der Sohn seines Halbbruders, seine Bitte und ließ ihn in der dienstlichen Stellung, welche er, 1805 zum Major, 1807 zum Oberstlieutenant, 1808 zum Oberst ernannt, damals bekleidete, in das Feld rücken. Es war die des 2. Oberst im Leib-Infanterieregimente. Aber schon beim Ausmarsche berief ihn Marschall Masséna, der Befehlshaber des IV. Armeecorps, zu welchem die von Generalmajor v. Harrant commandirten badischen Truppen gehörten, als Adjutanten zu sich und gebrauchte ihn als solchen, so daß er nicht als Fürstensohn in des Marschalls Umgebung den Ereignissen des Feldzuges beiwohnte, sondern wie jeder seiner Kameraden den seiner militärischen Stellung entsprechenden Dienst that und, da er besser beritten war als diese, häufig zu weiten Entsendungen gebraucht wurde, die ihm mancherlei Entbehrungen und Mühsal auferlegten, ihn aber auch dem Kaiser Napoleon bekannt machten, welcher ihm wiederholt sein Wohlwollen und seine Zufriedenheit zu erkennen gab. Er wohnte den Schlachten bei Abensberg am 20., bei Eckmühl am 22. April, bei Aspern und Eßlingen am 21. und 22. Mai, bei Wagram am 5. und 6. Juli und zahlreichen Gefechten bei; die von mehreren Seiten nach Beendigung des Feldzuges an ihn gerichtete Aufforderung in französische Dienste zu treten, lehnte er ab und kehrte nach Karlsruhe zurück.

    Eine bedeutendere Thätigkeit, und die bedeutendste die er in einem der von ihm mitgemachten Kriege ausgeübt hat. brachte ihm der Feldzug vom Jahre 1812 gegen Rußland. Am 7. Februar erhielt er die Nachricht, daß er vom Großherzoge, dem früheren Mitregenten, jetzt Großherzog Karl, bestimmt sei den Oberbefehl der ausmarschirenden Truppen zu übernehmen, nach den Ausweisen sollten es 7666 Mann sein. Graf Hochberg meint selbst, daß ihm Vieles gefehlt habe um dem in ihn gesetzten Vertrauen entsprechen zu können, aber er brachte guten Willen und viele der für seine Stellung wünschenswerthen Eigenschaften mit, dazu war ihm in dem schließlich in der Gefangenschaft einer Wunde und den Aufregungen des Feldzuges erlegenen Oberstlieutenant v. Grolmann ein tüchtiger Chef des Generalstabes beigegeben und so ist ihm möglich gewesen die gestellte Aufgabe unter den schwierigsten Verhältnissen glänzend zu lösen. Vorläufig ging es indeß nicht gleich nach Rußland hinein. Die badischen Truppen wurden zunächst an der Ostsee zur Küstenbewachung verwendet, von hier rückten sie Ende Juni nach Danzig, wo ihr Commandeur einen vierwöchentlichen Aufenthalt benutzte um sie für die bevorstehenden Ereignisse auszurüsten,|indem er für Bekleidung und Schuhwerk sorgte, Wagen mit Kraftsuppenmehl und Schlafsäcken zum Biwakiren beladen ließ und sonstige Einrichtungen traf, die den Truppen später vorzüglich zu Statten kamen. Ende Juli stieß er zum IX. Armeecorps unter Marschall Victor, welches sich bei Tilsit sammelte; die von Graf Hochberg befehligte badische Infanteriebrigade, von welcher 5 Bataillone und 2 Batterien zu je 4 Geschützen zur Stelle waren, gehörte zur 26. Division unter General Daendels. Vier Wochen später rückte Marschall Victor nach Smolensk ab; er sollte die rückwärtigen Verbindungen der Großen Armee sichern und den Russen unter Wittgenstein entgegentreten, falls diese die Düna überschreiten würden. Der Fall trat bald ein und führte die Badener am 31. October bei Czaszniki zum ersten Male ins Feuer, Mitte November aber wurde Victor von hier ab- und an die Rückzugsstraße der Hauptarmee berufen, auf welcher diese in regelloser Flucht der Grenze zustrebte. An der Beresina hatte Graf Hochberg zum ersten und letzten Male ein ernstliches Gefecht zu bestehen. Er befand sich bereits auf dem rechten Ufer des Flusses, mußte aber, um den Uebergang der Heerestrümmer zu decken, auf das linke zurückkehren und nahm hier am 28. November an dem blutigen Treffen von Studianka den rühmlichsten Antheil; ihm und den ihm unterstellten Truppen, zu denen außer den eigenen auch bergische, polnische, französische und sächsische Abtheilungen gehörten, ist vornehmlich zu danken, daß an diesem Tage der Uebergang noch fortgesetzt werden konnte. Am folgenden kehrte er mit den schwachen Resten auf das rechte Flußufer zurück, am 6. December gelangte er auf dem unter steten Gefechten fortgesetzten Rückzuge in ein Biwak bei Ozmiana, noch zwei Tagemärsche von Wilna entfernt. Es war eine bitterkalte Nacht, welche die Kampffähigkeit der badischen Truppen vollständig lähmte. Am 7. mußte Graf Hochberg dem Marschall melden, daß diese nicht länger fechten könnten. Sie befanden sich in völliger Auflösung. Ihr Führer erreichte glücklich und zwar zu Pferde die rettende Grenze, aber von denen, die unter ihm den Feldzug mitgemacht hatten, konnte er am 30. Decbr. in Marienwerder, wo das IX. Armeecorps sich sammeln sollte, nur 145 Mann mustern. Seine Aufzeichnungen, welche unten als Quelle genannt sind, geben ein ergreifendes Bild von den Leiden und Entbehrungen des Winterfeldzuges, aber auch von dem Heldenmuthe und von der Standhaftigkeit, mit denen sie ertragen wurden.

    Im Sommer des nächstfolgenden Jahres erschien Graf Hochberg von neuem im Felde. Napoleon's Machtgebot hatte den Großherzog genöthigt die zu Grunde gegangenen Truppen schleunigst durch neu aufgestellte zu ersetzen, den Oberbefehl erhielt wiederum der im russischen Feldzuge bewährte jugendliche Führer. Ein Theil der Truppen befand sich schon auf dem Kriegsschauplatze, mit den übrigen marschirte der Graf am 9. August nach Sachsen ab. Es war ihm jedoch nicht vergönnt sie unter seinem Commando zu vereinigen und das letztere thatsächlich auszuüben, er mußte sich daran genügen lassen ab und an einen ihm ertheilten Sonderauftrag mit den ihm zu solchem Zwecke überwiesenen Kräften auszuführen und fand keine Gelegenheit Bedeutendes zu leisten. Am 16. October ward ihm der Befehl über die schwache, aus Badenern, Italienern und Sachsen zusammengesetzte Besatzung von Leipzig übertragen, als am 19. die Verbündeten sich der Stadt bemächtigt hatten capitulirte er um seine Badener für den zu erwartenden Wechsel in der politischen Stellung des Großherzogthums bereit zu halten. Er sollte nun mit denselben nach Rußland abgeführt werden und war bereits bis nach Berlin gekommen als jener Umschwung eintrat und und ihn in die Heimath zurückführte. Am 9. December war er wieder in Karlsruhe.

    Alsbald erhielt er von neuem den Oberbefehl über die zur Theilnahme am Kriege bestimmten Truppen, welche jetzt auf Seiten der Verbündeten standen.|Am 15. Januar 1814 rückte er aus, löste zunächst die russischen Truppen vor Kehl ab, übernahm bald auch das Commando über die Blokadecorps, welche Landau, Straßburg, Pfalzburg und einige kleine Plätze eingeschlossen hielten, konnte aber bei der Unzulänglichkeit der ihm zu Gebote stehenden Kräfte entscheidende Schläge nicht führen, so daß erst nach Herstellung des Königthums in Frankreich jene Festungen durch Capitulation in den Besitz der Verbündeten übergingen.

    Als Napoleon von Elba zurückkehrte befand Graf Hochberg sich in Wien, wo Alles zusammengeströmt war, was darauf rechnen konnte in der dortigen glänzenden Versammlung einen Platz zu finden. Er hoffte von neuem mit dem Commando der badischen Feldtruppen betraut zu werden, sah sich aber in seinen Erwartungen getäuscht, da dieses dem General v. Schacher (s. A. D. B. XXX, 534) übertragen wurde. Die Beachtung, welche er bei den tonangebenden Monarchen gefunden hatte, und namentlich die Auszeichnung, mit welcher Kaiser Alexander ihn behandelte, machten die Empfindlichkeit und die Eifersucht des Großherzogs rege und veranlaßten, daß Graf Hochberg bei Seite geschoben wurde. Dieser ging nun die Kaiser von Rußland und von Oesterreich um eine Verwendung im Felde an und erreichte sie durch letzteren, welcher ihm das Commando einer zwei Brigaden starken Division in dem zur Belagerung von Belfort, Hüningen, Schlettstadt und Neu-Breisach bestimmten Heere des Erzherzogs Johann übertrug. Mit den von ihm befehligten Oesterreichern, Badenern, Württembergern und Hessen-Darmstädtern nahm er an den Unternehmungen gegen Neu-Breisach, Schlettstadt und Hüningen theil, die Plätze gingen aber, wie 1814 geschehen war, erst nach der Wiedereinsetzung der Bourbonenherrschaft an die Verbündeten über.

    Damit endete im wesentlichen die militärische Thätigkeit des Grafen. Im Heerwesen Badens, wo höhere Truppenverbände nicht vorhanden waren, gab es zunächst keinen Platz für ihn. erst als am 15. Februar 1832 solche errichtet und ein Corspcommando geschaffen ward, wurde ihm dasselbe übertragen und als im Frühjahr 1848 der Bundestag die Aufstellung des VIII. Armeecorps anordnete erhielt er den Oberbefehl desselben, trat aber die Stellung nicht an, sondern erbat und erhielt schon am 6. April den Abschied. Er widmete sich nun ganz der Landwirthschaft, welche er auf dem ihm gehörigen Besitze Rothenfels, im Murgthale zwischen Rastatt und Gernsbach gelegen, selbst betrieb und für deren Interessen er außerdem als Begründer und langjähriger Vorsitzender der landwirthschaftlichen Gesellschaft wirkte. Auch am politischen Leben betheiligte er sich. Als im J. 1819 der Landtag zusammentrat, übernahm er das längere Zeit von ihm bekleidete Präsidium der 1. Kammer.

    Markgraf Wilhelm — diesen Namen führte er seit 1817 — starb am 11. October 1859 zu Karlsruhe; aus seiner Ehe mit einer Tochter des Herzogs Ludwig von Württemberg sind drei Töchter hervorgegangen.

    • Literatur

      F. v. Weech, Badische Biographien II. Heidelberg 1875. — Denkwürdigkeiten des Generals der Infanterie Markgrafen Wilhelm von Baden aus den Feldzügen von 1809 bis 1815 von General Freiherrn Röder von Diersburg. Karlsruhe 1864. — Der Beresina-Uebergang des Kaiser Napoleon unter besonderer Berücksichtigung der Badischen Truppen von Major von Lindenau. Berlin 1896.

  • Autor/in

    B. Poten.
  • Empfohlene Zitierweise

    Poten, Bernhard von, "Wilhelm" in: Allgemeine Deutsche Biographie 42 (1897), S. 699-701 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd101798393.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA