Lebensdaten
erwähnt zwischen 1510 und 1525 , gestorben 16. Jahrhundert
Beruf/Funktion
Bildschnitzer
Konfession
keine Angabe
Normdaten
GND: 118783009 | OGND | VIAF: 43106175
Namensvarianten
  • Meister von Osnabrück
  • Meister von Osnabrück
  • Meisther von Osnabrück
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Objekt/Werk(nachweise)

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Zitierweise

Meister von Osnabrück, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118783009.html [25.09.2020].

CC0

  • Leben

    M. war die künstlerisch führende Persönlichkeit in einem sehr verzweigten Werkstattbetrieb, in dem einzelne Mitglieder eine für die mittelalterliche Zunftproduktion ungewöhnlich eigenständige Handschrift zeigen. Der Name wird deshalb auch für die gesamte Werkstatt verwendet, mit dem jeweiligen Zusatz für die wichtigsten Schnitzer: „Hauptmeister“, „Tieberger Meister“, „Snetlage Meister“. Von den in der Stadt Osnabrück erhaltenen Künstlernamen hat sich keiner mit einem gesicherten Werk M.s verbinden lassen. Dieser hat seinen Figurenstil an der Kunst westlicher Schnitzzentren, wie Utrecht, Antwerpen und Brüssel, sowie an der Formenwelt von Tilman Riemenschneider und Veit Stoß entwickelt. Aus dieser Synthese entstand eine unverwechselbare Sprache, in der im Gegensatz zu der häufig normierten Zunftskulptur dieser Zeit eine inhaltlich begründete Gestaltung und ein individueller Ausdruck sichtbar werden. Seine Kunst zeigt widersprüchliche Zeitströmungen wie die Profanisierung und radikale Erneuerung des religiösen Lebens, wodurch M. zu einem der wichtigsten künstlerischen Interpreten der geistigen und religiösen Auseinandersetzungen am Vorabend der Reformation in Norddeutschland wurde. Die Werkstatt des Meisters besaß bei den Auftraggebern in der Stadt und in der Diözese Osnabrück zwischen 1510 und 1525/30 eine dominierende Stellung; prominente Aufträge im Frühwerk sind drei Wandtüren für den Ratssaal des 1512 fertiggestellten neuen Rathauses und das 1517 datierte Kreuzretabel für den Domdechanten Lambert von Snetlage im Osnabrücker Dom. Die größte Ausdehnung erreichte die Werkstatt zwischen 1520 und 1525. Werke aus Stein wie das Sakramentshaus in Marklohe (1521), der Lettner in St. Martin in Nienburg, das Taufbecken in Herzfeld, vor allem aber vielfigurige Retabeln gelangten in die Diözesen Minden und Paderborn, in erster Linie in den mittleren und südlichen Weserraum, sowie in der Diözese Bremen in den Raum Oldenburg und nach Ost- und Nordfriesland, darunter die Altäre in der Klosterkirche Loccum und in St. Johann in Bad Zwischenahn. Vom Hauptmeister hat sich allerdings kein eigenhändiger größerer Werkverband erhalten, es existieren heute nur noch Einzelfiguren. – Der Meister ist neben dem wohl etwas älteren Heinrich Brabender in Münster der Hauptvertreter der westfäl. Skulptur in der letzten Phase der Spätgotik. Sein Stil ist noch spürbar im Werk des Bildhauers Johann Brabender, eines Sohns Heinrichs, mit dem nach dem Ende der Wiedertäuferherrschaft in Münster die Frührenaissance in Westfalen beginnt.

  • Werke

    Christophorus, 1517-20 (Slädt. Mus. Osnabrück);
    Hl. Barbara u. Christus in d. Rast, 1517–20, Hl. Magdalena u. hl. Andreas, 1520-25 (beide Diözesanmus. Osnabrück);
    Hl. Katharina, 1517–20, Pietà, 1520-25 (Landesmus., Münster);
    Madonna, 1520 (Landesmus., Hannover);
    Madonna, 1517–20, Hl. Ursula, 1520-25 (Suermondt-Mus., Aachen);
    Ursula-Gruppe (St. Johann, Osnabrück);
    Doppelfigur, 1515/17 (St. Johann, Alfhausen);
    Triumphkreuz in St. Martin, Buer;
    Triumphkreuz, 1517-20 (Kapelle d. Hauses Brincke b. Borgholzhausen);
    Werkstatlarbeilen, Tieberger Meister:
    Hl. Katharina, um 1517 (Kloster Ösede);
    Relief d. Anbetung, Hl. Barbara u. hl. Margaretha, 1520-25 (St. Dionysius, Rheine);
    Doppelfigur, um 1525, St. Mariä Heimsuchung (Bevergern). – Snetlage Meister: Kreuzretabel, 1517 (Dom zu Osnabrück);
    Madonna, 1517-20 (Roselius-Haus, Bremen);
    Relief mit d. hl. Georg, um 1520 (Landesmus. Hannover);
    Hl. Sebastian, 1520-25 (Landesmus. Münster);
    Doppelfigur, um 1525 (Klosterkirche Liesborn).

  • Literatur

    H. Meinhard, Der M. v. O., Sein Werk u. s. Werkstatt, 1928;
    H. Melchers, Die westfäl. Steinskulptur v. 1500–60, 1931;
    H.-J. Manske, Der M. v. O., Osnabrücker Plastik um 1500, 1978;
    ders., Osnabrücker Plastik um 1500, in: C. Meckseper (Hrsg.), Stadt im Wandel, Kunst u. Kultur d. Bürgertums in Norddtld. 1150-1650, Ausst.kat. Braunschweig, Bd. 3, 1985, S. 343-70;
    ThB.

  • Autor/in

    Hans-Joachim Manske
  • Empfohlene Zitierweise

    Manske, Hans-Joachim, "Meister von Osnabrück" in: Neue Deutsche Biographie 16 (1990), S. 718-719 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118783009.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA