Lebensdaten
1881 bis 1956
Geburtsort
Nürnberg
Sterbeort
München
Beruf/Funktion
evangelischer Landesbischof von Bayern
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118782932 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Meiser, Hans
  • Meiser
  • Meiser, Hans Oswald

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Zitierweise

Meiser, Hans, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118782932.html [12.11.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Georg (1850–1911), Kaufm., S d. Bez.geometers Dominikus Josef in N. u. d. Johanna Proehl;
    M Betty (1852–1936), T d. Kaufm. Johann Munker u. d. Anna Sabina Greul;
    Nürnberg 1911 Elisabeth (1887–1975), T d. Kaufm. Fritz Killinger u. d. Anna Jungmann;
    2 S, 2 T, u. a. Fritz (1914–83), Richter, Senatspräs., Rudolf (* 1920), Oberkirchenrat, Kreisdekan v. Ansbach.

  • Leben

    M. absolvierte das Nürnberger Melanchthon-Gymnasium und belegte 1899/1900 in München Psychologie, Philosophie, vor allem aber Volkswirtschaft. Das anschließende Theologiestudium führte ihm von Erlangen über Berlin und Halle zurück nach Erlangen; das dort vertretene konfessionelle Luthertum hat ihn geprägt. Die Auseinandersetzungen über den theologischen Liberalismus in Bayern ließen ihn damals wie später unberührt. Nach dem 1. Examen (1904) folgten der Militärdienst als Sanitäter, die Ordination in Bayreuth (1905) und die Vikarszeit in Weiden, Haßfurt und Würzburg. Das 2. Examen bestand M. 1909. Seit 1911 widmete er sich als erster hauptamtlicher Vereinsgeistlicher des Landesvereins für Innere Mission (Nürnberg) zielstrebig der ihm übertragenen Aufgabe, die von unterschiedlichsten Trägern betriebene ev. „Liebestätigkeit“ zusammenzufassen und die Innere Mission enger an die bekenntnisgebundene Landeskirche heranzuführen. Die Gründung des Verbandes ev. Erziehungsanstalten, der Zentralstelle für Ev. Jugendfürsorge und des Preßverbandes sowie öffentliche apologetische und volksmissionarische Tätigkeit kennzeichnen wesentliche Züge des Amtsverständnisses, an dem M. zeitlebens festhielt: in praxisbezogener Arbeit soziale Verantwortung zu tragen und der Entkirchlichung des Volkes entgegenzuwirken. Nicht zufällig übernahm M. 1929 nebenamtlich auch den Vorsitz des Kirchlich-Sozialen Bundes in Bayern. – Nach kurzem Dienst als Lazarettgeistlicher trat M. 1915 das 3. Pfarramt an St. Matthäus in München an; seit 1917 stand er auch der Münchener Diakonissenanstalt vor. Während der Räterepublik wurde M. aus nie ganz geklärten Gründen vorübergehend verhaftet. 1920 übernahm er das 1. Pfarramt an der Himmelfahrtskirche München-Sendling. Als Direktor des neuen Predigerseminars kehrte er 1922 nach Nürnberg zurück. 1928 in die Kirchenleitung nach München berufen, verantwortete er das Referat für Schulwesen und theologische Prüfungen sowie Kontakte zur Inneren Mission und zu staatlichen Behörden. Am 12.4.1933 wurde er zum Stellvertreter des vorzeitig abdankenden Kirchenpräsidenten Friedrich Veit bestellt und am 4. Mai von der Landessynode zum Landesbischof mit besonderen Vollmachten gewählt; am 1.5.1955 trat er in den Ruhestand.

    Die politische Situation 1933 forderte von M. sofort Entscheidungen von ungewöhnlicher Tragweite für die ganze ev. Kirche. Parteipolitisch zurückhaltend, aber wie viele Amtskollegen konservativ und kritisch gegenüber der Weimarer Republik, erhoffte er sich vom Nationalsozialismus anfänglich Unterstützung bei der Wiedergewinnung des Volkes für das Christentum. Im Zuge der kirchlichen Verfassungsreform setzte er sich – binnen kurzem unbestrittener Sprecher der Lutheraner – für den Wunschkandidaten Hitlers, Ludwig Müller, ein, doch mußte er dessen Wahl zum Reichsbischof bald als einen verhängnisvollen Irrtum für die Kirche erkennen. M. beteiligte sich von da an führend an der Bildung der Bekennenden Kirche, die dem Reichsbischof den Gehorsam aufsagte; seine kurzfristige Amtsenthebung durch Müller (Oktober 1934) nahm Hitler zurück. M. wurde nicht müde, Recht und Bekenntnis der Kirche öffentlich zu verteidigen, wollte dabei jedoch das Verhältnis zu Staat und NSDAP nicht abbrechen lassen. Als sich die Bekennende Kirche 1936 über diesen Fragen spaltete, wandte M. sich mit ganzer Kraft dem Zusammenschluß des deutschen Luthertums zu, seinem Hauptanliegen, das er nie aus den Augen verloren hatte. Nach verschiedenen Vorstufen erfolgte die Gründung des Rates der Ev.-Luth. Kirche Deutschlands (1936), dessen Vorsitz M. 1938 selbst übernahm; dieses Gremium entwickelte er 1945-48 zur Vereinigten Ev.-Luth. Kirche Deutschlands fort und war bis 1955 deren erster Leitender Bischof. Als Mitglied des Exekutivkomitees des Luth. Weltkonvents vertrat er seit 1933 das deutsche Luthertum im Ausland. – Trotz seines luth. Anliegens entzog sich M. nie gesamtkirchlicher Verantwortung; als Mitglied des Rates der Ev. Kirche in Deutschland (1945–55) unterzeichnete er im Herbst 1945 die Stuttgarter Erklärung, in der sich die Kirche im Rückblick auf die nationalsozialistische Gewaltherrschaft zu ihrer Mitschuld bekannte.|

  • Auszeichnungen

    D. theol. (Erlangen 1930), D. D., (Capitol University Columbus/Ohio 1951).

  • Werke

    u. a. Verantwortung f. d. Kirche, Stenogr. Aufzeichnungen u. Mitschrr. v. Landesbischof H. M. 1933-55, I, 1933-35, bearb. v. H. Braun u. C. Nicolaisen, 1985 (P);
    Kirche, Kampf u. Christusglaube, hrsg. v. Fritz (S) u. Gertrude (Schwieger-T) Meiser, 1982 (Predigten, P);
    Warum liebe ich meine Kirche?, 1925;
    Wir aber sind nicht v. denen, d. da weichen, 1934 (Predigt);
    ca. 70 kl. Aufsätze, Vorträge u. Predigten, vorwiegend in bayer. kirchl. Bll.

  • Literatur

    J. Schieder, D. H. M., Wächter u. Haushalter Gottes, 1956 (P);
    H. Heiwik, Er liebte seine Kirche, In Memoriam D. H. M., 1956 (P);
    M. Simon, in: Ll. aus Franken VI, 1960, S. 404-17 (W);
    H. Baier, Das Verhalten d. luth. Bischöfe gegenüber d. nat.sozialist. Staate 1933/34, in: Tutzinger Texte, Sonderbd. 1, 1969, S. 87-117;
    S. Münchenbach, H. M., Sein kirchl. u. pol. Denken u. Handeln v. 1911-45 (Zulassungsarbeit Univ. Erlangen 1976 (W), ungedr., Exemplar in d. Ev. Arbeitsgemeinschaft f. kirchl. Zeitgesch., München).

  • Autor/in

    Hannelore Braun
  • Empfohlene Zitierweise

    Braun, Hannelore, "Meiser, Hans" in: Neue Deutsche Biographie 16 (1990), S. 687-688 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118782932.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA