Lebensdaten
1781 bis 1833
Geburtsort
Halle/Saale
Sterbeort
Halle/Saale
Beruf/Funktion
Anatom ; Physiologe
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 116988703 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Meckel von Hemsbach, Johann Friedrich der Jüngere
  • Meckel, Johann Friedrich von
  • Meckel von Hemsbach, Johann Friedrich
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Zitierweise

Meckel von Hemsbach, Johann Friedrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116988703.html [19.10.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Philipp (1755–1803), Prof. d. Anatomie, Chirurgie u. Geburtshilfe in H. seit 1779, beschrieb mehrere anatom. Strukturen, u. a. d. Meckel-Ligament u. d. Meckel-Receptaculum. (Innenohr-Labyrinth) (s. ADB 21), S d. Joh. Frdr. d. Ä. (Edler v. Hemsbach 1773, 1724-74), Prof. d. Botanik, Anatomie u. Chirurgie in Berlin 1749–73, Leibarzt Friedrichs d. Gr., begründete e. d. größten zeitgenöss. anatom. Slgg., beschrieb d. Cavum Meckeli (Dura-Tasche am Ganglion trigeminale d. 5. Hirnnervs) u. d. Meckel-Ganglion (s. ADB 21), u. d. Charlotte Luise Camman;
    M Charlotte (1762–82), T d. Kaufm. Joh. Jakob Lauer in H. u. d. Sophie Charlotte Hantelmann;
    Urur-Gvv Georg Christoph Möller (1665–1740), Reichskammergerichtsmedikus in Wetzlar;
    Ur-Gvv Philipp Ludwig v. M. (1693-1764), Dr. iur., Geh.sekr. d. Fürsten v. Nassau, Prokurator am Reichskammergericht;
    Halb-B Albrecht M. (1790- 1829), Prof. d. Gerichtsmed.;
    Halle 1809 Friederike (1789–1874), T d. Friedrich Wilhelm v. Kleist (1752–1822), Oberst, u. d. Joh. Marie Haase (1752–1827); kinderlos;
    N Heinrich M. v. H. (1821–55), Prof. d. pathol. Anatomie in Berlin (s. ADB 21).

  • Leben

    M. absolvierte zunächst die Magdeburger Domschule (Abitur 1798) und kehrte dann nach Halle an die Academia Fridericiana zurück. Als Kind hatte er schon seinem Vater bei der Herstellung anatomischer Präparate assistiert, nun kam im Rahmen des Medizinstudiums vor allem Joh. Christian Reil als prägender anatomischer Lehrer hinzu; außerdem stand ihm die reichhaltige anatomische Sammlung im elterlichen „Riesenhaus“ zur Verfügung. Die letzten beiden Studiensemester verbrachte M. in Göttingen (1801/02); hier beeindruckte ihn vor allem Joh. Friedrich Blumenbach, der vergleichende Anatomie lehrte. Bereits M.s Dissertation über Herzmißbildungen (1802) wies in die Richtung seiner zukünftigen Arbeitsgebiete: pathologische und komparative Anatomie. Eine Reise zu den berühmten anatomischen Sammlungen nach Würzburg und Wien mußte wegen des plötzlichen Todes des Vaters 1803 abgebrochen werden; nach Halle zurückgekehrt, war der 21jährige nun Erbe einer großen anatomischen Sammlung. Im Mai 1805 wurde M. auf Empfehlung Reils zum ao. Professor in Halle berufen.

    Vor der Berufung nach Halle hatte es M. nach Paris gezogen, wo er die Zusammenarbeit mit G. L. C. Cuvier, einem der bedeutendsten Lehrer der Zoologie und vergleichenden Anatomie, suchte. Am Jardin des Plantes, wo eine außerordentliche Fülle an Untersuchungsgut zur Verfügung stand, traf M. Gelehrte wie Lamarck, Saint-Hilaire und vor allem A. v. Humboldt. M. übersetzte die „Vorlesungen der vergleichenden Anatomie“ Cuviers ins Deutsche (1799–1805). Seit 1804 gab er neben eigenen Schriften über Varietäten des Harnsystems auch eine nachgelassene Abhandlung des Vaters (Uterus duplex) heraus und begründete eine eigene Zeitschrift („Journal für anatomische Varietäten“), die jedoch nicht über den ersten Band hinausgelangte. Die Nachricht von der Besetzung Halles durch Napoleon erreichte M. auf einer Italienreise und bewog ihn zur sofortigen Rückkehr in die Heimatstadt. M.s Haus diente bis zur Wiedereröffnung der Universität (1808) als Sitz der franz. Kommandantur. Im selben Jahr wurde M. zum Ordinarius für Anatomie, pathologische Anatomie, Chirurgie und Geburtshilfe berufen. Kurz darauf erschien diejenige wissenschaftliche Arbeit, die M.s Namen in der medizinischen Nomenklatur verewigt hat: „Über die Divertikel am Darmkanal“. Mit zunehmendem Alter trat bei M. das charakterliche Erbe der Familie in Erscheinung: von Krankheiten geplagt, wurde er cholerisch und intolerant; endlose Streitigkeiten mit Kollegen und der Universitätsverwaltung verbitterten seine letzten Lebensjahre.

  • Werke

    De cordis conditionibus abnormibus, Diss. Halle 1802;
    Üb. die Divertikel am Darmkanal, in: Reils Archiv f. Physiol. 9, 1809, S. 421;
    Übers. v. Cuvier, Leçons d'Anatomie comparée, I, 1809 (mit Froriep), II/III, 1809 f.;
    Btrr. z. vgl. Anatomie, 2 Bde., 1808/12;
    Hdb. d. patholog. Anatomie I, 1812, II, 1816/18;
    Tabulae anatom.-pathologicae, 1817-26;
    Hdb. d. menschl. Anatomie, 4 Bde., 1815;
    System d. vgl. Anatomie., I-IV, 1821-33;
    Anatom.-Physiolog. Beobachtungen u. Unterss., 1822;
    zahlr. Arbb. in: Dt. Archiv f. Physiol., I-VIII, 1815–23, u. in: Archiv f. Anatomie u. Physiol., I-V, 1826-32.

  • Literatur

    ADB 21;
    O. v. Gellhorn, Die berühmte hallische Anatomenfam. M. v. H., in: Ekkehard 9, 1933, S. 212 f., 233 f.;
    R. Beneke, J. F. M. d. J., 1934 (W, P);
    W. v. Brunn, Zehn Briefe v. J. F. M. d. J. (1781–1833) an J. C. Rosenmüller, in: Archiv f. Gesch. d. Med. u. d. Naturwiss. 33, 1941, S. 347 ff.;
    A. Christie, M.s Diverticulum, in: American Journal of Diseases of Children 124, 1972, S. 700;
    O. E. Clark, The Contributions of f. F. M. the Younger to the Science of Teratology, in: Journal of the History of Medicine and Allied Sciences 24, 1969, S. 310 ff.;
    B. G. Gluecklich, J. F. M. the Younger (1781–1833), in: American Journal of Surgery 132, 1976, S. 384 ff.;
    B. Leiber u. T. Olbert, Die klin. Eponyme, 1968, S. 291 ff.;
    R. G. Meader, The Meckel Dynasty in Medical Education, in: Yale Journal of Biology and Medicine 10, 1937, S. 1 ff.;
    E. Nordenskiöld, The History of Biology, 1928, S. 355;
    H. Schierhorn, J. F. M. d. J. als Begründer d. wiss. Teratologie, in: Gegenbaurs morpholog. Jb. 130, 1984, S. 399 ff. (W, P);
    E. Seidler, J. F. M. the Younger (1781–1833), in: American Journal of Medical Genetics 18, 1984, S. 571 (W, P);
    DSB IX;
    BLÄ.

  • Autor/in

    Eberhard Wormer
  • Empfohlene Zitierweise

    Wormer, Eberhard J., "Meckel von Hemsbach, Johann Friedrich" in: Neue Deutsche Biographie 16 (1990), S. 585-586 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116988703.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA