Lebensdaten
1900 bis 1982
Geburtsort
Kassel
Sterbeort
Erlangen
Beruf/Funktion
evangelischer Kirchenhistoriker
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118732080 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Maurer, Wilhelm
  • Maurer, W.
  • Maurer, Wilh.

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Zitierweise

Maurer, Wilhelm, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118732080.html [15.10.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Christian Conrad (1872–1948), Oberpostsekretär in Melsungen;
    M Dorothea Wilhelmine Gallhöfer|(1875-1968) aus Kassel;
    B Rudolf (1905–74), Dekan in Kirchhain;
    Michelbach b. Marburg 1934 Lotte verw. Korch (1896–1984), T d. Brauereibes. Wilhelm Hertzberg in Lauenburg u. d. Emma Kießner; kinderlos; Schwager Hans Wilhelm Hertzberg (1895–1965), Prof. f. Altes Testament in Kiel (s. RGG, Reg.bd. Sp. 94).

  • Leben

    M. wuchs in Melsungen auf. Während des Studiums in Marburg wurde Heinrich Hermelink sein Lehrer. Mit seiner Licentiatenarbeit (1926) wie mit seiner Habilitationsschrift (1928) wandte er sich der Theologiegeschichte seiner kurhess. Heimat zu; unter dem Titel „Aufklärung, Idealismus und Restauration“ wurden sie 1930 zusammen veröffentlicht. 1924 wurde M. Repetent an der Hess. Stipendiatenanstalt in Marburg. Seit 1926 war er Pfarrer in Michelbach, 1937-49 in Caldern. 1949 übernahm er das Amt des Propsts im Sprengel Oberhessen und Schmalkalden mit Sitz in Marburg. Seit 1928 wirkte er auch als Privatdozent. Durch seine Hinwendung zur Bekennenden Kirche war seine Ernennung zum ao. Professor erst 1946 – nach dem Ende des nationalsozialistischen Regimes – möglich. 1951 folgte er dem Ruf auf den Lehrstuhl für Reformationsgeschichte an der Univ. Erlangen, den er bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1967 innehatte.

    Bereits früh wandte M. sich reformationsgeschichtlichen Themen zu. 1938 wurde er vorübergehend freigestellt für eine „Deutsche Biographie der Reformationszeit“. Diese Pläne kamen jedoch durch die Kriegsereignisse nicht über die erste Lieferung einer „Namenliste zur Geschichte des XVI. Jahrhunderts“ (1941) hinaus. M. ist einen eigenständigen Weg in seiner theologischen Arbeit gegangen. Die hess. Kirchengeschichte blieb ihm ein Schwerpunkt, solange er in Marburg lebte. Durch die Entfernung von den Archiven trat dies später zurück. In seiner Lutherforschung betonte M. im Gegensatz zu vielen Forschern die Verwurzelung des Reformators in der altkirchlichen Christologie. Er zeigte, daß die Rechtfertigungslehre des jungen wie des alten Luther nicht Ausgangspunkt, sondern Konsequenz seiner Theologie ist, die aus seinem neuen Verständnis der großen Dogmen der Trinität und Christologie erwachsen ist. Er konnte dies nachweisen durch Analyse von Luthers Arbeit in der wissenschaftlichen Bibelauslegung und Väterkommentierung. Ohne diese Hintergründe sah M. die Gefahr, daß man auch Luthers programmatische Schriften einseitig deute. – Es war M.s Anliegen, vom rechten Verständnis des göttlichen Wortes in seiner neuschöpferischen Kraft her Christus und sein Wirken in seiner Kirche als Einheit zu verstehen. Von da aus beleuchtete er die ekklesiologischen Fragen der öffentlichen Verkündigung durch das Amt im Verhältnis zum allgemeinen Priestertum wie auch die Fragen bischöflicher und synodaler Kirchenleitung. Diese Thematik zieht sich durch viele Arbeiten zur Reformationszeit und späteren Epochen. Von da aus verstand er seine Beschäftigung mit dem ev. Kirchenrecht als sein eigenes Thema, ebenso wie er auch in seinen Forschungen zur christlichen Mission kein zusätzliches Feld sah, sondern einen inneren Bestandteil seines Verständnisses von Kirche. Deshalb vertrat er in Erlangen auch das Fach Missionswissenschaft, für das dann 1967 ein eigener Lehrstuhl errichtet wurde. Neben seine Arbeiten zu Luther treten nicht nur die „Melanchthon-Studien“ (1964), sondern auch die umfangreiche Biographie „Der junge Melanchthon zwischen Humanismus und Reformation“ (2 Bde., 1967 u. 1969). Sein besonderes Interesse galt der Erforschung der Bekenntnisschriften. So schloß er seine Lebensarbeit mit den beiden Bänden „Historischer Kommentar zur Confessio Augustana“ (1976/78) ab. „Das Zeugnis von Augsburg muß rein erklingen; es muß so gehört werden, wie es ursprünglich gemeint war“ (I, S. 15). M. konnte in diesem Kommentar seine Kenntnis der Theologie Luthers und Melanchthons einbringen und den ausführlichen Nachweis versuchen, wie stark Luthers Gedanken in der Confessio anklingen, obwohl diese von Melanchthon formuliert worden ist. Zu seinen wissenschaftlichen Leistungen gehört auch die Mitarbeit als Fachberater für Reformationsgeschichte bei der 3. Auflage des Lexikons „Die Religion in Geschichte und Gegenwart“ (1957-61). 1953-58 war er Vorsitzender des ev. theologischen Fakultätentags. Unter seinen Schülern befinden sich bedeutende Gelehrte (u. a. Gerhard Müller und Gottfried Seebaß).

    M. wirkte als Ephorus im Auslands- und Diaspora-Theologenheim des Martin-Luther-Bundes und weit darüber hinaus. Die Sammlung der Lutheraner nach dem „Ende des Landeskirchentums“, den Einsatz im Vorstand der Leipziger Mission, sah er als seine Aufgabe. Als Theologe war M. „zugleich im Pfarramt wie in der Kirchenleitung zuhause“ (H. Dietzfelbinger)|

  • Auszeichnungen

    D. theol. (Marburg 1951), Mitgl. d. Bayer. Ak. d. Wiss. (1968), Bayer. Verdienstorden (1970).

  • Werke

    Weitere W Bekenntnis u. Sakrament, Ein Btr. z. Entstehung d. christl. Konfessionen, 1939;
    Gemeindezucht. Gemeindeamt, Konfirmation, Eine|hess. Säkularerinnerung, 1940;
    Von d. Freiheit e. Christenmenschen, Zwei Unterss. zu Luthers Ref.schrr. 1520/21, 1949;
    Kirche u. Synagoge, Motive u. Formen d. Auseinandersetzung d. Kirche mit d. Judentum im Laufe d. Gesch., 1953;
    Bekenntnisstand u. Bekenntnisentwicklung in Hessen, 1955;
    Pfarrerrecht u. Bekenntnis, 1957;
    Kirche u. Gesch., Ges. Aufsätze, 2 Bde., hrsg. v. E.-W. Kohls u. Gerhard Müller, 1970;
    Die Kirche u. ihr Recht. Ges. Aufsätze z. ev. Kirchenrecht, hrsg. v. Gerhard Müller u. G. Seebaß, 1976. – W-Verz.: Bibliogr. W. M. (bis 31.1.1965), zus.gestellt v. E.-W. Kohls, in: Reformatio u. Confessio, Festschr. f. D. W. M. z. 65. Geb.tag, hrsg. v. F. W. Kantzenbach u. Gerhard Müller, 1965, S. 447-59 (m. e. Grußwort v. H. Dietzfelbinger, P);
    dass. (1965-69). zus.gestellt v. dems., in: Kirche u. Gesch. (s.o.), II, S. 403 f.;
    dass. (1969-76). zus.gestellt v. G. Seebaß. in: Die Kirche u. ihr Recht (s.o.), S. 554. – Nicht in d. Bibliogrr. enthalten: Selbständige Schrr.: Luthers Lehre v. d. drei Hierarchien u. ihr ma. Hintergrund, 1970;
    Autorität in Freiheit. Zu Marcuses Angriff auf Luthers Freiheitslehre, 1970. – Aufsätze u. Abhh.: Melanchthons schola privata. Ein Btr. z. Wittenberger Univ.reform, in: Kontakte mit d. Wirtsch.pädagogik, FS f. W. Löbner, hrsg. v. J. Peege, 1967, S. 15-21;
    Ausklang u. Folgen d. Kirchenkampfes, in: Kirche u. Nationalsozialismus, hrsg. v. P. Rieger u. J. Strauß, 1969, S. 235-58;
    Das Kirchenwesen in d. Reichsstadt Regensburg u. s. Bedeutung f. d. Donauraum, in: Luth. Kirche in d. Welt, Jb. d. Martin Luther-Bundes 16, 1969, S. 52-65;
    Göttliches Recht nach d. luth. Bekenntnisschrr., ebd. 18.1971, S. 93-104;
    Schlußwort. ebd., S. 105-12;
    Forschungen z. Vorgesch. d. Luth. Weltbundes, ebd. 19, 1972, S. 96-100;
    W. Löhe u. d. röm. Katholizismus, in: W. Löhe, Anstöße f. d. Zeit, hrsg. v. F. W. Kantzenbach, 1971, S. 69-88;
    Die Verbindung zw. nordamerikan. u. dt. Lutheranern, in: W. Kahle, G. Klapper, W. M., Martin Schmidt, Wege z. Einheit d. Kirche im Luthertum, 1976, S. 59-70.

  • Literatur

    Zs. f. bayer. KG 39,1970 (Festschr. z. 70. Geb.tag);
    E.-W. Kohls, Der Hl. Geist schafft Recht in d. Kirche, Die Begründung d. ev. Kirchenrechts b. W. M., in: ZSRGK 62, 1976, S. 347-66;
    F. W. Kantzenbach, Bekenntnis z. organ. Gesch.auffassung, W. M. z. 80. Geb.tag. in: Zs. f. Rel.- u. Geistesgesch. 23, 1980, S. 97-103;
    L. Aalen, in: Theologi og Kirke (Oslo) 53, 1982, H. 1, S. 36;
    G. Ebeling, in: D. Martin Luthers Werke, Krit. Gesamtausg., 59, 1983, S. IX f.;
    R. Keller, in: Luth. Kirche in d. Welt, Jb. d. Martin Luther-Bundes 30, 1983, S. 13-16;
    W. v. Loewenich, in: Jb. d. Bayer. Ak. d. Wiss. 1982, S. 1-6 (P);
    Gerhard Müller, in: Lutherjb. 50, 1983, S. 16-19;
    ders., in: Zs. f. Ev. Kirchenrecht 27, 1982, S. 113 f.

  • Autor/in

    Rudolf Keller
  • Empfohlene Zitierweise

    Keller, Rudolf, "Maurer, Wilhelm" in: Neue Deutsche Biographie 16 (1990), S. 442-444 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118732080.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA