Lebensdaten
1753 bis 1816
Geburtsort
Arolsen (Waldeck)
Sterbeort
Bamberg
Beruf/Funktion
Mediziner
Konfession
jüdisch,katholisch
Normdaten
GND: 116762586 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Marcus, Adalbert Friedrich
  • Marcus, A. F.
  • Marcus, Adalbert F.
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Zitierweise

Marcus, Adalbert Friedrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116762586.html [20.10.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Moritz M. (Marcus Juda, Moses Nathan M., * 1690), aus Gotha, waldeck. Hofagent;
    M Esther N. N.;
    B Friedrich Marc (1747–1801), KR, Bankier in B.;
    Halb-B Philipp Nathan Marc ( 1800), Kaufm., Bankier, Konsul d. USA in B.;
    - Bamberg 1781 Maria Juliana (1751–1826), T d. Bartholomäus Schlör, Forstmeister in Schmalwasser b. Neustadt/Saale, u. d. Christina Hinternacht;
    1 S, 3 T (legitimiert u. adoptiert; wahrsch. leibl. K v. M. u. Theresia Schlör, e. Cousine v. M.s Ehefrau), u. a. Carl Friedrich (s. 2); Nachkomme eines Halb-B Franz Marc ( 1916), Maler (s. NDB 16).

  • Leben

    M. besuchte die Gymnasien in Korbach und Kassel. 1771-75 studierte er Medizin in Göttingen (Dr. med. 1775). Danach praktizierte er ein halbes Jahr in seiner Heimatstadt Arolsen. Die Jahre 1776-78 verbrachte er zur Weiterbildung in Würzburg. 1778 ließ er sich als praktischer Arzt in Bamberg nieder. Nachdem er 1781 zum Katholizismus konvertiert war, wurde er im selben Jahr Hofrat und Leibarzt des Fürstbischofs Franz Ludwig v. Erthal (bis 1783 ohne Bezüge), 1789 wurde er dirigierender Arzt (Chefarzt) am neuerrichteten allgemeinen Krankenhaus in Bamberg. 1790 ernannte ihn der Fürstbischof zum Referendarius in seinem Kabinett und verlieh ihm 1794 auch die Titel eines würzburg. Hofrats und Leibarztes. Nach dem Anschluß des Fürstentums Bamberg an Kurbayern wurde M. 1803 Direktor der Medizinal- und Krankenanstalten der fränk. Fürstentümer. Als 1802 die Univ. Bamberg aufgelöst wurde, gründete er die Medizinischchirurgische Schule (seit 1809 Schule für Landärzte; 1823 Chirurgische Schule; 1836 Schule für Bader; 1843 geschlossen).

    M. war ein hervorragender Praktiker und Organisator. Als einer der wenigen Vertrauten des Bischofs Franz Ludwig gelang es ihm, diese Fähigkeiten für das Gesundheitswesen des Fürstentums, später Bayerns zu nutzen. Auf sein Betreiben und nach seinem Konzept wurde in Bamberg das Allgemeine Krankenhaus errichtet, dessen Konzeption Vorbild für spätere deutsche Krankenhausbauten war. Das Krankenhaus wurde 1793 auch in den Lehrbetrieb der Universität eingegliedert. M. leitete den klinischen Unterricht, ist aber nie Ordinarius der Universität geworden. Bedeutend sind auch seine Leistungen für das Gesundheitswesen. Auf sein Betreiben wurde 1790 das Handwerksgesellen- und Dienstboteninstitut eingerichtet, eine Form der Versicherung für Hilfsbedürftige. Ebenso setzte er die Errichtung von Landphysikaten (besondere Ärzte für die Armen, später Landgerichtsärzte) in Bamberg durch, was später für ganz Bayern übernommen wurde. Früh erkannte er auch den Wert der „Jennerschen Schutzimpfung“ (Pockenschutzimpfung), die auf sein Einwirken hin 1807 in Bayern Pflicht wurde. – Er war Mitbegründer und Förderer des Bamberger Theaters und hatte engen Kontakt zum „Bamberger Romantikerkreis“ (E. T. A. Hoffmann, Jean Paul, Rückert, Feuerbach, Schelling).

  • Werke

    u. a. Dissertatio inauguralis medica de diabete, Göttingen 1779;
    Von d. Vortheilen d. Krankenhäuser f. d. Staat, 1790;
    Prüfung d. Brownschen Systems d. Heilkde. durch Erfahrungen am Krankenbette, 1. -
    4. Stück, 1779-99;
    Die med.-chirurg. Schule zu Bamberg, 1804;
    Btrr. z. Erkenntnis u. Behandlung d. gelben Fiebers, 1805;
    Entwurf e. speciellen Therapie, 3 Bde., 1807-12;
    Über d. Natur u. Behandlungsart d. häutigen Bräune, 1810;
    Ephemeriden d. Heilkde., 8 Bde., 1811-14;
    Der Keichhusten, üb. s. Erkenntnis, Natur u. Behandlung, 1816. -
    Hrsg.: Jbb. d. Med. als Wiss., Jg. 1-3, 1805-08 (mit F. W. Schelling);
    Mgz. f. specielle Therapie u. Klinik nach d. Grundsätzen d. Erregungstheorie, 2 Bde., 1802/03, 1805/06.

  • Literatur

    ADB 20;
    J. H. Jäck, A. F. M. nach d. Leben u. Charakter geschildert, in: Pantheon d. Literaten u. Künstler Bambergs, 1. T., 1813, S. 697-752;
    K. F. Speyer u. Ch. Ch. Marc, Dr. A. F. M. nach seinem Leben u. Wirken geschildert v. s. Neffen…, 1817 (P);
    J. Riedinger, Gesch. des aerztl. Standes u. d. aerztl. Ver.wesens in Franken, speciell in Würzburg, 1899;
    W. Grünbeck, Der Bamberger Arzt Dr. A. F. M., Diss. Erlangen – Nürnberg 1971;
    Das Allg. Krankenhaus Fürstbischof Franz Ludwig v. Erthals in Bamberg v. 1789, Ausst. d. Staatsbibl. Bamberg, 1984 (P);
    BLÄ.

  • Portraits

    Kupf. v. J. Lips n. Zeichnung v. F. Schöpfer, in: Speyer u. Marc, s. L, Abb. in: Das Allg. Krankenhaus…, s. L.

  • Autor/in

    Erhart Kahle
  • Empfohlene Zitierweise

    Kahle, Erhart, "Marcus, Adalbert Friedrich" in: Neue Deutsche Biographie 16 (1990), S. 134 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116762586.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Marcus: Adalbert Friedrich M., Arzt, einer jüdischen Familie entsprossen, ist 1753 in Arolsen geboren. Er hatte in Göttingen, besonders unter Baldinger's Leitung Medicin studirt, war daselbst 1775 promovirt worden, hatte zu seiner weiteren Ausbildung noch zwei Jahre (1776—78) in Würzburg verweilt und sich sodann in Bamberg habilitirt, wo er zum Leibarzte des Fürstbischofs Franz Ludwig und zum Director und Lehrer an dem daselbst neu errichteten Krankenhause ernannt wurde. Nach dem Tode des Fürsten (1795) wurde er Lehrer an der landärztlichen Schule, 1803, nachdem Bamberg an die|bairische Krone gekommen war, Director der Medicinal- und Krankenanstalten in Franken und Lehrer an der neu begründeten Chirurgenschule daselbst, 1808 Vorstand des Medicinal-Comités und Director der ärztlichen Unterrichtsanstalt und in dieser Stellung ist er bis zu seinem am 26. April 1816 erfolgten Tode geblieben. — In Marcus' wissenschaftlichem Leben und Wirken spiegelt sich die ganze, viel bewegte Entwickelungsepoche der deutschen Medicin in jener Zeit ab. — Er war einer der ersten und eifrigsten Anhänger des Brownianismus, als dessen einflußreicher Evangelist er praktisch und litterarisch (wie namentlich in einer Schrift „Prüfung des Brown'schen Systems der Heilkunde durch Erfahrungen am Krankenbette“, 4 Bde. 1797—99) thätig gewesen ist. — Später wandte er sich der Röschlaub'schen Erregungstheorie zu, welche er vorzugsweise in seinem „Magazin für specielle Therapie, Klinik und Staatsarzneikunde“, 5 Stcke. 1802—6 vertrat. Inzwischen war er mit Schelling und Steffens bekannt geworden, welche nach Bamberg gekommen waren, um in dem von ihm geleiteten Krankenhause die Erfolge der Brown'schen Heilungsmethode am Krankenbette zu studiren. Dies gab M. Veranlassung, sich mit der Naturphilosophie zu beschäftigen und so wurde er einige Jahre später Anhänger dieser Theorie, in deren Geiste die von ihm in Verbindung mit Schelling herausgegebenen „Jahrbücher der Medicin als Wissenschaft", 3 Bde. 1806—8 gehalten sind. Schließlich wandte er seine Aufmerksamkeit den Schriften von Bichat zu und trat nun, gewissermaßen ein Vorläufer von Broussais, in seinem „Entwurf einer speciellen Pathologie und Therapie", 3 Thle. 1807—12 und in einigen später veröffentlichten monographischen Bearbeitungen einzelner Krankheiten ("Ueber den jetzt herrschenden Typhus“, 1813, ferner „Der Keuchhusten. Ueber seine Erkenntniß, Natur und Behandlung“, 1816 u. a.) mit der Lehre von der entzündlichen Natur fast aller Krankheiten und der daraus abstrahirten antiphlogistischen Behandlungsmethode derselben auf, welche, wie bei Broussais, auch bei ihm zu einer Art Vampyrismus ausartete. — M. war ein genialer Kopf und für die Wissenschaft begeistert, aber es fehlte ihm an der besonnenen Kritik; von feuriger Einbildungskraft beherrscht, enthusiasmirte er sich für jede neue Idee, die ihm imponirend entgegentrat, so u. A. auch für den Mesmerismus, er schwankte von einer Theorie zur andern und brachte auf diesen Kreuz- und Querzügen ebenso viele glückliche Gedanken wie große Irrthümer zu Stande. — Als Mensch und Beamter erscheint M. in einem sehr günstigen Lichte; er war ein edler Charakter, ein pflichtgetreuer, gewissenhafter Beamter, als welcher er sich große Verdienste um die Regelung des Hebammenwesens, die Verwaltung der Spitäler, um Versorgungsanstalten für unheilbare Kranke und Geisteskranke, um die Einführung der Vaccination etc. erworben hat.

    • Literatur

      Ueber seine Schriften vgl. Engelmann, Biblioth. med.-chir. 1848. 357.

  • Autor/in

    A. Hirsch.
  • Empfohlene Zitierweise

    Hirsch, August, "Marcus, Adalbert Friedrich" in: Allgemeine Deutsche Biographie 20 (1884), S. 306-307 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116762586.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA