Lebensdaten
1892 – 1974
Geburtsort
Oberwichtrach Kanton Bern
Sterbeort
Bern
Beruf/Funktion
Nationalökonom
Konfession
reformiert
Normdaten
GND: 118730797 | OGND | VIAF: 39747484
Namensvarianten
  • Marbach, Fritz
  • Marbach, Fritz, Economiste, Suisse
  • Marbach, Fritz, Political economist, Switzerland
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Zitierweise

Marbach, Fritz, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118730797.html [23.04.2024].

CC0

  • Genealogie

    V Karl, Posthalter in O., Landwirts-S;
    M Albertine Althaus, T e. Kauftn. u. Zivilstandsbeamten;
    1918 Else Grossmann (1898–1985), Lehrerin, v. Brienz Kt. Bern;
    1 S, 1 T, u. a. Omar (* 1922), Dr. iur., Rechtsanwalt in B.

  • Biographie

    M. besuchte das Lehrerseminar Bern-Hofwil und wurde 1912 Primarlehrer. 1913-17 studierte er Geschichte mit Nationalökonomie als Nebenfach in Bern und Dijon und promovierte 1917 zum Dr. phil. mit einer Dissertation über „Victor Considérant zur Zeit Louis Philippes“. Dazwischen erwarb er 1915 das bernische Sekundarlehrerpatent. Sehr früh trat er in die Politik ein. Mit 19 Jahren wurde er Mitglied der Sozialdemokratischen Partei, 1915 Berner Stadtrat, war 1925-31 bernischer Großer Rat und gehörte 1931-34 dem schweizer. Nationalrat an. Beim Generalstreik von 1918 war er aktiv beteiligt, worüber seine Schrift „Der Generalstreik 1918. Fakten, Impressionen, Illusionen“ (1969) ein eindrückliches Bild vermittelt. Während M. 1918-31 als Sekundarlehrer in Bern wirkte, habilitierte er sich 1928 für praktische Nationalökonomie an der Univ. Bern. 1931 wurde er vollamtlicher Extraordinarius und 1940 o. Professor für Praktische Nationalökonomie. 1962 trat er als Ordinarius zurück.

    Zusammen mit dem Theoretiker Alfred Amonn und später mit Hugo Sieber hat M. Ansehen und Gewicht der Berner Fakultät jahrzehntelang geprägt. Vom Sozialismus herkommend, trat er auf Grund seiner historischen Bildung und empirischen Haltung für eine enge Verbindung von Wissenschaft und Praxis ein. „Das pragmatische Selbstverständnis der schweizer. Wirtschaftspolitik war in ihm sozusagen personifiziert“ (Sieber und Tuchtfeldt). Im Laufe der Jahre wandte er sich vom Sozialismus ab und einer marktwirtschaftlichen Linie mit sozialem Einschlag zu. Er gelangte dadurch vom linken auf den rechten Flügel seiner Partei, was er später als Reifungsprozeß bezeichnete. Diese Neuorientierung erfolgte auf Grund eigener praktischer Erfahrung in Wirtschaft und Politik sowie sorgfältiger wissenschaftlicher Analysen der Wirtschafts- und Gesellschaftssysteme.

    In zahlreichen Publikationen befaßte sich M. mit fast allen Fragen der angewandten Nationalökonomie bzw. der praktischen Wirtschaftspolitik. Im Mittelpunkt stand dabei die Wettbewerbs- bzw. Kartellpolitik. Der Bundesrat zog ihn immer wieder als Berater und Experten bei; so präsidierte er viele Jahre Expertenkommissionen, wie der Preisbildungskommission des Eidgenössischen Volkswirtschaftsdepartements, und während des 2. Weltkrieges der Lohnbegutachtungskommission, in welcher Richtlinien festzulegen waren, inwieweit die Teuerung durch Lohnzulagen ausgeglichen werden sollte. Zusammen mit Berner Kollegen entwickelte er die schweizer. Konzeption des möglichen Wettbewerbs, die in die Kartellgesetzgebung Eingang fand. Weitere vielbeachtete Publikationen betrafen die allgemeine Wirtschafts- und Ordnungspolitik, die Außenwirtschaftspolitik, Fragen der sektoriellen Wirtschaftspolitik (Gewerkschaften, Agrarwirtschaft, Baugewerbe, Banken usw.), und schließlich befaßte sich M. intensiv mit sozialen Schichten und Bewegungen, wie sein international beachtetes Werk „Theorie des Mittelstandes“ (1942) zeigt. Über die Nationalökonomie hinaus beschäftigte er sich immer wieder mit der politischen und geistigen Lage der Schweiz. M. stand dem Schweizer. Metall- und Uhrenarbeiter-Verband nahe, war dessen Ehrenmitglied und gehörte zu den geistigen Vätern des sog. Friedensabkommens in der Maschinen- und Metallindustrie von 1937, womit er wesentlich zum sozialen Frieden in der Schweiz beigetragen hat.

  • Werke

    Weitere W u. a. Kartelle, Trusts u. Soz.wirtsch., 1932;
    Gewerkschaft, Mittelstand, Fronten, Zur pol. u. geistigen Lage d. Schweiz, 1933;
    Zur Frage d. wirtsch. Staatsintervention, 1950;
    Die Wirtsch.-konzentration, 1964.

  • Literatur

    Strukturwandlungen d. schweizer. Wirtsch. u. Gesellschaft, 1962 (Festschr., mit Würdigung);
    Wettbewerbspol. in d. Schweiz, hrsg. v. H. Sieber u. E. Tuchtfeldt, 1972 (Festschr., mit Würdigung);
    dies., in: Schweizer. Zs. f. Volkswirtsch. u. Statistik, 1975, Nr. 1;
    E. Tuchtfeldt. in: Neue Zürcher Ztg. v. 5.12.1974 (P).

  • Autor/in

    Gerhard Winterberger
  • Zitierweise

    Winterberger, Gerhard, "Marbach, Fritz" in: Neue Deutsche Biographie 16 (1990), S. 101-102 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118730797.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA