Winterberger, Gerhard

Lebensdaten
1922 – 1993
Geburtsort
Thun (KantonBern)
Sterbeort
Erlenbach (KantonZürich)
Beruf/Funktion
Ökonom ; Direktor des Schweizerischen Handels- und Industrievereins
Konfession
reformiert
Namensvarianten

  • Winterberger, Gerhard
  • Wintherberger, Gerhard

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Zitierweise

Winterberger, Gerhard, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/sfz142898.html#indexcontent [18.05.2026].

CC0

  • Winterberger, Gerhard

    | Ökonom, Direktor des Schweizerischen Handels- und Industrievereins, * 1.5.1922 Thun (KantonBern), † 17.10.1993 Erlenbach (KantonZürich), ⚰Zürich. (reformiert)

  • Genealogie

    Aus Bergbauernfam. aus d. Oberhasli (Kt. Bern);
    V Andreas (1891–1973), Vorsteher (Rektor) d. Gewerbeschule Thun, Ehrenpräs. d. Sektion Blümlisalp d. Schweizer Alpen-Clubs;
    M Klara Giger (1897–1987);
    Herzogenbuchsee (Kt. Bern) 1952 Helen Krähenbühl (1929–2010);
    1 S Andreas K. (* 1956), Publ., 1 T Ursula (* 1953, Ulrich E. Gut,* 1952, Publ., Dr. iur., 2006–15 Reg.rätin d. Kt. Zürich (Finanzmin., FDP), Mitgl. d. Verw.rats d. Schweizer. Radio- u. Fernsehges. (SRG SSR).

  • Biographie

    Nach dem Besuch der Primarschule und des Untergymnasiums in Thun sowie der Matura am Gymnasium in Bern 1942 studierte W. hier 1942–48 Wirtschafts- und Rechtswissenschaften, v. a. bei Alfred Amonn (1883–1962), und wurde 1947 bei Fritz Marbach (1892–1974) zum Dr. rer. pol. promoviert. Anschließend begann er ein postdoktorales Studium am in Genf, v. a. bei Wilhelm Röpke (1899–1966), Walter Eucken (1891–1950) (Gastprofessur) und William Rappard sowie an der London School of Economics. 1951/52 war W. Mitarbeiter der Eidgenössischen Preiskontrollstelle, 1952 der Solothurner Handelskammer, 1953–56 Sekretär der Vereinigung für gesunde Währung, 1956–61 Leiter des Verbandes Schweizer. Kunstseidefabriken, ab 1961 Sekretär des Schweizer. Handels- und Industrievereins (Vorort) und 1970–87 dessen Direktor, zudem 1976–87 geschäftsführendes Präsidialmitglied. Er amtierte als Verwaltungsrat der Überseebank AGAktiengesellschaft (heute Falcon Private Bank AGAktiengesellschaft) und Aufsichtsrat der Rentenanstalt (1991 Präs.).

    W. gehörte ab 1959 der neoliberalen Mont Pèlerin Society an. Er stand im Austausch mit Ökonomen wie Friedrich August v. Hayek (1899–1992) und Gottfried Haberler (1900–1995) und machte deren Schriften in der Schweiz bekannt. Wie sein Mentor Röpke nannte er die dezentrale politische Kultur der Schweiz, wozu er auch die Vereinigungen der Wirtschaft zählte, stets als Beispiel für eine bewährte liberale Wirtschaftsordnung. Er beließ als Direktor des weltweit ältesten und einflußreichen Unternehmerverbands die alteidgenössische Bezeichnung „Vorort“ als Marke für den Schweizer. Handels- und Industrieverein und suchte mit Richard Reich (1927–1991), Direktor der Gesellschaft zur Förderung der Schweizer Wirtschaft und Redaktor der „Schweizer Monatshefte“, durch gezielte Öffentlichkeitsarbeit wie Publikationen und Vorträge der seit 1968 zunehmenden Kritik an den in der Schweiz ansässigen multinationalen Konzernen und Banken entgegenzuwirken und ein unternehmerfreundliches Umfeld in der Schweiz zu bewahren.

    W. engagierte sich für Austausch und Zusammenarbeit auf europ. Ebene, stellte sich jedoch klar gegen einen Beitritt der Schweiz zur Europ. Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) bzw. zur Europ. Gemeinschaft (EG), befürwortete aber einen Beitritt zum Europ. Wirtschaftsraum (EWR). Er gehörte dem Konsultativkomitee der Europ. Freihandelsassoziation an, ferner der Verhandlungsdelegation beim Abschluß des Freihandelsabkommens der Schweiz mit der EG 1972. Zudem wirkte er als Vertreter der Schweizer Unternehmerschaft beim Conseil des fédérations industrielles d’Europe (heute Businesseurope) mit. W. sprach sich, typisch für die Schweizer Wirtschaftselite der Nachkriegszeit, trotz seiner Mitgliedschaft in der Mont Pèlerin Society gegen eine Liberalisierung im Agrarbereich wie auch gegen eine Verschärfung des Wettbewerbsrechts aus.

    In seiner Funktion als Vorortsdirektor gehörte W. der sog. Ständigen Wirtschaftsdelegation an, die als vom Staatssekretär des Bundesamts für Außenwirtschaft einberufene Gruppe von Vertretern der Spitzenverbände in informellen, nicht-protokollierten Sitzungen die schweizer. Wirtschaftspolitik des 20. Jh. prägte.

    W., Enkel eines Bergbauern und der ländlichen Kultur der Schweiz tief verbunden, publizierte auch volkskundliche Studien zu seiner Herkunftsregion Oberhasli (Kt. Bern).

  • Werke

    |Der partielle obligator. Fähigkeitsausweis als Gewerbeschutzmassnahme, Diss. 1948;
    Die Herkunft|d. Oberhasler, 1955;
    Probleme d. schweizer Wirtsch.pol., 1957;
    Bevölkerungsstruktur u. Wirtsch.entwicklung d. Oberhasli, 1960;
    Schweizer. Staatsgedanke u. europ. Integration, in: Reformatio 5/6, 1964, S. 274–91;
    Die Schweiz im internat. Wettbewerb, in: Schweizer Mhh. f. Pol., Wirtsch., Kultur 58, 1978, S. 259–74;
    Friedrich August v. Hayek, Zum achtzigsten Geb.tag d. gr. Nat.ök., Staats- u. Rechtsphilos., ebd. 59, 1979, S. 359–63;
    Das war e. goldene Zeit, Erinnerungen an d. Berner rechts- u. wirtsch.wiss. Fak. d. vierziger J., ebd. 63, 1983, S. 127–38;
    Generationen d. österr. Schule d. Nat.ök., ebd. 64, 1984, S. 391–403;
    Pol. u. Wirtsch., Ausgew. Reden u. Aufss., 1980;
    Über Schumpeters Gesch.determinismus, 1983;
    Neue Erkenntnisse z. Walser-Frage, in: Zürichsee-Ztg. v. 3.12.1991;
    Nachlaß: Handakten, in: IB-Vorort, Archiv f. Zeitgesch., Zürich.

  • Literatur

    |Ordo et Libertas, FS f. G. W. z. 60. Geb.tag, hg. v. A. Jetzer u. a., 1982 (W-Verz., P);
    NZZ v. 19. 10. u. 21.10.1993;
    A. Franc, Im Austausch mit d. Welt, Schweizer Unternehmen im 19. u. 20. Jh., 2021;
    HLS.

  • Autor/in

    Andrea Franc
  • Zitierweise

    Franc, Andrea, "Winterberger, Gerhard" in: Neue Deutsche Biographie 28 (2024), S. 267-268 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/sfz142898.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA