Lebensdaten
1889 – 1974
Geburtsort
Libau
Sterbeort
Orpington bei London
Beruf/Funktion
Jurist ; Kriminologe
Konfession
jüdisch
Normdaten
GND: 118781588 | OGND | VIAF: 109255559
Namensvarianten
  • Mannheim, Hermann

Objekt/Werk(nachweise)

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Zitierweise

Mannheim, Hermann, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118781588.html [06.12.2023].

CC0

  • Genealogie

    V Wilhelm, Kaufm. in L. u. Berlin;
    M Clara Marcuse;
    1919 Mona Mark.

  • Biographie

    M. studierte 1908-11 in München, Freiburg i. Br., Straßburg und Königsberg, wo er 1912 mit der Arbeit „Maßstab der Fahrlässigkeit im Strafrecht“ promovierte. Nach dem Assessorexamen und vierjähriger Kriegsteilnahme war er zunächst in der Verwaltung, dann seit 1923 als Richter am Landgericht Berlin tätig. 1924 habilitierte er sich in Berlin mit der Schrift „Beiträge zur Lehre von der Revision wegen materiellrechtlicher Verstöße im Strafverfahren“. 1929 wurde er in Berlin ao. Professor für Strafrecht, 1931 Kammergerichtsrat am Kammergericht Berlin. 1933 von den nationalsozialistischen Machthabern entlassen, emigrierte M. im Januar 1934 nach England; hier fand er eine neue Heimat und ein neues Betätigungsfeld. 1940 wurde er brit. Staatsbürger. Seit 1935 wirkte M. als „lecturer“, seit 1946 als „reader“ an der London School of Economics and Political Science. 1953 war er Gastprofessor an den Universitäten von Oregon und Pennsylvania, 1955 wurde er emeritiert.

    M.s Hauptarbeitsgebiet war die Kriminologie, die durch sein Wirken (gemeinsam mit Max Grünhut und Leon Radzinowicz) einen großen Aufschwung erlebte und der er über Großbritannien hinaus zu weltweiter Geltung verhalf. Die für ihn in London eingerichtete Dozentur für Kriminologie war die erste im Lande. Über seine akademische Tätigkeit hinaus war M. an zahlreichen Projekten und Maßnahmen auf den Gebieten der Kriminalstatistik, der Verbrechensverhütung und der Strafvollzugsreform beteiligt. Besonders der Reform des Strafvollzugs bei Jugendlichen widmete M. wichtige Untersuchungen. Die von ihm vorgeschlagenen Methoden der Sozialprognose bei jugendlichen Straftätern in Reformgefängnissen (Borstals) wurden von der brit. Regierung übernommen. M. war Mitbegründer und Direktor des Institute for Study and Treatment of Delinquency, Mitbegründer, Mitherausgeber und Hauptschriftleiter des British Journal of Criminology (1950–66), Herausgeber der Schriftenreihe „The Library of Criminology“, Vizepräsident der Howard League for Penal Reform und Präsident der wissenschaftlichen Kommission der Société Internationale de Criminologie. M.s bedeutendstes Werk ist die zweibändige „Comparative Criminology“ (1965, dt. u. ital. Überss. 1974), eine breitangelegte vergleichende Untersuchung für Großbritannien, Kontinentaleuropa und die USA. Mit dieser Gesamtdarstellung von außergewöhnlichem Rang wurde M. zum Wegbereiter einer weltweiten Kriminologie.|

  • Auszeichnungen

    Dr. iur. h. c. (Utrecht 1957).

  • Werke

    Weitere W u. a. Presserecht, 1927;
    The Dilemma of Penal Reform, 1939;
    Social Aspects of Crime in England Between the Wars, 1940;
    War and Crime,|1941;
    Young Offenders, 1942 (mit E. C. Rhodes);
    Criminal Justice and Social Reconstruction, 1946, ³1967;
    Juvenile Delinquency in an English Middle-town, 1948;
    Group Problems of Crime and Punishment, 1955;
    Prediction Methods in Relation to Borstal Training, 1955, ²1971 (mit L. T. Wilkins);
    Dt. Strafrechtsreform in engl. Sicht (Aufsätze), 1960;
    Sentencing Revisited, in: Festschr. f. Th. Sellin, 1968;
    Rückfall u. Prognose, in: Hdwb. d. Kriminol., ²1969;
    Hrsg.:
    Pioneers in Criminology, 2 Bde., 1960/72.

  • Literatur

    T. Grygier u. a. (Hrsg.), Criminology in Transition, Essays in Honour of H. M., 1965 (W-Verz.);
    H. Göppinger, Juristen jüd. Abstammung im. Dritten Reich“, ²1988;
    Th. Würtenberger, in: Juristenztg. 1964, S. 688, 1969, S. 671;
    H. J. Schneider, ebd. 1974, S. 462;
    ders., in: Mschr. f. Kriminol. u. Strafrechtsreform 1969, S. 234;
    Enc. Jud. 1971;
    BHdE II.

  • Autor/in

    Horst Göppinger
  • Zitierweise

    Göppinger, Horst, "Mannheim, Hermann" in: Neue Deutsche Biographie 16 (1990), S. 66-67 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118781588.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA