Lebensdaten
1811 bis 1868
Geburtsort
Stolberg (Harz)
Sterbeort
Leipzig
Beruf/Funktion
Musikschriftsteller
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 119020742 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Brendel, Karl Franz
  • Brendel, Karl Heinrich (eigentlich)
  • Brendel, Franz
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Zitierweise

Brendel, Franz, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119020742.html [21.05.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Christian Friedrich s. (1);
    Dresden 1844 Elisabeth (Lysinka) Tautmann (1818–66, griechisch-orthodox), Pianistin.

  • Leben

    B. studierte von 1832 an Philosophie in Leipzig und nahm Klavierunterricht bei Friedrich Wieck. Nach Abschluß seines Studiums, das ihn weiter nach Berlin und an die Bergakademie Freiberg führte, wandte er sich ganz der Musik zu. 1844 übergab ihm Robert Schumann die Schriftleitung der „Neuen Zeitschrift für Musik“. Damit hatte er bis zu seinem Tode eine Schlüsselstellung im deutschen Musikleben inne, aus der er zunächst für die Neuromantiker um Schumann, dann vor allem für die „Neudeutsche Schule“ Wagners und Liszts eintrat, sich jedoch tätig um den Ausgleich zwischen den verschiedenen Kunstrichtungen bemühte. B. ging es um die Klärung der ästhetischen Grundlagen und Ziele der neuen Musik. Er näherte sich dabei den programmatischen Ideen Wagners. Seine „Geschichte der Musik in Italien, Deutschland und Frankreich von den ersten christlichen Zeiten an bis auf die Gegenwart“ (1852, 71906, rumänische u. italienische Überssetzungen) stellt, historisch nicht immer korrekt, doch geistvoll und eindringlich, die in der musikalischen Entwicklung wirkenden geistigen Kräfte heraus. Als erste volkstümliche Musikgeschichte hat sie die musikalische Bildung des deutschen Bürgertums nachhaltig beeinflußt. Bei seinem Eintreten für den musikalischen „Fortschritt“ erkannte B. früh auch die Gefahren individualistischer Vereinzelung. Seine Versuche, durch Erziehung des Publikums und Reorganisation des Musikwesens die wachsende Kluft zwischen den musikalisch Gebildeten und dem Volke zu überbrücken, führten u. a. 1859 zur Gründung des „Allgemeinen Deutschen Musikvereins“, dessen erster Präsident er war.

  • Werke

    Weitere W Grundzüge d. Gesch. d. Musik, 1848 (holländ., russ. u. schwed. Überss.);
    Die Musik d. Gegenwart u. d. Gesamtkunst d. Zukunft, 1854;
    Die Organisation d. Musikwesens durch d. Staat. 1865;
    Geist u. Technik im Clavierunterricht. 1867;
    Ausw. v. B.s Aufsätzen f. d. „Neue Zs. f. Musik“ u. d. mit R. Pohl hrsg. „Anregungen f. Kunst. Leben u. Wiss.“, in: Zur Gesch. u. Kritik d. neueren Musik, 1888.

  • Literatur

    ADB III;
    Wagner-Enz., hrsg. v. C. F. Glasenapp I, 1891, S. 399 f.;
    A. Seidl, Festschr. z. 50jähr. Bestehen d. Allg. Dt. Musikver., 1911;
    ders., R. Wagner u. d. Allg. Dt. Musikver., in: Neue Wagneriana 3, 1914, S. 74 ff.;
    W. Boetticher, in: MGG (W, L).

  • Portraits

    J. Heitzmann, P -Kat. München, 1858, S. 858, 86; ehem. Kupf.-Slg. Dresden, Sign. B 1526/2; Kat. d. Nat.-Bibl. Wien, Nr. 136; Phot., um 1860, in: W. Boetticher, R. Schumann in seinen Schrr. u. Briefen, 1942, Tafel XII, Nr. 33.

  • Autor/in

    Georg von Dadelsen
  • Empfohlene Zitierweise

    Dadelsen, Georg von, "Brendel, Franz" in: Neue Deutsche Biographie 2 (1955), S. 583 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119020742.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Brendel: Karl Franz B., Musikschriftsteller, geb. 26. Nov. 1811 zu Stollberg im Harz, besuchte das Gymnasium zu Freiberg und trieb daselbst auch Musik bei Anacker, ging 1832 nach Leipzig auf die Universität, hielt darauf 1841—44 musikalische Vorlesungen zu Freiberg, Dresden und Leipzig, und übernahm endlich 1844 die Redaction der bis dahin von Schumann geleiteten Leipziger "Neuen Zeitschrift für Musik", welche er bis zu seinem 1868 erfolgten Tode fortführte. Er war auch Lehrer der Geschichte und Aesthetik am Conservatorium der Musik zu Leipzig; wiewol seinem Glaubensbekenntniß nach der eifrigste Parteigänger der sogenannten Zukunftsmusik und ihrer Heroen Berlioz, Wagner und Liszt. Der sachliche Werth seiner verschiedenen Musikschriften ist bezeichnet durch Zurichtung geschichtlicher und ästhetischer Thatsachen und Interessen im Sinne seiner Partei, durch Mangel an gründlicher Sachkenntniß und ausgedehnteste Herrschaft der Phrase. Es sind noch folgende: "Grundzüge der Geschichte der Musik"; "Geschichte der Musik" etc. 1852 und später noch mehrmals aufgelegt; "Die Musik der Gegenwart und die Gesammtkunst der Zukunft", 1854; "Anregung für Kunst und Wissenschaft", periodische Schrift, gemeinsam mit Richard Pohl, seit 1856.

  • Autor/in

    v. Dommer.
  • Empfohlene Zitierweise

    Dommer, Arrey von, "Brendel, Franz" in: Allgemeine Deutsche Biographie 3 (1876), S. 305-306 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119020742.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA