Lebensdaten
unbekannt
Beruf/Funktion
niedersächsisches Adelsgeschlecht
Konfession
katholisch,evangelisch
Normdaten
GND: 139788603 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Mandelsloh, von

Orte

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Zitierweise

Mandelsloh, von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd139788603.html [19.02.2020].

CC0

  • Leben

    Das Geschlecht leitet seinen Namen von dem Dorfe Mandelsloh ab (heute Ortsteil der Stadt Neustadt am Rübenberge Kr. Hannover). 1214/15 beginnt mit den Brüdern Konrad und Herbart die gesicherte Stammreihe. Sie waren villici des bischöflichen Tafelguts in Mandelsloh und somit Mindener Ministeriale. 1243 übertrug Bischof Johann von Minden Konrad die Verwaltung der Güter und das Burglehen Mandelsloh. Bis 1280 erwarben die M. das Tafelgut als erbliches Lehen unter Verzicht auf das Wikgrafenamt in Minden. Um 1340/50 wurden die M. welfische Ministeriale. Zur gleichen Zeit verloren sie die Gografschaft Mandelsloh, ein hzgl. sächs. Lehen, an die Welfen, im Lüneburger Erbfolgekrieg (1371–88) das Burglehen in Mandelsloh, und damit ihre Vormachtstellung im Raum zwischen Hannover und Bremen. Bei der Belagerung der in M.schem Besitz befindlichen Burg Ricklingen (b. Wunstorf) wurde 1385 Hzg. Albrecht von Sachsen und Lüneburg durch einen Steinwurf tödlich verwundet. Dietrich, einer der Führer der Sate, wurde 1396 bei Seelze durch Hzg. Heinrich von Braunschweig-Wolfenbüttel erstochen. Die mißglückte Gründung eines Kollegiatstiftes 1393 in Mandelsloh zeigt deutlich den Niedergang der M. Seit 1750 hat die Familie im Ort Mandelsloh keinen Besitz mehr.

    Im 15./16. Jh. waren zahlreiche M. Domherren vor allem in Verden. Der bedeutendste war Andreas (1519–85), seit 1579 Dechant in Verden. Seine in deutscher Sprache abgefaßte Chronik – eine Aneinanderreihung von Viten aller Verdener Bischöfe mit regestenartigen Auszügen aus Urkunden und Kopialbüchern – ist die wichtigste Darstellung der Geschichte des Bistums. Als erster hat er das Wirken des Bischofs Christoph ( 1558), der seit 1511 auch Erzbischof von Bremen war, beschrieben. Die Viten der letzten drei Bischöfe von Verden wurden von Caspar Hubernius ( 1626) hinzugefügt. Überarbeitet wurde die Chronik von J. J. Kelp (s. L), einem Urenkel des Andreas, und 1720 herausgegeben, nicht (wie auf dem Titelblatt angegeben) von Cyriacus Spangenberg, sondern von Abt Gerhard Molanus von Loccum (s. W, L). Domherren in Verden waren außerdem Anton ( 1538), Michael ( vor 1547) und Otto ( 1631). Von Heino ( 1539), Domdechant und Geschichtsschreiber, stammt wahrscheinlich die ungedruckte sog. Verdener Bischofschronik bis 1505, die Andreas benutzt hat (s. W, L). Domherr Dietrich ( vor 1566) unterzeichnete 1533 für die Stadt Bremen den Vertrag von Schmalkalden und verklagte 1541 Erzbischof Christoph von Bremen vor dem Reichstag von Regensburg (s. Zedler). Andreas (1590–1666), Domstruktuarius und Sekretär des Domkapitels in Bremen, fertigte eine Liste der schwed. Donationen aus dem Bremer Kirchengut an (s. L). Hermann Christoph (1602–35) war Domherr in Hildesheim und wurde dann kaiserl. Oberst.

    Ernst (1522–1602), der letzte bedeutende niedersächs. Söldnerführer und Soldunternehmer nach Georg v. Holle und Hilmar v. Münchhausen, stand zunächst in Diensten von Mgf. Albrecht Alkibiades. Spätestens seit 1560 nahm er an den kriegerischen Unternehmungen Wilhelm v. Grumbachs teil, so 1563 an der Besetzung Würzburgs. Mit Grumbachs, seinem und Wilhelm v. Stein zum Altensteins Namen wurden alle Schreiben an Kaiser und Reich und alle Flugblätter unterzeichnet. Später kämpfte er auf der Seite Wilhelms von Oranien und der Hugenotten. Nach der Lösung aus der Reichsacht 1577 lebte er vor allem in Magdeburg, wo sein Haus in der Prälatenstraße von großem Reichtum zeugte, nahm aber auch jetzt noch Dienste bei verschiedenen Fürsten an (s. L).

    Als Staatsdiener traten hervor: Bertold ( 1580), brandenburg. Rat, Hans ( 1585), Pfennigmeister von Albrecht Alkibiades, Statius Victor ( 1674), kalenberg. Hofrat, 1671 Gesandter in Schweden, 1672/73 in Frankreich, 1674 in Dänemark, Gebhard Julius ( 1692), 1688 brandenburg. Gesandter in Sachsen-Weißenfels, Philipp Ernst (1654–95), 1685/86 brandenburg. Gesandter in Kurpfalz, 1689 in Basel, Bayreuth, Mainz, Mecklenburg-Güstrow und Kursachsen (alle s. Dipl. Vertr.). Johann Albrecht (1616–44) stand in Diensten Hzg. Friedrichs III. von Schleswig-Holstein-Gottorf. Bekannt geworden ist er durch sein Tagebuch in deutscher Sprache, das er während einer Gesandtschaftsreise (1633–38, zusammen mit Paul Fleming, Adam Olearius u. a.) nach Moskau und Isfahan und einer Weiterreise allein (1638-40) durch Persien, Indien und Madagaskar geführt hat; Olearius gab es 1645 und 1658 in stark veränderter und erweiterter Form heraus, erst M. Refslund-Klemann besorgte 1942 eine wortgetreue Ausgabe des 2. Teils des Tagebuchs (s. W, L). Johann Albrechts Vater, Hermann Clamor (1573–1648), war Stiftshauptmann des Bistums Ratzeburg (s. L). Als Diplomat, Staats- und Finanzminister erwarb sich Ulrich Leberecht (1760–1827, Graf 1808) große Verdienste um Württemberg. 1796 war er Gesandter in Paris, 1797 auf dem Kongreß in Rastatt, 1804 in Wien, 1805 in Karlsruhe, 1817 beim Bundestag und 1820 bei den Wiener Konferenzen (s. ADB 20; Dipl. Vertr.). Sein Sohn Karl August (1788–1852) war 1815 württ. Gesandter in Rußland, anschließend in England und Österreich (s. Dipl.-Vertr.), der andere Sohn Friedrich (1795–1870),|Forstmann, hat bis zu den Arbeiten F. A. Quenstedts die Vorstellung über den geologischen Aufbau der Schwäb. Alb geprägt (s. ADB 20). Hans (1846–1929, Frhr. 1898) war k. u. k. Generalmajor, Werner (1848–1929, Frhr. 1898), ebenfalls k. u. k. Generalmajor, beschäftigte sich mit der Geschichte der Familie (s. L), Friedrich Max (1790–1871) war sächs. Generalmajor und Max (1838–1913) preuß. Generalmajor (s. BJ 1913, Tl.). Asche (1901–38, Graf) war Staats- und Völkerrechtler. Ernst August (1886–1962, Frhr.) hat sich als Aquarell- und Pastellmaler sowie als Graphiker einen Namen gemacht. 1930 ließ er sich in Gmunden am Traunsee nieder, wo er mit A. Kubin freundschaftlich verkehrte. 1941-43 war er Professor an der Akademie der bildenden Künste in Wien und Leiter der dortigen Meisterschule für Kunsterzieher.

  • Werke

    zu Andreas ( 1585): Registrum ecclesiae Verdensis, in: Verdener Gesch.quellen 1, 1856, hrsg. v. W. v. Hodenberg;
    zu Heino:
    Der Verdener Nekr., in: J. H. Pratje, Altes u. Neues IX, 1777;
    zu Joh. Albrecht: Ausgg.:
    Ein Schreiben … v. M., so er auß d. Insel Madagascar an A. Olearius gethan, hrsg. v. A. Olearius, 1645 (niederländ., franz. Überss.);
    Des … J. A. M. Morgenländ. Reysebeschreibung …, hrsg. v. dems., 1658 (Nachdrucke im 17. Jh.;
    niederländ., franz., engl. Überss.);
    Journal u. Observation, hrsg. v. M. Refslund-Klemann, 1942 (L, P).

  • Literatur

    H. Sudenorf (Hrsg.), UB z. Gesch. d. Hzge. v. Braunschweig-Lüneburg, 10 Bde., 1859-83;
    UB d. Hochstifts Hildesheim I, 1896;
    Westfäl. UB VI, 1898, X, 1940;
    Die Urkk. Heinrichs d. Löwen, 1949;
    W. v. Mandelsloh, Aus d. Regierungszeit d. Hzg. Albrecht v. Sachsen u. Lüneburg, in: Zs. d. Hist. Ver. f. Niedersachsen, 1909;
    H. H. v. Reden, Neue Erkenntnisse üb. d. Gedenkstein b. Schloß Ricklingen, in: Hannov. Geschl.bll. NF 34, 1980;
    Mandelsloh, Btrr. z. älteren Gesch. d. Dorfes u. s. Umgebung, 1985;
    Zedler;
    vgl. auch W. Samse, Die Zentralverwaltung in d. welf. Landen …, 1940;
    H. J. v. d. Ohe, Die Zentral- u. Hofverwaltung d. Fürstentums Lüneburg, 1955. – Zur Genealogie: H. H. v. Redensche Slg. im Hauptstaatsarchiv Hannover. – Zu Andreas ( 1585): ADB 20 (auch f. Heino);
    E. Heyken, Chroniken d. Bischöfe v. Verden aus d. 16. Jh., 1983 (auch f. Heino, C. Hubernius u. J. J. Kelp); – zu J. J. Kelp:
    O. Voigt, in: Stader Jb. 1970;
    zu Andreas
    ( 1666): ADB 20;
    E. Weise, A. v. M., d. letzte Verwalter d. erzbischöfl. Archivs, in: Jb. d. Männer v. Morgenstern 42, 1961;
    zu Ernst:
    Leichenpredigt (Staatsarchiv Magdeburg);
    J. Voigt, Mgf. Albrecht Alkibiades …, 2 Bde., 1852;
    F. Ortloff, Gesch. d. Grumbachschen Händel, 4 Bde., 1868-70;
    W. Rachfahl, Wilhelm v. Oranien u. d. niederländ. Aufstand, 3 Bde., 1906-08;
    A. Neukirch u. a., Renaissanceschlösser in Niedersachsen, Textbd. 2, 1939;
    H. Gringmuth-Dallmer, Häuserbuch d. Stadt Magdeburg II, 1956;
    Biogr. Woordenboek d. Nederlanden XII, 1, 1869;
    zu Johann Albrecht:
    ADB 20;
    A. Gabriel, Die Erforschung Persiens, 1952;
    Biogr. Lex. f. Schleswig-Holstein u. Lübeck III, 1974 (W, L, P); – zu Hermann Clamor:
    G. M. C. Masch, Gesch. d. Bistums Ratzeburg, 1835;
    zu Ernst August:
    G. M. Lechner, in: Ausst.kat. Göttweig 27, 1978 (L, P);
    E. A. v. M., Gal. Beithner-Lichtenfels Wien, 1985;
    Vollmer.

  • Autor/in

    Hans-Jürgen Rieckenberg
  • Empfohlene Zitierweise

    Rieckenberg, Hans Jürgen, "Mandelsloh, von" in: Neue Deutsche Biographie 16 (1990), S. 10-12 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd139788603.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA