Lebensdaten
1782 bis 1862
Geburtsort
Goch/Niederrhein
Sterbeort
Duisburg
Beruf/Funktion
Chemieindustrieller
Konfession
reformiert
Normdaten
GND: 13691344X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Curtius, Friedrich Wilhelm

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Zitierweise

Curtius, Friedrich Wilhelm, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd13691344X.html [14.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Dr. med. Caspar Ludw. (1746–97), Stadt- u. Amtsphysikus in Goch, S des Arnold (1697–1774) aus Bremen, Bgm. in Lippstadt, u. der Dorothea Friederica Butte;
    M Johanna (1746–84), T des Pfarrers Joh. Peter Fabritius (1700–74) an der ref. Gemeinde in Krefeld, u. der Agneta Ricken;
    1815 Theodore (1794–1868), Wwe des Amsterdamer Kaufm. Joh. Gerh. Sigrist, T des Aug. Theod. Pilgrim (1745–1804), Mineralbrunnenverwalter in Fachingen, u. der Wilh. Christine Overgott;
    4 S, 7 T, u. a. Julius s. Genealogie (3), Frdr. (1832–1905, 1855 Anna [1833–1902], Schw des Musikschriftstellers Ludwig Nohl [1837–85, s. ADB XXIII] u. des Architekten Max Aug. Nohl [1830–63, s. ThB]), Teilhaber der Firma, Bertha (1816–84, 1839 Mathieu Elie Matthes [1808–68], chemischer Industrieller in Duisburg), Auguste (1820–50, 1842 Alex. v. Asten [1814–91], V des Astronomen Emil v. Asten [ 1878, s. NDB I]), Emma (1827–86, 1852 Duisburger Tabakfabrikanten Otto Carstanjen [1826–88]); Stiefsohn Aug. Sigrist (* 1811) Kaufm. Leiter der Chemischen Fabr. Neuschloß (Worms);
    E Theodor s. (3), Ernst Matthes (1848–1906, 1873 Agnes, T des Bremer Reeders Christian Heinr. Wätjen [1813–1887]), gründete eine Baumwollspinnerei in Düsseldorf.

  • Leben

    Im Alter von 15 Jahren begann C. sich mit der Pharmazie zu beschäftigen. Er lief 1801 seinem Vormund davon und fuhr nach Amerika mit dem Wunsch, sich dort an A. von Humboldt anzuschließen und an seinen Forschungsreisen teilzunehmen. Enttäuscht kehrte er schon im folgenden Jahr zurück und wählte die Stadt Duisburg zu seiner zweiten Heimat und die kaufmännische Laufbahn als Beruf. Nach Tätigkeit als Buchhalter und Reisender bei einer Materialwaren- und Weinhandlung gründete er 1815 eine Drogenund Farbengroßhandlung. Innerlich unbefriedigt ging er, 42 Jahre alt, vom Handel zur anorganisch-chemischen Fabrikation über. Durch die Gründung (1824) einer Schwefelsäurefabrik als erstem Duisburger Industriewerk begründete er einerseits die weltbedeutende chemische Großindustrie am Niederrhein, andererseits die industrielle Entwicklung der damals unbedeutenden Stadt Duisburg. 1838 gründete er zusammen mit seinem Schwiegersohn Matthes und seinem früheren Lehrling Karl August Weber zur Weiterverarbeitung seiner Schwefelsäure die erste westdeutsche Sodafabrik („Matthes & Weber“, heute Bestandteil von Henkel & Cie.) nach dem Leblanc'schen Verfahren, das er auf seinen Reisen in England kennengelernt haben mochte. Dieser Fabrik gliederte er zehn Jahre später eine Chlorkalkfabrik an. 1840 übernahm er eine kleine Alaunfabrik und erweiterte diese zu einer Alaun- und Tonerdesulfatfabrik („Friedrich C. & Co.“). 1849 schließlich gründete er mit seinem Sohne Julius zur Ausnutzung beziehungsweise Weiterverarbeitung seiner bisherigen Erzeugnisse eine Ultramarinfabrik („Julius Curtius“), deren Farben damals zu den „hervorragendsten Leistungen der chemischen Industrie Deutschlands“ gerechnet wurden. Trotz der selbständigen Rechtsformen seiner einzelnen Gründungen behielt C. jeweils die Oberleitung, namentlich die Finanzierung, und gab diese erst 1857 an seine Söhne ab. - Auch mit dem Syndikatsgedanken der chemischen Industrie ist C. Name unlöslich verbunden. Von ihm stammte|der erste Gedanke eines Zusammenschlusses innerhalb der chemischen Industrie. 1854 besuchte er die bedeutenderen westdeutschen Schwefelsäurefabriken. Seine Anregungen zur Vermeidung des bisherigen maßlosen Wettbewerbs durch gegenseitige Verständigung fiel auf fruchtbaren Boden: noch im gleichen Jahr kam die erste deutsche „Schwefelsäure-Konvention“ zustande, zwei Jahre darauf die „Soda-Konvention“, welche beide eine gewinnbringende Preisstabilität zur Folge hatten und sich jahrzehntelang äußerst günstig auf die Aufwärtsentwicklung der chemischen Großindustrie auswirkten. Hier, mit dem Syndikatsgedanken wie mit der frühzeitigen Erkenntnis, daß ein Zusammenschluß von Werken der Anfangs-, Zwischen- und Endproduktion von größtem wirtschaftlichen Vorteil sei, beschritt C. einen Weg etwa ein halbes Jahrhundert früher als allgemein geschehen.

  • Literatur

    O. Most, Handelskammer u. Wschft. am Niederrhein, Zum 100jähr. Bestehen d. Niederrhein. Industrie- u. Handelskammer Duisburg-Wesel, 1931;
    W. Däbritz, E. Matthes &
    Weber AG., Duisburg, Die Entwicklung einer chem. Fabrik in 100 J., 1838-1938, 1938 (P);
    75 J. Duisburger Kupferhütte 1876-1951, 1951;
    J. Wilden, Gründer u. Gestalter d. Rhein-Ruhr-Industrie, 1951;
    75 J. Chemieverband, 1952.

  • Autor/in

    Albert Mühl
  • Empfohlene Zitierweise

    Mühl, Albert, "Curtius, Friedrich Wilhelm" in: Neue Deutsche Biographie 3 (1957), S. 444 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd13691344X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA