Lebensdaten
1750 bis 1813
Geburtsort
Claußnitz bei Chemnitz
Sterbeort
Halle/Saale
Beruf/Funktion
Stadtsingechordirektor in Halle ; Musiktheoretiker ; Musikpädagoge ; Komponist ; Organist
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 119127709 | OGND | VIAF: 69063932
Namensvarianten
  • Türk, Daniel Gottlob
  • Türk, Daniel Gottlob
  • Tuerck, Daniel Gottlob
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Objekt/Werk(nachweise)

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Zitierweise

Türk, Daniel Gottlob, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119127709.html [28.10.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Daniel (auch: Türcke) (um 1720–70), aus Grüna, Musiker, Schreiber, Strumpfwirker;
    M Maria Rosine Müller (um 1724–93), aus Diethensdorf;
    2 B (1 früh †) Christian Friedrich (1755-um 1798), Musiker, Strumpfwirker, 1 Schw Maria Rosina Ahner (* um 1748);
    Hohenthurm b. Halle 1783 Johanna Dorothea Rosine (1763–1808), T d. Johann Constantin Schimmelpfennig, Kammerdiener am hzgl. Hof in Weimar;
    1 S Wilhelm August (1785–1853, ⚭ Wilhelmine Kayser), 1813 Polizeidir. in H., 1817–33 OB in Erfurt, danach bis 1850 Landrat ebd., 2 T (1 früh †) Ferdinande (* 1797), Pianistin.

  • Leben

    T. wurde vom Vater im Violinspiel unterrichtet und zum Strumpfwirker ausgebildet. Während seiner Zeit an der Kreuzschule Dresden 1764–67 war T. Schüler im Kreuzchor bei Gottfried August Homilius (1714–85), einem ehemaligen Schüler Johann Sebastian Bachs (1685–1750), und erhielt Unterricht in Klavier, Orgel, Violine und mehreren Blasinstrumenten. 1772–74 folgte ein Studium an der Univ. Leipzig, u. a. bei Johann Adam Hiller (1728–1804) und Johann Wilhelm Häßler (1747–1822). Zu dieser Zeit war T. bereits als Violinist tätig. 1774 siedelte er nach Halle/Saale über, wo er knapp vier Jahrzehnte das städtische Musikleben prägte. Als Klavierlehrer und Komponist hatte er einen großen Schülerkreis, zu dem u. a. Adolf Bernhard Marx (1795–1866) und Carl Loewe (1796– 1869) zählten. Bis 1787 war T. als Ulrichskantor und Lehrer am Luth. Gymnasium tätig. 1779 wurde er zum Universitätsmusikdirektor ernannt, wozu auch die Lehre in Musiktheorie und Tonsatz gehörte. 1787 übernahm T. den Dienst als Organist der Marktkirche und als städtischer Director musices, die leitende kirchenmusikalische Stelle der Stadt. In dieser Position trat er die Nachfolge von Friedrich Wilhelm Zachow (1663– 1712) und Wilhelm Friedemann Bach (1710–84) an. Besondere Aufmerksamkeit fanden seine Aufführungen mehrerer Händelscher Oratorien, so u. a. 1803 die Aufführung des Messias in der Bearbeitung von Mozart, die die Händel-Renaissance in Halle begründeten. 1808 verlieh ihm die Univ. Halle den Grad eines Dr. h. c. und bestellte ihn zum „Professor der Musik“; im selben Jahr wurde er zudem Direktor des Stadtsingechors. Dessen Hauptaufgabe war die Gestaltung der Gottesdienste, in eingeschränktem Maße durften die Chorknaben auch an Opernaufführungen mitwirken.

    T. komponierte zahlreiche Stücke für Klavier, Sinfonien, Kantaten, Opern und Lieder. 1776 wurde eine erste Sammlung mit sechs Klaviersonaten veröffentlicht, im Jahr darauf dann der zweite Teil mit ebenso vielen Sonaten. Nach der Publikation einer Liedsammlung und des Klavierauszugs von „Der Sieg der Maurerey“, einer Freimaurerkantate, erschienen 1780–89 sechs weitere Sammlungen mit je sechs Klaviersonaten. T.s Kompositionen für Klavier – geprägt durch Einfachheit im besten Sinne sowie pädagogischen Hintergrund – erfreuten sich großer Beliebtheit bei einem breiten Publikum. T. komponierte auch zahlreiche Lieder, mindestens eine Sinfonie und zwei Opern. Die Lieder sind nur teilweise überliefert, für die Sinfonie liegen mehrere Abschriften vor, die beiden Opern „Damon und Pythias“ sowie „Pyramus und Thisbe“, entstanden zu Beginn der 1780er Jahre, sind dagegen nicht erhalten. Neben Liedern für Singstimme und Klavier sind a capella-Chorgesänge für den Stadtsingechor überliefert. Vielfach bildeten empfindsame Dichtungen der Zeit, wie z. B. von Karl Wilhelm Ramler (1725–98) und Friedrich Gottlieb Klopstock (1724–1803) die textliche Grundlage. T. leistete darüber hinaus auch einen Beitrag zur Kirchenmusik, so komponierte er u. a. elf Kirchenkantaten, angesiedelt im gattungskonzeptionellen Umbruch von Kantaten aus Rezitativen und Arien im Stile J. S. Bachs hin zum moderneren Typus der Verskantate in Strophenform, wie sie Hiller entwickelte. Als T.s bedeutendste Kantate gilt „Die Hirten bey der Krippe zu Bethlehem“ von 1781.

    In seinen Schriften verknüpfte T. pädagogischen mit musiktheoretischem Anspruch.|

    1787 erschien „Von den wichtigsten Pflichten eines Organisten“. Eine breit angelegte Bildungsästhetik im Geiste der Aufklärung zeigt die „Klavierschule, oder Anweisung zum Klavierspielen für Lehrer und Lernende“ (1789, 2 1802). Dabei ging T. über die Grundlagen für eine Klavierschule hinaus und verband die Erläuterung zu Tempoangaben mit „dem Charakter eines Tonstückes“ (1. Kap., 5. Abschn.). Die an Klavierschüler, Musiklehrende und -forschende gerichtete Publikation wurde zu seinem bekanntesten Werk. Nach der „Kurze(n) Anweisung zum Generalbaßspielen“ (1791, 5 1841) entstanden weitere Werke wie die „Anleitung zu Temperaturberechnungen“ (1806, kriegsbedingt 1808 publiziert). Hierin lieferte T. eine Übersicht über den aktuellen musiktheoretischen Stand, stellte Positionen seiner Kollegen z. B. die Temperaturen betreffend kritisch gegenüber und kommentierte einzelne Theorien wie die Johann Philipp Kirnbergers (1721–83) ausführlich.

    Bemerkenswert bleibt das breitgefächerte Spektrum von weltlicher und kirchlicher Musik mit pädagogischem Anspruch sowie die Einbindung musiktheoretischer Grundlagen in T.s Werk, mit dem er in städtischen Diensten über mehrere Dekaden für die bürgerliche Musikkultur prägend blieb.

  • Werke

    Weitere W u. a. Schr.: Anltg. zu Temperaturberechnungen, f. diejenigen, welche in d. arithmet. Theile d. Musik keinen mündl. Unterr. haben können; insbes. aber f. d. Besitzer d. Kirnbergerschen Werkes: Die Kunst d. reinen Satzes, 1808, Nachdr. 1999; – W-Verz.:
    Eberl-Ruf, 2011 (s. L); – zahlr. Qu:
    Archiv Dietmar Pätzold, Claußnitz.

  • Literatur

    L ADB 39;
    J. G. E. Maaß, D. G. T., in: Leipziger Allg. musikal. Ztg. 16, 1814, Nr. 37, Sp. 609–12, Nr. 42, Sp. 697–704, Nr. 43, Sp. 713–20, Nr. 44, Sp. 729–36, Nr. 45, Sp. 745–54, Nr. 48, Sp. 797–800;
    H. Glenewinkel, D. G. T. nebst e. Überblick über d. Hallische Musikleben seiner Zeit, 1909;
    K. Eberl, D. G. T., ein universeller Organisator d. hall. Musiklebens, in: Musikkonzepte – Konzepte d. Musikwiss., 1998, S. 99–106;
    dies., K. Musketa u. W. Ruf (Hg.), D. G. T., Theoretiker, Komp., Päd. u. Musiker, Ber. über d. wiss. Konferenz anlässl. d. 250. Geb.tages, 2002;
    M. Aschauer, Hdb. Clavier-Schule, 32 dt. Lehrwerke d. 18. Jh. im Überblick, 2011;
    K. EberlRuf, D. G. T., ein städt. Musiker im ausgehenden 18. Jh., 2011 (W-Verz., Qu- u. L-Verz., Nachlaß-Verz., P);
    E. L. Gerber, Neues hist.-biogr. Lex. d. Tonkünstler, 1814;
    R. Eitner, Biogr.-Bibliogr. Quellen-Lex. d. Musiker u. Musikgelehrten, 1903;
    Riemann;
    New Grove; MGG².

  • Portraits

    P Tusche-Schattenzeichnung, 1780 (ehem. Slg. Aloys Fuchs, 1799–1853), Abb. in: G. E. Hedler, D. G. T. (1750–1813), 1938, n. S. 74; Punktierstich v. L. Mayer, um 1800 (Claußnitz, Ev. Kirchgde. u. Archiv Dietmar Pätzold, Claußnitz), Abb. in: EberlRuf, 2011 (s. L), S. II; Stich u. Zeichnung (Porträtslg. im StadtA Halle)

  • Autor/in

    Rebecca Wolf
  • Empfohlene Zitierweise

    Wolf, Rebecca, "Türk, Daniel Gottlob" in: Neue Deutsche Biographie 26 (2017), S. 498-499 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119127709.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Türk: Daniel Gottlob T., ein Componist und Theoretiker, geboren am 10. August 1756 zu Claußnitz bei Chemnitz und am 26. August 1813 zu Halle a./S. Er besuchte die Kreuzschule in Dresden und wurde Schüler des Homilius. Hier lernte er Violine, Clavier, Orgel und fast alle Blasinstrumente spielen. 1772 bezog er die Leipziger Universität und wurde zugleich Schüler Hiller's, der ihn auch als Violinisten zu seinen Concerten heranzog. 1776 erhielt er in Halle das Cantorat, verbunden mit der Lehrerstelle am lutherischen Gymnasium, 1779 wurde er Universitäts-Musikdirector und 1787 Organist an der Liebfrauenkirche; die Cantor- und Lehrerstelle gab er nun auf. Hier wirkte er bis an sein Lebensende und trotz der Bescheidenheit der Verhältnisse, fühlte er sich glücklich und zufrieden und suchte in der Arbeit, in seiner Kunst die Befriedigung. Das Verzeichniß seiner Werke, sowohl theoretischen Inhalts, als Lehrbücher (Schulen) und Compositionen ist ganz bedeutend und unsere großen Bibliotheken sind reichlich damit versorgt. Gerber im neuen Lexikon widmet seinem Wirken sehr warme Worte und fügt dem bei, daß man doch so einem Manne auch ein auskömmliches Gehalt geben müßte. Doch die Mahnung war in den Wind gesprochen. Ich führe seine Werke nur summarisch an: Ein Oratorium, eine Cantate, mehrere Liederhefte, zahlreiche Sonaten für Clavier, im leichteren und schwereren Stile, 4händige Clavierstücke, kleinere Clavierstücke, eine Clavierschule in mehreren Ausgaben, eine Anweisung zum Generalbaßspielen in 5 Auflagen, eine Anleitung zur Temperaturberechnung, eine Anleitung zur Disposition der Orgelstimmen, von den wichtigsten Pflichten eines Organisten, ein Choralbuch und ein Beitrag zur Verbesserung der musikalischen Liturgie. Die Zeitgenossen schätzten seine Lehrbücher sehr, wovon schon die mehrfachen Auflagen Zeugniß ablegen, während seine Compositionen, die mehr den berechnenden Theoretiker als den phantasiereichen Künstler erkennen lassen, sehr bald in das Reich der Vergessenheit wanderten.

    • Literatur

      Forkel, Almanach für 1782, S. 82 und kritische Bibliothek II, 301. — Allgem. Leipz. Musikztg., Nekrolog 15, 600, Biographie 16, 609, 697 nebst Verz. seiner Werke. — Gerber, altes und neues Lexikon.

  • Autor/in

    Rob. Eitner.
  • Empfohlene Zitierweise

    Eitner, Robert, "Türk, Daniel Gottlob" in: Allgemeine Deutsche Biographie 39 (1895), S. 12 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119127709.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA